StartAsienUsbekistanKalon Minarett in Bukhara, Usbekistan - Symbol der Seidenstraße

Kalon Minarett in Bukhara, Usbekistan – Symbol der Seidenstraße

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Kalon Minarett in Bukhara, Usbekistan – Symbol der Seidenstraße

Das Kalon Minarett ist das Wahrzeichen Bukharas (Buxoro). Das Kalon Minarett ist ein Symbol für die Seidenstraße. Das Kalon Minarett prägt seit Jahrhunderten das Bild der Stadt. Das sind nur einige Dinge, die Reisenden auffallen, die das Minarett hautnah in Bukhara gesehen haben.

Schon von weitem sichtbar, war es einst Orientierungspunkt für Karawanen auf der Seidenstraße und gilt bis heute als Symbol der Stadt. Errichtet im 12. Jahrhundert unter der Herrschaft der Karakhaniden, hat es die Zeiten von Glanz, Zerstörung und Wiederaufbau überstanden.

Das Minarett ist weit mehr als nur ein architektonisches Meisterwerk. Es ist Träger von Geschichten, Legenden und Traditionen, die tief im Bewusstsein der Menschen verankert sind. Von religiöser Nutzung bis hin zu seiner Rolle als Wahrzeichen erzählt es von der engen Verbindung zwischen Glauben, Macht und Kultur in Zentralasien.

Seine Form und Proportionen beeindrucken ebenso wie seine Standhaftigkeit über beinahe neun Jahrhunderte hinweg. Dass es sogar die mongolischen Eroberungen überstand, machte es zu einem Symbol der Unvergänglichkeit. Kein anderes Bauwerk Bucharas wird so stark mit der Identität der Stadt verbunden.

Diese Einleitung soll den Blick öffnen für die vielfältigen Facetten des Kalon-Minaretts – seine Geschichte, seine architektonische Besonderheit und die Mythen, die sich um den hohen Ziegelturm ranken. Denn wer das Minarett betrachtet, blickt nicht nur auf ein Bauwerk, sondern auf ein Stück lebendiger Vergangenheit.

Daten und Fakten zum Kalon Minarett

  • Bauzeit: 1127 n. Chr., errichtet unter Arslan Khan (Karakhaniden-Dynastie).
  • Architekt: In Inschriften wird ein Baumeister namens Bako genannt.
  • Material: Gebrannte Ziegel, kunstvoll in Ringen und Mustern angeordnet.

Maße des Kalon Minaretts

  • Höhe: ca. 45,6–47 m
  • Durchmesser unten: ca. 9 m
  • Durchmesser oben: ca. 6 m
  • Mauerstärke am Sockel: ca. 2 m

Aufbau des Kalon Minaretts

  • Zylindrischer Turm mit leichter Verjüngung nach oben.
  • Gliederung durch horizontale Ziegelbänder und ornamentale Muster.
  • Obere Galerie mit 16 Rundbogenöffnungen, über denen der Muezzin den Gebetsruf aussprach.
  • Verbindung zur Kalon-Moschee durch einen überdachten Gang.

Nutzung und Besonderheiten

  • Diente als Ort für den Gebetsruf (Azan).
  • War weithin sichtbares Wahrzeichen und Orientierungspunkt für Reisende.
  • Überstand als eines der wenigen Gebäude die Zerstörung Bucharas durch die Mongolen.
  • Im Volksmund auch als „Turm des Todes“ bekannt, da in späteren Jahrhunderten von der Galerie Verurteilte hinabgestürzt sein sollen.
  • Wahrzeichen Bucharas und Teil des Poi-Kalon-Komplexes

Die Baugeschichte des Kalon Minaretts

Die Entstehung unter den Karakhaniden (12. Jahrhundert)

Die Geschichte des Kalon-Minaretts beginnt im Jahr 1127, als es unter der Herrschaft des Karakhanidenfürsten Arslan Khan errichtet wurde. Nach Inschriften, die am Bau überliefert sind, war ein Architekt namens Bako für das Projekt verantwortlich.

Die Karakhaniden hatten zu dieser Zeit Bukhara als eines ihrer wichtigsten politischen und religiösen Zentren etabliert, und es war ihr Ziel, der Stadt ein Bauwerk zu schenken, das sowohl die Gläubigen beeindruckte als auch ihre Macht sichtbar machte.

Das Minarett wurde aus gebrannten Ziegeln erbaut und war mit knapp 46 Metern Höhe ein Meisterwerk der Ingenieurskunst seiner Epoche. Die Architekten wählten eine zylindrische Form, die sich nach oben hin verjüngt, und verstärkten den Sockel mit Mauern von bis zu zwei Metern Stärke.

Der Bau war nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional: Von der oberen Galerie konnte der Muezzin den Gebetsruf ausrufen, der weit über die Stadt hinaus hörbar war. Damit war das Minarett zugleich religiöses Werkzeug und Wahrzeichen.

Überleben in der Zeit der Mongolen (13. Jahrhundert)

Ein entscheidender Einschnitt in der Geschichte Bucharas war die Eroberung durch Dschingis Khan im Jahr 1220. Die Mongolen zerstörten große Teile der Stadt, darunter Moscheen, Medresen und Wohnviertel. Viele Bauwerke wurden niedergebrannt, geplündert oder dem Erdboden gleichgemacht.

Das Kalon-Minarett jedoch blieb erhalten – und gerade daraus entstand eine der bekanntesten Legenden: Dschingis Khan soll so beeindruckt von dem Bauwerk gewesen sein, dass er befahl, es nicht zu zerstören. Ob dies historisch zutrifft, bleibt unsicher, doch unbestritten ist, dass das Minarett die Katastrophe überstand, während die damalige Moschee an seiner Seite in Flammen aufging.

Damit wurde es zum Symbol der Beständigkeit inmitten der Zerstörung und trug wesentlich dazu bei, dass es später zum Zentrum des erneuerten Moscheekomplexes wurde.

Wiederbelebung und Nutzung im Spätmittelalter (14.–15. Jahrhundert)

Nach der mongolischen Zeit blieb das Minarett bestehen, auch wenn die dazugehörigen Bauwerke mehrmals erneuert oder ganz ersetzt werden mussten. Im 14. und 15. Jahrhundert erlebte Bukhara unter den Timuriden eine kulturelle Blüte, und das Minarett wurde als Orientierungspunkt der Stadt weiterhin genutzt.

Während viele andere Bauten aus dieser Zeit neue dekorative Ausgestaltungen erfuhren, blieb die Form des Minaretts unverändert. Sein Nutzen war so klar und bewährt, dass es keiner grundlegenden baulichen Veränderung bedurfte. Die Stabilität der Konstruktion erwies sich über Generationen hinweg als vorbildlich.

Einbindung in den Shaybaniden-Komplex (16. Jahrhundert)

Die heutige Gestalt des gesamten Poi-Kalon-Komplexes entstand im frühen 16. Jahrhundert unter den Shaybaniden, genauer gesagt unter der Herrschaft von Ubaidullah Khan (1534–1539).

Damals wurde die große Kalon-Moschee in der heutigen Form neu errichtet und direkt mit dem Minarett verbunden. Über einen überdachten Gang gelangte man von der Moschee auf die Galerie des Turms.

Das Minarett erhielt dabei keine tiefgreifenden strukturellen Veränderungen, sondern wurde in den neuen Komplex integriert. Es fungierte als markanter Orientierungspunkt und überragte die Moschee sowie die benachbarte Mir-i-Arab-Medrese.

Damit war es endgültig nicht nur ein religiöses Hilfsmittel, sondern ein fest verankerter Bestandteil der repräsentativen Stadtarchitektur.

Mythen und Missbrauch in späteren Jahrhunderten (17.–19. Jahrhundert)

Neben seiner religiösen Nutzung ranken sich düstere Geschichten um das Minarett. Ab dem 17. Jahrhundert wurde es auch als Ort der Hinrichtungen genutzt: Verurteilte sollen von der Galerie hinabgestürzt worden sein – weshalb es im Volksmund den Beinamen „Turm des Todes“ erhielt. Historisch belegt ist, dass solche Strafen noch im 19. Jahrhundert praktiziert wurden.

Gleichzeitig blieb das Minarett jedoch in erster Linie ein Zeichen der Stadt. Reisende auf der Seidenstraße beschrieben, wie sie den Turm schon aus weiter Entfernung erblickten. Für Händler und Pilger war er ein Symbol, dass sie Bukhara erreicht hatten – eine Mischung aus Orientierungshilfe, Landmarke und spirituellem Zeichen.

Restaurierungen und Erhalt im 20. Jahrhundert

Mit der Eingliederung Bucharas in das Russische Reich Ende des 19. Jahrhunderts und später in die Sowjetunion wurde auch das Minarett zunehmend als historisches Denkmal betrachtet. Während der sowjetischen Zeit verfiel es zeitweise, doch mehrere Restaurierungen verhinderten den vollständigen Verfall. Besonders in den 1920er und 1960er Jahren wurden Maßnahmen ergriffen, um die Stabilität des Turms zu sichern.

1997, anlässlich des 2500-jährigen Stadtjubiläums von Bukhara, erfolgte eine weitere umfassende Restaurierung. Dabei wurden Ziegelstrukturen gefestigt, beschädigte Partien ausgebessert und das Umfeld neu gestaltet. Ziel war es, das Minarett als zentrales Wahrzeichen der Stadt hervorzuheben und für die Nachwelt zu erhalten.

Das Kalon-Minarett heute

Heute gilt das Kalon-Minarett als Symbol von Bukhara und als eines der bekanntesten Bauwerke Usbekistans. Es ist Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und zieht jährlich Tausende Besucher aus aller Welt an. Trotz seines hohen Alters wirkt es unverändert eindrucksvoll – ein Zeugnis mittelalterlicher Ingenieurskunst, das fast neun Jahrhunderte überdauert hat.

Seine Baugeschichte zeigt, wie sich religiöse, politische und gesellschaftliche Entwicklungen an einem einzigen Bauwerk ablesen lassen. Vom stolzen Symbol der Karakhaniden über das Überleben der Mongolenzeit bis zur Integration in den Shaybaniden-Komplex und seiner heutigen Rolle als Denkmal verbindet das Minarett die Vergangenheit mit der Gegenwart.


Architektonische Besonderheiten des Kalon-Minaretts

Das Kalon-Minarett in Bukhara gehört zu den bedeutendsten Meisterwerken mittelalterlicher Baukunst in Zentralasien. Seine architektonische Besonderheit liegt in der klaren, zugleich eleganten Formensprache, der durchdachten Konstruktion und dem konsequenten Einsatz traditioneller Materialien.

Das Minarett erhebt sich zylindrisch in den Himmel und erreicht eine Höhe von rund 46 Metern. Von unten nach oben verjüngt sich der Turm sanft, was nicht nur ästhetisch ansprechend wirkt, sondern auch statische Vorteile bietet.

Der Durchmesser beträgt am Fundament etwa 9 Meter und verringert sich bis zur Spitze auf rund 6 Meter. Dadurch erhält der Bau eine schlanke Silhouette, ohne an Stabilität einzubüßen.

Ein wesentliches Merkmal ist die klare Gliederung durch horizontale Bänder. Diese bestehen aus ornamental gemauerten Ziegelreihen, die den Turm in Abschnitte teilen und optisch strukturieren.

Insgesamt lassen sich zehn solcher Bänder unterscheiden, die sich wie Gürtel um den Schaft des Minaretts legen. Die Variationen in den Mustern – darunter Rauten, Zickzacklinien und geometrische Flechtwerke – zeigen die Virtuosität der Baumeister.

Die Krönung des Minaretts bildet eine Galerie mit 16 Rundbogenöffnungen, die dem oberen Abschluss Leichtigkeit verleihen. Von hier aus wurde traditionell der Gebetsruf ausgerufen. Die Galerie ruht auf einem vorkragenden Zinnenkranz, der das Gewicht gleichmäßig verteilt und gleichzeitig als markanter Abschluss wirkt.

Baumaterialien und Technik am Kalon Minarett

Das Kalon-Minarett ist vollständig aus gebrannten Ziegeln errichtet, einem im zentralasiatischen Raum seit der Antike bewährten Material. Die Wahl des Ziegels war nicht nur praktisch, sondern auch ästhetisch sinnvoll.

Gebrannte Ziegel sind widerstandsfähig gegen Hitze, Trockenheit und Temperaturschwankungen – klimatische Bedingungen, die in Bukhara besonders ausgeprägt sind.

Die Ziegel wurden in verschiedenen Größen gebrannt und sorgfältig vermauert, sodass sie nicht nur tragfähig, sondern auch dekorativ wirken konnten.

Die ornamentalen Bänder sind ausschließlich durch die Anordnung der Ziegel entstanden – ohne zusätzliche Glasur oder Fayence, wie sie später an der Kalon-Moschee zu finden ist. Diese reine Backsteinarchitektur verleiht dem Minarett eine zeitlose Strenge und zugleich eine subtile Vielfalt.

Die Fundamentzone besteht aus besonders dicken Ziegelmauern, die bis zu zwei Meter stark sind. Diese massive Basis trägt den schlanken Schaft des Turms und sorgt für Stabilität, auch bei Erdbeben oder starken Winden. Die Konstruktion ist so robust, dass das Minarett fast neun Jahrhunderte ohne grundlegende Schäden überstanden hat.

Das Minarett im Islam – Ursprünge, religiöse und weltliche Funktionen

Das Minarett ist eines der bekanntesten architektonischen Elemente islamischer Baukunst. Es erhebt sich schlank und weithin sichtbar neben oder an einer Moschee und gilt als unverkennbares Symbol des Islams. Doch seine Bedeutung ist komplexer, als es auf den ersten Blick scheint: Das Minarett ist nicht nur religiöses Zeichen und funktionaler Ort für den Gebetsruf, sondern hat auch historische, soziale und sogar praktische Aufgaben übernommen – etwa als Signalturm oder zur Feuerbekämpfung. Ein Blick auf seine Ursprünge und Entwicklung verdeutlicht, wie vielschichtig die Geschichte dieses Bauwerks ist.

Ursprünge und Entwicklung des Minaretts

Die Bezeichnung „Minarett“ geht zurück auf das arabische Wort ‚manāra‘, das wörtlich „Ort des Lichts“ oder „Leuchtturm“ bedeutet. Ursprünglich wurden damit Türme oder Erhöhungen beschrieben, die weithin sichtbar waren und Reisenden als Orientierung dienten. Dass diese Funktion später auf die islamische Architektur übertragen wurde, ist naheliegend: Ein hoher Turm kennzeichnete die Moschee als zentrales religiöses Gebäude einer Stadt und machte sie auch für Außenstehende erkennbar.

Interessanterweise sind die ersten Moscheen zur Zeit des Propheten Mohammed (7. Jahrhundert) noch ohne Minarett errichtet worden. Die Funktion des Gebetsrufs (adhān), den der Muezzin fünfmal am Tag verkündet, geschah zunächst von Dachkanten oder einfach vom Eingang der Moschee aus. Erst im Verlauf des 8. Jahrhunderts begannen Herrscher und Architekten, eigene Türme für diesen Zweck zu errichten.

Dabei griff man wahrscheinlich auf bestehende architektonische Vorbilder zurück – etwa römische Wachtürme, christliche Kirchtürme oder zoroastrische Feuertempel. Das Minarett war somit nicht eine reine „Erfindung“ des Islams, sondern entstand durch eine kreative Aneignung älterer Bauformen, die für den neuen religiösen Kontext angepasst wurden.

Religiöse Bedeutung des Minaretts

Die wichtigste religiöse Funktion des Minaretts liegt im Ruf zum Gebet. Der Muezzin steigt den Turm hinauf, um von dort aus die Gläubigen mit dem ‚adhān‘ an ihre Pflicht zu erinnern. Durch die Höhe des Turms konnte seine Stimme in vormodernen Städten weitergetragen werden und möglichst viele Menschen erreichen. Auch wenn in der heutigen Zeit meist Lautsprecheranlagen diese Aufgabe übernehmen, bleibt der Turm symbolisch mit dem Gebetsruf verbunden.

Darüber hinaus ist das Minarett sichtbarer Ausdruck der Präsenz des Islams im Stadtbild. Ähnlich wie das Kreuz auf einer Kirche markiert das Minarett eine Moschee als heiligen Ort. Es ist Zeichen der Verbindung zwischen Himmel und Erde: Die vertikale Ausrichtung des Turmes kann als Symbol für das Streben des Menschen zu Gott gedeutet werden. Auch die oft kunstvoll verzierten Formen – ob zylindrisch, achteckig oder spiralförmig – tragen dazu bei, das Minarett als ästhetischen wie spirituellen Ausdruck zu verstehen.

Die Anzahl der Minarette konnte zudem religiös-politische Bedeutung haben. Während kleine Moscheen meist nur über einen Turm verfügten, besaßen große Freitagsmoscheen in wichtigen Zentren häufig vier oder sogar sechs Minarette. Das bekannteste Beispiel ist die Sultan-Ahmed-Moschee (sog. „Blaue Moschee“) in Istanbul mit sechs Türmen – eine Machtdemonstration, die zugleich den religiösen Stellenwert der Anlage betonte.

Weltliche und soziale Funktionen

Neben der religiösen Dimension spielte das Minarett auch in weltlichen Kontexten eine Rolle. In vielen Städten fungierte es als allgemeiner Signalturm. Von seiner Höhe aus konnte nicht nur der Gebetsruf erfolgen, sondern auch andere Mitteilungen weitergegeben werden – etwa die Verkündung politischer Entscheidungen oder das Ausrufen besonderer Ereignisse.

Ein weiteres Feld, das oft übersehen wird, ist die Funktion des Minaretts bei der Feuerbekämpfung. In dicht bebauten orientalischen Städten waren Brände eine ständige Gefahr. Da die Minarette die höchsten Gebäude weit und breit waren, eigneten sie sich hervorragend als Beobachtungsposten. Von oben konnte ein Muezzin oder Wächter schnell Rauch oder Flammen erkennen und Alarm schlagen. Damit trug das Minarett zur Sicherheit der städtischen Gemeinschaft bei.

Auch als Orientierungspunkte für Reisende oder Händler spielten Minarette eine Rolle. Sie ragten weit über die übrigen Bauten hinaus und waren schon von weitem sichtbar, ähnlich wie Leuchttürme an der Küste. So halfen sie, Städte zu finden oder sich in verwinkelten Straßennetzen zu orientieren.

Architektonische Vielfalt

Die Erscheinungsform der Minarette variiert je nach Region und Epoche erheblich. In Nordafrika sind sie meist quadratisch und massiv, während sie im osmanischen Raum schlank und nadelartig in den Himmel ragen. In Persien finden sich oft reich verzierte, mit Kacheln bedeckte Minarette, die die künstlerische Blüte islamischer Ornamentik widerspiegeln.

Diese architektonische Vielfalt verdeutlicht, dass das Minarett nicht nur funktional war, sondern auch kulturelle Identität ausdrückte. Jeder Herrscher und jede Dynastie versuchte, durch die Gestaltung der Türme ihre Macht, ihren Reichtum und ihren ästhetischen Anspruch sichtbar zu machen.

Moderne Entwicklungen

In der Gegenwart ist das Minarett Gegenstand intensiver Diskussionen, besonders in nicht-islamischen Ländern. Debatten über den Bau neuer Moscheen mit Minaretten, wie etwa in der Schweiz, haben gezeigt, dass der Turm nicht nur religiöses, sondern auch politisches Symbol sein kann. Während er für Muslime Ausdruck ihres Glaubens ist, wird er von manchen als Zeichen gesellschaftlicher oder kultureller Abgrenzung wahrgenommen.

Gleichzeitig behalten Minarette auch im modernen islamischen Kontext ihre Symbolkraft. Selbst wenn sie nicht mehr unbedingt für den Ruf zum Gebet gebraucht werden – da Lautsprecher und digitale Medien diese Funktion übernommen haben – bleiben sie integraler Bestandteil der Moscheearchitektur.

Das Minarett ist weit mehr als nur ein Turm an einer Moschee. Es vereint religiöse, weltliche und symbolische Funktionen: Es ruft die Gläubigen zum Gebet, markiert das Gotteshaus im Stadtbild, diente als Signalturm und Beobachtungsposten und prägt bis heute die architektonische Identität des Islams. Seine Ursprünge liegen in älteren Bauformen, die kreativ adaptiert wurden, um den Bedürfnissen einer neuen Religion gerecht zu werden.

Mit seiner Höhe und Präsenz verbindet das Minarett Himmel und Erde, Glaube und Gemeinschaft, Geschichte und Gegenwart. So bleibt es eines der wichtigsten und vielschichtigsten Zeichen islamischer Kultur – ein Bauwerk, das sowohl spirituelle Bedeutung als auch praktische Nützlichkeit in sich vereint.

Asiatische Minarette im Vergleich

Buchara (Usbekistan)

  • Kalon-Minarett (12. Jh.) – Tapernde, zylindrische Form mit leichter „Bauchung“ (Entasis). Umlaufende Ziegelbänder strukturieren den Schaft; oben eine Galerie auf Muqarnas-Kranz. Wirkt monumental und standhaft.
  • Chor-Minor (19. Jh.) – Vier Ziertürme mit stummeligen Schäften und zwiebelförmigen Kuppeln; eher dekorative Eckpavillons als funktionale Rufminarette.
  • Vabkent-Minarett (Ende 12. Jh., nahe Buchara) – Schlanker, stärker verjüngter Zylinderschaft; feine horizontale Bänderung. Eleganter, „nadeliger“, weniger massig als Kalon.
  • Portalflankierende Türme (z. B. an der Mir-i-Arab-Medrese) – Kürzere, in die Fassade integrierte Türme mit kleinem Umgang; dienen der Komposition der Portalansicht.

Vergleich mit anderen asiatischen Typen

  • Ghuridisch/Seldschukisch – Afghanistan/Iran – Minarett von Ǧām – Stark gegliederte, teils kannelierte Schäfte mit reicher Ziegel- und Kachelornamentik. Übergänge zwischen polygonalen und runden Segmenten.
  • Indo-islamisch – Indien – Qutb Minar – Deutlich gestuft mit mehrteiligen Abschnitten und regelmäßigen Balkonen. Abwechselnd flache und runde Kanneluren erzeugen ein rhythmisches Profil.
  • Osmanisch – Anatolien/Balkan – Minarett in Eger – Ungarn – Sehr schlanke ‚Bleistift‘-Formen mit kleinem Umgang und spitzem Helm (Konus). Oft entstanden mehrere Minarette pro Moschee.
  • Chinesisch-sinische Moscheeformen – China – Xinjiang Emin-Minarett – Pagodenartige, mehrgeschossige Türme auf quadratischem Grundriss; Holz- oder Ziegelkonstruktionen, formal näher an Pagoden als an west-asiatischen Minaretten.
  • Mesopotamisch (z. B. Samarra, Irak) – Spiralförmig umlaufende Rampen; monumental, aber eine Sonderform (hier der Vollständigkeit halber).


Legenden zum Kalon Minarett

Die Legende von Dschingis Khan

Eine der berühmtesten Legenden besagt, dass das Minarett im Jahr 1220 verschont blieb, als Dschingis Khan Bukhara eroberte. Seine Truppen zerstörten große Teile der Stadt, darunter die damalige Hauptmoschee.

Doch als Dschingis Khan das Minarett erblickte, soll er so beeindruckt gewesen sein, dass er es verschonte. Manche Erzählungen berichten, er habe den Kopf nach oben gewandt, den Turm lange betrachtet und dann gesagt: „Ein Werk, das die Menschen übersteigt, darf nicht zerstört werden.“ So erklärt man bis heute, warum gerade das Minarett die mongolische Invasion überstand.

Der ‚Turm des Todes‘

Eine dunklere Legende rankt sich um die Zeit nach dem Mittelalter. Demnach wurde das Minarett als Hinrichtungsstätte genutzt. Verurteilte sollen von der Galerie an der Spitze in die Tiefe gestürzt worden sein – eine grausame Strafe, die dem Turm den Beinamen ‚Turm des Todes‘ einbrachte.

Auch wenn diese Praxis historisch teilweise belegt ist, wird sie in den Legenden mit dramatischen Schilderungen ausgeschmückt: Manche erzählen, die Schreie der Opfer seien noch heute in den Nächten zu hören, wenn der Wind um die Galerie pfeift.

Das Licht in der Nacht

Eine volkstümliche Legende berichtet, dass auf der Spitze des Minaretts in alten Zeiten eine Lampe brannte, deren Licht weit in die Steppe hinausstrahlte. Reisende und Karawanen auf der Seidenstraße hätten sich daran orientiert, um Bukhara auch in der Dunkelheit zu erreichen.

Manche erzählen sogar, dass dieses Licht nie von Menschen entzündet wurde, sondern von Gott selbst gegeben war. Wenn es erlosch, bedeutete das ein Unglück für die Stadt.

Der Bau mit göttlicher Hilfe

Schließlich erzählt man sich, dass der Architekt Bako, der das Minarett im Auftrag von Arslan Khan errichtete, beim Bau Hilfe von Engeln erhielt. Die Höhe des Turms sei eigentlich unmöglich zu realisieren gewesen, doch die Engel hätten nachts die Mauern weiter hochgezogen, sodass das Werk in erstaunlich kurzer Zeit vollendet war.

Als Dank habe der Architekt seinen Namen in die Inschriften setzen dürfen – etwas, das in islamischer Baukunst selten war.

Fazit

Das Kalon-Minarett ist bis heute das bekannteste Wahrzeichen Bucharas und eines der beeindruckendsten Bauwerke Zentralasiens. Seit seiner Errichtung im Jahr 1127 hat es die Stadt überragt und den Menschen Orientierung gegeben. Es verkörpert die Stärke und Beständigkeit islamischer Baukunst.

Besonders bemerkenswert ist, dass das Minarett selbst die Zerstörungen durch die Mongolen überstand. Während ganze Stadtviertel in Flammen aufgingen, blieb der Turm erhalten. Diese Tatsache hat ihm einen legendären Ruf verliehen und macht es zu einem Symbol für Überdauerung und Schutz.

Seine architektonische Klarheit, die Zylinderform und die sorgfältig gemauerten Ziegelbänder verbinden Funktionalität mit Eleganz. Der Turm ist damit nicht nur ein religiöses Bauwerk, sondern auch ein Meisterstück mittelalterlicher Ingenieurskunst. Seine Stabilität zeugt von großem Können der Baumeister.

Heute ist das Kalon-Minarett ein Teil des UNESCO-Weltkulturerbes und zieht Besucher aus aller Welt an. Es ist ein Monument, das Geschichte, Legenden und Architektur miteinander vereint. Wer es betrachtet, blickt nicht nur auf ein Bauwerk, sondern auf fast neun Jahrhunderte lebendiger Vergangenheit.

Hier finden Sie weitere interessante Informationen zum Kalon Minarett:

https://www.eslam.de/begriffe/k/kalon-minarett.htm

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