Die Kalon Moschee in Bukhara (Buxoro), Usbekistan
Die Kalon Moschee in Bukhara (Buxoro) zählt zu den bedeutendsten Bauwerken in Usbekistan und auf der Seidenstraße. Die Kalon Moschee in Bukhara erhebt sich im Herzen der Stadt, die auch Buxoro genannt wird und wirkt durch ihre Größe und Harmonie besonders eindrucksvoll. Noch heute ist die Kalon Moschee ein Ort der Ruhe und Besinnung.
Ihr Name „Kalon“ bedeutet „groß“ oder „mächtig“ – und genau das spürt man beim Betreten des Hofes. Die weiten Flächen und die klaren Formen vermitteln ein Gefühl von Offenheit. Gleichzeitig bleibt die Architektur schlicht und ausgewogen.
Die Moschee wurde über viele Jahrhunderte hinweg genutzt und geprägt. Sie ist nicht nur ein religiöser Bau, sondern auch ein Symbol für die Geschichte und Kultur der Region. Besucher spüren hier die Verbindung von Glauben und Tradition.
Heute ist die Kalon Moschee ein beliebtes Ziel für Reisende aus aller Welt. Sie lädt ein, sich Zeit zu nehmen und den besonderen Ort wirken zu lassen. Zwischen Himmel, Kuppeln und Arkaden entfaltet sich eine Atmosphäre voller Gelassenheit.
Früheste Zeugnisse und Vorgängerbauten
Die Kalon Moschee steht an einem Ort, an dem offenbar schon früher religiöse Bauten existierten. Archäologische und schriftliche Quellen berichten, dass unter der jetzigen Moschee mindestens zwei ältere Moscheen lagen. Eine davon stammt aus der Zeit von Arslan-Khan (1102-1130), und eine weitere wurde in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts errichtet.
Diese Vorgängerbauten dürften in ihren Maßen und Funktionen bereits Teile dessen vorweggenommen haben, was später ausgebaut wurde. Sie dienten primär als Freitagsmoschee („Juma-Moschee“), wurden aber durch Krieg, Zerstörung (z. B. durch die Mongolen) und Verfall beschädigt.
Geschichte der Kalon Moschee in Bukhara (Buxoro)
Bau des Minaretts und mittelalterliche Phase
Ein besonders prägendes Element ist der Minarettturm, der sog. Minaret Kalon (oder Kalajan), der 1127 während der Herrschaft von Arslan-Khan aus gebranntem Ziegel errichtet wurde. Dieses Minarett ersetzte einen früheren Turm, der vermutlich aus Holz bestand und eingestürzt war.
Das Minarett hatte neben seiner religiösen Funktion auch symbolischen Charakter: es war weithin sichtbar, diente dem Gebetsruf (Azan) und war ein Zeichen der politischen und religiösen Bedeutung von Bukhara. Auch in schwierigen Zeiten blieb dieser Turm erhalten oder wurde wieder aufgebaut.
Neubau und Erweiterungen unter den Shaybaniden im 16. Jahrhundert
Die heutige Hauptstruktur der Kalon Moschee stammt im Wesentlichen aus dem 16. Jahrhundert, in der Zeit der Shaybaniden. Um 1514 wurde die Moschee umfassend erneuert, dekoriert und erweitert. Dabei kamen Kachel- und Majolikaverzierungen hinzu.
Der Neubau folgte dem Vorbild früherer Bauten, doch mit gesteigerter Monumentalität und kunstvolleren Dekorationen, besonders im Mihrab und an den Eingangsportalen. Die Moschee wurde zu einem der wichtigsten religiösen Zentren der Region. ([Neliti][1])
Zerstörungen, Restaurierungen und die jüngere Geschichte
Im Laufe der Jahrhunderte erlitt die Kalon Moschee Schäden durch Natur, Krieg und Vernachlässigung. So wurde sie während der mongolischen Eroberungen beschädigt, und Teile mussten mehrfach wiederhergestellt werden.
Eine bedeutende Restaurierung fand 1997 statt, anlässlich des 2500-Jahres-Jubiläums der Stadt Bukhara. Dabei wurden sowohl strukturelle als auch dekorative Elemente erneuert. Heutige Quellen beschreiben die Moschee als aktiv genutzter Ort des Gebets und ein wichtiges kulturelles Erbe, Teil des „Poi-Kalyan“-Komplexes, zu dem auch der Minarettturm und die Medrese Mir-i-Arab gehören.
Ein Zentrum des Glaubens
Die Kalon Moschee war über viele Jahrhunderte hinweg das Herz des islamischen Lebens in Bukhara. Als Freitagsmoschee („Juma-Moschee“) diente sie als der wichtigste Ort des kollektiven Gebets. Jeden Freitag strömten Gläubige aus der Stadt und aus den umliegenden Dörfern zusammen, um hier das Gemeinschaftsgebet abzuhalten und die Predigt (Khutba) zu hören. Diese Zusammenkünfte hatten nicht nur religiöse Bedeutung: Sie stärkten auch das Gefühl der Zusammengehörigkeit unter den Muslimen der Region.
Die Moschee war dabei nicht nur ein Raum des Gebets, sondern auch der Verkündung. Predigten enthielten religiöse Unterweisungen, aber oft auch Hinweise auf gesellschaftliche Fragen. Auf diese Weise war die Moschee ein Forum, in dem Religion und Alltag miteinander verknüpft wurden. Besonders in Zeiten politischer Unsicherheit bot sie den Menschen Halt und Orientierung.
Religiöse und soziale Bedeutung der Kalon Moschee
Rolle im städtischen Leben
Die Moschee prägte das soziale Gefüge von Bukhara. Sie lag mitten im Zentrum der Stadt und wurde so zum Dreh- und Angelpunkt vieler Begegnungen. Händler, Reisende, Gelehrte und Handwerker kamen nicht nur wegen des Gebets, sondern auch, um sich auszutauschen. In einem Umfeld, in dem schriftliche Kommunikation und Nachrichtenwege begrenzt waren, spielte die Moschee eine Schlüsselrolle bei der Verbreitung von Informationen.
Manche Ankündigungen der Herrscher – etwa zu Steuern, Regeln oder besonderen Festen – wurden von der Kanzel der Moschee aus verlesen. Damit war die Kalon Moschee auch eine Art öffentlicher Kommunikationsraum. Für die Bevölkerung war sie nicht nur heilig, sondern auch eine Institution, die den Alltag strukturierte.
Bildung und geistiges Leben
Eine enge Verbindung bestand zwischen der Moschee und den Bildungsinstitutionen der Stadt. Unmittelbar neben der Kalon Moschee liegt die Mir-i-Arab-Medrese, die zu den bedeutendsten islamischen Hochschulen Zentralasiens zählt. Die Nähe beider Einrichtungen war kein Zufall: Gebet und Wissen sollten Hand in Hand gehen.
In den Räumen und Höfen der Moschee fanden regelmäßig Lehrkreise statt. Gelehrte rezitierten und interpretierten Koranverse, unterrichteten islamisches Recht (Fiqh) und gaben ihr Wissen an Schüler weiter. Damit war die Moschee ein lebendiges Forum für geistige und religiöse Bildung.
Darüber hinaus wirkte die Moschee als Sammelpunkt für Sufi-Orden, die in Bukhara seit dem Mittelalter stark präsent waren. Sie nutzten den Ort für gemeinsames Gedenken (Dhikr), Gebete und Unterweisungen. So verband die Moschee die formale religiöse Praxis mit der spirituellen Suche vieler Menschen.
Religiöse Feste und kollektive Erfahrung
Von besonderer Bedeutung waren die großen islamischen Feste wie Eid al-Fitr (das Fest nach dem Fastenmonat Ramadan) und Eid al-Adha (Opferfest). Diese Feiern zogen enorme Menschenmengen an, die sich im Hof und in den umliegenden Straßen versammelten. Die Moschee diente hier als Mittelpunkt für das gemeinsame Gebet, die Festpredigten und die anschließenden Begegnungen.
Durch diese Feste entstand ein starkes Gefühl der Gemeinschaft, das über die Grenzen der Stadt hinausging. Für viele Familien war es Tradition, zu diesen Anlässen nach Bukhara zu reisen. Die Moschee wurde damit zu einem Symbol der Einheit und Beständigkeit des Glaubens in der Region.
Soziale und politische Bedeutung
Über das Religiöse hinaus spielte die Moschee auch im politischen und sozialen Leben eine Rolle. Die Khutba am Freitag enthielt traditionell den Namen des Herrschers, was als Zeichen seiner Legitimität verstanden wurde. Wurde ein neuer Herrscher ausgerufen, so geschah dies in Bukhara häufig zuerst in der Kalon Moschee.
Auch in schwierigen Zeiten, etwa während Invasionen oder politischer Umbrüche, blieb die Moschee ein Ort, an dem die Menschen zusammenkamen. Hier fanden sie ein Stück Kontinuität und konnten ihre Sorgen und Hoffnungen miteinander teilen. Nicht selten entstanden aus diesen Versammlungen Bewegungen, die später das politische Leben der Stadt prägten.
Ort der Begegnung und Identität
Schließlich war die Kalon Moschee über Jahrhunderte hinweg ein Symbol der kollektiven Identität. Wer nach Bukhara kam – sei es als Pilger, Händler oder Besucher – wusste, dass er in der Moschee auf das geistige Zentrum der Stadt traf. Für die Bewohner selbst war sie ein sichtbares Zeichen ihres Glaubens und ihrer Geschichte.
Bis heute erfüllt die Moschee diese Funktion. Auch wenn sie längst ein weltbekanntes Denkmal ist, bleibt sie ein aktiver Ort des Gebets. Für viele Gläubige ist sie ein Stück Heimat, für die Stadt Bukhara ein Symbol ihres lebendigen Erbes.
Maßstab und Grundstruktur
Architektur der Kalon Moschee in Buxoro
Die Kalon Moschee ist eine der größten Freitagsmoscheen Zentralasiens. Ihre Grundfläche beträgt rund 1,6 Hektar, was ihre Bedeutung als städtisches Zentrum unterstreicht. Sie ist nicht nur ein Gebetshaus, sondern auch ein architektonisches Manifest, das Größe und Macht Bukhara ausdrücken sollte.
Die Anlage folgt einem traditionellen Hofmoschee-Typus: Im Zentrum befindet sich ein weitläufiger rechteckiger Innenhof, der von Arkaden und überdachten Gebetshallen umgeben ist. Diese klare Gliederung ermöglicht die Aufnahme von Tausenden Gläubigen und vermittelt eine Atmosphäre von Ordnung und Symmetrie.
Hofanlage und räumliche Gliederung
Das Herzstück ist der Innenhof, der nach allen Seiten offen und von einer hohen Mauer eingefasst ist. Der Hof ist so groß, dass er gleichzeitig funktional und repräsentativ wirkt. Er dient als Ort der Versammlung, des Gebets unter freiem Himmel und als räumliche Achse, die die Aufmerksamkeit auf die Hauptgebetshalle im Süden lenkt.
Die Umrahmung durch Arkadengänge gliedert den Hof. Jede Seite besteht aus einer Abfolge von Bögen und Gewölben, die den Raum rhythmisieren. Besonders markant ist die Südseite: Hier erhebt sich der monumentale Hauptbau mit der Kuppel über dem Mihrab. Die Nord-, Ost- und Westseiten sind einfacher gehalten, sie führen die Gläubigen in den zentralen Raum hinein.
Iwan-System und Haupteingänge
Typisch für die Kalon Moschee ist die Verwendung von Iwanen – hohen, tonnengewölbten Hallen, die zum Hof hin geöffnet sind. Der größte Iwan befindet sich im Süden vor der Hauptgebetshalle. Er markiert die Gebetsrichtung (Qibla) und betont die zentrale Achse zwischen Eingang, Hof und Mihrab.
Auf der Nordseite liegt der Haupteingang, ebenfalls mit einem monumentalen Iwan versehen. So entsteht eine klare visuelle Linie: Wer die Moschee betritt, blickt über den Hof direkt auf den gegenüberliegenden Gebetsraum. Dieses System sorgt für eine eindrucksvolle Dramaturgie der Bewegung – vom Eintritt in die Anlage bis zum Erreichen des heiligsten Punktes.
Kuppeln und Dachsystem
Die Moschee besitzt zahlreiche Kuppeln, die das Dachsystem bestimmen. Insgesamt sind es mehr als 280 kleinere Kuppeln, die sich über die Arkaden und Gebetshallen verteilen. Diese Vielzahl an Kuppeln ist nicht nur ästhetisch, sondern auch konstruktiv sinnvoll: Sie verteilt das Gewicht gleichmäßig und verleiht dem Bau Stabilität.
Die Hauptkuppel über dem Mihrab ist besonders groß und hebt sich deutlich ab. Sie kennzeichnet die wichtigste Stelle der Moschee – den Ort, an dem der Imam das Gebet leitet. Durch die Kuppel wird der Raum unter ihr betont und akustisch verstärkt, sodass die Stimme des Vorbeters weithin hörbar war.
Tragwerk und Materialien
Die Moschee ist aus gebrannten Ziegeln errichtet, einem traditionellen Material in der Region. Der Ziegelbau ermöglichte eine flexible Gestaltung von Bögen, Gewölben und Kuppeln. Die Ingenieure nutzten verschiedene Gewölbetypen, um große Spannweiten zu überbrücken und dennoch die Stabilität zu sichern.
Die Lastabtragung erfolgt durch massive Mauern und Pfeiler. Diese sind so gesetzt, dass sie den Hof gleichmäßig umrahmen, aber dennoch Raum für Durchgänge und Sichtachsen lassen. Besonders auffällig ist die Kombination aus Schwere und Leichtigkeit: massive Wände im unteren Bereich und rhythmisch gesetzte Bögen, die den Bau nach oben öffnen.
Verhältnis zur Umgebung
Die Kalon Moschee ist nicht isoliert, sondern Teil des sogenannten „Poi-Kalon“-Komplexes, zu dem auch das Minarett und die Mir-i-Arab-Medrese gehören. In diesem Ensemble nimmt sie die größte Fläche ein und bildet das Fundament, auf dem die anderen Bauwerke wirken.
Das Minarett, das schon im 12. Jahrhundert errichtet wurde, steht wie ein architektonischer Marker neben der Moschee. Seine Position ist nicht zufällig: Es betont die Achse zwischen Hof und Gebetsraum und macht die Anlage schon aus der Ferne sichtbar.
Architekten und Bauleitung
Über die namentlichen Architekten der Moschee ist wenig überliefert. Chroniken erwähnen, dass der Neubau im frühen 16. Jahrhundert unter der Herrschaft von Ubaidullah-Khan, einem Herrscher der Shaybaniden-Dynastie, durchgeführt wurde. Die Bauleitung lag vermutlich in den Händen erfahrener Meister aus Transoxanien, die sowohl die Tradition des Timuridischen Bauens fortführten als auch eigene Akzente setzten.
Auffällig ist, dass die Moschee im Grundschema dem Vorbild der Bibi-Khanum-Moschee in Samarkand ähnelt, allerdings in vereinfachter und klarerer Form. Diese Verbindung deutet darauf hin, dass die Architekten bewusst in einer regionalen Tradition arbeiteten, gleichzeitig aber auf Funktionalität achteten.
Besondere Merkmale der Kalon Moschee
- Monumentaler Maßstab: Mit einer Kapazität von über 10.000 Gläubigen war die Moschee für eine Großstadt wie Bukhara außergewöhnlich groß.
- Klarer Achsenaufbau: Der Nord-Süd-Verlauf mit Tor, Hof, Iwan und Mihrab bildet eine streng durchdachte Raumdramaturgie.
- Kuppelsystem: Die Vielzahl kleiner Kuppeln schafft eine einheitliche Dachlandschaft, die in Zentralasien einzigartig ist.
- Integration mit dem Minarett: Anders als bei vielen Moscheen ist das Minarett hier kein Nebenelement, sondern ein gleichwertiger Bestandteil des Gesamtkomplexes.
Bedeutung der Architektur
Die Kalon Moschee ist ein Beispiel dafür, wie in Bukhara architektonische Klarheit mit monumentalem Anspruch verbunden wurde. Sie ist funktional auf die Bedürfnisse des kollektiven Gebets zugeschnitten, gleichzeitig aber ein Symbol für die Macht und den Reichtum der Stadt im 16. Jahrhundert.
Ihr architektonisches Konzept lebt von Symmetrie, Maßstäblichkeit und der geschickten Kombination aus Hof, Iwan und Kuppelsystem. Noch heute vermittelt sie den Eindruck einer durchdachten Ordnung, die sowohl spirituelle Sammlung als auch gesellschaftliche Versammlung ermöglicht.
Künstlerische Gestaltung und Fassandenschmuck in der Kalon Moschee
Fassaden und Portale
Die Fassade der Kalon Moschee ist von einer reichen Dekoration aus glasierten Ziegeln, Fayencen und Mosaiken geprägt. Besonders der monumentale Eingangs-Iwan an der Nordseite fällt ins Auge. Er ist mit einem hohen Spitzbogen geöffnet, dessen Fläche vollständig mit geometrischen Mustern, arabischen Inschriften und floralen Ornamenten überzogen ist.
Die Kalligraphie besteht überwiegend aus Koranversen und lobpreisenden Texten, die in der kufischen und naskhischen Schriftform ausgeführt wurden. Diese Inschriften sind nicht nur dekorativ, sondern heben auch den sakralen Charakter des Ortes hervor. Die Farbpalette reicht von sattem Blau über Türkis bis zu Weiß und gelegentlich Gelb.
Schmuck im Innenhof
Der weite Innenhof wird durch die umlaufenden Arkaden und deren dekorierte Bögen gegliedert. Über jedem Bogen befindet sich ein ornamentierter Zwickel, der mit sternförmigen Mustern und verschlungenen Arabesken gestaltet ist. Diese Muster schaffen einen rhythmischen Eindruck, der den Hof lebendig wirken lässt, ohne ihn zu überladen.
Auch die kleineren Iwane, die in den Hof hineinragen, sind reich mit Fayencen verkleidet. Ihre Oberflächen zeigen geometrische Sterne, Kreuzformen und florale Motive, die in traditioneller zentralasiatischer Manier aneinandergereiht sind. Dadurch entsteht ein harmonisches Zusammenspiel von Architektur und Dekor.
Innenräume und Mihrab
Im Inneren der Hauptgebetshalle konzentriert sich der Schmuck vor allem um den Mihrab, die Gebetsnische, die die Richtung nach Mekka anzeigt. Er gilt als einer der prachtvollsten Mihrabs in ganz Zentralasien. Der Bogen ist mit aufwendig zusammengesetzten Mosaiken eingefasst, die ein tiefes Blau mit kontrastierendem Weiß und Gold kombinieren.
Die Wände in der Nähe des Mihrabs sind mit großflächigen Fliesenpaneelen bedeckt. Sie zeigen ein Wechselspiel aus geometrischen Gittern und stilisierten Blumenmustern. Diese strenge, aber zugleich dynamische Ornamentik verstärkt die Ausrichtung auf den zentralen Punkt des Gebets.
Die Kuppelräume selbst sind in den unteren Zonen mit Mosaiken und Fayencen ausgestattet, die sich nach oben hin verfeinern. Inschriftbänder ziehen sich über Bögen und Trompen, die die Kuppeln tragen. Sie erinnern die Gläubigen durch Koranzitate an die geistige Dimension des Gebets.
Symbolik und Wirkung
Die künstlerische Ausgestaltung der Kalon Moschee folgt einer klaren Symbolik: Die Geometrie verweist auf die göttliche Ordnung, die Arabesken auf die unendliche Schöpfung, und die Kalligraphie auf das Wort Gottes. Zusammen ergibt sich ein Gesamtkunstwerk, das sowohl ästhetisch beeindruckt als auch spirituell wirkt.
Durch die Wahl der Farben – vor allem Blau- und Türkistöne – entsteht eine Verbindung zum Himmel. Das spiegelt die Absicht wider, die Moschee als irdisches Abbild einer himmlischen Ordnung erscheinen zu lassen. Der Schmuck ist damit nicht Selbstzweck, sondern Teil der religiösen Botschaft.
Herrscher und ihre Spuren an der Kalon Moschee
Arslan Khan (Karakhaniden)
Unter der Herrschaft von Arslan Khan, einem der bedeutendsten Karakhanidenherrscher des frühen 12. Jahrhunderts, wurde der erste große Vorgängerbau der Kalon Moschee errichtet. Um 1121 ließ er eine Freitagsmoschee im Herzen von Bukhara bauen, die als zentrales Gotteshaus der Stadt diente.
Besonders wichtig ist, dass Arslan Khan im Jahr 1127 auch das berühmte Kalon-Minarett errichten ließ, das noch heute neben der Moschee steht und den gesamten Komplex prägt. Die ursprüngliche Moschee jedoch wurde in den folgenden Jahrhunderten durch Invasionen, vor allem durch die Mongolen, zerstört oder stark beschädigt. Vom Bau Arslan Khans blieb letztlich nur das Minarett erhalten, das damit ein Zeugnis dieser frühen Phase ist.
Ubaidullah Khan (Shaybaniden)
Die heutige Gestalt der Kalon Moschee geht auf die Herrschaft von Ubaidullah Khan zurück, einem Herrscher der Shaybaniden, der von 1534 bis 1539 regierte. Unter ihm wurde die Moschee auf den Fundamenten der älteren Bauten neu errichtet und zu einer der größten und bedeutendsten Freitagsmoscheen Zentralasiens ausgebaut. Ubaidullah Khan ordnete die Fertigstellung der monumentalen Gebetshalle, des riesigen Innenhofs und der prächtigen Fassaden an. Damit prägte er dauerhaft das Bild der Moschee, wie wir es heute kennen. Seine Bautätigkeit war Ausdruck des politischen und religiösen Anspruchs der Shaybaniden, Bukhara zu einem Zentrum der islamischen Welt zu machen.
Nachfolger unter den Shaybaniden
Auch die Nachfolger Ubaidullah Khans setzten ihre Spuren an der Kalon Moschee. Unter Abdulaziz Khan (Regierungszeit ca. 1540er Jahre) wurden Ergänzungen wie eine Marmortafel mit Steuererlassen am Haupteingang angebracht, die von seiner Regierungspolitik zeugen. In seiner Zeit erhielt die Moschee kleinere Anpassungen, die ihre Funktionalität und symbolische Bedeutung unterstrichen.
Ein weiterer bedeutender Herrscher war Abdullah Khan II, der von 1583 bis 1598 regierte. Er ist in den Quellen nicht direkt mit großen Umbauten an der Kalon Moschee verbunden, doch sein umfassendes Bauprogramm in Bukhara wirkte sich auch auf die Pflege und den Erhalt des bestehenden Komplexes aus. Unter ihm erlebte die Stadt eine architektonische Blüte, von der auch die Kalon Moschee profitierte.
Herrscher mit Bautätigkeit an der Kalon Moschee
- Arslan Khan (Karakhaniden, frühes 12. Jahrhundert) – Erbauer des Minaretts (1127) und eines Vorgängerbaus der Freitagsmoschee.
- Ubaidullah Khan (Shaybaniden, 1534–1539) – Neubau der heutigen Kalon Moschee auf den Fundamenten älterer Bauten.
- Abdulaziz Khan (Shaybaniden, ca. 1540er Jahre) – Ergänzungen, u. a. eine Marmortafel mit Erlassen am Haupteingang.
- Abdullah Khan II (Shaybaniden, 1583–1598) – kein direkter Neubau, aber Förderung und Erhalt im Rahmen seines umfangreichen Bauprogramms in Bukhara.
- Spätere Restauratoren (19.–20. Jahrhundert, Emirat von Buchara und sowjetische Periode) – wiederholte Ausbesserungen und Sicherungen, vor allem an den Kuppeln und Arkaden.
- Islamische Republik Usbekistan (nach 1991, besonders 1997) – umfassende Restaurierung zum 2500-Jahr-Jubiläum der Stadt Bukhara, Sicherung der Struktur und Erneuerung der Oberflächen.
Das Kalon-Minarett – Wahrzeichen von Bukhara
Das Kalon-Minarett, auch als „Großes Minarett“ bekannt, erhebt sich eindrucksvoll neben der gleichnamigen Moschee im Herzen von Bukhara. Errichtet wurde es im Jahr 1127 unter der Herrschaft von Arslan Khan, einem der bedeutendsten Herrscher der Karakhaniden-Dynastie. Damit ist es deutlich älter als die heutige Kalon Moschee selbst und eines der ältesten erhaltenen Bauwerke der Stadt.
Das Minarett erreicht eine Höhe von etwa 45 bis 48 Metern, je nach Quelle. Es überragt damit alle umliegenden Bauten und war bereits im Mittelalter weithin sichtbar – nicht nur als religiöses Bauwerk, sondern auch als Orientierungspunkt für Reisende auf der Seidenstraße. Der Durchmesser am Fundament beträgt etwa 9 Meter, und zur Spitze hin verjüngt sich der Turm auf etwa 6 Meter. Dadurch wirkt die Form trotz der massiven Ziegelbauweise elegant und ausgewogen.
Seine Zylinderform ist in klaren Proportionen angelegt: Ein wuchtiger Sockel trägt den sich verjüngenden Schaft, der durch horizontale Bänder gegliedert ist. Diese Bänder bestehen aus kunstvoll gemauerten Ziegelmustern, die in regelmäßigen Abständen den Bau strukturieren. Ganz oben befindet sich eine Galerie mit einer zinnenartigen Brüstung, von der aus der Muezzin traditionell den Gebetsruf verkündete. Diese Galerie wird durch 16 Bögen geöffnet, die dem oberen Abschluss Leichtigkeit verleihen.
Das Baumaterial besteht ausschließlich aus gebrannten Ziegeln, die für ihre Festigkeit und lange Haltbarkeit bekannt sind. Die solide Konstruktion war einer der Gründe dafür, dass das Minarett selbst die Zerstörungen der Mongolen im 13. Jahrhundert überstanden hat, während viele andere Bauwerke in Bukhara verloren gingen.
Neben seiner religiösen Funktion als Ort des Gebetsrufs hatte das Minarett auch symbolischen Charakter. Es war Ausdruck der Macht und Frömmigkeit des Herrschers und diente gleichzeitig als Zeichen für die Bedeutung Bucharas als religiöses und politisches Zentrum. Über Jahrhunderte hinweg blieb es ein Wahrzeichen der Stadt, das Reisende in Berichten immer wieder hervorhoben.
Noch heute ist das Kalon-Minarett das wohl bekannteste Bauwerk Bucharas. Seine schlichte, zugleich monumentale Gestalt prägt das Stadtbild und macht deutlich, warum es zu einem Symbol für die gesamte Region Transoxanien geworden ist.
Legenden rund um die Kalon Moschee
Die Kalon Moschee in Bukhara ist nicht nur ein monumentales Bauwerk, sondern auch ein Ort, um den sich viele Legenden und Erzählungen ranken. Über Jahrhunderte hinweg hat die Bevölkerung Geschichten weitergegeben, die das Gebäude mit mystischen Bedeutungen, außergewöhnlichen Ereignissen und göttlichem Schutz verbinden. Diese Legenden sind ein Spiegel dafür, wie sehr die Moschee in das kollektive Gedächtnis der Stadt eingegangen ist – nicht nur als Ort des Gebets, sondern als Symbol für die Beständigkeit Bucharas.
Legenden rund um die Kalon Moschee in Bukhara
Die Legende von den Flammen der Mongolen
Eine der bekanntesten Legenden erzählt vom Angriff der Mongolen im Jahr 1220, als Dschingis Khan und seine Truppen Bukhara eroberten. Viele Gebäude der Stadt wurden damals niedergebrannt und zerstört. Die Moschee, die an der Stelle der heutigen Kalon Moschee stand, ging ebenfalls in Flammen auf. Nur das Minarett überlebte.
Nach der Überlieferung soll Dschingis Khan, als er das Minarett erblickte, so beeindruckt gewesen sein, dass er es verschonte. Manche Geschichten berichten, er habe seinen Kopf zum Himmel erhoben, den Turm lange betrachtet und dann den Befehl gegeben: „Dieses Werk darf bestehen bleiben, es ist größer als die Kraft des Menschen allein.“ Ob diese Worte historisch belegt sind oder nicht – in Bukhara glaubt man, dass dies der Grund ist, warum das Kalon-Minarett die Jahrhunderte überdauerte.
Die Geschichte von der Unvollendeten Moschee
Eine weitere Legende erzählt, dass die Moschee mehrfach zerstört wurde, weil ihre Bauherren Hochmut zeigten. Einmal, so heißt es, habe ein Herrscher angeordnet, die Moschee größer und prächtiger als alle anderen in der Region zu errichten. Doch kaum war sie fertiggestellt, soll ein Erdbeben sie zum Einsturz gebracht haben.
Daraufhin hätten die Bauleute beschlossen, bescheidener zu bauen. Der Legende nach ist das der Grund, warum die Kalon Moschee trotz ihrer Größe schlicht wirkt und sich durch ausgewogene Proportionen auszeichnet. Die Menschen sahen darin ein Zeichen, dass Gott nur jene Bauwerke schützt, die in Demut errichtet wurden.
Der Schatz unter der Moschee
Auch von einem Schatz unter der Moschee wird erzählt. Nach dieser Legende sollen die ersten Erbauer Gold und Edelsteine in den Fundamenten verborgen haben, um den Bau zu schützen. Wer immer versuchen würde, den Schatz zu heben, so heißt es, würde von einem Fluch getroffen.
Einige ältere Bewohner Bukharas erzählten noch im 20. Jahrhundert, dass sie von Männern gehört hätten, die im Geheimen nach den Schätzen suchten – doch keiner sei zurückgekehrt. Ob diese Geschichten je einen wahren Kern hatten, bleibt ungewiss, doch sie verleihen der Moschee eine geheimnisvolle Aura.
Der Ruf des Minaretts
Ein weiteres Motiv in den Legenden ist das Minarett, das seit Jahrhunderten die Stadt überragt. Manche sagen, der Gebetsruf von hier sei so mächtig gewesen, dass er bis zu den Oasen weit außerhalb Bucharas zu hören war.
Es heißt auch, dass Reisende in der Wüste nachts vom Klang des Azan (Gebetsruf) geleitet wurden. Wenn sie die Stimme aus dem Minarett hörten, wussten sie, dass sie Bukhara nahe waren. So verband sich das Minarett in den Erzählungen der Menschen nicht nur mit Religion, sondern auch mit Rettung und Orientierung.
Das Wunder der Unvergänglichkeit
Viele Bewohner Bucharas sahen in der Tatsache, dass die Moschee über Jahrhunderte hinweg wieder aufgebaut und immer wieder genutzt wurde, selbst ein Wunder. Die Legenden erzählen, dass es keinen Zeitpunkt gab, an dem das Gebet hier endgültig verstummte. Selbst in Zeiten politischer Unruhen, Kriege und Besetzungen fanden sich Gläubige ein, um wenigstens ein kurzes Gebet zu sprechen.
Eine Redewendung, die sich in Bukhara bis heute findet, lautet: „Solange in der Kalon das Gebet erklingt, bleibt die Stadt lebendig.“ Damit ist gemeint, dass Moschee und Stadt untrennbar miteinander verbunden sind.
Bedeutung der Legenden
Diese Legenden spiegeln die tiefe Bindung der Bevölkerung an die Kalon Moschee wider. Sie zeigen, dass die Moschee nicht nur als Bauwerk verstanden wird, sondern als lebendiger Teil der städtischen Seele. Ob die Geschichten historisch korrekt sind, ist dabei zweitrangig. Wichtiger ist, dass sie den Stolz und die Spiritualität der Menschen ausdrücken und erklären, warum die Kalon Moschee bis heute als Herzstück Bucharas verehrt wird.
Fazit
Die Kalon Moschee ist bis heute das Herzstück der Altstadt von Bukhara. Sie verbindet religiöse Bedeutung mit historischer Tiefe und verkörpert die Beständigkeit des Glaubens in der Region. Ihre Größe und Schlichtheit machen sie zu einem würdigen Ort der Sammlung.
Über Jahrhunderte hinweg wurde sie zerstört, erneuert und wieder genutzt. Jede Epoche hat ihre Spuren hinterlassen, doch der Geist der Moschee blieb lebendig. Sie ist damit ein Spiegel der wechselvollen Geschichte Zentralasiens.
Neben ihrer religiösen Rolle war die Moschee immer auch ein sozialer Treffpunkt. Hier wurden Nachrichten verkündet, Feste gefeiert und Wissen weitergegeben. Sie war Ort des Zusammenhalts für die Stadtbevölkerung.
Heute gehört die Kalon Moschee zum Weltkulturerbe und zieht Besucher aus aller Welt an. Sie ist nicht nur ein Denkmal vergangener Zeiten, sondern auch ein lebendiger Ort des Gebets. In ihr begegnen sich Vergangenheit und Gegenwart auf eindrucksvolle Weise.
Hier finden Sie weitere interessante Informationen über die Kalon Moschee:
https://www.orientalarchitecture.com/sid/1323/uzbekistan/bukhara/kalyan-mosque


























