Der Fluss Mopan bei Xunantunich
Der Fluss Mopan bei Xunantunich

Eine der bemerkenswertesten Ruinenstätten der Mayakultur ist Xunantunich in Belize. Sie liegt rund 160 km entfernt von Belize-City und 13 km von San Ignacio direkt an der Grenze zu Guatemala. Die Stadt erlebte ihre Hochblüte in der späten Klassik-Periode der Maya und war zwischen 600 und 900 n. Chr. von mehr als 200000 Menschen bewohnt. Entsprechend groß sind die Ausmaße. Xunantunich liegt oberhalb des Mopan-Flusses. Will man die Ruinen erreichen, so muss mit einer alten Fähre, die noch von Hand betrieben wird, an das andere Flussufer übergesetzt werden.

Dann geht die Straße ständig bergauf, bis schließlich auf einem Plateau die Ruinen zeigen. Es handelt sich um mehr als 25 Tempel- und Palastbauten. Wie lange Xunantunich besiedelt war, ist bis heute nicht geklärt. Um 900 n. Chr. aber setzte der Niedergang ein.

Xunantunich – die Legende der der Namensgebung

Rückseite der Pyramide El Castillo in Xunantunich
Rückseite der Pyramide El Castillo in Xunantunich

Der Name der Stadt übersetzt aus der Maya-Sprache bedeutet „Skulptur der Frau“. Andere Deutungen übersetzen das Wort Xubaab mit ‚Edle Dame‘ und Tuunich mit ‚Steinskulptur‘. So entstand der Name „Skulptur der edlen Frau“. Zugrunde liegt dieser Namensgebung die Geschichte der Erscheinung einer ‚Steinfrau‘, die die um 1892 regelmäßig vor dem großen Tempel erschienen, die Treppe hinauf gegangen und dann in der Mauer verschwunden sein soll. Sie wurde als eine schöne, in weiß gekleidete Frau mit feuerrot leuchtenden Augen beschrieben. Die ersten Erkundungen fanden nach 1890 durch den Briten Thomas Gann statt.

Er war Arzt und Distriktkommissar im damaligen Britisch-Honduras. Er wollte der nahezu versunkenen Kultur der Maya auf die Spur kommen und mehr über ihre Lebensweise und Architektur erfahren.

Die Besichtigung von Xunantunich

Struktur A1 im Zentrum von Xunantunich
Struktur A1 im Zentrum von Xunantunich

Das Areal von Xunantunich nimmt eine Fläche von 2,6 km² ein. Auf sechs Plazas befinden sich mehr als 25 Gebäude und Strukturen, unterteilt in 4 Gruppen (Grupos A-D). Betritt der Besucher das Areal, sieht er zunächst die Struktur A1, die wie ein großer Altar mit vier einzelnen Stufen wirkt. Sie stellt das Zentrum der Anlage dar. Wenn man hier nach oben steigt, gewinnt man einen ersten Eindruck von der Lage der einzelnen Tempel und Strukturen. Sie sind jeweils durch Plazas unterteilt. Dieser Teil von Xunantunich entstand im 8. und 9. Jh. und stammt somit aus der Blütezeit der Stadt, bevor sie aus noch ungeklärten Umständen verlassen wurde.

El Castillo – der große Tempel

Reliefs an El Castillo in Xunantunich
Reliefs an El Castillo in Xunantunich

Dominant und sehr beeindruckend ist das größte Bauwerk in Xunantunich. El Castillo. Was in unseren Augen wie eine Pyramide wirkt, war eigentlich ein Tempel. Er ist 42 m hoch und eine breite Treppe führt zunächst auf eine Plattform in 20 m Höhe. Hier befinden sich Wohnresidenzen. Weiter nach oben schauend erhebt sich ein Aufbau, der in einem Tempel gipfelt. Nicht nur der Aufstieg mit der immer grandioser werdenden Aussicht ist den Besuch wert, sondern speziell die an der Ostseite des Bauwerks angebrachten Reliefs.

Im Zentrum ist eine Maske zu sehen mit einer auffälligen Ohrornamentik. Sie stellt den Sonnengott dar. Umgeben wird sie von Symbolen des Mondes, der Venus und für verschiedenen weitere Tage. Ungeklärt ist das Schicksal des ‚kopflosen Mannes‘, denn bis heute konnte nicht festgestellt werden, warum er ohne Kopf dargestellt ist oder ob er nachträglich beschädigt wurde. Ist der obere Tempel über eine enge Treppe auf der Rückseite von El Castillo erreicht, so reicht der Blick über die ganze Ruinenstätte, die Umgebung und bis hinüber nach Guatemala.

Typisch Maya – der Ballspielplatz

Ballspielplatz in Xunantunich
Ballspielplatz in Xunantunich

Fast jede Mayastätte verfügt über einen oder mehrere Ballspielplätze. So auch Xunantunich. Nordwestlich von El Castillo befindet sich diese typische Struktur mit den für diese Bauwerke üblichen abgeschrägten Seitenwände. Über das Ballspiel gab es über die Jahrhunderte zahllose Legenden, die grauenvolle Dinge zum Inhalt hatte. So wurde behauptet, das Ballspiel habe mit den Köpfen, der in kriegerischen Auseinandersetzungen getöteten Feinde stattgefunden. Solche Behauptungen können getrost ins Reich der Legenden verschoben werden. Das Ballspiel (Pok ta Pok) war vielmehr ein Mittler zwischen den beiden Welten Leben und Tod. Es wurden Heldentaten aus dem Reich der Ahnen, die sich in der Unterwelt befanden, nachgespielt. Es gab, nach allem, was bekannt ist, strenge Regeln.

Das Ballspiel der Maya

Reliefs an El Castillo in Xunantunich
Reliefs an El Castillo in Xunantunich

Bei dem Ballspiel versuchten zwei Mannschaften mit je drei bis sieben Spielern den Ball, der bis zu 3 kg schwer war, ständig in der Luft zu halten. Die Spieler waren mit Lendenschurz oder Rock, Brust- beziehungsweise Hüftschutz, der sogenannten Joch „yugo“ aus Leder oder Gummi ausgerüstet. Der Ball durfte nur mit der Hüfte, den Ellenbogen oder den Knien bewegt werden. Es handelt sich dabei um einen Ball, der aus Kautschuk gefertigt war. Er wird ‚k’ik‘ genannt. Dies heißt übersetzt ‚Blut‘. Das Wort Blut bezieht sich dabei auf die Ahnen und die Lebenskraft, die durch den Glauben an ihr Weiterleben nach dem Tod erwächst.

Der Ball durfte während des Spiels den Boden nicht berühren. Das wiederum soll die Unendlichkeit des Lebens symbolisieren. So gibt es für die Maya das diesseitige Leben und dann das Leben in der Unterwelt bei den Ahnen, die vorausgegangen waren. Am Ende des Spiels kam es vermutlich tatsächlich zu Opferhandlungen, was bildliche Darstellungen in den Mayastätten nahelegen, denn hier werden Opfermesser, abgeschnittene Köpfe und Blut gezeigt. Unklar ist jedoch, ob dies nicht freiwillig geschah und ebenso, ob Verlierer oder Sieger diesen Weg zu gehen hatten.

Fazit

Ein Besuch in Xunantunich gehört auf jeden Fall in jede Reiseplanung nach Belize. Schon aufgrund der Tatsache, dass es unweit weitere sehenswerte Mayaruinen gibt und auch der Weg nach Tikal in Guatemala an Xunantunich vorbeiführt, macht den Besuch zu einem weiteren Höhepunkt einer Mittelamerikareise.


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Platz in Xunantunich
Platz in Xunantunich
Auf dem Tempel El Castillo in Xunantunich
Auf dem Tempel El Castillo in Xunantunich

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