Wadi Dhar im Jemen
Wadi Dhar im Jemen

Nicht nur die Hauptstadt Sana’a‘ ist im Jemen sehenswert, auch das Wadi Dhar und der Dar al-Hajar gehören zu den Fotomotiven der Region. Auch wenn seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Jemen ein Besuch derzeit nicht möglich ist, so sind die Sehenswürdigkeiten des Landes einzigartig. Nur 16 km von der Hauptstadt entfernt befindet sich das Trockental Wadi Dhar. Bevor der Besucher die Fahrt oder eine Wanderung zur Talsohle antritt, empfiehlt es sich an einem der Aussichtspunkte oberhalb zu verweilen. Von hier aus genießt man einen weiten Rundblick über die Landschaft und das Tal, das seit Tausenden von Jahren bereits besiedelt ist.

Die Landschaft im Wadi Dhar

Landschaft unweit des Dar al-Hajar im Jemen
Landschaft unweit des Dar al-Hajar im Jemen

Das Wadi Dhar liegt in einer Umgebung aus massivem Stein. Besonders sind hier die vielen unterschiedlichen Rot- und Brauntöne, die je nach Sonnenstand unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Hinzu kommt nach winterlichen Regenfällen und im Frühjahr ein sattes Grün auf den Feldern, die meist mit der Qat-Pflanze bestellt sind, einer Volksdroge, die im Jemen weit verbreitet ist und von Männern und Frauen gleichermaßen gekaut wird. Aber auch Weingärten und Gemüsefelder sind im Tal zu finden, die der Versorgung der Dörfer dienen. Hinzu kommen im Frühling noch die Baumblüten in Weiß, rot und gelb. Im Rest des Jahres wird die Landschaft von brauner Farbe bestimmt und die Natur wirkt abseits der Ortschaften nahezu archaisch.

Yahya Muhammad Hamid ad-Din, das Wadi Dhar und der Dar al-Hajar

Imam Yahya Muhammad Hamid ad-Din im Jemen
Imam Yahya Muhammad Hamid ad-Din im Jemen

Der letzte Imam Yahya Muhammad Hamid ad-Din (1869-1948) war ein Politiker und Soldat. Sein Leben war geprägt von der Sorge um sein Vaterland Jemen. Zu seinen Leistungen gehörten die Vertreibung der Osmanen aus dem Nordjemen. Nach seiner Anerkennung zum Herrscher und der Unabhängigkeit des Nordjemen, nahm der Imam den Titel eines Königs an. In der Folge versuchte er, entgegen vielen traditionellen Strömungen in seinem Umfeld, eine vorsichtige Modernisierung des Landes. Im Krieg mit Saudi-Arabien ab 1934 verlor der Jemen seine Ansprüche. Der Imam wurde durch einige seiner Vertrauten, die eine Revolte gegen ihn angezettelt hatten, am 17. Februar 1948 ermordet.

Der Dar al-Hajar – Felsenpalast und Wahrzeichen

Dar al-Hajar im Wadi Dhar, Jemen
Dar al-Hajar im Wadi Dhar, Jemen

Das wohl am meisten fotografierte Gebäude im Jemen ist der Felsenpalast Dar al-Hajar im Wadi Dar. Obwohl der Palast recht antik wirkt, wurde erst am Ende der 20iger Jahre des 20. Jahrhunderts auf den Resten mehrerer Vorgängerbauten errichtet. Es ist davon auszugehen, dass es auf dem fast 40 m hohen Felsen schon seit Jahrhunderten Wohnanlagen und Paläste gegeben hat. Die jetzige Anlage ist die Sommerresidenz des letzten Imam Yahya Muhammad Hamid ed-Din. Er ließ den Palast in traditioneller Bauweise aus Sandstein erbauen. Die Fassaden sind aufwendig mit den im Jemen typischen Gipsornamenten verziert. Das Gebäude stand lange Zeit leer.

In den 90iger Jahren und nach der Jahrtausendwende war der ansonsten leerstehende Palast für Besucher zugänglich und zeigte eine Bildausstellung mit Gesichtern aus dem Jemen. Die Aussichten von den Balkonen des Dar al-Hajar ist herrlich und alleine schon die Reise wert. An einigen Stellen des Palastes ist deutlich zu sehen, wie die Anlage auf und in den Felsen gesetzt wurde und die Meisterschaft, der Baumeister und Arbeiter.

Das Wadi Dhar und seine Umgebung

Wadi Dhar im Jemen
Wadi Dhar im Jemen

Nicht nur der Dar al-Hajar lohnt im Wadi Dhar einen Besuch, sondern auch die Umgebung. Leider nehmen sich nur die wenigsten Reisenden auch Zeit für die umliegenden Dörfer. In den Siedlungen befinden sich mitunter uralte Wohnhäuser in traditionellem Stil, die ähnlich wie die Lehmhochhäuser in Sana’a‘ mit zahlreichen Ornamenten und den typischen hölzernen Fensterläden verziert sind.

Verlässt man den Dar al-Hajar, fällt oberhalb an der Abbruchkante des Tals eine alte Festungsanlage auf. Es handelt sich um ein Fort aus der Türkenzeit. In den Felswänden befinden sich Höhlen, die in früherer Zeit wohl als Wohnungen oder als Gräber gedient haben dürften.

Auch Steingravuren wurden in den letzten Jahren entdeckt, die bis in eine Zeit rund 6000 Jahre vor unserer Zeitrechnung zurückreichen. Immer wieder begegnen dem Reisenden festliche gekleidete Jemeniten, die mit ihren Familien auf dem Weg durch das Wadi Dhar zum Dar al-Hajar sind. Das Tal ist eines der bevorzugten Ausflugsziele an Freitagen und Feiertagen.

Fazit

Ein Muss für jeden Jemen-Besucher ist der Besuch im Wadi Dhar und dem Felsenpalast Dar al-Hajar. Nicht nur die Landschaft ist bemerkenswert, sondern die Lage des Palastes und die Dörfer, die es erlauben den gastfreundlichen Jemeniten hautnah zu begegnen. Zu hoffen bleibt, dass der Krieg bald ein Ende hat, die Zerstörungen durch einen Wiederaufbau verschwinden werden und dieses wunderschöne Reiseland wieder allen offensteht.

Der Felsenpalast Dar al-Hajar im Jemen
Der Felsenpalast Dar al-Hajar im Jemen
Wohnraum im Dar al-Hajar im Wadi Dhar
Wohnraum im Dar al-Hajar im Wadi Dhar
Türkenfestung im Wadi Dhar
Türkenfestung im Wadi Dhar
Fassade des Dar al-Hajar im Wadi Dhar
Fassade des Dar al-Hajar im Wadi Dhar

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