Salar de Atacama, Lagunas Miscanti/Minisque

Auch das ist die Atacamawüste. Bäume, die extreme Trockenheit vertragenHallo alle zusammen

Heute geht es in den Salar de Atacama. Wieder ein Tag während meiner Reise durch die Atacamawüste und den Altiplano. Heute zeigt sich diese Landschaft von ihrer allerschönsten Seite. Stahlblauer Himmel, 26 Grad, kaum Wind, was hier eine Seltenheit ist und eine Fernsicht von rund 200 km!! Einige der heutigen Ziele gehören zu den Höhepunkten jeder Südamerikareise, andere werden von Touristen nur äusserst selten besucht und sind authentisch.
Am Morgen beginnt die Fahrt mit einem Besuch im einzigen Baumhain in der gesamten Region. In der Atacamawüste gibt es entweder kein Wasser oder aber es ist extrem salzig. So haben sich die Pflanzen über Jahrtausende diesen Bedingungen angepasst. Nur wenige Kilometer entfernt liegt die kleine Ortschaft Toconao. Hier ist die Kirche sehenswert und der freistehende Glockenturm ein Wahrzeichen der Region Atacama.
Zu den Höhepunkten einer Chilereise gehört der Besuch im Salar de Atacama. Glücklich schätzen kann sich derjenige, der nicht in einer Gruppe reisen muss sondern, wie ich, einen Fahrer hat, der absolut landeskundig ist und azyklisch reist. Die Devise, die Frank auch für den heutigen Tag ausgegeben hat lautet: "Wir sind immer dann an Ort und Stelle, wenn alle anderen schon weg sind". So erleben wir den Salar de Atacama, den drittgrößten Salzssee der Erde, in atemberaubender Weise.


Der Salar der Atacama ist der drittgrößte Salzsee der ErdeWer glaubt, es handle sich um eine riesige Wasserfläche, der irrt. Zunächst sind hier tausende von Quadratkilometern Salz. Wenn man darüber läuft knistert es als sei es Eis. Diese Kruste ist sage und schreibe 2 Meter dick. An vielen Stellen aber nur wenige Zentimeter. Hier tritt Wasser in Form einer Salzpfanne an die Oberfläche. Ein Paradies für Flamingos. Die Tiere kann ich aus nächster Nähe beobachten. Sie fischen eine Krebsart aus dem Wasser. Dieser Krebs färbt das Gefieder der Falmingos rot. Auf dem Salar gibt es drei Flamingoarten, den Chileno, den Andino und den James. Wir verlassen den Salar de Atacama und von nun an steigt die Straße stetig an. Die erste Bewährungsprobe für den Körper steht an. Viel prasselt auf mich ein. Die unvergleichliche Landschaft, traumhafte Ausblicke, die holrige Strasse und das Wissen um die Problematik der extremen Höhe.


Die Laguna Muscanti in 4167 m Höhe in den AndenWar es soeben im Salar de Atacama auf 2400 m Höhe noch 26 Grad, ist es nun bei 3300 m nur noch 10 Grad und die Temperatur fällt rasch und stetig. Nicht vergessen: Es ist Hochwinter!! Und dann ein ganz wichtiger Fotostop. Das GPS zeigt 3500 m und Ichu-Gras wächst am Strassenrand. Diese Kombination ist der Indikator: Hier beginnt der Altiplano. Nur ab einer Höhe von 3500 m und nur, wenn Ichu-Gras und ein niederer Oputien-Kaktus auftritt, spricht man vom Altiplano. Nun geht es ganz schnell: 3600 m. 3800 m, 4000 m, 4167 m.
Da ich im Auto sitze und die Höhe Stück für Stück anwächst, merke ich garnichts von ihr. Dann öffnet sich der Blick ins Tal und mir stockt der Atem. Die Doppellagunen Miscanti und Minisque umringt von Vulkanen des Andenhauptkamms. Und das alles bei einer unvergleichlichen Fernsicht. Welch ein Glück! Hier kann es auch ganz anders zugehen. Temperaturen von -20 Grad sind hier nicht selten. Ich verlasse das Auto und begebe mich auf einen knapp einstündigen Fussmarsch von der Laguna Miscanti zur Laguna Minisque. Sie sind nur durch einen schmalen Landstreifen voneinander getrennt.
Hier ist man den Andengipfeln so nah! Kaum ein Vulkan der unter 6000 m hoch ist.

Früshtück in den Hochanden. An der Laguna MinisqueIch beginne den Weg und zum Glück geht es bergab. Jetzt merke ich die Höhe…man muss pro 1000Höhenmeter einmal mehr atmen als üblich, um dieselbe Sauerstoffmenge zu bekommen. Ich habe mich gut vorbereitet, gehe langsam, atme ruhig und sage mir, daß das alles geplant ist und es nicht schlimmer werden kann. Mein Körper reagiert mit deutlich erhötem Blutdruck, leichten Stichen im Kopf – allerdings kein Kopfschmerz, was ein deutliches Warnzeichen für die Höhenkrnakheit hätte sein können. Ebenso muss darauf geachtet werden, daß weder Beine noch Fingerkuppen blau werden. Frank, mein Fahrer, selbst ein Bergsteiger, der alle 6000er bestiegen hat, gibt Anleitung und Hinweise, welche Warnzeichen wichtig sind und beachtet werden müssen. Aber ich geniesse es "out of the World" zu sein. Kein Handy! Hier kann einen niemand mehr erreichen. Hier kann man auch nicht einfach weggehen. Alles muss geplant werden.

Ich erreiche die Minisque nach 1 Stunde und bin stolz und froh. Ich hatte keine Probleme, keinen Schwindel, keine Anzeichen der Höhenkrankeit. Ich bin offensichtlich aklimatisiert.
Und dann traue ich meinen Augen nicht. Mitten im Altiplano, ein Tisch aus Salz…darauf hat Frank während meiner Wanderung Essen gekocht. Reis mit Pistazien, scharfes Curryhuhn, Tacos, Schokoladenkuchen, Rotwein und Kaffee. Ich komme mir vor wie auf einem luxuriösen Kreuzfahrtschiff! Man darf sagen das ist "Essen auf hohem Niveau" und im wahrsten Sinne des Wortes. Wieder geht ein Tag zu Ende, einer der schönsten Reisetage, die ich je hatte. Einfach perfekt in allem.


Und morgen, da wirds richtig grandios: Es stehen die Geysire der Atacamawüste an, das Andendorf Machuca, das Tal des Todes und schliesslich das weltberühmte Mondtal (Valle de la Luna). Dort bleibe ich bis zum Sonnenuntergang.

Für heute grüße ich Sie alle

Peter Jurgilewitsch

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