Santiago de Chile, Calama, San Pedro de Atacama

Hallo alle zusammen,
wieder ein Tag in meiner Rückschau auf meine Südamerikareise von 2012. Hier der Originalbericht von damals.

3. Tag, Santiago de Chile, Calama, San San Pedro de Atacama

Die Atacamawüste bei Calama, dem Tor zur Wüsteheute geht es Richtung San Pedro de Atacama. Um 4.30 Uhr klingelt der Wecker, denn der Flug nach Calama – die Stadt gilt als Tor zum Altiplano – hebt um 8.30 Uhr vom Flughafen in Santiago de Chile ab. Bis dahin sind es 90 Min. Fahrt.
Ich bin überrascht, daß jeder Platz in der Maschine besetzt ist und daß die Menschen aus aller Herren Länder zu kommen scheinen. Schon der Flug ist ein Erlebnis. Die Fenster offenbaren die Andencordilliere. Bis zu 6600 m hoch sind die Gipfel, die heute im gleissenden Sonnenlicht liegen.

Calama entstand durch den Kupferabbau in dieser Region Chiles. Chuquicamata ist die größte Kupfermine der Welt, mehr noch, das größte von Menschenhand geschaffene Loch in der Erdoberfläche. 3 km breit, 4 km lang und 950 m tief.
Doch die Mine will ich mir nicht anschauen. Vielmehr kann ich es kaum erwarten endlich das Herz der Atacamawüste zu sehen.
Diese rund 1000 km lange Küstenwüste ist der trockenste Ort der Welt. An manchen Stellen hat es Jahrzehnte nicht mehr geregnet. Und es zeigt sich die Richtigkeit meiner Entscheidung den Winter Südamerikas für diese Reise zu nutzen. Denn selbst um diese Zeit erreicht das Thermometer immer noch die 30-Grad-Marke.

Blick auf die Hochanden vom Pass Barros Arana, 3450 mIch treffe Frank, der mich in einem charmanten Schweizer-Deutsch begrüsst. Er lebt seit 20 Jahren in San Pedro de Atacama und war schon da, als Tourismus hier noch keine Rolle spielte. Wir steigen ins Auto und schon beginnt ein erstes Briefing.
"Wir fahren über den höchsten Pass dieser Region, den paso Barros Arana, 3450 m hoch, halten an den schönsten Aussichtspunkten und mit dem Rest überrasche ich Dich", so skizziert Frank die geplante Route nach San Pedro, das 90 km entfernt liegt.

Die Landschaft ist flach, sandig, unscheinbar und dennoch: Jetzt bin ich in der Atacamawüste!
Wir fahren durch rasch wechselnde Landschaftsbilder und nähern uns dem Scheitelpunkt des Passes. Hier stoppt das Allradfahrzeug. Der Blick, der sich vor mir auftut, bedarf keiner Worte. Es ist sowieso unbescheiblich. Wenn ich es versuchen sollte, dann bliebe nur die Kapitulation vor unzähligen Farben, Schluchten, Verwerfungen, Löchern, Sanddünen, Skulpuren, die in einem Zeitraum von 25000 Jahren entstanden sind.

Unter mir liegt die Cordilliera del Sal, eine der größten Salzansammlungen an der Erdoberfläche. Über mir erstrahlen die schneebedeckten Gipfel des Andenhauptkamms.
Die Fahrt führt nun durch ein Tal und die Strasse ist ihr Rückgrat. Rechts und links erheben sich gewaltige Schilde aus Stein und Sand. Alle haben die Form eines Dinosaurier-Rückenschilds. So kam das Tal an seinen Namen: Valle de los Dinosaurios.

Das Tal der Dinosaurier in der AtacamawüsteAuf mein nächstes Ziel freue ich mich besonders. Zum ersten Mal wähend dieser Reise begegne ich Zeugnissen der Prä-Inka-Periode. Pukaras waren Festungen, die man auf exponierten Felsvorsprüngen errichtete, einfache Anlagen, die es ermöglichten Feinde schneller zu sichten. Die Pukara de Quitor gehört zu den am besten erhaltenen Anlagen dieser Art und stammt aus dem 11. Jh.
Ziemlich steil geht es nach oben. Kaum eine Stunde ist es her, daß ich auf der Höhe von 2400 m in Calama gelandet bin. So wird das erklimmen dieser Terassen eine erster Test. Die Aussicht auf die Oase von San Pedro de Atacama ist hinreissend.

Nun geht es aber ins Hotel. Ein Zimmer im Casa de Don Tomas ist reserviert. Es gibt einen Kaffee und natürlich Mate de Coca. Dieser Tee aus den Blättern der Cocapflanze half schon den Inka mit den Beschwernissen der großen Berghöhen zurecht zu kommen. Mir geht es noch blendend. Keine Anzeichen von Problemen.
Ehrlich gesagt: Der Tee schmeckt wie überbrühte Spinatblätter, soll aber die Anzeichen der Höhenkrankheit wirksam bekämpfen.
Ich werde in den nächsten Tagen sehen, ob das klappt.

Frank, mein Fahrer, bespricht den Nachmittag. Er fährt mit mir in die Wüstenlagunen rund um den Salar de Atacama. Dieser Salzsse ist der drittgrößte der Erde.

Die Schönheit der Atacamawüste ist überwältigendEtwas völlig unerwartetes spielt sich derzeit draussen am Himmel ab. In San Pedro de Atacama regnet es, wenn überhaupt, nur an 3-4 Tagen im Jahr ganz kurz. Regen gibt es auch jetzt nicht, aber es bilden sich Wolken. Da wo 320 Sonnentage die Regel sind, begegnen mir Wolken. Ich gebe zu, ich bin zunächst etwas enttäuscht, hatte ich doch auf den stahlblauen Himmel der Atacamawüste gehofft.
Aber diese Enttäuschung sollte bald verfliegen. Zwar blieben die Wolken, aber durch sie hindurch kam immer wieder die Sonne!

Wir fahren zunächst zur Laguna Cejar. Hier spiegeln sich Wolkenformationen durchmischt mit dem Blau des Himmels auf der Wasseroberfläche, Enten bevölkerten die Ufer und in der Ferne färben sich die Vulkane bereits orange.
Dazu kommt eine fast unwirkliche Stille. Die eben noch mattgelben Büschel, die bis zum Horizont reichen, erfahren durch die Sonne eine Wertsteigerung. Sie werden zu leuchtendem Gold.

Die Laguna Cejar in der AtacamawüsteKaum 10 km weiter, das Abendlicht kündigt den bevorstehenden Sonnenuntergang an, halten wir an den Augen der Salzwüste, den Ojos de Salar. Es handelt sich um zwei kreisrunde Lagunen, die aus der Luft betrachtet wie Augen wirken.
Durch die Wolken und das rot des Abends entsteht ein Kunstwerk, das kein Maler schöner gestalten könnte.

Und zum Sonnenuntergang erwartet mich ein Höhepunkt der Anden. Die Laguna Tebencinque. Die gesamte Kette der Vulkane färbt sich tiefrot.
Die Sonne geht unter, zunächst auf der Hochebene, dann weit unten im Pazifik. Und das Licht tifft nun auf die Wolken und bescheint sie an ihrer Unterseite. Nie sah ich eine deratige Farbenpracht, nie war ich so vollständig von Natur und Farbe umgeben, wie in diesem Moment. Ein anstrengender Tag geht zu Ende, aber ein atemberaubender zugleich.

Ich bin nun sehr gespannt was morgen passieren wir. Früh um 9 Uhr geht die Fahrt zur Laguna Miscanti – erstmals überschreite ich die Grenze von 4000 m und erreiche 4100 m. Ich werde Euche berichten, was mein Körper dazu sagt und was der morgige Tag noch so alles bringen wird.

Wieder sende ich Euch einige der soeben beschrieben Eindrücke und ich hoffe, Ihr habt so viel Freude beim Anschauen, wie ich sie hatte, beim Fotografieren.

Es grüßt

Peter Jurgilewitsch

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