Kavala und Philippi, Griechenland, Tag06, 19.09.2015

MS EUROPA 2 im Hafen von KavalaMS Europa 2 hat im Hafen von Kavala auf dem griechischen Festland festgemacht. Kavala hat heute rund 80.000 Einwohner und war schon zu Zeiten der Antike ein bedeutender Handelsplatz. Zunächst war die Stadt unter dem Namen Neapolis gegründet worden. Der Apostelgeschichte zufolge ging der heilige Paulus von Tarsus in Neaopolis an Land, um Makedonien zu missionieren. Dass sich an dieser Stelle, entlang der damals berühmten Via Egnatia eine Station zum Wechseln der Pferde befand, erhielt die Stadt den Namen ‚Kavala‘, angelehnt an das italienische ‚caballo‘ (Pferd). Nur 15 km von der Innenstadt entfernt liegt Philippi. Die heutige Ruinenstätte ist imposant und mit ihren gewaltigen Ausmaßen vermittelt sie eine Vorstellung davon, wie bedeutsam diese Stadt zu Zeiten des heiligen Paulus gewesen ist. Wir begeben uns auf die Spuren der Bibel!

Das Baptisterium der Lydia in PhilippiNeben der archäologischen Stätte sollte kein Besucher das Baptisterium der Lydia versäumen. Die Chroniken berichten, dass Lydia eine Purpurverkäuferin war und sich als erste von Paulus zum Christentum bekehren ließ. An der Stätte, wo dies der Überlieferung nach geschah, befinden sich noch immer die Quelle und eine moderne Orthodoxe Kirche. Hier war es, wo die erste Europäerin getauft wurde. Besonders interessant ist jener Abschnitt der Geschichte Philippi ist als die Stadt zum römischen Reich gehörte. 168 v. Chr. eroberte Lucius Aemilius Paullus Macedonicus Makedonien. Zunächst wurde es von den Römern für frei erklärt und in vier selbständige Teile (merides) aufgeteilt, wobei Philippi zur ersten merís kam. 148 v. Chr. wurde Makedonien römische Provinz. Bedeutung erlangte Philippi wegen seiner Lage an der Via Egnatia, die die Römer zwischen 146 und 120 v. Chr. quer durch Thrakien und Makedonien bis an die Adria als Hauptverkehrsachse zwischen Rom und dem Nahen Osten errichteten.

Das Theater in PhilippiUm 49/50 n. Chr. gründete der Apostel Paulus mit seinem Mitarbeiter Silas in Philippi eine christliche Gemeinde. An die Gemeinde in Philippi schrieb Paulus wahrscheinlich von Rom aus, wo er in Gefangenschaft lebte, um 63 den Brief an die Philipper. Kurz hinter dem Eingang befindet sich das Theater Philippis. Durch seine Größe bezeugt es die Bedeutung der Stadt und es darf vermutet werden, dass auch der heilige Paulus selbst hier geredet hat. In Philippi existieren zwei Basiliken. Während die eine eine christliche Kirche war entstand die andere größere Kirche zunächst aus einer weltlichen Versammlungshalle der Römer. Diese Bauwerke nannte man ebenfalls Basiliken. Erst nach dem Einzug des Christentums als Staatsreligion im römischen Reich wurde auch dieses profanen Bauwerk in eine christliche Kirche umgewandelt.

Die Agora von PhilippiSehenswert sind neben den Resten der beiden Kirchen auch die Agora und der römische Markt, der einst von Säulen umgeben war. Noch heute kann man die Mauerreste der Geschäfte erkennen die aufgereiht nebeneinander auf einer Seite des Marktes lagen. Ebenfalls erhalten sind schöne Mosaiken aber auch so einfache Dinge wie eine öffentliche Latrine, denn der Toilettengang war zu Zeiten der Römer keine private sondern eine öffentliche Angelegenheit. Obwohl in Philippinen nur noch Reste der einstigen Pracht zu erkennen sind, beeindrucken die Ruinen jeden Besucher, wird sich sehr schnell bewusst, dass man hier der Bibel ganz nah ist und auf den Spuren eines Apostels geht. Wir verlassen Philippi und fahren zurück nach Kavala. Hier lohnt es sich einen Blick in die Altstadt zu werfen, die auf einer Halbinsel liegt und ins Meer hineinragt.

Das Geburtshaus von Muhammad Ali Pascha in KavalaNoch um 1900 war Kavala eine eher unbedeutende Siedlung mit ca. 6.000 Einwohnern. Kavala war Teil des Osmanischen Reiches (Ottomanisches Reich) von 1371 bis 1912. Nach dem Griechisch-Türkischen Krieg 1922 siedelten griechische Aussiedler aus Kleinasien in Kavala und gründeten Dörfer in der Umgebung, wo sie auch mit dem Tabakanbau begannen. Durch die Verarbeitung und Verschiffung des Tabaks erlangte Kavala eine gewisse Bedeutung. Zwischen 1941 und 1944 befand sich in Kavala das Hauptquartier der bulgarischen Ägäisflotte. Muhammad Ali Pascha, der Begründer jener Dynastie, die bis 1953 Ägypten regierte, wurde hier um 1770 geboren. Er war von 1805 bis 1848 Gouverneur der osmanischen Provinz Ägypten, herrschte aber relativ unabhängig von der Zentralregierung. Er war der Begründer der bis 1953 in Ägypten herrschenden Dynastie. Sein Geburtshaus ist heute Ziele vieler Besucher aus ganz Europa und Ägypten.

Der Jazzclub auf Europa 2Mein heutiges Europa 2-Detail zeigt Ihnen den Jazzclub auf Deck 4. der farbenprächtige und dennoch stilvoll gehaltene Raum verfügt über eine Bühne, eine gut sortierte Bar und bequeme Sitzgelegenheiten, die es ermöglichen, einen entspannten und beschwingten Abend hier zu verbringen. Immer wieder treten Künstler im Jazzclub auf, finden Präsentationen und Vorträge statt oder spielen allabendlich hochkarätige Künstler live die schönsten Jazz-Standards und Neuheiten. Dabei lässt sich ein ungestörter Blick aufs Meer genießen das alles zusammen mit einem guten Cocktail. Der Jazzclub ist nicht nur etwas für junge Leute sondern hier fühlen sich Passagiere jeden Alters wohl.

Der letzte Liegehafen dieser kurzen Kreuzfahrt mit MS Europa 2 ist morgen mit der türkischen Stadt Dikili erreicht. Von hier aus besuchen wir die weltberühmten Stätten Pergamon und Asklepeion. Viele Gäste haben diesen Ausflug gebucht, denn wir besuchen Weltkulturerbe zu dem wir Deutsche eine besondere Verbindung haben. Davon werde ich morgen berichten und würde mich freuen, wenn Sie auch dann wieder mit dabei sind. Ist dein grüße ich Sie von Bord

Peter Jurgilewitsch

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