Daereungwon ist eine der bedeutendsten archäologischen Stätten Südkoreas und bildet das eindrucksvolle Zentrum der alten Königsstadt Gyeongju. Die weitläufige Gräbergruppe vereint monumentale Hügelgräber, die über Jahrhunderte hinweg für die Herrscher des Silla-Reiches errichtet wurden und bis heute das Stadtbild prägen.
Die Gräber von Daereungwon erzählen von Macht, Glauben und kosmischer Ordnung. Jedes Hügelgrab ist Teil eines streng ritualisierten Bestattungssystems, das den König nicht nur als politischen Herrscher, sondern als spirituelles Wesen verstand. Die Architektur der Gräber spiegelt diesen Anspruch in beeindruckender Klarheit wider.
Besonders bekannt wurde Daereungwon durch das Cheonmachong-Grab, in dem einzigartige Goldkronen, Waffen, Pferdeausstattung und Alltagsgegenstände entdeckt wurden. Diese Funde zählen zu den wichtigsten Zeugnissen frühkoreanischer Kunst und machen Daereungwon zu einem Schlüsselort für das Verständnis der Silla-Kultur.
Heute ist Daereungwon ein offen zugänglicher Park, der Archäologie und Landschaft verbindet. Besucher bewegen sich zwischen grasbewachsenen Grabhügeln und erleben einen Ort, an dem Geschichte nicht rekonstruiert, sondern sichtbar bewahrt wird – ein stilles, eindrucksvolles Zeugnis königlicher Vergangenheit.
Die Gräbergruppe Daereungwon – Nekropole der Könige von Silla
Die Gräbergruppe Daereungwon liegt im Herzen von Gyeongju, der ehemaligen Hauptstadt des Silla-Reiches, und zählt zu den eindrucksvollsten archäologischen Landschaften Koreas. Sie ist kein einzelnes Monument, sondern eine königliche Nekropole, in der sich Macht, Jenseitsvorstellungen und Landschaftsgestaltung zu einem geschlossenen Weltbild verbinden.
Anzahl und zeitliche Einordnung
Innerhalb von Daereungwon befinden sich über 20 große Königs- und Adelsgräber, hinzu kommen zahlreiche kleinere Nebengräber. Die Entstehung der Anlage erstreckt sich hauptsächlich vom 4. bis ins frühe 6. Jahrhundert n. Chr., also über die zentrale Phase des frühen Silla-Reiches. Die Gräber wurden nicht gleichzeitig angelegt, sondern wuchsen über Generationen hinweg zu einem zusammenhängenden Ensemble zusammen.
Form und Aufbau der Hügelgräber
Charakteristisch für Daereungwon sind die massiven Hügelgräber (Tumuli), die das Landschaftsbild bis heute prägen. Jeder Hügel besteht aus mehreren Schichten: einer hölzernen Grabkammer, umgeben von Steinen, darüber eine dicke Erdschicht. Diese Bauweise hatte mehrere Funktionen:
- Schutz vor Grabräuberei – die Steinlagen machten ein Eindringen nahezu unmöglich
- Symbolische Abschirmung – der Tote wurde vollständig von der Welt der Lebenden getrennt
- Monumentale Sichtbarkeit – der Hügel selbst war ein Zeichen königlicher Präsenz
Im Gegensatz zu späteren buddhistischen Gräbern mit Korridoren sind die Silla-Gräber nicht begehbar. Nach der Bestattung wurde das Grab endgültig verschlossen – ein klares Zeichen für die Endgültigkeit des Übergangs ins Jenseits.
Warum Hügelgräber?
Die Hügelgräber spiegeln ein vorbuddhistisches, schamanistisch geprägtes Weltbild wider. Der Hügel fungierte als künstlicher Berg – ein Ort, an dem Himmel, Erde und Unterwelt einander berühren. Für die Silla-Elite war der verstorbene Herrscher kein „Toter“, sondern ein transformiertes Wesen, dessen Macht weiterwirkte. Der Grabhügel wurde so zu einem dauerhaften Mittelpunkt spiritueller Ordnung.
Dennoch spielt der Buddhismus im Silla-Reich in seiner weiteren Entwicklung eine entscheidene Rolle, was zahlreiche steinerne Reliefs und Buddastatuen anschaulich belegen.
Wahl des Ortes
Die Lage von Daereungwon ist bewusst gewählt. Die Nekropole befindet sich nahe dem politischen Zentrum des alten Gyeongju, jedoch klar davon getrennt. Diese Nähe und Distanz zugleich zeigt die Beziehung zwischen Lebenden und Toten: präsent, aber unantastbar. Zudem folgt die Anordnung der Gräber geomantischen Prinzipien – sanfte Hügel, offene Ebenen und schützende Landschaftsformen galten als ideal für die Ruhe der Verstorbenen.
Wer ist hier bestattet?
Nicht alle Gräber sind eindeutig identifiziert, doch mehrere bedeutende Persönlichkeiten des Silla-Reiches werden Daereungwon zugeordnet, darunter:
- König Michu (13. König von Silla)
- Hochrangige Könige und Königinnen des 4. und 5. Jahrhunderts
- Mitglieder der höchsten Adelsstufen des Knochengrad-Systems
Die Größe und Lage der Hügel spiegeln Rang und Bedeutung der Bestatteten wider.
Geöffnete Gräber und archäologische Bedeutung
Bis heute wurden nur wenige Gräber vollständig geöffnet, darunter das berühmte Cheonmachong (Himmelspferd-Grab). Gerade diese Zurückhaltung ist bewusst: Jede Öffnung zerstört das ursprüngliche Gefüge. Die geöffneten Gräber lieferten jedoch spektakuläre Funde – Goldkronen, Waffen, Pferdeausrüstung, Textilien – und revolutionierten das Verständnis der frühen koreanischen Geschichte. Diese Kunstwerke aus dem Cheonmachong gehören zu den wertvollsten Stücken dieser Zeit in ganz Asien.
Weitere Besonderheiten
Daereungwon ist kein „totes“ Gelände. Die Anlage ist heute als Park gestaltet und erlaubt einen seltenen Blick auf eine königliche Totenlandschaft, die über 1.500 Jahre nahezu unverändert geblieben ist. Die Hügel sind nicht rekonstruiert, sondern authentisch – sie zeigen Silla nicht als Legende, sondern als greifbare, räumlich erfahrbare Zivilisation.
Daereungwon ist damit weit mehr als eine Gräbergruppe: Es ist ein steinernes Geschichtsbuch über Macht, Tod und Weltordnung im frühen Korea.










