StartAsienFlora Vietnams – Vegetationszonen und Pflanzenvielfalt

Flora Vietnams – Vegetationszonen und Pflanzenvielfalt

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Vietnam zählt zu den artenreichsten Ländern Südostasiens in Bezug auf seine Pflanzenwelt. Die langgestreckte Form des Landes entlang der Küste des Südchinesischen Meeres sowie die großen Höhenunterschiede, die von hohen Bergen bis hin zu fruchtbaren Flussdeltas reichen, erzeugen eine bemerkenswerte Bandbreite an Lebensräumen. Auf relativ kleinem Raum wechseln sich subtropische Bergwälder, tropische Regenwälder, Savannen, Mangrovensümpfe und landwirtschaftliche Nutzflächen ab. Gründe hierfür sind vielfältige klimatische Einflüsse, geologische Veränderungen und die historische Entwicklung der Vegetation.

Naturräumliche Grundlagen der Pflanzenwelt Vietnams

Die Flora Vietnams umfasst mehrere tausend Arten von Gefäßpflanzen, darunter auch viele, die nur in bestimmten Regionen vorkommen. Besonders erwähnenswert sind die artenreichen Regenwälder des Annam-Gebirges, die Nebelwälder in höheren Lagen, die tropischen Feuchtgebiete im Süden und die besonderen Ökosysteme des Mekongdeltas.

Daneben haben aber auch traditionelle Anbaumethoden, Plantagen und die heutige Landnutzung einen großen Einfluss auf die Vegetation in vielen Gebieten. Vietnams Pflanzenvielfalt kann grob nach geografischen und klimatischen Zonen unterteilt werden. Jede Region hat ihre eigenen Umweltbedingungen – und somit auch eine typische Pflanzenwelt.

Die Flora im subtropischen Nordvietnam

Das Klima im Norden Vietnams ist stark subtropisch, besonders in den höheren Lagen nahe der chinesischen Grenze. Gebirge, tiefe Täler und Karstlandschaften prägen hier das Aussehen. In Höhen von über 3000 Metern ist es deutlich kälter als im Rest des Landes. Dies ermöglicht das Vorkommen von Pflanzen, die eher an Südchina oder den Himalaya erinnern als an tropische Gebiete.

In den höheren Bergregionen gibt es immergrüne Bergwälder mit vielen verschiedenen Baumarten. Eichen, Kastanien und Lorbeergewächse sind hier typisch, ebenso wie viele Arten von Magnolien und Rhododendren. In den feuchten Nebelwäldern, in denen es oft neblig ist, wachsen viele Moose, Farne und Epiphyten. Besonders viele Orchideen sind vertreten, die oft auf Baumstämmen oder Felsen wachsen.

Die Karstlandschaften im Norden sind ein besonderes botanisches Gebiet. Die Kalksteinfelsen sind porös und bieten wenig Boden, weshalb sich hier Pflanzen entwickelt haben, die gut mit Trockenheit und wenigen Nährstoffen auskommen. Viele dieser Arten kommen nur hier vor und haben sich an extreme Bedingungen angepasst.

Auch Bambus ist ein wichtiger Bestandteil der nordvietnamesischen Vegetation. Verschiedene Bambusarten wachsen an Hängen, Waldrändern und auf Kulturflächen. Sie sind sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich von Bedeutung.

Die Landwirtschaft hat die Vegetation im Norden stark verändert. Besonders bekannt sind die Reisterrassen in den Bergregionen, die sich wie grüne Stufen an den Hängen entlangziehen. Trotz intensiver Nutzung gibt es in vielen abgelegenen Gebieten noch eine bemerkenswerte natürliche Artenvielfalt.

Die Vegetationszonen Vietnams sind eng mit Klima und Relief verbunden und werden ausführlich im Beitrag zur Geografie, Klima und Natur Vietnams dargestellt.

Die Flora in Zentralvietnam

Zentralvietnam ist geprägt durch das langgestreckte Annam-Gebirge, das parallel zur Küste verläuft. Diese Gebirgslandschaft hat einen großen Einfluss auf das Klima, da sie die Monsunwinde aufhält und starke Regenfälle verursacht. Gleichzeitig gibt es in Küstennähe deutlich trockenere Gebiete, was zu einer Vielfalt an Vegetationszonen führt.

Die Bergwälder des Annam-Gebirges gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Vietnams. Hier wachsen dichte tropische Regenwälder mit mehrschichtigen Baumkronen. Hohe Dipterocarpus-Bäume, immergrüne Laubbäume, Palmen und viele Lianen bilden ein dichtes Geflecht. In den unteren Schichten des Waldes gibt es Farne, Schattenpflanzen und eine große Anzahl an Kräutern.

Zentralvietnam ist zudem ein wichtiges Zentrum für Pflanzen, die nur hier vorkommen. Viele Arten leben ausschließlich in den abgelegenen Bergregionen, wo sie sich über lange Zeiträume getrennt voneinander entwickelt haben. Bis heute entdecken Botaniker hier neue Pflanzenarten.

Die Küstenregionen bieten ein ganz anderes Bild. Hier bestimmen sandige Böden, salzige Luft und saisonale Trockenheit die Vegetation. Strauchartige Pflanzen mit dicken Blättern, widerstandsfähige Gräser und spezielle Dünenpflanzen prägen diese Landschaft.

In einigen Gebieten Zentralvietnams wechseln sich Regenwald und saisonal trockene Wälder ab. Während der Trockenzeit verlieren viele Bäume ihre Blätter, um Wasser zu sparen. Diese saisonalen Wälder unterscheiden sich deutlich von den immergrünen Regenwäldern der feuchteren Gebiete.

Die Flora im tropischen Süden

Der Süden Vietnams liegt vollständig in den Tropen und zeichnet sich durch ganzjährig hohe Temperaturen sowie ausgeprägte Regenzeiten aus. Die natürliche Vegetation besteht hauptsächlich aus tropischem Tieflandregenwald, der früher einen großen Teil der Region bedeckte.

Diese Wälder sind sehr artenreich. Hohe Bäume mit breiten Kronen bilden die oberste Schicht, darunter wachsen kleinere Bäume, Sträucher und eine dichte Schicht aus krautigen Pflanzen. Lianen verbinden die Baumkronen miteinander, während Epiphyten wie Orchideen und Farne in den oberen Bereichen wachsen.

Viele Pflanzen im tropischen Süden haben sich an die hoheLuftfeuchtigkeit angepasst und konkurrieren stark umLicht. Große Blätter, schnelles Wachstum und komplexe Wurzelsysteme sind weit verbreitet.

Heute ist ein Großteil des ursprünglichen Regenwaldes durch Landwirtschaft und Plantagen ersetzt worden. Besonders verbreitet sind Kautschuk-, Kaffee- und Obstplantagen. In Schutzgebieten gibt es jedoch noch große Waldflächen mit einer hohen Artenvielfalt.

Feuchtgebiete, saisonal überflutete Wälder und die Vegetation an Flussufern ergänzen das Bild der Pflanzenwelt im Süden. Wasserpflanzen, Röhrichte und Uferzonen mit vielen Palmen sind typisch für diese Landschaft.

Die besondere Pflanzenwelt des Mekongdeltas

Das Mekongdelta im äußersten Süden Vietnams ist eines der produktivsten und ökologisch wichtigsten Feuchtgebiete Asiens. Hier verzweigt sich der Mekong in ein großes Netz aus Flussarmen, Kanälen und Überschwemmungsgebieten, bevor er ins Meer mündet.

Die Vegetation ist stark vom Wasser abhängig. Große Teile des Deltas werden zeitweise oder dauerhaft überflutet, wodurch sich hochspezialisierte Pflanzengesellschaften entwickelt haben. Besonders typisch sind Mangrovenwälder entlang der Küsten. Diese Bäume haben auffällige Stelz- oder Atemwurzeln, die ihnen das Überleben in sauerstoffarmen, salzigen Böden ermöglichen.

Ein weiteres typisches Element sind Nipa-Palmen, die flache Uferbereiche und Brackwasser besiedeln. Ihre langen, gebogenen Blätter bilden dichte Bestände, die wichtige Lebensräume für viele Tierarten darstellen.

Auch schwimmende Pflanzen spielen eine wichtige Rolle. Wasserhyazinthen, Lotusblumen und andere Wasserpflanzen bedecken ruhige Gewässer und tragen zur Dynamik des Ökosystems bei.

Neben der natürlichen Vegetation wird das Mekongdelta intensiv landwirtschaftlich genutzt. Reisfelder prägen große Flächen und machen die Region zu einem der wichtigsten Reisanbaugebiete der Welt. Trotz dieser Nutzung bleibt das Delta ein komplexes Zusammenspiel von natürlichen und vom Menschen beeinflussten Pflanzenlandschaften.

Natur und Gesellschaft – Nutzung und Wandel der Vegetation

Die Flora Vietnams spiegelt auf beeindruckende Weise die geografische Vielfalt des Landes wider. Von den kühlen Nebelwäldern der nördlichen Berge über die artenreichen Regenwälder der zentralen Hochgebirge bis hin zu den tropischen Tiefebenen und den wassergeprägten Ökosystemen des Mekongdeltas zeigt sich eine außergewöhnliche Vielfalt an pflanzlichen Lebensformen. Jede Region hat ihre eigene ökologische Identität, die durch Klima, Relief und menschliche Nutzung geprägt ist.

Gleichzeitig zeigt die Pflanzenwelt Vietnams die enge Beziehung zwischen Natur und Gesellschaft. Landwirtschaft, traditionelle Nutzung und die heutige wirtschaftliche Entwicklung haben die Vegetation vielerorts verändert, ihre grundlegende Vielfalt aber nicht vollständig verdrängt. Besonders in abgelegenen Bergregionen und Schutzgebieten sind ursprüngliche Ökosysteme erhalten geblieben, die nicht nur für die Forschung von großem Interesse sind, sondern auch eine wichtige Rolle für den Erhalt der weltweiten Artenvielfalt spielen.

Die botanische Vielfalt Vietnams ist somit nicht nur ein Zeichen seines natürlichen Reichtums, sondern auch ein lebendiges System, das sich ständig weiterentwickelt – geprägt durch Klima, Entwicklung und den Einfluss des Menschen.

Bedeutende Bäume und Kulturpflanzen Vietnams

Symbolträchtige Baumarten

Bambus (Tre):

Gilt als Symbol für vietnamesische Widerstandsfähigkeit, weit verbreitet und wichtig für Bau, Möbel und Ernährung.

Banyan-Feige (Cay Da):

Ein markanter Baum, oft im Dorfzentrum, der Langlebigkeit und Resilienz verkörpert.

Kapokbaum (Bombax ceiba / Hoa Gao):

Bekannt für seine roten Blüten im Frühling, besonders in ländlichen Gebieten Nordvietnams.

Eisenholz (Lim / Erythrophleum fordii):

Ein wertvolles, sehr hartes Holz für Konstruktionen und hochwertige Möbel.

Litschi (Lychee):

Ein wichtiges Obst, das in Nordvietnam häufig angebaut wird.

Tungölbaum (Vernicia fordii):

In Regionen wie Ha Giang zur Ölgewinnung angebaut.

Kiefern (Pinus):

Vor allem in höheren Lagen der nordvietnamesischen Berge zu finden.

Taraw-Palme (Livistona saribus):

Eine häufige Palme im Unterholz, deren Blätter zur Dachdeckung verwendet werden.

Wichtige Kulturpflanzen und Landwirtschaft

Reis (Lua):

Die mit Abstand wichtigste Kulturpflanze, angebaut auf Terrassenfeldern in den Bergen und im Roten Flussdelta.

Tee (Che):

Insbesondere in Bergprovinzen (z.B. Thai Nguyen) wird qualitativ hochwertiger Tee produziert.

Wasserspinat (Rau Muong):

Ein Grundnahrungsmittel, das im Wasser und an Land wächst.

Kräuter:

Koriander, Sägezahnkoriander, Perilla, Minze, Basilikum und Zitronengras sind wesentlich für die nordvietnamesische Küche.

Gemüse:

Chayote, Bittermelone, Kürbis und verschiedene Kohlarten.

Typische Obstbäume

Pomelo (Buoi):

Besonders beliebt und in Nordvietnam oft von hoher Qualität.

Guave (Oi):

Ein sehr häufiger Obstbaum in Gärten.

Mango (Xoai):

Weit verbreitet.

Papaya (Du Du):

Wächst schnell und findet sich in vielen Hausgärten.

Longan (Nhan):

typisch für die Region.

Blumen und Zierpflanzen

Lotus (Hoa Sen):

Die Nationalblume, ein Symbol für Reinheit, wächst im Wasser.

Pfirsichblüten (Hoa Dao):

Ein wichtiges Symbol des Neujahrsfests (Tet) in Nordvietnam.

Kumquat (Cay Quat):

Wird zu Tet in Häusern aufgestellt und steht für Glück und Gesundheit.

Buchweizenblume (Hoa Tam Giac Mach):

Bekannt in den nördlichen Hochländern (Ha Giang), blüht im Herbst.

Rote Frangipani (Hoa Su):

Bekannt für ihre duftenden Blüten und die intensiven Farben, die ganze Straßenzüge schmücken.

Eine übergeordnete Einordnung der Natur- und Kulturräume Vietnams findet sich im Überblicksartikel zu Vietnam – Geschichte, Kultur, Geografie und Gegenwart.

Peter Jurgilewitschhttps://peter-jurgilewitsch.de
Peter Jurgilewitsch ist Kulturhistoriker, Reiseexperte und Autor. Nach einem Studium der Musik- und Kunstgeschichte war er jahrzehntelang als Reiseleiter, Kreuzfahrtdirektor und Reisevermittler tätig und bereiste über 160 Länder. Seine Arbeit verbindet Kulturgeschichte, Archäologie, Natur- und Landschaftsverständnis mit eigener Erfahrung vor Ort. Er ist Autor mehrerer Reise- und Kulturführer.

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