Polarlicht auf einem Schiff
Polarlicht auf einem Schiff

Das Polarlicht ist eine Lichterscheinung am Nachthimmel, die bis heute nichts von ihrem mystischen Reiz verloren hat. Auf der Nordhalbkugel wird es auch Aurea Borealis genannt. Auf der Südhalbkugel heißt es Aurea Australis. Jeder, der einmal die Chance hatte Polarlichter zu erleben, seine Bewegungen in Schleiern am Nachthimmel zu verfolgen, wird dies nie wieder vergessen. Die erstaunliche Vielfalt, sei es in Farben oder Formen, ist überraschend. Blau, Grün, Gelb, Rot und Violett sind die am häufigsten auftretenden Farben. Der Formenreichtum ist noch beeindruckender. Lichtbögen, Schleifen, Spiralen, und Wellen kommen in raschem Wechseln vor.

Der Betrachter hat nicht selten den Eindruck, die Aurea Borealis sein unbeweglich. Erst bei stärkerer Aktivität können mit bloßem Bewegungen in Schleiern erkannt werden. Dazu muss es vollständig dunkel sein und auch Kunstlicht von Städten und Straßenbeleuchtungen muss vermieden werden. Erst dann zeigt sich, meist ganz plötzlich das Ereignis. Das menschliche Auge braucht einige Zeit, um sich darauf einzustellen. Dann steht einem mitunter mehrere Stunden andauernden Naturspektakel nichts mehr im Wege.

Das Polarlicht in der Geschichte

Nordlicht
Nordlicht

Erste Erwähnungen des Nordlichts stammen aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Es sind chinesische Aufzeichnungen, die „große blitzende Bögen“ beschreiben. In nahezu allen Kulturen des Nordens oder jenen, die in entsprechenden Breiten zu Hause waren, gab es Sichtungen. Jeder Kulturkreis entwickelte seine eigenen Deutungen, die nicht selten religiöse Hintergründe hatten. Das Phänomen war auch im Mittelalter allgegenwärtig. Die Wikinger glaubten, es handele sich um das Licht Odins, ihrem Göttervater. Andere nordische Völker hielten das vermehrte Auftreten der Aurea Borealis für Vorboten von Naturkatastrophen. Auch die Isländer verbanden das Nordlicht mit ihren Sagas und Legenden. Auf der Südhalbkugel waren es die Seefahrer des 18. Jhs., die Aurea Australis dokumentierten. Erst der norwegische Wissenschaftler Kristian Olaf Birkeland (1867-1917) brachte die Erscheinungen in Zusammenhang mit der Sonne und dem Sonnenwind. Von diesem Zeitpunkt an ist das Wissen um das Himmelsphänomen gewachsen, wenn auch längst noch nicht alle Fragen geklärt sind.

Entstehung des Polarlichts

Nordlicht/Island
Nordlicht/Island

Der Sonnenwind rast mit der ungeheuren Geschwindigkeit von 1,62 Mio. km/h durch den Weltraum. Wenn die elektrisch geladenen Teilchen in die Nähe der Erde kommen, so werden sie zum Teil von dem Magnetfeld der Erde abgefangen und zu den Polen abgelenkt. Sie stoßen mit Luftteilchen zusammen und bringen diese zum Leuchten. Dies geschieht in unterschiedlichen Höhen von 70 bis 400 km. Der Himmel beginnt scheinbar zu glühen und wir sehen Polarlichter. Immer dann, wenn verstärkte Sonnenaktivität gemessen wird, kommen die zu diesem Zeitpunkt von der Sonne ausgesandten Teilchen nach 24-36 Stunden auf der Erde an. Das Polarlicht ist für den Betrachter völlig ungefährlich und es entstehen in Bodennähe auch keine erhöhten Temperaturen. Das ist dem Magnetfeld unseres Planeten und auch der Atmosphäre zu verdanken, die zusammen verhindern, dass lebensbedrohliche Teilchen des Sonnenwinds die Erdoberfläche erreichen. Es ist unser Schutzschild zum Weltall hin.

Das Polarlicht fotografieren

Aurea Borealis vor Island
Aurea Borealis vor Island

Es bedarf schon einer nicht unerheblichen Vorbereitung, will man Polarlichter fotografieren. Gebraucht werden: Eine Kamera, die auch hohe Empfindlichkeiten jenseits von 1000 ISO ohne Schneebildung im Bild darstellen kann. Unabdingbar ist auch ein Stativ, denn es sind lange Belichtungszeiten erforderlich. Auch das Auflegen der Kamera ermöglicht gute Aufnahmen, selbst auf Fahrzeugen wie einem Schiff, wenn die Kamera sicher auf einem Stativ steht. Es bedarf einiger Übung, bis das erste Mal ein halbwegs vernünftiges Bild zu sehen ist. Experimentieren und Ausprobieren sind dabei das Gebot der Stunde! Meine Erfahrungen sind mit einer NIKON D850 Spiegelreflexkamera, je nach Helligkeit des Polarlichts Belichtungszeiten von 6 bis 15 Sekunden bei einer ISO von 1200 bos 1600. Die Blende sollte ganz offen sein.

Wann und wo kann man Polarlichter sehen?

Scheier der Aurea Borealis vor Island
Scheier der Aurea Borealis vor Island

Zunächst gilt die Regel: Je weiter nördlich sich der Reisende befindet, umso höher ist die Chance die Aurea Borealis zu sehen. Auf der Südhalbkugel ist dies sehr schwierig oder fast unmöglich, denn das Eis der Antarktis verhindert schon recht früh das Vordringen in die Regionen, in denen das Himmelslicht sichtbar wird. Idealer ist da die Nordhalbkugel, denn nördlich von 66° 33′ also dem nördlichen Polarkreis ist das Nordlicht sichtbar, wenn die Wetterbedingungen stimmen. Dazu muss der Himmel wolkenlos und wirklich sehr klar sein. Am Beispiel von Island lässt sich sagen, dass ab dem 1. September die Saison der Beobachtung des Polarlichts beginnt.

Vor allem der Oktober ist ideal. Auch März und April sind gut geeignet und die Chancen auf eine Sichtung sehr gut. Ungeeignet sind Dezember und Januar, da es in diesen Monaten eher trüb und bewölkt ist und natürlich die Sommermonate Mai-August. Hier wird es nördlich des Polarkreises nicht dunkel und hoch im Norden scheint die Mitternachtssonne. Auch die Frage, zu welchem Zeitpunkt eine Reise zum Nordlicht stattfinden sollte ist entscheidend für den Erfolg.

Polarlicht
Polarlicht
Polarlicht vor Island
Polarlicht vor Island