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Ollantaytambo – grandiose Festung der Inka in Peru

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Ollantaytambo – grandiose Festung der Inka in Peru

Inhaltsverzeichnis

Ollantaytambo ist eine der bedeutendsten Stätten der Inka im Heiligen Tal. Ollantaytambo, unweit von Cusco in Peru gelegen ist eine imposnate Festung. Die Stadt vereint ein bemerkenswertes archäologisches Areal mit einer noch heute bewohnten Altstadt, die auf den Fundamenten der Inka-Ruinen ruht. Mit ihrer einzigartigen Mischung aus Geschichte und lebendiger Kultur Ollantaytambo sie als eine der wichtigsten Stationen auf dem Weg nach Machu Picchu.

Die Festungsanlage von Ollantaytambo erhebt sich majestätisch über dem Ort und zeugt von der strategischen Bedeutung dieser Stätte. Terrassen, Tempel und gewaltige Steinquader zeigen die hohe Baukunst der Inka, die hier sowohl landwirtschaftliche als auch militärische Funktionen vereinten. Die Anlage diente als Schutz vor Eindringlingen und bot zugleich einen Platz für zeremonielle Handlungen.

Besonders eindrucksvoll ist die sogenannte Sonnentempel-Plattform, auf der riesige, perfekt behauene Steinblöcke thronen. Noch heute geben sie Rätsel auf, da ihre Bearbeitung und ihr Transport über große Distanzen ein Meisterwerk der Ingenieurskunst darstellen. Von den oberen Terrassen aus eröffnet sich zudem ein spektakulärer Blick über das fruchtbare Tal und die umliegenden Andengipfel.

Neben den Ruinen lädt auch die historische Stadt selbst zu einem Rundgang ein. Mit ihren engen Gassen, Kanälen und Häusern aus Inka-Mauerwerk vermittelt sie ein authentisches Bild vergangener Zeiten. Gleichzeitig ist Ollantaytambo ein lebendiges Dorf, in dem Traditionen, Märkte und das alltägliche Leben der Bewohner in unmittelbarer Nähe zu den Relikten der Inka weiterbestehen. Mittlerweile gehört der Ort zu den am meisten besuchten in Südamerika.

Ollantaytambo – Bedeutung, Standortwahl und Nutzung

Ollantaytambo liegt etwa 60 Kilometer nordwestlich von Cusco im Heiligen Tal der Inka. Auf einer Höhe von rund 2.800 Metern gelegen, vereint diese Anlage Festung, Tempelanlage, Wohnort und landwirtschaftliches Zentrum in einem. Der Ort ist bis heute einzigartig, da er nicht nur bedeutende Ruinen, sondern auch eine noch immer bewohnte Altstadt aus der Inkazeit umfasst. Seine strategische Lage, die besondere topografische Beschaffenheit sowie seine symbolische Bedeutung machen Ollantaytambo zu einem Schlüsselort für das Verständnis der Inka-Kultur.

Bedeutung von Ollantaytambo

Der Sinn und Zweck von Ollantaytambo lässt sich nicht eindeutig auf eine einzige Funktion reduzieren. Vielmehr war die Anlage ein komplexes Zentrum, das mehrere Aspekte miteinander verband. Einerseits diente sie als militärische Festung, was sich aus den mächtigen Terrassenanlagen und der hoch gelegenen Verteidigungsstellung ergibt.

Von hier aus konnte man das gesamte Tal überblicken und potenzielle Eindringlinge frühzeitig erkennen. Andererseits war Ollantaytambo ein religiöses Zentrum, in dem Zeremonien und Rituale abgehalten wurden. Die präzise gearbeiteten Steinblöcke des Sonnentempels sowie die Ausrichtung mancher Bauten nach astronomischen Prinzipien deuten darauf hin, dass spirituelle und kosmologische Vorstellungen eine wesentliche Rolle spielten.

Hinzu kommt die Bedeutung als königliche Residenz. Ollantaytambo war eng mit dem Inka-Herrscher Pachacútec verbunden, der das Areal im 15. Jahrhundert zu einem seiner Stützpunkte ausbauen ließ. Für den Inka und seinen Hof war der Ort Rückzugsort, Palast und Machtdemonstration zugleich.

Die Nähe zu Cusco machte es möglich, administrative und militärische Belange zu koordinieren, während die Lage im fruchtbaren Heiligen Tal eine sichere Versorgung mit Lebensmitteln garantierte. Landwirtschaftliche Terrassen, Bewässerungssysteme und Speicherbauten zeugen von einer gezielten Planung, die weit über militärische Aspekte hinausging.

Die Standortwahl von Ollantaytambo

Warum aber wurde Ollantaytambo genau an dieser Stelle errichtet? Die Gründe dafür liegen sowohl in der Geografie als auch in der symbolischen Bedeutung des Ortes. Das Tal des Urubamba-Flusses, in dem Ollantaytambo liegt, bot besonders fruchtbare Böden und ein gemäßigtes Klima, das für die Landwirtschaft ideal war.

Hier konnten Mais, Kartoffeln und Quinoa in großen Mengen angebaut werden. Zudem sorgte der Fluss für eine verlässliche Wasserquelle, die durch ein ausgeklügeltes System von Kanälen und Aquädukten in die Anlage geleitet wurde. Die Kontrolle über diese Ressourcen war entscheidend für die Stabilität und Macht der Inka.

Auch die topografische Lage spielte eine entscheidende Rolle. Ollantaytambo befindet sich an einem Knotenpunkt wichtiger Verkehrswege, die Cusco mit dem Tiefland, dem Amazonasgebiet und dem weiteren Hochland verbanden.

Als Schnittstelle zwischen verschiedenen Regionen hatte die Stätte eine strategische Bedeutung, um Handel, Kommunikation und militärische Bewegungen zu überwachen. Die steilen Berghänge boten zudem eine natürliche Verteidigung, die durch die massiven Terrassenanlagen noch verstärkt wurde.

Neben den praktischen Erwägungen hatte Ollantaytambo vermutlich auch eine starke symbolische Dimension. Viele Bauwerke der Inka sind in direkter Beziehung zu umliegenden Bergen, Flüssen und anderen Landschaftsmerkmalen entstanden.

Die Inka sahen in den Bergen – den sogenannten Apus – göttliche Wesen, die über das Land wachten. Ollantaytambo liegt eingebettet zwischen mächtigen Gipfeln, die als heilig galten und den Ort zu einem rituell aufgeladenen Raum machten.

Auch die Ausrichtung bestimmter Tempel und Terrassen auf Sonnenwenden oder Sternkonstellationen deutet darauf hin, dass der Standort bewusst gewählt wurde, um kosmische Ordnung und politische Macht zu vereinen.

Ein weiterer Grund für die Wahl des Ortes könnte seine Funktion als „Tor“ zu anderen wichtigen Regionen gewesen sein. Von Ollantaytambo aus führte einer der Hauptwege nach Machu Picchu, das vermutlich als religiöses und astronomisches Zentrum diente.

Wer Ollantaytambo kontrollierte, kontrollierte also auch den Zugang zu diesem heilgen Ort. Gleichzeitig war das Tal ein Übergangsraum, der die Anden mit dem Amazonastiefland verband, was den Austausch von Gütern wie Koka, Federn oder exotischen Früchten erleichterte.

Insgesamt zeigt sich, dass Ollantaytambo weit mehr war als eine bloße Festung oder Siedlung. Es vereinte landwirtschaftliche, militärische, religiöse und administrative Funktionen auf bemerkenswerte Weise. Der Ort wurde nicht zufällig gewählt, sondern entsprach einer vielschichtigen Logik aus strategischen, ökonomischen und spirituellen Überlegungen.

Seine Lage im Herzen des Heiligen Tals, die Nähe zu bedeutenden Bergen, die Fruchtbarkeit des Bodens und die Kontrolle über Handelswege machten es zu einem Schlüsselpunkt im Inkareich.

Noch heute spürt man in Ollantaytambo diese besondere Verbindung aus praktischer Nützlichkeit und symbolischer Bedeutung. Die Ruinen und die noch immer lebendige Stadt lassen erahnen, wie eng Natur, Religion und Macht bei den Inka miteinander verflochten waren.

Damit ist Ollantaytambo nicht nur ein archäologisches Juwel, sondern auch ein Fenster in die Weltanschauung einer Hochkultur, die ihr Wissen über Natur, Technik und Kosmos in Stein verewigt hat.

Spuren der Inkaherrscher in Ollantaytambo

Pachacútec – Der Visionär und Erbauer

Pachacútec Yupanqui, der neunte Inka-Herrscher, war eine der herausragendsten Persönlichkeiten des Inkareiches. Er regierte in der Mitte des 15. Jahrhunderts und gilt als der große Reformator, der das Reich aus einer regionalen Macht in eine imperiale Hochkultur verwandelte.

In seine Regierungszeit fällt die grundlegende Neuorganisation von Cusco, der Ausbau eines dichten Straßennetzes und die Errichtung zahlreicher Festungen und religiöser Zentren.

Für Ollantaytambo hatte Pachacútec eine besondere Vision. Er ließ den Ort zu einem seiner königlichen Anwesen ausbauen, das sowohl militärischen Schutz als auch zeremonielle Bedeutung hatte. Die mächtigen Terrassen, die sich wie ein Monument an den Berghang schmiegen, entstanden in dieser Phase.

Sie dienten nicht nur dem Ackerbau, sondern auch als architektonisches Symbol für Macht und Ordnung. Die Anlage demonstrierte, wie die Inka in der Lage waren, selbst schwierige Topografien zu beherrschen.

Besondere Aufmerksamkeit widmete Pachacútec auch dem Bau der Tempelanlagen. Der Sonnentempel mit seinen riesigen, perfekt behauenen Monolithen wird oft als Meisterwerk der Inkasteinmetzkunst bezeichnet.

Die Anlage diente vermutlich rituellen Handlungen, die den Herrscher mit den Göttern verbanden. Damit war Ollantaytambo nicht nur ein praktischer Stützpunkt, sondern auch ein Zentrum, das die göttliche Legitimation des Inkas unterstrich.

Durch Pachacútecs Einfluss wurde Ollantaytambo zu einem der wichtigsten Orte im Heiligen Tal. Es verband strategische, landwirtschaftliche und religiöse Funktionen und spiegelte die Ambition wider, Natur, Kosmos und Herrschaft in einer einheitlichen Ordnung zu vereinen.

Túpac Inca Yupanqui – Der Verwalter und Festiger

Nach dem Tod Pachacútecs führte sein Sohn Túpac Inca Yupanqui das Reich in eine Phase weiterer Expansion. Er gilt als einer der bedeutendsten Militärführer und Eroberer der Inka, der das Reich bis nach Ecuador im Norden und Chile im Süden ausdehnte. Gleichzeitig musste er die gewaltigen Strukturen, die sein Vater aufgebaut hatte, stabilisieren und konsolidieren.

In Ollantaytambo setzte Túpac Inca Yupanqui die begonnenen Bauprojekte fort. Er beaufsichtigte die Fertigstellung wichtiger landwirtschaftlicher und religiöser Anlagen. Dabei lag sein Schwerpunkt vor allem auf der Organisation der Region und der Integration der Bevölkerung in die Verwaltungsstrukturen des Reiches.

Ein wichtiges Mittel war dabei die Ansiedlung von sogenannten Mitmaqs – Bevölkerungsgruppen, die aus anderen Teilen des Reiches umgesiedelt wurden, um Loyalität zu sichern und Wissenstransfer zu ermöglichen.

Dank dieser Maßnahmen entwickelte sich Ollantaytambo zu einem stabilen landwirtschaftlichen und wirtschaftlichen Zentrum. Die Terrassen ermöglichten einen effizienten Maisanbau, der für rituelle Zwecke ebenso wichtig war wie für die Ernährung der Bevölkerung.

Gleichzeitig entstand eine Infrastruktur von Speichern und Kanälen, die den Ort widerstandsfähig gegen Engpässe und Angriffe machte.

Auch politisch nutzte Túpac Inca Yupanqui die Anlage. Als königlicher Stützpunkt im Heiligen Tal war Ollantaytambo ein Symbol der Kontrolle über diese fruchtbare Region, die für Cusco von entscheidender Bedeutung war. Er trug somit dazu bei, dass die von seinem Vater geschaffenen Strukturen nicht nur Bestand hatten, sondern auch langfristig funktionieren konnten.

Manco Inca – Der Widerstandskämpfer

Eine neue Rolle erhielt Ollantaytambo im 16. Jahrhundert, als die Spanier in das Inkareich eindrangen. Manco Inca Yupanqui, ein Nachfahre der Herrscherdynastie, wurde nach der Eroberung Cuscos 1533 zunächst von den Spaniern als Marionettenkönig eingesetzt. Er sollte das Bild eines formal intakten Inkastaates wahren, stand jedoch unter der Kontrolle der Konquistadoren.

Schon bald jedoch wandte sich Manco Inca gegen die Fremdherrschaft. 1536 startete er einen groß angelegten Aufstand gegen die Spanier. Ollantaytambo wurde in diesem Kontext zu seinem militärischen Hauptquartier. Die Lage der Festung war ideal: Sie bot nicht nur natürliche Verteidigungsanlagen, sondern auch eine hervorragende Übersicht über das Tal und die Wege nach Cusco.

Besonders bekannt wurde die Schlacht von Ollantaytambo im Januar 1537. Manco Inca nutzte die Terrassen und die Flussläufe zu seinem Vorteil. Er ließ das Tal durch Kanäle fluten, sodass die spanischen Reiter im morastigen Gelände nicht vorankamen. In einem der wenigen direkten militärischen Erfolge der Inka gelang es ihm, die Spanier zurückzuschlagen. Dieser Sieg machte Ollantaytambo zu einem Symbol des Widerstandes und zu einem Mahnmal der Stärke der Inka.

Trotz dieses Erfolges musste Manco Inca den Ort bald aufgeben und sich nach Vilcabamba zurückziehen, wo er einen unabhängigen Inka-Staat im Exil gründete.

Dennoch bleibt Ollantaytambo eng mit seinem Namen verbunden. Es steht für die letzte Phase eigenständiger Inka-Herrschaft und den verzweifelten, aber mutigen Versuch, das Reich gegen die spanische Übermacht zu verteidigen.

Drei Herrscher prägen die Geschichte Ollantaytambos in besonderem Maße. Pachacútec war der Visionär, der die Stätte als königlichen Rückzugsort, religiöses Zentrum und strategischen Stützpunkt erschuf.

Sein Sohn Túpac Inca Yupanqui sorgte dafür, dass die Anlage weiter ausgebaut und stabil in das Reich integriert wurde. Jahrhunderte später nutzte Manco Inca denselben Ort, um den Widerstand gegen die spanische Eroberung zu organisieren und eine der größten Schlachten der Inka gegen die Konquistadoren zu schlagen.

Ollantaytambo ist damit nicht nur ein archäologischer Ort, sondern auch ein historisches Zeugnis, das die verschiedenen Phasen der Inka-Herrschaft widerspiegelt – von Expansion und Glanz über Verwaltung und Konsolidierung bis hin zum heroischen, wenn auch letztlich verlorenen Kampf um die Unabhängigkeit.

Jeder dieser Herrscher hinterließ seine eigene Spur, und zusammen machen sie Ollantaytambo zu einem Schlüsselsymbol der Inkageschichte.

Die Architektur von Ollantaytambo in Peru

Terrassenanlagen – Landwirtschaft und Verteidigung

Die terrassierten Hänge von Ollantaytambo gehören zu den auffälligsten architektonischen Elementen der Stätte. Sie dienten in erster Linie der landwirtschaftlichen Nutzung, indem sie den Anbau von Mais, Kartoffeln und Quinoa auf den steilen Hängen ermöglichten. Gleichzeitig stabilisierten sie die Berghänge und schützten die Anlage vor Erosion.

Doch die Terrassen hatten auch eine militärische Funktion. Ihre gewaltigen Mauern bildeten natürliche Barrieren, die Angreifern den Aufstieg erheblich erschwerten. In Verbindung mit den steilen Felswänden wurde Ollantaytambo so zu einer nahezu uneinnehmbaren Festung.

Der Tempelbezirk – Religiöse Monumentalität

Im Zentrum von Ollantaytambo befindet sich der unvollendete Sonnentempel, einer der faszinierendsten Bauten der Inka-Architektur. Hier ragen riesige, präzise behauene Monolithen empor, von denen einige bis zu 50 Tonnen wiegen. Die Blöcke wurden aus einem Steinbruch mehrere Kilometer entfernt herangeschafft – ein logistisches Meisterwerk.

Die Architektur folgt den typischen Prinzipien der Inka: fugenlose Passung der Steine, leichte Neigung der Wände zur Stabilität bei Erdbeben und eine bewusste Ausrichtung nach astronomischen Ereignissen. Der Tempel diente vermutlich sowohl religiösen Ritualen als auch der Legitimation der Herrscher durch die Verbindung mit der Sonne, dem höchsten Gott der Inka.

Die königlichen Gebäude – Paläste und Residenzen

Ollantaytambo war nicht nur eine Festung, sondern auch ein königlicher Rückzugsort. Im unteren Teil der Anlage finden sich großflächige Wohnbauten, die sich durch sorgfältige Steinbearbeitung und rechteckige Grundrisse auszeichnen. Diese Gebäude werden als Paläste interpretiert, die Pachacútec und seinem Hof dienten.

Besonders bemerkenswert ist die Symbiose von Funktionalität und Ästhetik. Die Paläste sind klar strukturiert, weisen Innenhöfe auf und stehen in engem Bezug zu Wasserkanälen, die durch die Stadt führen. Diese Kombination von Wohnkomfort und ritueller Symbolik zeigt die Vielschichtigkeit der Inkastädte.

Speicher und Infrastruktur – Versorgung und Logistik

Ein wesentliches Element der Architektur von Ollantaytambo sind die Qollqas – Speicherbauten, die an den Hängen oberhalb des Tals errichtet wurden. Ihre strategische Lage sorgte für eine natürliche Belüftung und Kühlung, was die Lagerung von Mais, Quinoa und anderen Lebensmitteln erleichterte. So war die Versorgung der Bevölkerung und der Truppen auch in Notzeiten gesichert.

Darüber hinaus verfügte die Stadt über ein ausgeklügeltes System von Kanälen und Aquädukten. Diese leiteten das Wasser des Urubamba-Flusses gezielt in die Terrassen, Wohnbereiche und zeremoniellen Bezirke. Das hydraulische System ist bis heute in Teilen funktionstüchtig und verdeutlicht das hohe ingenieurtechnische Wissen der Inka.

In den Inkaruinen von Ollantaytambo
In den Inkaruinen von Ollantaytambo

Die Altstadt – Lebendiges Erbe

Besonders einzigartig ist, dass Ollantaytambo bis heute eine bewohnte Stadt ist. Die Altstadt basiert auf dem ursprünglichen Inkagrundriss und folgt einem streng geometrischen Raster aus parallelen Straßen und Kanälen. Die Wohnhäuser bestehen aus massiven Steinmauern, oft mit rechteckigen Höfen im Inneren.

Viele dieser Strukturen sind noch original erhalten und werden von den Bewohnern genutzt. Damit bietet Ollantaytambo ein lebendiges Beispiel für die Kontinuität zwischen Vergangenheit und Gegenwart – ein Ort, an dem die Architektur der Inka nicht nur museal überdauert, sondern weiterhin Teil des Alltags ist.

Die Baugeschichte von Ollantaytambo in Peru

Die Anfänge unter Pachacútec

Die eigentliche Baugeschichte von Ollantaytambo beginnt in der Mitte des 15. Jahrhunderts unter der Herrschaft des neunten Inkas, Pachacútec Yupanqui. Vor seiner Zeit war das Gebiet bereits von lokalen Ethnien besiedelt, die das fruchtbare Tal nutzten, jedoch keine monumentale Architektur hinterließen.

Pachacútec erkannte die strategische und landwirtschaftliche Bedeutung des Ortes und ließ ihn zu einem seiner königlichen Domänen ausbauen.

Er beauftragte den Bau der gewaltigen Terrassenanlagen, die den Berghang nicht nur nutzbar machten, sondern auch als eindrucksvolles Zeichen der Macht dienten.

Parallel dazu begann man mit der Anlage des Tempelbezirkes am oberen Ende der Terrassen, wo ein monumentaler Sonnentempel entstehen sollte. Diese erste Bauphase legte den Grundstein für die spätere Bedeutung Ollantaytambos als militärisches, religiöses und politisches Zentrum.

Ausbau und Konsolidierung unter Túpac Inca Yupanqui

Nach Pachacútecs Tod führte sein Sohn Túpac Inca Yupanqui die Bautätigkeit in Ollantaytambo weiter. In dieser zweiten Phase lag der Schwerpunkt weniger auf monumentalen Neubauten, sondern auf der Vervollständigung und Systematisierung der bereits begonnenen Projekte.

Die königlichen Residenzen wurden fertiggestellt, und es entstanden repräsentative Paläste mit großen Innenhöfen, die durch Kanäle mit frischem Wasser versorgt wurden.

Gleichzeitig baute man die Stadtstruktur aus, indem man ein rechtwinkliges Straßensystem anlegte, das bis heute in der Altstadt erhalten ist. Auch die Speicheranlagen (Qollqas) oberhalb des Tals stammen aus dieser Zeit. Sie dienten der Versorgung des Inka-Hofes und der Sicherstellung von Vorräten für das Militär.

Diese Bauphase war geprägt von einer gezielten Integration der Region in das Reich. Mitmaqs – umgesiedelte Bevölkerungsgruppen – wurden in die Stadt gebracht, um Handwerk, Landwirtschaft und Baukunst zu bereichern. Dadurch erhielt Ollantaytambo eine multikulturelle Prägung und wurde zu einem wirtschaftlichen und administrativen Zentrum.

Der unvollendete Sonnentempel

Ein besonderer Abschnitt der Baugeschichte betrifft den monumentalen Sonnentempel, der am oberen Ende der Terrassen errichtet werden sollte. Seine gewaltigen Monolithen, von denen einige bis zu 50 Tonnen wiegen, stammen aus einem Steinbruch auf der gegenüberliegenden Seite des Urubamba-Tals. Sie mussten über Flüsse und steile Hänge transportiert werden – eine logistische Meisterleistung.

Doch der Tempel blieb unvollendet. Die Gründe dafür sind bis heute nicht abschließend geklärt. Einige Historiker vermuten, dass der Tod Pachacútecs den Bau unterbrach, andere sehen die spanische Invasion als Ursache. Fakt ist, dass noch heute unbehauene oder halbfertige Steinblöcke entlang des Weges vom Steinbruch zur Baustelle liegen, was die abrupte Unterbrechung verdeutlicht.

Trotz seiner Unvollständigkeit ist der Sonnentempel eines der faszinierendsten Elemente Ollantaytambos. Er verdeutlicht sowohl die technischen Fähigkeiten der Inka als auch die symbolische Bedeutung, die diesem Ort zugedacht war.

Die militärische Nutzung unter Manco Inca

Ein einschneidendes Kapitel in der Baugeschichte Ollantaytambos begann mit der spanischen Eroberung im 16. Jahrhundert. Manco Inca Yupanqui, zunächst von den Spaniern als Marionettenherrscher eingesetzt, nutzte die Stadt 1536 als militärisches Hauptquartier im Kampf gegen die Konquistadoren.

Während dieser Zeit wurden die bestehenden Anlagen militärisch adaptiert. Die Terrassen wurden zu Verteidigungsmauern, und die Wassersysteme nutzte man, um das Tal gezielt zu fluten. Die Architektur war also nicht nur ein Monument vergangener Herrschaft, sondern wurde aktiv in die Kriegsstrategie integriert.

Die erfolgreiche Abwehr der Spanier in der Schlacht von 1537 unterstreicht, wie wirkungsvoll die baulichen Strukturen eingesetzt werden konnten. Auch wenn Manco Inca Ollantaytambo später aufgeben musste, zeigt dieser Abschnitt, dass die Bauwerke eine doppelte Funktion hatten – repräsentativ und zugleich militärisch nutzbar.

Die koloniale Transformation und der Niedergang

Nach der endgültigen Niederlage der Inka und dem Rückzug nach Vilcabamba verlor Ollantaytambo seine zentrale Bedeutung. Unter spanischer Herrschaft erfuhr die Stadt einen tiefgreifenden Wandel. Ein Teil der königlichen Bauten wurde zerstört oder überbaut, Kirchen und koloniale Häuser entstanden.

Dennoch blieb der Grundriss der Altstadt mit ihrem Inka-Mauerwerk weitgehend erhalten. Viele der Wohnhäuser, die noch heute genutzt werden, stammen aus der Inkazeit und sind in die koloniale Architektur integriert. Diese Mischung aus Inka- und Kolonialstrukturen macht Ollantaytambo zu einem einzigartigen Beispiel für die kulturelle Kontinuität in den Anden.

Die Wiederentdeckung im 19. und 20. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert rückte Ollantaytambo durch die Berichte von Reisenden und Forschern wie Ephraim George Squier wieder stärker in das Interesse der westlichen Welt. Archäologen begannen, die Stätte systematisch zu untersuchen, und erkannten ihre Bedeutung als „lebendiges Museum“ der Inka.

Im 20. Jahrhundert wurde Ollantaytambo zunehmend zu einem touristischen Anziehungspunkt. Der Bau der Eisenbahnlinie nach Machu Picchu machte den Ort zu einem wichtigen Zwischenstopp. Gleichzeitig förderte man die Erhaltung der Bauten, um die Anlage für kommende Generationen zu bewahren. Archäologische Restaurierungsprojekte konzentrieren sich bis heute auf die Stabilisierung der Terrassen, den Schutz der Speicheranlagen und die Erforschung des unvollendeten Sonnentempels.

Ollanatytambo im Detail

Pinkuylluna-Speicher (Qollqas)

Am Berghang gegenüber des eigentlichen Tempelkomplexes, auf der Nordostseite des Tals, sind die Pinkuylluna-Speicher zu erkennen. Es handelt sich um eine ganze Reihe rechteckiger Inka-Bauten mit hochgezogenen Giebeldächern, die durch ihre regelmäßigen Fensteröffnungen auffallen.

Diese Fenster dienten nicht dem Ausblick, sondern der Luftzirkulation – die kalten Winde, die hier durch das Tal ziehen, hielten gelagertes Getreide, Mais und Quinoa frisch und verhinderten Schimmelbildung. Von der Hauptterrasse in Ollantaytambo aus wirken die Speicher klein, tatsächlich sind sie aber mehrere Meter hoch und tief in den Hang hineingebaut.

Heute kann man sie auch direkt über einen Wanderweg erreichen, doch schon aus der Ferne erkennt man ihre charakteristische Silhouette. Sie veranschaulichen die geniale Logistik der Inka, die Lagerorte nicht nur an militärischen, sondern auch an klimatisch günstigen Standorten errichteten.

Tempelberg & Sonnentempel (Mauer der sechs Monolithen)

Oberhalb der landwirtschaftlichen Terrassen erhebt sich der Tempelberg, der zeremonielle Teil der Anlage. Am auffälligsten ist dort der unvollendete Sonnentempel, dessen berühmtestes Element die sogenannte Mauer der sechs Monolithen ist. Es handelt sich um sechs riesige, rötlich schimmernde Steinblöcke aus Andesit, die absolut passgenau aneinandergesetzt sind, obwohl sie jeweils viele Tonnen wiegen.

Zwischen den Monolithen befinden sich dünne Steinplatten, die wie Fugen wirken, tatsächlich aber ebenfalls präzise eingesetzte Elemente sind. Von der Hauptterrasse erkennt man diese Mauer gut an ihrer glatten, ebenen Oberfläche, die sich deutlich von den gröberen Umfassungsmauern unterscheidet. Der Tempel selbst blieb unvollendet, vermutlich weil der spanische Einfall die Arbeiten unterbrach.

Die Monolithmauer gilt als eines der eindrucksvollsten Beispiele für die Steinbearbeitungskunst der Inka und wirft bis heute Fragen nach Transport und Bearbeitung der gewaltigen Blöcke auf.

Recinto de las Diez Hornacinas (Saal der zehn Nischen)

Nicht weit vom Sonnentempel entfernt liegt das Recinto de las Diez Hornacinas, wörtlich der ‚Saal der zehn Nischen‘. Dabei handelt es sich um eine längere Wand, in die exakt zehn gleichförmige, rechteckige Nischen eingelassen sind.

Diese Nischen dienten wahrscheinlich kultischen Zwecken, etwa als Aufstellungsorte für Opfergaben, Idole oder heilige Gegenstände. Von der Hauptterrasse fällt die Struktur sofort auf, da die zehn Nischen in einer regelmäßigen Reihe angeordnet sind, was der Wand ein streng rhythmisches Aussehen verleiht.

Für die Inka hatte die Zahl und Symmetrie eine wichtige symbolische Bedeutung, und es ist denkbar, dass dieser Saal für spezielle Rituale genutzt wurde, vielleicht auch im Zusammenhang mit den landwirtschaftlichen Zyklen.

Heute sehen Besucher hier eines der am besten erhaltenen Beispiele für die kultische Architektur der Anlage, und der Saal gilt als hervorragender Beobachtungspunkt, um die Harmonie zwischen Architektur und Landschaft zu begreifen.

Baños de la Ñusta (Bad der Prinzessin)

Am unteren Ende der Anlage, nahe dem Eingang, findet man die Baños de la Ñusta, die ‚Bäder der Prinzessin‘. Dabei handelt es sich um ein feines, in Stein gemeißeltes Wasserbecken, durch das ein klarer, kühler Wasserstrahl fließt. Der Einlass ist in einer typischen, stufenförmigen Form ausgearbeitet, wie man sie auch in anderen Inka-Heiligtümern findet, was auf eine rituelle Funktion hinweist. Wasser hatte im religiösen Weltbild der Inka eine zentrale Rolle – es galt als heilige Verbindung zwischen Bergen (den Apus) und fruchtbarem Land.

Das Bad der Prinzessin war vermutlich Teil eines zeremoniellen Komplexes für rituelle Waschungen oder Opferhandlungen. Von der Hauptterrasse aus sieht man den Bereich nicht in voller Klarheit, aber die Stelle, an der das Wasser fließt, ist an den hellen Reflexionen gut erkennbar. Heute gilt der Ort als ein Beispiel für die Verbindung von technischer Perfektion (hydraulische Leitungssysteme) und spiritueller Bedeutung.

Rostro de Viracocha (Gesichtsprofil im Fels)

Besonders eindrucksvoll ist am Pinkuylluna-Massiv ein natürliches Gesichtsprofil im Fels, das viele Einheimische und Besucher als Rostro de Viracocha, das „Gesicht des Schöpfergottes“, deuten. Mit etwas Fantasie erkennt man Stirn, Nase, Lippen und Kinn eines gigantischen Antlitzes, das sich über die Speicher erhebt.

Archäologisch ist diese Deutung zwar umstritten – es könnte sich einfach um eine natürliche Felsformation handeln –, doch in der mündlichen Überlieferung und in der touristischen Deutung ist die Verbindung zum Gott Viracocha fest verankert.

Vom Haupttempel aus lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und den Blick auf diesen Berg zu richten: besonders in den Nachmittagsstunden, wenn das Sonnenlicht die Konturen scharf herausarbeitet, wird die „Gesichtsillusion“ besonders deutlich.

Ob Zufall oder absichtliche Platzwahl der Inka – die Verbindung zwischen Landschaft, Mythos und Architektur bekommt durch dieses „Gesicht im Berg“ eine besonders eindrucksvolle Dimension.

Viracocha war eine Gottheit der andinen Mythologie. Man nimmt jedoch an, dass er vor der Ankunft der Eroberer – vielleicht mit Ausnahme von Cuzco – nicht von so großer Bedeutung war, da die Vorherrschaft beim Sonnengott Inti lag.

Offenbar waren es die Spanier selbst, die seinen Kult förderten, um den christlichen Schöpfergott leichter vermitteln zu können. Tatsächlich erzählt die Legende, Viracocha habe den Menschen und die Welt erschaffen – ein Werk, das gewisse Parallelen zur biblischen Genesis aufweist.

Das vermeintliche Gesicht des Gottes misst nicht weniger als 149 Meter in der Höhe, und über seinem Haupt öffneten die Inka eine Reihe von Fenstern, die eine Krone darstellen sollen.

Das Leben der Menschen in Ollantaytambo

Ollantaytambo, im Herzen des Heiligen Tals der Inka gelegen, war nicht nur eine imposante Festung und religiöse Stätte, sondern auch ein lebendiger Siedlungsort. Schon zur Zeit der Inka spielte der Ort eine zentrale Rolle in der Verwaltung und Versorgung des Reiches.

Das Leben der Menschen dort war eng mit den natürlichen Gegebenheiten des Tals, den politischen Entscheidungen der Inka-Herrscher und den sozialen Strukturen des Reiches verbunden. Um ein Bild vom Alltag zu gewinnen, lohnt es sich, Aspekte wie Bevölkerungsgröße, gesellschaftliche Organisation, Ernährung, landwirtschaftliche Praktiken und Handelsbeziehungen genauer zu betrachten.

Bevölkerungszahl und Siedlungsstruktur

Die genaue Bevölkerungszahl Ollantaytambos zur Inkazeit lässt sich heute nur schätzen. Archäologische Untersuchungen deuten darauf hin, dass im Kernbereich – der heutigen Altstadt und den umliegenden Terrassen – mehrere tausend Menschen lebten. Hinzu kamen Bewohner der umliegenden Dörfer und Gehöfte, die eng mit Ollantaytambo verbunden waren. Insgesamt könnte die Region im 15. und frühen 16. Jahrhundert zwischen 10.000 und 20.000 Menschen ernährt haben.

Die Stadt selbst war streng nach einem Rasterplan angelegt. Rechteckige Blöcke mit Wohnhöfen, durchzogen von Kanälen, bildeten die Grundlage. Jede Einheit beherbergte vermutlich mehrere Familien, die gemeinschaftlich lebten und arbeiteten. Dieses geordnete Stadtbild unterschied Ollantaytambo von vielen anderen Siedlungen der Anden, die organischer gewachsen waren.

Gesellschaftliche Struktur

Die Gesellschaft Ollantaytambos spiegelte die hierarchische Ordnung des gesamten Inkareiches wider. An der Spitze stand der Inka-Herrscher selbst, der den Ort als königlichen Landsitz nutzte. Er hielt sich jedoch nur zeitweise hier auf, während die alltägliche Verwaltung durch lokale Beamte, Priester und Vorsteher (kurakas) organisiert wurde.

Die Bevölkerung setzte sich aus verschiedenen Gruppen zusammen. Einerseits lebten dort Einheimische, die schon vor der Expansion der Inka im Tal ansässig waren. Andererseits siedelte Pachacútec bewusst Mitmaqs an – Bevölkerungsgruppen, die aus anderen Teilen des Reiches zwangsweise umgesiedelt wurden. Sie brachten neues Wissen, Techniken und Bräuche mit, was die kulturelle Vielfalt erhöhte, aber auch politische Kontrolle sicherte.

Die Arbeitsteilung folgte dem Prinzip der Mit’a, einer verpflichtenden Arbeitsleistung für den Staat. Männer und Frauen trugen gleichermaßen bei: Männer in Landwirtschaft, Bauwesen und Militär, Frauen in Textilproduktion, Haushaltsführung und rituellen Aufgaben. Die Gesellschaft war kollektiv organisiert, das Wohl der Gemeinschaft stand über dem des Einzelnen.

Ernährung und alltägliche Versorgung

Die Ernährung der Bevölkerung basierte stark auf den landwirtschaftlichen Erträgen der Region. Mais spielte eine zentrale Rolle, sowohl als Grundnahrungsmittel als auch für rituelle Getränke wie Chicha, ein fermentiertes Maisbier. Kartoffeln, Quinoa, Amaranth und Bohnen ergänzten die Ernährung.

Durch die Höhenlage war die Vielfalt an Lebensmitteln begrenzt, doch die Inka hatten ein ausgeklügeltes System, um Produkte aus unterschiedlichen ökologischen Zonen zusammenzuführen. So gelangten Coca-Blätter aus den tieferen, wärmeren Regionen in den Alltag von Ollantaytambo, ebenso wie Chili, Tomaten und exotische Früchte aus dem Amazonasgebiet. Fleisch stammte in erster Linie von Lamas und Alpakas, die zugleich Lasttiere und Wolllieferanten waren.

Lebensmittel wurden in großen Speichern (Qollqas) oberhalb des Tals gelagert. Ihre Lage nutzte den Wind zur Kühlung, wodurch Vorräte lange haltbar blieben. Dies war essenziell, um in schlechten Erntejahren, bei Belagerungen oder auf Feldzügen Versorgung zu gewährleisten.

Landwirtschaft und Ingenieurskunst

Das Leben in Ollantaytambo war untrennbar mit der Landwirtschaft verbunden. Die steilen Berghänge machten den direkten Anbau unmöglich, weshalb die Inka Terrassen (Andenes) anlegten. Diese Terrassen vergrößerten nicht nur die nutzbare Fläche, sondern schufen auch ein Mikroklima: Die Steinmauern speicherten tagsüber Wärme und gaben sie nachts ab, wodurch die Vegetationszeit verlängert wurde.

Ein ausgefeiltes Bewässerungssystem leitete Wasser aus dem Urubamba-Fluss und Bergquellen in die Felder und die Stadt. Kanäle, die noch heute sichtbar sind, verteilten das Wasser gleichmäßig. Diese hydraulische Meisterleistung ermöglichte eine stabile Versorgung und erhöhte die Produktivität.

Neben Mais und Kartoffeln wurden auch Pflanzen mit ritueller Bedeutung angebaut, etwa Koka, das für religiöse Zeremonien und als Stimulans im Alltag genutzt wurde. Die Landwirtschaft war somit nicht nur ökonomisch, sondern auch kulturell geprägt.

Handwerk und lokale Produktion

Neben der Landwirtschaft spielte das Handwerk eine wichtige Rolle. Die Menschen in Ollantaytambo stellten Textilien aus Lama- und Alpakawolle her, die sowohl für den Eigenbedarf als auch als Abgabe an den Staat dienten. Textilien waren ein zentrales Statussymbol und wurden bei Zeremonien und als Geschenke eingesetzt.

Auch die Steinbearbeitung war hochentwickelt. Die präzise behauenen Blöcke des Sonnentempels zeigen, dass spezialisierte Handwerker in Ollantaytambo tätig waren. Werkzeuge aus Bronze und Stein, gepaart mit Erfahrung und Organisation, machten es möglich, selbst tonnenschwere Monolithen zu transportieren und zu bearbeiten.

Keramikproduktion diente vor allem der Aufbewahrung und Zubereitung von Nahrungsmitteln. Die Töpferwaren waren funktional, wiesen aber oft auch dekorative Elemente auf, die religiöse Symbole oder Muster der Natur darstellten.

Handelsbeziehungen und Austausch

Ollantaytambo lag an einem strategischen Knotenpunkt des Inkareiches. Von hier aus führten Wege nach Cusco, ins Amazonasgebiet und zu den südlichen Hochlandregionen. Dadurch war der Ort in ein weitreichendes Handels- und Versorgungssystem eingebunden.

Der Austausch erfolgte größtenteils in Form von Umverteilung durch den Staat. Bauern gaben ihre Überschüsse an den Staat ab, der sie wiederum in andere Regionen weiterleitete. Auf diese Weise gelangten Güter wie Salz, getrockneter Fisch aus der Küstenregion oder exotische Federn aus dem Amazonas nach Ollantaytambo.

Besonders wichtig war die Versorgung mit Coca-Blättern, die aus den tiefer gelegenen Yungas kamen. Sie spielten im religiösen Leben eine zentrale Rolle und waren zugleich ein wertvolles Genussmittel. Der Ort profitierte also stark vom vertikalen Austausch zwischen den verschiedenen ökologischen Zonen der Anden.

Religiöses und kulturelles Leben

Religion durchdrang den Alltag in Ollantaytambo. Die Nähe zu heiligen Bergen (Apus) verlieh dem Ort eine spirituelle Bedeutung. Zeremonien zu Ehren der Sonne, des Mondes und der Naturkräfte waren fester Bestandteil des Jahreszyklus. Priesterinnen und Priester organisierten Opfergaben, Feste und Rituale, die die Gemeinschaft zusammenhielten.

Auch Feste wie Inti Raymi, das Sonnenfest, dürften hier begangen worden sein. Solche Anlässe boten nicht nur spirituelle Erneuerung, sondern stärkten auch den sozialen Zusammenhalt durch gemeinsames Essen, Trinken und Tanzen.

Das Leben der Menschen in Ollantaytambo war geprägt von einer engen Verbindung zur Natur, einer klaren gesellschaftlichen Ordnung und einer hohen technischen Kompetenz. Die Stadt vereinte Landwirtschaft, Religion, Politik und Handel auf einzigartige Weise.

Die Bevölkerung lebte in einer streng organisierten Gemeinschaft, deren tägliches Leben von kollektiver Arbeit und rituellen Praktiken bestimmt war. Ernährung und Versorgung basierten auf einem ausgeklügelten landwirtschaftlichen System und einem überregionalen Netz von Handelsbeziehungen.

Ollantaytambo war damit nicht nur ein militärisches Bollwerk oder ein königlicher Rückzugsort, sondern auch ein lebendiger Ort, an dem Menschen in komplexen sozialen Strukturen lebten – ein Spiegelbild der Inka-Kultur in ihrer Blütezeit.

Die Hochblüte von Ollantaytambo

Ollantaytambo erlebte seine Hochblüte im 15. Jahrhundert, während der Herrschaft von Pachacútec Yupanqui, einem der bedeutendsten Inka-Herrscher. Um 1440 ließ Pachacútec den Ort zu einem seiner königlichen Anwesen ausbauen.

Dabei entstanden monumentale Terrassenanlagen, Paläste und Tempel, die den Ort zu einem politischen, wirtschaftlichen und religiösen Zentrum machten. Die fruchtbare Lage im Urubamba-Tal, das als „Heiliges Tal“ bezeichnet wird, bot ideale Voraussetzungen für Landwirtschaft und Versorgung.

Die Terrassen ermöglichten eine effiziente Bewirtschaftung der steilen Berghänge, während ausgeklügelte Bewässerungssysteme die Felder zuverlässig mit Wasser versorgten. Auf diese Weise entwickelte sich Ollantaytambo zu einem bedeutenden landwirtschaftlichen Zentrum, das nicht nur die Region, sondern auch die Hauptstadt Cusco mitversorgte.

Neben seiner ökonomischen Stärke gewann Ollantaytambo auch militärische Bedeutung. Die Lage an einem Knotenpunkt wichtiger Straßen machte es zu einem strategischen Stützpunkt für die Kontrolle des Heiligen Tals. Die gewaltigen Mauern und Terrassen dienten nicht nur der Landwirtschaft, sondern auch der Verteidigung. So konnte der Ort feindliche Angriffe effektiv abwehren.

Unter Pachacútec und später unter seinem Sohn Túpac Inca Yupanqui entwickelte sich Ollantaytambo zu einem Zentrum von regionaler Macht. Die Ansiedlung von Mitmaqs, also umgesiedelten Bevölkerungsgruppen aus anderen Teilen des Inkareichs, förderte wirtschaftliche Vielfalt und kulturellen Austausch.

Um 1500 war Ollantaytambo nicht nur ein landwirtschaftlicher Umschlagplatz, sondern auch ein bedeutender Ort für Zeremonien und königliche Aufenthalte.

Der Niedergang von Ollantaytambo

Mit der spanischen Eroberung begann der Niedergang von Ollantaytambo. Nach der Einnahme Cuscos im Jahr 1533 zog sich Manco Inca Yupanqui hierher zurück und machte den Ort zu seinem militärischen Hauptquartier.

1536–1537 kam es zur berühmten Schlacht von Ollantaytambo, in der Manco Inca die Spanier mit Hilfe der Terrassen und der Flutung des Tals vorübergehend zurückschlagen konnte. Dies war einer der seltenen militärischen Siege der Inka über die Konquistadoren.

Doch dieser Erfolg war nur von kurzer Dauer. Bereits 1537 musste Manco Inca Ollantaytambo aufgeben und zog sich nach Vilcabamba zurück, wo er ein Widerstandsreich gründete. Mit seinem Abzug verlor Ollantaytambo seine politische und militärische Bedeutung.

Unter spanischer Herrschaft wurde die Stadt zwar weiterhin bewohnt, doch viele Tempel und Paläste verfielen oder wurden überbaut. Kirchen und koloniale Wohnhäuser ersetzten die einstige königliche Architektur. Zudem verlagerte sich der wirtschaftliche Schwerpunkt nach Cusco und anderen kolonialen Zentren.

Bis ins 19. Jahrhundert blieb Ollantaytambo ein eher unscheinbares Dorf, auch wenn die Inka-Bauten weiterhin genutzt wurden. Erst durch die Wiederentdeckung durch westliche Forscher gewann der Ort wieder an Bedeutung – diesmal als archäologische und touristische Stätte.

Legenden über Ollantaytambo

Die Legende von Ollantay und Cusi Qoyllur

In den Chroniken der Anden überliefert sich die Geschichte von Ollantay, einem tapferen Krieger niederer Herkunft, und Cusi Qoyllur, der Tochter des mächtigen Inka Pachacútec. Zwischen beiden entbrannte eine tiefe Liebe, doch ihre Verbindung war nach den Regeln der Inka-Gesellschaft unmöglich: Nur Angehörige der königlichen Dynastie durften mit Prinzessinnen vermählt werden.

Als Pachacútec die Beziehung verbot, stellte sich Ollantay gegen die Ordnung des Reiches. Er zog sich nach Ollantaytambo zurück, befestigte die Stadt und leistete jahrelangen Widerstand gegen Cusco. Schließlich wurde er jedoch besiegt.

Während manche Überlieferungen berichten, er sei begnadigt und in Ehren aufgenommen worden, schildern andere, dass er trotz seiner Tapferkeit unterging. Die Legende steht sinnbildlich für den Konflikt zwischen persönlicher Leidenschaft und der strengen Hierarchie des Inkareiches.

Die Legende des unvollendeten Sonnentempels

Auf den Terrassen von Ollantaytambo ragen bis heute gigantische, präzise behauene Steinblöcke auf – Überreste eines Tempels, der niemals vollendet wurde. Die Überlieferung erzählt, dass die Götter die Bauarbeiten unterbrachen, da die Menschen zu selbstsicher geworden seien.

Andere Stimmen deuten den abrupten Baustopp als Folge der Ankunft der Spanier: Die Inka hätten ihre Arbeiten im Steinbruch eingestellt und die gewaltigen Blöcke auf dem Transportweg zurückgelassen. So entstanden die Legenden von „versteinerten Wächtern“, die am Rande des Tals liegen und bis in die Gegenwart über den Ort wachen.

Die Legende der heiligen Berge (Apus)

Für die Bewohner der Anden sind die Berge mehr als bloße Landschaftsformen – sie sind lebendige, heilige Wesen, die Apus genannt werden. Auch in Ollantaytambo blickt man auf Gipfel, in deren Felsformationen man Gesichter und Gestalten erkennen will.

Der Cerro Pinkuylluna, auf dessen Flanken die Vorratsgebäude der Inka stehen, gilt als besonders bedeutsam. Bei bestimmten Lichtverhältnissen, so erzählt man, erscheinen in den Felsen das Antlitz eines Wächters oder die Figur eines Inka-Herrschers.

Diese Erscheinungen gelten als Zeichen für Schutz und Wohlstand, aber auch als Warnung, wenn Gefahr droht. Die Legende der Apus verleiht der gesamten Landschaft um Ollantaytambo eine sakrale Dimension.

Die Legende vom Wasser des Lebens

Das Bewässerungssystem von Ollantaytambo, das bis heute Teile der Stadt durchzieht, war nicht nur technische Meisterleistung, sondern auch Quelle zahlreicher Erzählungen. Man sagte dem Wasser, das aus den Bergen herabgeführt wurde, besondere Kräfte nach.

Wer aus den Kanälen trank, so hieß es, erhielt Gesundheit, Stärke und Fruchtbarkeit. Für die Menschen war dieses Wasser ein Geschenk der Götter, das nicht allein die Felder, sondern auch Körper und Geist nährte. Noch heute sehen manche Bewohner im alten Kanalsystem nicht nur Ingenieurskunst, sondern eine Quelle spiritueller Energie.

Die Legenden von Ollantaytambo verbinden Geschichte, Religion und Landschaft. Sie erzählen von menschlicher Leidenschaft, göttlichem Eingreifen, heiliger Natur und spirituellen Kräften.

In ihnen verdichten sich Erinnerung und Deutung, sodass Ollantaytambo nicht nur als archäologische Stätte, sondern auch als mythischer Ort verstanden werden kann – ein Ort, an dem sich Vergangenheit und Glaube bis heute überlagern.

Fazit

Ollantaytambo ist weit mehr als eine archäologische Stätte – es ist ein Ort, an dem Geschichte, Architektur und lebendige Traditionen Südamerikas zusammenfinden. Die gewaltigen Terrassen, Tempelanlagen und Speicherbauten zeugen von der Ingenieurskunst und dem Weitblick der Inka. Gleichzeitig bleibt die Stadt bis heute bewohnt und verbindet so Vergangenheit und Gegenwart auf einzigartige Weise.

Seine strategische Lage im Heiligen Tal machte Ollantaytambo zu einem militärischen, wirtschaftlichen und religiösen Zentrum. Unter Pachacútec und seinen Nachfolgern entwickelte sich die Stadt zu einem Königssitz, einem landwirtschaftlichen Versorgungsgebiet und einem Symbol imperialer Macht. Noch heute lassen sich diese Funktionen an den monumentalen Bauwerken ablesen.

Die Geschichte des Ortes spiegelt zugleich den Niedergang des Inkareiches. In der Schlacht von 1537 wurde Ollantaytambo zum Schauplatz des Widerstands gegen die spanischen Eroberer. Auch wenn der Sieg nur von kurzer Dauer war, bleibt er ein starkes Symbol für die Standhaftigkeit und den Mut der Inka.

Heute vereint Ollantaytambo drei Dimensionen: es ist ein lebendiges Dorf, ein bedeutendes Touristenziel und ein Erinnerungsort von mythischer Kraft. Wer hier verweilt, begegnet nicht nur den Steinen einer vergangenen Kultur, sondern auch einem Ort, an dem Geschichte, Legenden und Alltag bis in die Gegenwart miteinander verschmelzen.

Hier finden Sie weitere Informationen zu Ollantaytambo:

https://www.realcuscotour.com/ruinas-de-ollantaytambo-historia

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