Der Huayna Picchu ist das Wahrzeichen von Machu Picchu. Nahezu jeder erkennt, ohne die Ruinen selbst auf einer Fotografie zu sehen, dass es sich um Machu Picchu handelt. Der den Ruinen der Inkastadt gegenüberliegende Berg Huayna Picchu gehört zu den bekanntesten Fotomotiven der Welt. Übersetzt bedeutet sein Quechua-Name: ‚junger Berg‘ oder auch ‚Nadelberg‘.

Nach meinem umfassenden Besuch in den Ruinen von Machu Picchu sollte es am nächsten Tag wieder hinaufgehen von Aguas Calientes im Tal des Urubamba nach Machu Picchu zum Sonnenaufgang und danach, durch die Ruinen und hinauf auf den Huayna Picchu. So dachte ich schon am Abend im Hotel an den kommenden Tag, der in vielerlei Hinsicht eine Herausforderung werden würde.

Huayna Picchu – Ja oder Nein, das ist hier die Frage!

Mehr noch als über die Organisation von Machu Picchu, hatte ich im Vorfeld dieser Reise überlegt, ob es für mich als einen Menschen, der zwar körperlich fit ist und durchaus auch schon Herausforderungen während vieler meiner Reisen geschafft hatte, ob ich mir diesen Aufstieg zutrauen konnte und sollte. Immer wieder wog ich das Für und Wider ab, immer wieder besprach ich meine Gedanken mit Menschen, die ich in einschlägigen Internetforen traf und die diese Erfahrung bereits gemacht hatten.

Aber es war, wie es mit allen Dingen ist. Zu viele Ratschläge sind auch nicht gut. Die einen empfehlen, es unbedingt zu versuchen, die anderen raten dringend ab, basierend auf deren eigener Erfahrung. Man muss halt die Entscheidung doch selbst treffen. Mein Kopf sagte mir: ‚Mach es einfach, wirst es schon schaffen‘, aber würde der Körper mitziehen?

Ich beriet mich mit meiner Hausärztin. Sie riet mir: ‚Wenn, dann jetzt, denn Sie werden nicht jünger und es wird nicht leichter werden‘. Hinzu kommt, dass ich natürlich, was das Bergsteigen angeht, untrainiert bin, ein sogenannter ‚Schreibtischtäter‘ und darüber hinaus auch einige Kilos zu viel auf die Waage bringe. Aber letztlich siegte der Kopf! Ich wollte es unbedingt versuchen und auch schaffen.

Huayna Picchu kann man nicht einfach besuchen, man muss ihn organisieren

Nachdem mein Entschluss feststand, die nicht daran die Vorbereitung dieses spezielle Inka-Abenteuer zu treffen. Wie beim Besuch von Machu Picchu, so muss man auch für den Aufstieg auf den Huayna Picchu ein Ticket vorab im Internet buchen. Dies ist nur gültig im Zusammenhang mit dem Reisepass.

An ein solches Ticket zu kommen, ist keine einfache Sache. Täglich werden nur insgesamt 400 Personen für den Nationalpark des Huayna Picchu zugelassen. Diese werden in zwei Gruppen eingeteilt. Die frühe Gruppe bittet das abgesperrte Areal um 8 Uhr morgens.

Die zweite Gruppe folgt um 10 Uhr. Wenn man bedenkt, wie segmentiert Machu Picchu ist, so sollte man sich bereits Monate vor dem geplanten Reisetermin um das Eintrittsticket kümmern.

Auch die Ausrüstungsgegenstände für den Aufstieg auf den Huayna Picchu wie geeignete Wanderschuhe, eine Halterung für eine Wasserflasche, eine Sicherung für die Kamera, eine Sonnenbrille, eine Kopfbedeckung und Sonnencreme sind unerlässlich.

Der Abend vor dem Aufstieg auf den Huayna Picchu

Nicht jedem der Machu Picchu besucht, kommt es in den Sinn, auch den Huayna Picchu zu besuchen, der wie ein Zuckerhut geformt ist und meines Erachtens auch etwas von der Mystik und der Großartigkeit ausmacht, die Machu Picchu ohne Zweifel besitzt.

In Agua Calientes gab es nun noch eine wichtige Vorbereitung zu erledigen. Natürlich wollte ich den Sonnenaufgang oben an den Ruinen nicht verpassen. Dazu muss man spätestens um 6.15 Uhr am Wächterhäuschen oberhalb der Ruinen stehen. In der Nacht zu Fuß die Serpentinenstraße zu nehmen, ist nicht ratsam. Daher blieb nur einer der Minibusse, die bereits um 5.30 Uhr zum ersten Mal den Weg nach oben absolvieren.

Um zum Sonnenaufgang rechtzeitig vor Ort zu sein, was also unbedingt erforderlich, eines der begehrten Tickets für die ersten beiden Busse zu ergattern, denn nur wer mit einem dieser beiden Fahrzeuge nach oben fährt, kommt rechtzeitig zu diesem Naturschauspiel. Das wissen natürlich im Zeitalter von Internet und Handy, nahezu alle Besucher von Machu Picchu.

An nur zwei Vorverkaufsstellen in Aguas Calientes kann man die mitunter umkämpften Tickets erwerben. So bemühte ich mich sofort nach der Rückkehr aus der Inkastadt um den Kauf. Und es gelang. Als vorletzter konnte ich ein Ticket für den ersten Bus um 5.30 Uhr am nächsten Morgen mein Eigen nennen.

Das ist durchaus als ein Glücksfall zu bezeichnen, denn in jeden der kleinen Busse, passen gerade einmal 20 Personen. Größer gelaufen die Busse nicht sein, denn sonst schaffen sie den recht steilen Anstieg auf der Serpentinenstraße hinauf zu den Ruinen nicht. Jetzt stand einem erneuten Abenteuer in Machu Picchu und auf dem Huayna Picchu nichts mehr im Wege.

Am Abend sass ich im Hotel bei einem Gemüse aus roten Bohnen, Reis, Guacamole und einem Mate-Tee. Mit recht großer Unsicherheit erwartete ich den folgenden Morgen. Immerhin hatte ich vor einen Berg in den Anden zu besteigen. Würde alles so funktionieren, wie ich es mir Zuhause zurechtgelegt, geplant und vorgestellt hatte?

Mir kamen wieder jene Abschnitte eines einheimischen Reiseführers in den Sinn, die ich im Rahmen meiner Vorbereitung auf die Peru-Reise zu Hause gelesen hatte und die ich versucht hatte auszublenden:

„Dies ist keine Wanderung für schwache Nerven. Wenn Sie Höhenangst haben, versuchen Sie diese Wanderung nicht. Diese Wanderung hat eine absolut maximale Exposition. Während Sie aufsteigen, passieren Sie die sogenannte ‚Treppe des Todes‘. Und dieser Name wurde ihr bereits von den Inka zu Recht verliehen. Sie werden über 183 Höhenmeter Stufen hinaufsteigen mit tiefen Schluchten an Ihren Seiten. Ein Geländer gibt es nicht.

Wenn Sie fallen würden, würde dies den sicheren Tod bedeuten. Außerdem kann die Treppe ziemlich steil werden und einen Winkel von maximal 60 Grad erreichen. Manchmal fühlt es sich an, als ob Sie senkrecht nach oben gehen. Sie werden sich auf diesem Weg äußerst verletzlich fühlen.“

Nächtlicher Aufbruch nach Machu Picchu

Nach kurzer Nacht und mit nur unruhigem Schlaf, stellte der Wecker um 4 Uhr morgens. Nach der Morgentoilette und allerletzten Überprüfung meine Ausrüstung, machte ich mich auf dem Weg zur Bushaltestelle. Diese liegt mitten im Ort. Obwohl ich früh dran war, standen bereits die ersten Mitfahrer an der angegebenen Stelle.

Unweit gab es in einem geöffneten Kiosk bereits einen Kaffee ‚to go‘ im Pappbecher. Ich trinke sehr gerne Kaffee, aber dieses Gebräu war derart stark, dass ich mir sicher war, mit dieser Power den Huayna Piccu leicht erklimmen zu können. Nach einer Wartezeit von rund 30 Minuten tuckerte der Minibus auf, mit dem es nun hinauf zu Inkastadt gehen sollte.

Es war noch dunkel und ein durchaus mulmiges Gefühl, mit Menschen verschiedener Nationalitäten in den Anden durch die Nacht zu fahren. Nach rund 20 Minuten standen wir, wie gestern, am Eingang zu Machu Picchu und kaum 10 Minuten später am Wachhaus. Die Dämmerung hatte gerade eingesetzt und das Licht war atemberaubend. Mir schoss durch den Kopf wie viele Tausende Male sich seit dem Verschwinden der Inka, dieses Naturspektakel hier schon abgespielt hat.

Ich hatte mit meinem Reisetermin ins Schwarze getroffen, Dennis deutete sich ein sonniger und nahezu wolkenlos acht Tage an – ein Traum für jeden Fotografen, der Machu Picchu besucht, vor allem dann, wenn die Besteigung des Huayna Picchu ansteht. Langsam stieg im Osten das Licht herauf und die mittlerweile knapp 50 Personen erwarteten gespannt, dass die Sonne über die Berggipfel steigen würde.

Nach dem Sonnenaufgang nahm ich den Weg erneut durch das Stadttor und ließ die bereits am Vortag besichtigten Sehenswürdigkeiten hinter mir. Ich ging geradewegs über den Hauptplatz, die sogenannte Esplanade, auf den Huayna Picchu zu. Dabei wird einem nochmals die Größe und die Genialität von Machu Picchu deutlich, denn auf beiden Seiten ist man von Bauwerken umgeben, die zwar Roth ihnen sind, aber nichts von ihrer Schönheit verloren haben.

Am Ende des Hauptplatzes befindet sich ein einfacher Lattenzaun mit einem einfachen Durchgang. Dahinter findet ganz unspektakulär die Ticket- und Passkontrolle Stadt. Von nun an war ich auf mich alleine gestellt und der Aufstieg begann.

Der Huayna Picchu – Daten und Fakten

Der ‚junge Berg‘, wie die Einheimischen ihn nennen, ist einer von zwei Erhebungen, die sich über die Ruinen von Machu Picchu hinaus erheben. Da ist der Berg Montaña (auch ‚Machu Picchu Mountain‘ genannt). Er liegt, vom Gipfel des Huayna Picchu aus gesehen genau gegenüber, auf der anderen Seite der Inkastadt.

Er ist mit 3082 m deutlich höher als der Huayna Picchu. Dafür ist er mit einer Steigerung von 30-50 Grad nicht so steil wie sein ‚kleinerer Bruder‘, der Huayna Picchu. Dieser bringt es auf fast 60 Grad Steigerung und ist nach neuesten Messungen 2701 m hoch. Damit überragt er die Ruinen von Machu Picchu auf 2440 m Höhe um 271 m.

Erster Abschnitt des Aufstiegs

Zunächst lässt sich der Anstieg gut bewältigen. Ich stieg die Treppen mit ziemlichem Tempo, wie ich es gewohnt war, bergan. Nach den ersten Kurven taten sich bereits wunderbare Ausblicke tief ins Tal des Urubamba auf. Danach sah ich linker Hand, direkt über mir den Huayna Picchu hautnah und aus einer völlig ungewohnten Perspektive.

Da beschloss ich, trotz der Anstrengungen, die sicher noch auf mich zukommen würden, einen Gang zurückzuschalten. Zum einen, weil ich eine Überanstrengung und gesundheitlichen Problemen vorbeugen wollte, zum anderen, um den Aufstieg und die einzigartigen Panoramen so richtig genießen zu können.

Hinzu kam, dass es tatsächlich ein nahezu wolkenloser Tag wurde und sowohl die Luftfeuchtigkeit als auch die Temperaturen bereits jetzt, am frühen Morgen sehr hoch waren. So setzte ich meinen Aufstieg über die nunmehr immer steiler werdende Treppe fort, die sich begann an den Huayna Picchu anzuschmiegen. Nun war dichter Pflanzenbewuchs links und versperrte zeitweilig die Sicht hinunter ins Tal.

War ich bis jetzt der prallen Sonne ausgesetzt, so war nun durchweg Schatten und die Temperaturen erträglich. Der Pflanzenbewuchs wurde immer dichter und manchmal überkam mich das Gefühl in der Wildnis zu sein. Da wurde ich an die Worte des bekannten Schweizer Fotografen Werner Bischof erinnert.

Er setzte schon in den 50er Jahren Maßstäbe mit seinen Fotos und Reisen, die ihn auch nach Machu Picchu und auf den Huayna Picchu führten. Seine Worte, die ich vor der Reise in einem Buch gelesen hatte, stammen aus einem Brief an seine Frau. Damals schrieb er:

„Hinter den Ruinen stieg ich höher. Der Farn wurde dichter und wuchs mir bald weit über den Kopf. Die dunkle Erde unter mir war unbewachsen, so konnte ich auch ohne Machetta durchdringen. . . . Zuletzt noch dichtes, schneidendes Gras, und ich stand nach zwei Stunden auf der ersten Anhöhe, sah vor mir die Ruinenstadt und zur Linken über die senkrechte Wand auf den tosenden Fluss unten.“

Genauer als Werner Bischof kann man es nicht auf den Punkt bringen. Auch wenn der Aufstieg heutzutage für Besucher aufbereitet und kontrolliert ist, bleibt die Herausforderung bestehen.

Zweiter Abschnitt des Aufstiegs

Eine kurze Verschnaufpause leitet den zweiten Teil des Aufstiegs ein. Dieser ist die eigentliche Schwierigkeit und eine ziemliche Herausforderung. Da wo die Inka auf engen Terrassen Befestigungen errichteten sammeln sich alle, die es körperlich bis zu diesem Punkt geschafft haben. Die Festungsmauern sind auf grob behauenen Steinen und dienten offensichtlich militärischen Zwecken.

Die Inka waren aus allen Richtungen von Feinden umgeben und Vorstädten besonders die herannahenden Spanier. So bauten sehen, von unten durch den Pflanzenbewuchs kaum sichtbar, Wachposten, wie die von hier aus in alle Himmelsrichtungen blicken konnten. So war man in der Lage, Feinde frühzeitig auszumachen und Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Für die Nutzung dieser Anlagen zu militärischen Zwecken spricht auch, dass Machu Picchu ringförmig vom Fluss Urubamba umgeben ist. Die Wahl auf den Standort der Ruinenstadt wurde also offensichtlich nicht zufällig getroffen.

Nach genügend Wasser und einer Fotopause beginne ich nun mit dem schwierigen Aufstieg zum Gipfel des Huayna Picchu. Die Treppenstufen werden höher, unebener und auf mindestens einer Seite tut sich ein Abgrund auf. Hinzu kommt, dass die Treppe immer steiler wird, sodass die Nationalparkverwaltung als Hilfestellung für die Bergsteiger eine schwere Eisenkette angebracht hat, an der man sich etwas nach oben ziehen kann.

So werden Abstürze vermieden. Ein Fotografieren ist fast unmöglich und wenn dann nur mit einer Hand, während die andere Hand die Kette fest umfasst. Da der Strom der aufsteigenden Besucher spätestens hier auch den Reisenden begegnet, die bereits wieder den Abstieg begonnen haben, entsteht ein gewisser Druck, den ich in diesem Moment begann zu spüren.

Steil über mir jene, die darauf warteten, dass ich meinen Aufstieg fortsetzen und die Treppe passieren würde, unter mir die Bergsteiger, die mit mir auf dem Weg zum Gipfel unterwegs waren. Ich empfand es als sehr angenehm, dass Menschen aller Nationalitäten hier Rücksicht aufeinander nehmen, denn niemand beschwerte sich oder wurde gar ungehalten.

Der Mondtempel – ein Zeugnis der inkaischen Religion

Wer Zeit genug hat auf dem Huayna Picchu, der sollte nicht versäumen auch einen Blick auf den Mondtempel zu werfen. Er befindet sich gleich unterhalb des Gipfels und ist ein außergewöhnlicher Ort. Es handelt sich um eine große natürliche Höhle. Die Inka verehrten und bewunderten Höhlen, da sie glaubten, hier den Eingang zur Welt der Toten vor sich zu haben und auf diese Weise mit den Ahnen Kontakt aufnehmen zu können.

Bis heute hat niemand eine Vorstellung davon, was genau der Mondtempel auf dem Huayna Picchu für die Inka bedeutete. In der Mitte der Anlage befindet sich allerdings ein Stein in Form eines Thrones. Dies könnte ein Altar gewesen sein. Es darf angenommen werden, dass hier den Toten Opfergaben dargebracht wurden.

Der Mondtempel erhielt seinen Namen 25 Jahre nach der Entdeckung Machu Picchus durch Hiram Bingham. Es handelt sich nicht um einen von den Inka erteilten Namen. Allerdings spielten Sonne und Mond in der Kultur des Andenvolkes eine wichtige Rolle. So bezeichnete man Gold als die ‚Tränen der Sonne‘ und Silber als ‚Tränen des Monds‘.

Beeindruckend und lohnend ist ein Besuch im Mondtempel auf dem Huayna Picchu auf jeden Fall. Er dauert rund eine Stunde, die man schon vorab einplanen sollte, wenn man vorhat, während des Aufstiegs hier zu verweilen.

Der Gipfel des Huayna Picchu ist erreicht

Dann kommt die letzte Hürde auf dem Weg zum Gipfel. Noch einmal eine extrem steile Treppe und linker Hand ein Abgrund ohne Kette, Geländer oder irgendeine Absicherung. Hier blieb ich kurz stehen, um die bereits unbeschreibliche Aussicht zu fotografieren. Dann, endlich: Nach 2 Stunden und 45 Minuten stand ich auf dem Gipfel des Huayna Picchu und konnte mich gar nicht sattsehen an einem der atemberaubendsten Ausblicke der Welt.

Da sind die Ruinen von Häusern aus der Inka-Zeit direkt unterhalb des Gipfels, da ist in der Ferne der ‚Machu Picchu Mountain‘, da ist der Rio Urubama, der sich tief unten im heiligen Tal der Inka wie ein silbernes Band um Machu Picchu und den Huayna Picchu legt.

Und dann ist da natürlich der einzigartige Blick auf die Ruinen von Machu Picchu, wie ihn nur sehr wenige Reisende erleben dürfen. Ich war fix und fertig, das muss ich zugeben, aber auch stolz, dass ich dieses Abenteuer bestanden hatte. Das sind dann auch Augenblicke für ein Erinnerungsfoto. Dieses hat ein freundlicher Franzose geschossen, der, ebenso dankbar und geschafft mit mir diesen Moment auskostete:

Blick in UrubamaEine der Legenden der Inka besagt: Der Berg Machu Picchu und der Berg Huayna Picchu bilden ein Band um dieses magische Plateau. Ein weiteres, zweites Band bilden die höheren Berge rings um den Machu Picchu. Die Inkas glaubten, dass dieser Ort vom Kosmos auserwählt wurde, um hier eine heilige Stadt zu erbauen. Das ganze Urubamba Tal sahen sie als ein Spiegelbild der Milchstraße an.

Der Abstieg naht – Abschied vom Huayna Picchu

Das lapidare Wort Sprichwort ‚alles Schöne hat einmal ein Ende‘ bekommt auf dem Huayna Picchu eine ganz andere Bedeutung. Denn mit dem Abschied naht auch der Abstieg. Und wer glaubt die eigentliche Anstrengung beim Bergwandern und Bergsteigen ist der Aufstieg, der irrt.

Ich wurde eines Besseren belehrt. Denn jetzt mussten alle Treppen, all die Unwägbarkeiten der engen und hohen Treppenstufen nach unten blickend absolviert werden. An manchen Stellen mit fast 60 Grad Neigung geht das nur rückwärts und mit dem Gesicht zur Felswand stehend.

Selbst die flacheren Treppen im unteren Teil des Abstiegs beginnt man irgendwann in den Knien zu spüren. Aber diese werden durch die Euphorie und die Glücksgefühle, die das Erreichen des Gipfels auslöst, erträglich.

Machu Picchu und der Huayana Picchu – der Abschluss eines Lebenstraums

Als ich nach der Ankunft in der Inkastadt langsam und zufrieden durch die Ruinen spazierte und nochmals das Ambiente des Ortes auf mich wirken zu lassen, wurde mir klar, dass trotz aller Forschungen man bis heute nur Theorien darüber hat, warum die Inka ausgerechnet hier ihre Stadt erbauten.

Diese reichen von der Theorie eines letzten Zufluchtsortes über den vermeintlichen Landsitz des Königs, Wallfahrtsort, astronomisches Zentrum bis hin zur abstrusen Meinung, das alles könne nur von Außerirdischen erbaut worden sein.

Ich schaute, schließlich wieder am Wachhaus stehend, zurück auf die Machu Picchu und den Huayna Picchu und wurde wieder an die Worte des Schweizer Fotografen Werner Bischof erinnert, der 154 geschrieben hatte:

„Es war gewaltig, wenn auch die Gefahr des Kitschigwerdens im Bilde naheliegt. Gewaltig als plastischer Anblick, verbunden mit dem Gefühl der Weite.“

Ich, für mich persönlich, kann hinzufügen: Es war einer der wenigen Orte, die mich im tiefsten berührt haben und mir Ehrfurcht vor den Leistungen einer Hochkultur im Hochgebirge der Anden abverlangen, vor der man sich verneigen sollte!

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