Fort São Jorge da Mina in Ghana
Fort São Jorge da Mina in Ghana

Das Fort Elmina (Fort São Jorge da Mina) in Ghana liegt westlich der Stadt Cape Coast und in der gleichnamigen Stadt Elmina. Wer es durch das quirlige Stadtleben und schlimmer noch, durch das unübersehbare Markttreiben rund um die Fischerboote am Hafen geschafft hat, sieht Fort Elmina.
Es ist eine weiß getünchte mittelalterliche Burg. So vermeintlich schön die Anlage daliegt – wenn auch mit Spuren der tropischen Feuchtigkeit und renovierungsbedürftig – so dunkel ist doch die Geschichte des Forts. Elmina war das Erste und lange Zeit auch das größte europäische Gebäude im tropischen Afrika. Was sich hier vor Jahrhunderten abgespielt hat, darf getrost als eine Tragödie der Menschheit bezeichnet werden. Darüber kann auch der stets blaue Himmel, die Palmen vor dem Haupteingang und die nahen Strände nicht hinwegtäuschen. Elmina Castle war der letzte Ort, den Tausende afrikanischer Sklaven von ihrer Heimat zu sehen bekamen, bevor sie in die portugiesischen Plantagen in Mittel- und Südamerika verschifft wurden. Innerhalb der Mauern der Festung ereigneten sich viele Schrecken, die bis heute nicht aufgeklärt wurden.

Fort Elmina und seine Geschichte

Fort São Jorge da Mina - Innenhof
Fort São Jorge da Mina – Innenhof

Dieser Küstenabschnitt, an dem auch das Fort São Jorge da Mina liegt, wurde auch die Goldküste genannt. Das Gebiet war reich an Gold- und Elfenbeinressourcen. Davon zeugen noch heute mehrere duzend Festungen, die alle eine finstere Rolle im Sklavenhandel der damaligen Zeit spielten. Fort Elmina und die anderen Festungen waren der erste europäische Sklavenhandelsposten in Afrika südlich der Sahara. Sie entstanden alle zwischen 1482 und 1786. Die Initiatoren waren zahlreiche Händler, darunter Portugiesen, Schweden, Engländer, Dänen und Holländer. Zwischen 1482 und 1486 bauten die Portugiesen das Fort São Jorge da Mina und nannten es zunächst St. George’s Castle. Eines der Hauptziele von Elmina war es, Schiffskapitäne zu unterstützen, indem sie ihren Schiffen einen sicheren Hafen zur Verfügung stellten. Die Außenposten waren schwer gegen Angriffe vom Meer aus bewaffnet, aber interessanterweise nicht so sehr gegen Angriffe aus dem Landesinneren. Ein Angriff anderer verfeindeter Länder und von Piraten, wurde als wahrscheinlicher angesehen als der Angriff lokaler Afrikaner. Um solche Angriffe vom Meer abzuwehren, wurden Kanonen eingesetzt, während leichte Schüsse normalerweise ausreichten, um einem Angriff aus dem Inneren entgegenzuwirken.

Ein Augenzeuge berichtet

Verwaltungsgebäude in Fort Elmina
Verwaltungsgebäude in Fort Elmina

Jean Barbot beschreibt in seinem Buch über die Küsten Südguineas schon 1732 die Festung und gibt einen Eindruck von ihrem Erscheinungsbild:

„Diese Burg ist zu Recht berühmt für Schönheit und Stärke und an allen Küsten Guineas sucht sie ihresgleichen. Es ist ein gut gebautes Quadrat mit sehr hohen Wänden aus dunkelbraunem Stein, so fest, dass man sagen kann, es sei kanonensicher. Auf der Landseite gibt es zwei Kanäle, die immer mit Regen oder frischem Wasser versorgt sind und für die Garnison ausreichen und Schiffskanäle, die von den Portugiesen in den Felsen gehauen wurden (indem der Felsen nach und nach mit Schießpulver gesprengt wurde). Die Lager für Waren oder Proviant sind sehr groß und stattlich und immer gut gefüllt.“

Die späteren Jahre von Elmina Castle

Gefangenengang in Fort Elmina
Gefangenengang in Fort Elmina

Obwohl es ursprünglich zum Schutz des Goldhandels errichtet wurde, nutze man Fort Elmina, was auch Fort São Jorge da Mina genannt wurde, nach seiner Eroberung durch die Holländer im Jahre 1637, um den niederländischen Sklavenhandel mit Brasilien und der Karibik in Gang zu bringen. Die Burg entwickelte sich später zum wichtigsten ‚Umschlagplatz‘ des berüchtigten Sklavendreiecks, das menschliche Fracht nach Amerika und in die Karibik sowie Rohstoffe wie Baumwolle und Gummi nach Großbritannien transportierte. Industriegüter wie Kleidung und Waffen wurden zurück in den Westen transportiert. Unter der Schirmherrschaft der Dutch West Indies Company wurden rund 30000 Sklaven pro Jahr von hier aus in die Neue Welt verbracht. Die setzte sich noch bis 1814 fort. 1872 traten die Niederländer die Anlage an die Briten ab und war bis zur Unabhängigkeit Ghanas von Großbritannien im Jahr 1957 nicht mehr in Gebrauch. Danach wurde es für kurze Zeit zu einem Ausbildungszentrum für ghanaische Polizeirekruten und sogar zu einer Schule, bevor es in ein historisches Museum umgewandelt wurde.

Leben und Tod in Fort Elmina

Massenzelle in Fort Elmina
Massenzelle in Fort Elmina

Die Zeiten des Sklavenhandels mögen lange vorbei sein, aber das Innere des Schlosses ist immer noch eine eindringliche Erinnerung an die Vergangenheit. Ohne zu wissen, was sie auf den Sklavenschiffen erwartete, wurden diejenigen, die es bis nach Elmina schafften, in die Kerker geworfen, mussten hier unsägliche Folter und Demütigungen ertragen und waren mit bis zu eintausend Männern in einen Raum gepfercht, der nur durch zwei kleine Fensteröffnungen belüftet wurde. Und das bei tropischen Temperaturen und extremer Feuchtigkeit.

Ohne Wasser oder sanitäre Einrichtungen waren Ausbrüche von Malaria und Gelbfieber häufig. Das Essen war knapp und die Krankheiten weit verbreitet. Gefangene mussten manchmal bis zu drei Monate unter solch unhygienischen Bedingungen verbringen, bevor sie in die Neue Welt verschifft wurden. An der Seeseite des Schlosses befindet sich die berüchtigte „Tür ohne Wiederkehr“, ein Portal, an dem Sklaven die Schiffe besteigen mussten, die sie auf die gefährliche Reise über den Atlantik brachten. Aufstände waren ebenfalls immer wieder an der Tagesordnung und wurden mit äußerster Brutalität niedergeschlagen. Die Aufrührer wurden entweder sofort ermordet oder bekamen Einzelhaft in einer luftdichten, dunklen Zelle im Innenhof, die es heute noch gibt, wo sie dann verhungerten.

Todeszelle im Hof von Fort Elmina in Ghana
Todeszelle im Hof von Fort Elmina in Ghana

Tausende Sklaven, sowohl Männer als auch Frauen, wurden draußen angekettet und gezwungen, in der prallen Sonne zu stehen. Sie mussten als Strafe schwere Kanonenkugeln als Strafe heben und Frauen wurden oft von den Wachen vergewaltigt.

Fort Elmina besaß aber auch Luxusräume für Europäer in den oberen Ebenen des Schlosses. Im Obergeschoss war das Offiziersquartier hell und geräumig mit Parkettboden und herrlichem Meerblick. Es ist schwer vorstellbar, wie Menschen so ein komfortables Leben führen konnten, während Tausende unter ihren Füßen schmachteten. So wurde die Anlage Fort São Jorge da Mina, die in einem ihrer Namen den Heiligen Georg als Schutzpatron hat, zum Inbegriff des Grauens.

Fort Elmina als mahnende Gedenkstätte

Gedenktafel im Fort São Jorge da Mina
Gedenktafel im Fort São Jorge da Mina

Heute ist das Schloss Elmina (Fort São Jorge da Mina) als ghanaisches Nationaldenkmal erhalten und wurde 1972 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt. Es ist ein äußerst beliebtes Ziel für afroamerikanische Touristen, die sich mit ihrem Erbe verbinden möchten. Wer hierher kommt, muss sich auf eine intensive Erinnerung einrichten und bereit sein, sich mit der Geschichte des Sklavenhandels auseinanderzusetzen. Der Geist und die Seelen der Menschen, die hier gelitten haben, ist allgegenwärtig. Das war mein Eindruck nach meinem Besuch dort. Mangelnde Wartung, fehlende Renovierung und der oft rüde Umgang der Einheimischen mit Fort Elmina, sorgt dafür, dass es langsam beginnt zu verfallen. Es bleibt jedoch, was in einer Gedenktafel im Fort in englischer Sprache steht:

In ewiger Erinnerung an die Qual unserer Vorfahren.
Mögen diejenigen, die gestorben sind, in Frieden ruhen.
Mögen diejenigen, die zurückkehren, ihre Wurzeln finden.
Möge die Menschheit niemals wieder eine solche Ungerechtigkeit gegen die Menschheit begehen.
Wir, die Lebenden werden dieses Gelübde aufrechtzuerhalten.

Blick vom Fort São Jorge da Mina auf Elmina
Blick vom Fort São Jorge da Mina auf Elmina
Die Goldküste Ghanas nahe von Fort São Jorge da Mina
Die Goldküste Ghanas nahe von Fort São Jorge da Mina