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Buddhismus im Silla-Reich und seine Monumente

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Die Einführung des Buddhismus markiert einen der tiefgreifendsten Wendepunkte in der Geschichte und eine signifikante Veränderung in der politischen Ordnung des Silla-Reiches. Religion war hier nicht allein eine Frage des Glaubens, sondern ein zentrales Instrument politischer Ordnung, kultureller Selbstdefinition und sozialer Disziplinierung. Monumente, Stelen und Buddha-Statuen fungierten dabei als sichtbare Fixpunkte eines neuen Weltbildes, das Herrschaft religiös legitimierte und dauerhaft verankerte.

Im Gegensatz zu früheren schamanistischen Praktiken, die stark auf mündliche Überlieferung und rituelle Handlung angewiesen waren, brachte der Buddhismus im Silla-Reich neue Formen der Erinnerung und Darstellung hervor. Schrift, Stein und Bild wurden zu Trägern von Dauer und Autorität.

Buddhismus und Herrschaft im frühen Silla-Reich

Im frühen Silla war Herrschaft traditionell eng mit schamanistischen Vorstellungen verbunden. Der König galt als Mittler zwischen Himmel und Erde, dessen Macht sich aus ritueller Wirksamkeit speiste. Mit der Einführung des Buddhismus veränderte sich dieses Modell grundlegend. Der König blieb Vermittler, erhielt nun jedoch eine religiöse Legitimation, die über lokale Traditionen hinausreichte.

Der Buddhismus bot Silla ein universelles Ordnungssystem. Er verband moralische Lehre mit kosmischer Gesetzmäßigkeit und eignete sich damit ideal zur Stabilisierung staatlicher Macht. Tempel, Statuen und Monumente wurden zu sichtbaren Zeichen dieser neuen Ordnung und prägten das öffentliche Erscheinungsbild des Reiches nachhaltig.

Der Märtyrer Ichadon und die Anerkennung des Buddhismus

Die offizielle Anerkennung des Buddhismus in Silla ist untrennbar mit der Figur des Märtyrers Ichadon verbunden. In einer Zeit, in der einflussreiche Adelskreise an traditionellen Glaubensformen festhielten, wurde der Buddhismus heftig abgelehnt. Ichadon, ein hoher Beamter, opferte sich bewusst, um den neuen Glauben zu legitimieren. Zuvor hatte man zahlreiche eher mystische Jenseitsvorstellungen im Silla-Reich.

Der Überlieferung zufolge wurde sein Tod von übernatürlichen Zeichen begleitet, die als Bestätigung der buddhistischen Wahrheit interpretiert wurden. Unabhängig vom historischen Wahrheitsgehalt zeigt diese Erzählung, wie eng Opfer, Glaube und politische Entscheidung miteinander verknüpft waren. Der Tod Ichadons wurde zum symbolischen Gründungsakt eines neuen religiösen Zeitalters.

Die zweite Ichadon-Märtyrer-Stele

Die sogenannte zweite Ichadon-Märtyrer-Stele ist eines der wichtigsten Monumente dieser Phase. Sie wurde im 9. Jahrhundert errichtet und erinnert an das Opfer Ichadons sowie an die Einführung des Buddhismus als Staatsreligion. Die Stele besteht aus Stein und ist als aufrecht stehende Säule mit Inschrift gestaltet.

Ihre Form ist bewusst gewählt. Stein steht für Dauer, Unverrückbarkeit und Autorität. Die Inschrift fixiert ein Ereignis, das zuvor vor allem mündlich überliefert wurde, und überführt es in eine dauerhafte, öffentlich sichtbare Erinnerung. Auch wenn Teile der Schrift heute stark verwittert sind, bleibt ihre Funktion klar erkennbar: Die Stele verankert religiöse Geschichte im Raum.

Buddhismus im Silla-Reich – Schrift, Stein und religiöses Gedächtnis

Mit der Etablierung von Stelen und beschrifteten Monumenten veränderte sich das religiöse Gedächtnis Sillas grundlegend. Schrift ersetzte nicht Rituale, sondern ergänzte sie. Während Rituale Handlung und Wiederholung erfordern, schafft Schrift Dauer und Verbindlichkeit.

Monumente wurden so zu politischen Medien. Sie verkündeten Glauben, legitimierten Entscheidungen und schufen einen gemeinsamen Referenzpunkt für die Gesellschaft. Der Buddhismus gewann dadurch nicht nur spirituelle, sondern auch institutionelle Stabilität.

Der stehende Bhaisajyaguru-Buddha von Baengnyulsa

Ein weiteres bedeutendes Zeugnis buddhistischer Kunst aus dem Umfeld von Cheonmachong ist der stehende Bhaisajyaguru-Buddha aus dem Tempel Baengnyulsa. Diese Statue stellt den Buddha der Heilung dar und verweist auf eine zentrale Funktion des Buddhismus: Schutz und Fürsorge für die Gemeinschaft.

Die Figur ist aus Stein gefertigt und zeichnet sich durch eine ruhige, aufrechte Haltung aus. Die klare Linienführung und der reduzierte Ausdruck betonen nicht Individualität, sondern spirituelle Präsenz. Bhaisajyaguru erscheint hier weniger als transzendente Gottheit, sondern als wirkende Kraft im Diesseits. Auch hier wird auf den Kontext des Cheonmachong-Grabes verwiesen.

Bedeutung für Kunst und Gesellschaft Sillas

Die Monumente und buddhistischen Darstellungen des frühen Silla-Reiches zeigen, wie eng Religion, Kunst und Macht miteinander verflochten waren. Stelen, Statuen und Tempel waren keine bloßen Ausdrucksformen des Glaubens, sondern aktive Instrumente gesellschaftlicher Ordnung.

Sie schufen Sichtbarkeit, Dauer und Autorität und prägten das kulturelle Selbstverständnis des Reiches nachhaltig. In ihnen manifestiert sich der Übergang von einer rituell geprägten zu einer schriftlich und monumental fixierten Gesellschaft. Buddhismus wurde so nicht nur Glaube, sondern Struktur.

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