Vietnam ist administrativ in Provinzen und zentral verwaltete Städte gegliedert. Diese Verwaltungseinheiten bilden die Grundlage staatlicher Organisation, regionaler Entwicklung und wirtschaftlicher Planung. Wer sich mit Vietnam beschäftigt – sei es historisch, politisch oder im Rahmen einer Reise – stößt unweigerlich auf diese territoriale Struktur.
Der vietnamesische Staat umfasst derzeit 58 Provinzen (Tỉnh) sowie 5 zentral verwaltete Städte (Thành phố trực thuộc trung ương). Diese Einheiten unterscheiden sich teils erheblich in Fläche, Bevölkerungsdichte, wirtschaftlicher Dynamik und historischer Entwicklung. Die Kenntnis dieser Struktur ermöglicht ein vertieftes Verständnis regionaler Unterschiede innerhalb des Landes.
Die Verwaltungsgliederung Vietnams im Überblick
Vietnam ist hierarchisch organisiert:
Zentralstaat
Provinzen und zentral verwaltete Städte
Distrikte (Quận / Huyện)
Gemeinden und Stadtviertel
Provinzen stellen die wichtigste regionale Verwaltungsebene dar. Sie sind verantwortlich für Infrastruktur, Wirtschaftsförderung, Bildung, Gesundheitswesen und lokale Entwicklungsplanung.
Die fünf zentral verwalteten Städte besitzen einen Sonderstatus. Sie unterstehen direkt der Zentralregierung und verfügen über größere administrative Autonomie als reguläre Provinzen.
Die historische Entwicklung der vietnamesischen Verwaltungsstruktur wird im Beitrag zur Geschichte Vietnams eingeordnet.
Regionale Struktur der Provinzen
Nordvietnam – Historisches Kernland
Nordvietnam umfasst das Rote-Fluss-Delta sowie ausgedehnte Gebirgsregionen an der Grenze zu China. Das Delta gehört zu den ältesten Siedlungsgebieten Vietnams und bildet das historische Machtzentrum des Landes. Hier entwickelte sich die frühe vietnamesische Staatlichkeit.
Die Gebirgsregionen hingegen sind dünner besiedelt und ethnisch vielfältig. Landwirtschaft wird hier häufig in Terrassenform betrieben. Wirtschaftlich zeigt sich ein deutlicher Unterschied zwischen dem dicht besiedelten Delta und den strukturschwächeren Hochlandprovinzen.
Zentralvietnam – Küstenzone und Kulturlandschaften
Zentralvietnam ist geografisch schmal und wird im Westen vom Annamitischen Gebirge begrenzt. Diese topografische Besonderheit führte historisch zu einer gewissen Isolation einzelner Küstenregionen.
Die Region beherbergt bedeutende Kulturstätten, darunter ehemalige Kaiserstädte und historische Hafenstädte. Wirtschaftlich spielen Fischerei, Tourismus und zunehmend Industriezentren eine wichtige Rolle.
Südvietnam – Wirtschaftszentrum und Mekong-Delta
Der Süden des Landes ist stark durch das Mekong-Delta geprägt. Diese fruchtbare Region zählt zu den wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionsgebieten Südostasiens.
Ho-Chi-Minh-Stadt fungiert als wirtschaftliches Zentrum Vietnams. Industrie, Finanzwesen und internationale Handelsbeziehungen konzentrieren sich hier. Die Urbanisierung ist deutlich ausgeprägter als in anderen Landesteilen.
Zentrales Hochland – Eigenständiger Wirtschaftsraum
Das zentrale Hochland unterscheidet sich klimatisch und kulturell deutlich von den Küstenregionen. Hier leben zahlreiche ethnische Minderheiten, und der Kaffeeanbau spielt eine bedeutende wirtschaftliche Rolle.
Die ethnische Vielfalt Vietnams wird im Spezialartikel zur Bevölkerung näher beschrieben.
Die dünnere Besiedlung und größere Entfernungen stellen infrastrukturelle Herausforderungen dar, gleichzeitig besitzt die Region hohes agrarisches Potenzial.
Die fünf zentral verwalteten Städte
Hanoi
Als Hauptstadt Vietnams ist Hanoi politisches und administratives Zentrum des Landes. Die Stadt liegt im Roten-Fluss-Delta und besitzt eine über tausendjährige Geschichte. Neben Regierungssitz und Parlament ist Hanoi auch kulturelles Zentrum mit Universitäten, Museen und historischen Vierteln.
Ho-Chi-Minh-Stadt
Die größte Stadt Vietnams bildet das wirtschaftliche Herz des Landes. Internationale Unternehmen, Finanzinstitute und Industriebetriebe sind hier konzentriert. Die Stadt ist zugleich Symbol der wirtschaftlichen Modernisierung nach den Reformen der 1980er Jahre.
Hai Phong
Hai Phong ist eine wichtige Hafenstadt im Norden. Der Tiefseehafen spielt eine zentrale Rolle im Außenhandel. Die Stadt verbindet industrielle Produktion mit maritimer Infrastruktur.
Da Nang
Da Nang liegt strategisch in Zentralvietnam. Die Stadt entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten zu einem wichtigen Industrie- und Technologiestandort. Gleichzeitig gewinnt sie als touristisches Zentrum an Bedeutung.
Can Tho
Can Tho ist das wirtschaftliche Zentrum des Mekong-Deltas. Die Stadt koordiniert landwirtschaftliche Produktion und Exportstrukturen und spielt eine zentrale Rolle im regionalen Handel.
Übersicht aller Provinzen und zentralen Städte Vietnams
Die folgende Tabelle enthält die vollständige Liste der 34 Provinzen sowie der 6 zentral verwalteten Städte Vietnams mit ihren Hauptstädten, regionaler Einordnung und grundlegenden statistischen Angaben.
| Verwaltungseinheit | Hauptstadt/Zentrum | Region | Fläche (km²) | Einwohner (Schätzung 2025) |
|---|---|---|---|---|
| Hanoi | Hoàn Kiếm Distrikt | Delta des Roten Flusses | 3,359 | 8,718,000 |
| Ho-Chi-Minh-Stadt | Distrikt 1 | Südosten | 2,095 | 14,002,598 |
| Hai Phong | Hồng Bàng Distrikt | Delta des Roten Flusses | 3,195 | 4,664,124 |
| Da Nang | Hải Châu Distrikt | Südliche Zentralküste | 11,860 | 3,065,628 |
| Hue | Hué | Nordzentrale Küste | 4,902 | 1,168,000 |
| Can Tho | Ninh Kiều Distrikt | Mekong-Delta | 1,439 | 1,282,300 |
| An Giang | Long Xuyên | Mekong-Delta | 3,537 | 1,864,000 |
| Bac Ninh | Bắc Ninh | Delta des Roten Flusses | 4,719 | 3,619,433 |
| Ca Mau | Cà Mau | Mekong-Delta | 5,221 | 1,194,300 |
| Cao Bang | Cao Bằng | Nördliches Bergland | 6,700 | 543,000 |
| Dak Lak | Buôn Ma Thuột | Zentrales Hochland | 13,030 | 1,919,200 |
| Dien Bien | Điện Biên Phủ | Nördliches Bergland | 9,541 | 648,300 |
| Dong Nai | Biên Hòa | Südosten | 5,906 | 3,255,800 |
| Dong Thap | Cao Lãnh | Mekong-Delta | 3,384 | 1,583,000 |
| Gia Lai | Pleiku | Zentrales Hochland | 21,577 | 3,583,693 |
| Ha Tinh | Hà Tĩnh | Nordzentrale Küste | 5,991 | 1,325,000 |
| Hung Yen | Hưng Yên | Delta des Roten Flusses | 2,515 | 3,567,943 |
| Khanh Hoa | Nha Trang | Südliche Zentralküste | 8,556 | 2,243,554 |
| Lai Chau | Lai Châu | Nördliches Bergland | 9,068 | 512,601 |
| Lam Dong | Đà Lạt | Zentrales Hochland | 24,233 | 1,332,500 |
| Lang Son | Lạng Sơn | Nördliches Bergland | 8,310 | 802,000 |
| Lao Cai | Yên Bái | Nördliches Bergland | 13,257 | 1,778,785 |
| Nghe An | Vinh | Nordzentrale Küste | 16,490 | 3,420,000 |
| Ninh Binh | Ninh Bình | Delta des Roten Flusses | 3,943 | 4,412,264 |
| Phu Tho | Việt Trì | Nördliches Bergland | 9,361 | 4,022,638 |
| Quang Ngai | Quảng Ngãi | Südliche Zentralküste | 14,833 | 2,161,755 |
| Quang Ninh | Hạ Long | Nördliche Zentralküste | 6,178 | 1,362,000 |
| Quang Tri | Đông Hà | Nordzentrale Küste | 12,700 | 1,870,845 |
| Son La | Sơn La | Nördliches Bergland | 14,123 | 1,300,000 |
| Tay Ninh | Tây Ninh | Südosten | 4,041 | 1,191,000 |
| Thai Nguyen | Thái Nguyên | Nördliches Bergland | 8,375 | 1,799,489 |
| Thanh Hoa | Thanh Hóa | Nordzentrale Küste | 11,120 | 3,722,000 |
| Tuyen Quang | Tuyên Quang | Nördliches Bergland | 13,796 | 1,731,600 |
| Vinh Long | Vĩnh Long | Mekong-Delta | 1,526 | 1,022,000 |
Stand: Verwaltungsreform 2025, gültig ab 1. Juli 2025
Hinweis: Die dargestellten Verwaltungseinheiten entsprechen der durch Resolution 60-NQ/TW beschlossenen Verwaltungsreform und sind seit dem 1. Juli 2025 offiziell gültig.
Verwaltungsreform 2025 – Neustrukturierung des Provinzsystems
Im Jahr 2025 trat in Vietnam eine weitreichende Verwaltungsreform in Kraft, die die Struktur der lokalen Verwaltung grundlegend verändert hat. Ziel dieser Reform ist die Straffung staatlicher Abläufe, die Reduzierung bürokratischer Ebenen und die Schaffung effizienterer Steuerungsstrukturen für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung des Landes.
Im Rahmen dieses Reformprozesses wurde die Anzahl der Provinzen und zentral verwalteten Städte deutlich reduziert: Die bisherigen 63 Verwaltungseinheiten auf erster Ebene wurden neu geordnet und auf insgesamt 34 größere Einheiten zusammengeführt – darunter 28 Provinzen und 6 zentral verwaltete Städte.
Gleichzeitig wurde die frühere mittlere Verwaltungsebene der Distrikte aufgehoben, so dass sich das System Vietnams von einer dreistufigen zu einer klareren zweistufigen Struktur zwischen Provinz- und Gemeindeebene wandelte.
Diese Neustrukturierung basiert auf der Resolution Nr. 60-NQ/TW, die im April 2025 verabschiedet wurde, und trat mit Wirkung vom 1. Juli 2025 offiziell in Kraft. Sie wurde sowohl auf nationaler Ebene als auch international als bedeutender Schritt zur Modernisierung der Verwaltungsführung Vietnams gewürdigt.
Die Reform verfolgt mehrere Ziele:
Administrative Effizienz: Weniger Verwaltungsebenen und größere Verwaltungseinheiten sollen Entscheidungswege verkürzen und die Dienstleistungen für Bürger und Unternehmen verbessern.
Ressourceneffizienz: Durch den Abbau redundanter Strukturen werden staatliche Ressourcen freigesetzt und können in Entwicklungsbereiche wie Infrastruktur, digitale Verwaltung und wirtschaftliche Förderung investiert werden.
Klarheit der Zuständigkeiten: Die stärkere Konzentration der Kompetenzen auf Provinz- und Gemeindeebene erleichtert die regionale Planung und Umsetzung staatlicher Programme.
Mit dieser Reform geht Vietnam einen der tiefgreifendsten Schritte zur Umgestaltung seiner öffentlichen Verwaltung seit der Wiedervereinigung ein. Sie markiert eine neue Phase in der Staatsorganisation, die auf Modernisierung und internationale Wettbewerbsfähigkeit ausgerichtet ist.
Historische Entwicklung der Provinzstruktur
Die heutige Provinzstruktur ist das Ergebnis zahlreicher Reformen. Während der Kolonialzeit wurden territoriale Grenzen neu definiert. Nach 1976 kam es zu Zusammenlegungen, die später teilweise wieder rückgängig gemacht wurden.
Die Anpassungen dienten vor allem administrativer Effizienz und wirtschaftlicher Planung. Die Verwaltungsgliederung bleibt daher ein dynamisches Element staatlicher Organisation.
Die Provinzen Vietnams sind mehr als administrative Einheiten. Sie spiegeln geografische Gegebenheiten, historische Entwicklungen und wirtschaftliche Schwerpunkte wider. Die regionale Differenzierung zwischen Nord, Zentrum, Süden und Hochland prägt bis heute politische, wirtschaftliche und kulturelle Strukturen. Wer Vietnam in seiner Gesamtheit verstehen möchte, gewinnt durch die Kenntnis dieser Verwaltungsgliederung einen entscheidenden Überblick.




