Santa Croce in Florenz
Santa Croce in Florenz gehört zu jenen Bauwerken, in denen sich die Geschichte einer ganzen Stadt zu verdichten scheint. Die große Franziskanerkirche im historischen Zentrum von Florenz ist religiöser Ort, Kunststätte und Erinnerungsraum zugleich. Kaum eine andere Kirche in Italien ist so eng wie Santa Croce mit bedeutenden Persönlichkeiten aus Kunst, Wissenschaft, Literatur und Politik verbunden. Über Jahrhunderte wurde gebaut, verändert, ausgestattet, wieder freigelegt und restauriert – und jede Epoche hat sichtbare Spuren hinterlassen.
Wer Santa Croce in Florenz betritt, begegnet deshalb keinem Kirchenraum, der sich auf eine einzige Zeit oder einen einzigen Stil reduzieren ließe. Mittelalterliche Architektur steht neben Werken der Renaissance, monumentale Grabmäler treffen auf jahrhundertealte Fresken und spätere Eingriffe. Hinzu kommen Kapellen, Kreuzgänge und ehemalige Klosterräume, die den eigentlichen Kirchenbau zu einem weitläufigen Ensemble erweitern. Gerade dieses Nebeneinander macht Santa Croce zu einem der vielschichtigsten historischen Orte von Florenz.
Dabei erschließt sich die Bedeutung der Basilika nicht allein durch die Namen berühmter Künstler und Persönlichkeiten. Santa Croce erzählt ebenso von der Entwicklung des Franziskanerordens, vom wirtschaftlichen Aufstieg florentinischer Familien und vom Selbstverständnis der Stadt.
Religiöse Frömmigkeit, private Stiftungen und öffentliches Erinnern haben den Komplex über viele Generationen geprägt. So entstand ein Ort, dessen Geschichte weit über die Funktion einer gewöhnlichen Klosterkirche hinausreicht.
Heute zählt Santa Croce in Florenz zu den bedeutendsten Monumentalkomplexen der Stadt und zugleich zu den wichtigsten Franziskanerkirchen überhaupt. Der scheinbar einheitliche Bau offenbart bei näherem Hinsehen zahlreiche historische Schichten, die vom Mittelalter bis in die Neuzeit reichen.
Um die Kirche und ihre Kunstwerke wirklich zu verstehen, lohnt deshalb zunächst der Blick auf ihre ungewöhnlich lange Entstehungs- und Veränderungsgeschichte. Sie beginnt nicht mit dem heutigen Monumentalbau, sondern mit den ersten Franziskanern, die sich am Rand des mittelalterlichen Florenz niederließen.
Baugeschichte von Santa Croce in Florenz
Die Franziskaner in Florenz und die erste Kirche von Santa Croce
Die Anfänge von Santa Croce in Florenz liegen in einer Zeit, in der Florenz rasch wuchs. Nach der Überlieferung kamen bereits um 1209 erste Gefährten des Franz von Assisi in die Stadt. Die Franziskaner ließen sich nicht im damaligen Zentrum nieder, sondern in einem tiefer gelegenen Gebiet am nördlichen Ufer des Arno, außerhalb beziehungsweise am Rand der dicht bebauten Stadt. Hier lebten viele Menschen, die im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs nach Florenz gezogen waren. Gerade unter diesen Bevölkerungsschichten fanden die neuen Bettelorden ein wichtiges Wirkungsfeld.
Eine Kirche von Santa Croce wird erstmals 1228 erwähnt, in jenem Jahr, in dem Franz von Assisi heiliggesprochen wurde. Über das genaue Aussehen dieses frühen Gotteshauses ist nur wenig bekannt, doch der rasche Zulauf zu den Franziskanern machte schon bald einen größeren Bau notwendig.
Zwischen 1252 und 1267 entstand deshalb eine zweite Kirche. Doch auch sie konnte auf Dauer weder der wachsenden Ordensgemeinschaft noch der zunehmenden Zahl der Gläubigen genügend Raum bieten.
1294 oder 1295 – der Baubeginn der heutigen Santa Croce in Florenz
Gegen Ende des 13. Jahrhunderts fiel die Entscheidung für einen wesentlich größeren Neubau. Der Chronist Giovanni Villani nennt den 3. Mai 1294 als Tag der feierlichen Grundsteinlegung. Eine Inschrift in der Kirche nennt dagegen das Jahr 1295. Die heutige Forschung neigt eher zu dieser zweiten Datierung, weshalb für den Beginn des bestehenden Bauwerks häufig 1294/1295 angegeben wird. Die kleine Vorgängerkirche sollte nun einem Bau weichen, dessen Dimensionen dem gewachsenen Einfluss der Franziskaner in Florenz entsprachen.
Mit dem Entwurf wird Arnolfo di Cambio verbunden, einer der entscheidenden Architekten des mittelalterlichen Florenz. Die Zuschreibung gilt als sehr wahrscheinlich, auch wenn sie nicht in allen Einzelheiten dokumentarisch gesichert ist. Arnolfo war zur gleichen Zeit an Bauprojekten beteiligt, die das Erscheinungsbild der Stadt grundlegend verändern sollten. Bei Santa Croce entwickelte er einen monumentalen Kirchenraum, der trotz seiner Größe den besonderen Anforderungen einer franziskanischen Predigtkirche Rechnung trug.
Arnolfo di Cambio und die erste Bauphase von Santa Croce
Die Arbeiten begannen im Bereich des Chores und des Querhauses. Als Arnolfo di Cambio irgendwann zwischen 1302 und 1310 starb, war der östliche Teil der Kirche bereits weit fortgeschritten.
Damit stand früh jener Bereich zur Verfügung, in dem sich einige der bedeutendsten Kapellen von Santa Croce befinden sollten. Die Architektur schuf hier nicht nur Raum für die Liturgie, sondern zugleich für private Kapellenstiftungen wohlhabender Florentiner Familien.
1314 erhielt das Querhaus eine mit bemalten Balken ausgeführte Dachkonstruktion, und bereits 1318 konnte der südliche Querhausarm genutzt werden. Erst danach wurde die ältere Kirche schrittweise beseitigt, während der Neubau weiter nach Westen voranschritt. Reste dieses Vorgängerbaus wurden später unter dem heutigen Mittelschiff nachgewiesen. Santa Croce entstand also nicht auf einer vollkommen freien Baustelle, sondern entwickelte sich buchstäblich über den älteren franziskanischen Kirchenbauten.
Das 14. Jahrhundert – Santa Croce wächst zur monumentalen Franziskanerkirche
Nach der Fertigstellung des Querhauses wurden Mittelschiff und Seitenschiffe weitergeführt. Der Grundriss folgt dem lateinischen Kreuz: Ein breites Mittelschiff wird von zwei niedrigeren Seitenschiffen begleitet, während sich am Querhaus zahlreiche Kapellen öffnen. Spitzbögen verbinden die Pfeiler miteinander, doch auf die für viele gotische Großkirchen typische vollständige Einwölbung wurde verzichtet. Stattdessen prägt eine offene hölzerne Dachkonstruktion den Raum und verleiht dem gewaltigen Mittelschiff einen eigenen Charakter.
Im Verlauf des 14. Jahrhunderts wurde Santa Croce gleichzeitig zu einer bedeutenden Baustelle der florentinischen Malerei. Während an Teilen der Kirche noch gearbeitet wurde, erhielten bereits fertiggestellte Kapellen ihre bildnerische Ausstattung. Architektur, private Stiftungen und künstlerische Gestaltung entwickelten sich dadurch nicht nacheinander, sondern teilweise gleichzeitig. Bis zum Ende des 14. Jahrhunderts war der eigentliche Kirchenbau im Wesentlichen vollendet.
1443 – die feierliche Weihe von Santa Croce in Florenz
Zwischen der weitgehenden Fertigstellung und der offiziellen Weihe verging dennoch etwa ein halbes Jahrhundert. Erst 1443 wurde Santa Croce von Papst Eugen IV. feierlich geweiht.
Zu diesem Zeitpunkt war die Kirche längst ein bedeutender religiöser und gesellschaftlicher Mittelpunkt von Florenz. Ihre Kapellen und Altäre spiegelten inzwischen auch den Einfluss jener Familien wider, die mit ihren Stiftungen wesentlich zur Ausstattung des Bauwerks beigetragen hatten.
Der Komplex entwickelte sich unterdessen weiter. Kirche und Kloster waren keine voneinander isolierten Bereiche, sondern Bestandteile einer großen franziskanischen Niederlassung. Kreuzgänge, Gemeinschaftsräume, Kapellen und weitere Gebäude kamen hinzu oder wurden verändert.
Besonders im 15. Jahrhundert erhielt das Ensemble bedeutende neue architektonische Akzente. Santa Croce war damit zwar als Kirche vollendet, als Monumentalkomplex jedoch keineswegs abgeschlossen.
Das 16. Jahrhundert – Giorgio Vasari verändert den mittelalterlichen Kirchenraum
Eine der einschneidendsten Veränderungen erfolgte im 16. Jahrhundert. 1566 beauftragte Cosimo I. de‘ Medici Giorgio Vasari mit einer umfassenden Neugestaltung. Hintergrund waren unter anderem die neuen liturgischen Vorstellungen der Gegenreformation. Der mittelalterliche Innenraum von Santa Croce unterschied sich damals erheblich von dem offenen Raumeindruck, den Besucher heute erleben.
Zwischen dem vierten und fünften Pfeiler befand sich ursprünglich ein massiver Lettner, der den Bereich der Ordensgemeinschaft vom Raum der übrigen Gläubigen trennte. Vasari ließ diese Trennanlage mitsamt den daran errichteten Kapellen beseitigen. Teile der mittelalterlichen Wandmalereien wurden übertüncht, während an den Seitenwänden große steinerne Altäre entstanden. Damit veränderte sich nicht nur die Ausstattung, sondern auch die Wahrnehmung der gesamten Architektur grundlegend.
Das 19. Jahrhundert – Campanile und Fassade von Santa Croce
Noch zu Beginn des 19. Jahrhunderts besaß Santa Croce nicht das äußere Erscheinungsbild, das heute den gleichnamigen Platz beherrscht. Vor allem die Hauptfassade war über Jahrhunderte unvollendet geblieben.
Auch der heutige Glockenturm gehört nicht zum mittelalterlichen Bau.
Der nach einem Entwurf von Gaetano Baccani errichtete Campanile entstand 1847 und setzte einen neuen vertikalen Akzent an der Basilika.
Noch deutlicher veränderte wenige Jahre später die Gestaltung der Westfassade das Erscheinungsbild von Santa Croce. Der Architekt Niccolò Matas entwarf eine neogotische Fassade, deren Bau 1857 begann.
Verwendet wurden verschiedenfarbige Marmorsorten und andere Natursteine aus unterschiedlichen Gebieten der Toskana. 1865 war die Fassade vollendet – mehr als fünfeinhalb Jahrhunderte nach dem Beginn des heutigen Kirchenbaus.
Santa Croce zwischen Mittelalter und moderner Zeit
Mit der Fertigstellung der Fassade war die Baugeschichte von Santa Croce keineswegs beendet.
Klostergebäude wurden verändert, Bereiche des Komplexes erhielten neue Funktionen und ältere Bauteile mussten immer wieder gesichert oder restauriert werden. 1933 erhielt Santa Croce offiziell den Rang einer Basilica minor. Besonders tief griffen schließlich die Folgen der verheerenden Überschwemmung des Arno von 1966 in die Geschichte des Bauwerks ein.
Der heutige Monumentalkomplex ist deshalb das Ergebnis einer Entwicklung, die sich über viele Jahrhunderte erstreckt.Unter der sichtbaren Architektur liegen ältere Bauphasen, mittelalterliche Strukturen treffen auf Eingriffe der Renaissance und des 19. Jahrhunderts.
Gerade diese gewachsene Gestalt gehört zum Charakter von Santa Croce in Florenz.
Wer die Basilika heute durchschreitet, bewegt sich nicht durch das Werk einer einzigen Epoche, sondern durch mehr als sieben Jahrhunderte florentinischer Baugeschichte.
Die Franziskaner in Florenz
Die Geschichte der Franziskaner in Florenz begann im frühen 13. Jahrhundert, als die rasch wachsende Handelsstadt weit über ihre bisherigen Grenzen hinausdrängte. Nach der Überlieferung kamen erste Gefährten des Franz von Assisi bereits um 1209 nach Florenz und ließen sich am nördlichen Ufer des Arno nieder. Dort lebten zahlreiche Handwerker, Arbeiter und Menschen, die aus dem Umland in die wirtschaftlich aufstrebende Stadt gezogen waren. Gerade ihnen fühlten sich die Bettelorden mit ihrem Ideal von Armut, Predigt und tätiger Seelsorge besonders verbunden.
Die Franziskaner suchten bewusst die Nähe zur Bevölkerung und nicht die Abgeschiedenheit eines traditionellen Klosters. Santa Croce entwickelte sich aus diesen bescheidenen Anfängen zu einem der wichtigsten religiösen Zentren der Stadt.
Mit dem Wachstum von Florenz nahm auch die Bedeutung der Ordensgemeinschaft stetig zu. Die Franziskaner predigten, unterrichteten, betreuten Arme und Kranke und wirkten zunehmend auch in das geistige und gesellschaftliche Leben der Stadt hinein. Ihre Kirche wurde dabei zum Treffpunkt ganz unterschiedlicher Bevölkerungsschichten.
Wohlhabende Kaufleute und Bankiers unterstützten den Orden mit Stiftungen, finanzierten Altäre und Kapellen und sicherten sich zugleich bevorzugte Begräbnisplätze. Auf diese Weise entstand eine enge Verbindung zwischen franziskanischer Spiritualität und der städtischen Gesellschaft von Florenz. Viele der bedeutenden Kunstwerke in Santa Croce wären ohne diese Form privater Förderung kaum entstanden.
Der Erfolg des Ordens lässt sich unmittelbar an der Entwicklung seiner Kirche ablesen. Der erste Bau genügte schon bald nicht mehr, auch die zwischen 1252 und 1267 errichtete zweite Kirche wurde schließlich zu klein. Mit dem Ende des 13. Jahrhunderts begonnenen Neubau entstand schließlich Santa Croce in ihrer monumentalen Form.
Die Basilika gilt als die größte Franziskanerkirche der Welt und zeigt damit eindrucksvoll, wie weit sich der Orden seit seinen bescheidenen Anfängen entwickelt hatte. Dennoch blieb die Architektur dem Gedanken einer großen Predigtkirche verpflichtet: Ein weiter, übersichtlicher Innenraum sollte möglichst vielen Menschen ermöglichen, der Verkündigung zu folgen. Monumentalität und franziskanisches Selbstverständnis gingen hier eine für Florenz charakteristische Verbindung ein.
Bis heute ist Santa Croce nicht nur ein kunsthistorisches Monument, sondern ein lebendiger Ort des Franziskanerordens. Die geistliche Betreuung liegt bei den Franziskaner-Minoriten, den Frati Minori Conventuali, die hier Gottesdienste feiern, Beichte hören und die religiöse Tradition des Ortes fortführen.
Damit besteht eine bemerkenswerte Kontinuität von den ersten Brüdern des 13. Jahrhunderts bis zur heutigen Ordensgemeinschaft. Für das Verständnis von Santa Croce in Florenz ist dieser Zusammenhang entscheidend, denn die Basilika entstand nicht als Museum für bedeutende Kunstwerke. Ihre Architektur, ihre Kapellen und ein großer Teil ihrer Ausstattung sind unmittelbar aus der jahrhundertelangen Geschichte der Franziskaner hervorgegangen.
Die Künstler in Santa Croce in Florenz
Die außergewöhnliche Bedeutung von Santa Croce in Florenz beruht zu einem großen Teil darauf, dass hier über Jahrhunderte einige der wichtigsten Künstler ihrer Zeit tätig waren. Bereits aus dem 13. Jahrhundert stammen Werke von Coppo di Marcovaldo (um 1225–um 1276) und Cimabue (um 1240–1302). Cimabues monumentales Kruzifix entstand vor 1288 und gehört damit noch zur Ausstattung aus der Zeit vor der heutigen Basilika.
Mit Giotto di Bondone (um 1267–1337) wurde Santa Croce anschließend zu einem der entscheidenden Schauplätze der florentinischen Malerei des frühen 14. Jahrhunderts. Seine Fresken in der Peruzzi-Kapelle werden um 1310–1311 datiert, diejenigen der Bardi-Kapelle entstanden wahrscheinlich zwischen 1317 und 1325.
Giottos Einfluss setzte sich bei seinen Schülern und Nachfolgern fort. Taddeo Gaddi (um 1300–1366), der über viele Jahre in Giottos Umfeld arbeitete, schuf unter anderem die Fresken der Baroncelli-Kapelle sowie um 1345–1350 das monumentale Bildprogramm mit dem Baum des Lebens und dem Letzten Abendmahl. Agnolo Gaddi (um 1350–1396), Taddeos Sohn, führte die florentinische Tradition gegen Ende des Jahrhunderts weiter und malte zwischen etwa 1380 und 1390 den umfangreichen Freskenzyklus der Legende vom Wahren Kreuz in der Hauptchorkapelle.
Auch Giovanni da Milano (tätig etwa 1346–1369) hinterließ mit den Fresken der Rinuccini-Kapelle ein bedeutendes Werk in Santa Croce. So lässt sich innerhalb der Basilika die Entwicklung der florentinischen Malerei des 14. Jahrhunderts nahezu von Generation zu Generation verfolgen.
Im 15. Jahrhundert wurde Santa Croce zu einem wichtigen Schauplatz der frühen Renaissance. Donatello (um 1386–1466) ist mit mehreren Werken vertreten: Sein hölzernes Kruzifix wird um 1408–1409 datiert, der ursprünglich für Orsanmichele geschaffene heilige Ludwig von Toulouse entstand zwischen 1418 und 1425, die Cavalcanti-Verkündigung um 1433–1435.
Filippo Brunelleschi (1377–1446) schuf mit der Pazzi-Kapelle eines der bedeutendsten Architekturwerke der Renaissance. Bernardo Rossellino (1409–1464) gestaltete um 1445–1450 das Grabmal Leonardo Brunis, Desiderio da Settignano (um 1430–1464) zwischen 1454 und 1459 das Grabmal Carlo Marsuppinis. Auch Benedetto da Maiano (1442–1497) hinterließ mit seiner zwischen 1481 und 1487 entstandenen Kanzel ein Hauptwerk der Renaissance-Skulptur.
Auch nach der Renaissance blieb Santa Croce ein Ort bedeutender künstlerischer Aufträge. Giorgio Vasari (1511–1574) leitete im 16. Jahrhundert die tiefgreifende Umgestaltung des Kirchenraumes und entwarf das Grabmonument Michelangelos; Bronzino (1503–1572) und Francesco Salviati (1510–1563) gehören zu den wichtigen Malern dieser Epoche in der Basilika.
Später kamen Künstler wie Innocenzo Spinazzi (1726–1798), der 1787 das Grabmal Machiavellis schuf, und Antonio Canova (1757–1822) mit dem zwischen 1804 und 1810 entstandenen Grabmonument Vittorio Alfieris hinzu. Damit reicht die Kunstgeschichte von Santa Croce vom Mittelalter über Renaissance und Barock bis weit in die Neuzeit. Die einzelnen Werke und ihre Künstler begegnen uns im weiteren Rundgang durch die Basilika an ihren jeweiligen Standorten noch ausführlicher.
Restaurierungen an Santa Croce in Florenz
Die heutige Santa Croce in Florenz ist keineswegs in jenem Zustand erhalten, in dem die Franziskaner ihre Kirche im Mittelalter errichten ließen. Umbauten, veränderte Vorstellungen von Liturgie und Kunst, neue Grabmonumente und schließlich auch Naturkatastrophen haben das Bauwerk immer wieder verändert. Manche Eingriffe zerstörten ältere Strukturen unwiederbringlich, andere brachten längst verborgene Kunstwerke wieder ans Licht. Besonders einschneidend waren die Umgestaltung durch Giorgio Vasari im 16. Jahrhundert und die Überschwemmung von Florenz im Jahr 1966. Die Restaurierungsgeschichte von Santa Croce ist deshalb zugleich ein Teil ihrer Bau- und Kunstgeschichte.
1566 bis 1568 – Giorgio Vasari verändert Santa Croce grundlegend
Der wohl folgenreichste historische Umbau des Innenraums begann 1566. Cosimo I. de‘ Medici beauftragte Giorgio Vasari damit, Santa Croce entsprechend den neuen liturgischen Vorstellungen nach dem Konzil von Trient umzugestalten. Zwischen dem vierten und fünften Pfeiler stand bis dahin ein großer mittelalterlicher Lettner, der den Bereich der Franziskaner vom Raum der übrigen Gläubigen trennte und den freien Blick auf den Hauptaltar verhinderte. Vasari ließ diese Anlage beseitigen und rückte den Hochaltar optisch stärker in den Mittelpunkt der Kirche. Die Wirkung des Mittelschiffs veränderte sich dadurch entscheidend.
Doch Vasaris Eingriffe gingen wesentlich weiter. Ältere Kapellen an den Seitenwänden verschwanden, mittelalterliche Fresken wurden übertüncht und vierzehn neue, symmetrisch angeordnete Seitenaltäre geschaffen. Was aus heutiger Sicht wie der Verlust wertvoller mittelalterlicher Substanz erscheint, entsprach damals einem völlig anderen Verständnis von Ordnung und liturgischer Gestaltung.
Der zuvor farbenreiche und über Jahrhunderte gewachsene Kirchenraum sollte regelmäßiger, übersichtlicher und repräsentativer erscheinen. Gerade deshalb ist der Innenraum von Santa Croce heute nicht einfach ein erhaltenes mittelalterliches Ensemble, sondern trägt deutlich die Spuren dieser tiefgreifenden Neuordnung des 16. Jahrhunderts.
Das 19. Jahrhundert – Santa Croce wird zum italienischen Pantheon
Auch im 19. Jahrhundert veränderte sich Santa Croce erheblich, nun allerdings aus anderen Gründen. Die Kirche wurde zunehmend als nationaler Erinnerungsort wahrgenommen, an dem bedeutende Persönlichkeiten Italiens geehrt werden sollten. Neue Grab- und Gedenkmonumente kamen hinzu und griffen teilweise massiv in die bis dahin vorhandene Gestaltung der Seitenschiffe ein. Santa Croce wandelte sich damit immer stärker von der traditionsreichen Franziskanerkirche zum „Pantheon der Italiener“, in dem Kunst, Geschichte und nationales Gedächtnis miteinander verbunden wurden.
Auch das äußere Erscheinungsbild wurde in dieser Zeit entscheidend erneuert. Der heutige Campanile entstand im 19. Jahrhundert, und die jahrhundertelang unvollendete Hauptfassade erhielt nach den Plänen Niccolò Matas‘ ihre bis heute prägende Verkleidung aus verschiedenfarbigem Stein. 1865 war die Fassade vollendet. Damit erhielt Santa Croce erst im 19. Jahrhundert jene monumentale Schauseite zur Piazza Santa Croce, die heute so selbstverständlich zum Bild der Basilika gehört. Das vermeintlich mittelalterliche Gesamterscheinungsbild ist somit in wesentlichen Teilen das Ergebnis unterschiedlicher Jahrhunderte.
Das 20. Jahrhundert – Freilegungen und ein neuer Blick auf das Mittelalter
Im 20. Jahrhundert änderte sich der Umgang mit der historischen Substanz erneut. Nun rückten die mittelalterlichen Bauphasen und Kunstwerke stärker in den Mittelpunkt des Interesses. Restaurierungen dienten nicht mehr allein der Erneuerung beschädigter Teile, sondern zunehmend auch der Erforschung der verschiedenen historischen Schichten von Santa Croce. Unter späteren Übermalungen und Veränderungen kamen wieder Zeugnisse jener Ausstattung zum Vorschein, die durch die Umbauten vergangener Jahrhunderte teilweise aus dem Blick geraten war.
Damit stellte sich allerdings eine schwierige Frage, die Restauratoren bis heute beschäftigt: Welcher historische Zustand soll bewahrt werden? Santa Croce besitzt nicht nur eine mittelalterliche Vergangenheit, sondern ebenso eine Geschichte der Renaissance, der Gegenreformation und des 19. Jahrhunderts. Eine vollständige Rückführung auf einen vermeintlichen „Originalzustand“ würde wiederum spätere, inzwischen selbst historisch bedeutende Veränderungen beseitigen. Die heutige Restaurierung versucht deshalb, die unterschiedlichen Zeitschichten des Monumentalkomplexes zu erhalten und zugleich gefährdete Kunstwerke dauerhaft zu sichern.
4. November 1966 – die Flutkatastrophe von Florenz trifft Santa Croce
Die schwerste Zerstörung der jüngeren Geschichte ereignete sich am 4. November 1966. Nach tagelangen Regenfällen trat der Arno über die Ufer und überflutete große Teile des historischen Zentrums von Florenz. Santa Croce lag in einem der besonders schwer betroffenen Stadtgebiete. Wasser, Schlamm und ausgelaufenes Heizöl drangen in Kirche und Klosterräume ein; im ehemaligen Refektorium erreichte das Wasser eine Höhe von etwa 5,20 Metern. Fußböden, Wände, Grabplatten, Fresken, Gemälde und zahlreiche weitere Kunstwerke wurden innerhalb weniger Stunden schwer beschädigt.
Zum Symbol der Katastrophe wurde das große Kruzifix von Cimabue aus dem 13. Jahrhundert. Das auf Holz gemalte Werk war dem Wasser und Schlamm nahezu schutzlos ausgeliefert und verlor einen erheblichen Teil seiner ursprünglichen Malschicht. Unmittelbar nach der Bergung begann ein aufwendiger Rettungsprozess, bei dem zunächst das durchnässte Holz langsam stabilisiert werden musste.
Mehr als zehn Jahre beschäftigte seine Konservierung die Restauratoren; trotz aller Bemühungen blieb ein großer Teil der ursprünglichen Bemalung unwiederbringlich verloren. Das Kruzifix wurde damit nicht nur zu einem der bedeutendsten Werke von Santa Croce, sondern auch zu einem internationalen Sinnbild für die Zerstörungen der Florentiner Flut.
Die Restaurierungen nach der Flut von 1966
Die Schäden von 1966 lösten eine der größten Restaurierungskampagnen in der Geschichte von Santa Croce aus. Fachleute aus Italien und zahlreichen anderen Ländern beteiligten sich an der Rettung der Kunstwerke. Dabei mussten vielfach völlig neue Verfahren entwickelt werden, denn mit Wasser vollgesogene Holztafeln, verschmutzte Fresken und sich ablösende Farbschichten stellten die Restauratoren vor Probleme, für die es kaum erprobte Lösungen gab. Die Arbeiten wurden dadurch auch zu einem wichtigen Kapitel in der Entwicklung moderner Restaurierungs- und Konservierungsmethoden.
Das Museum von Santa Croce blieb nach der Katastrophe jahrelang geschlossen und konnte erst 1975 wieder eröffnet werden. Fresken von Taddeo Gaddi im Refektorium und von Jacopo Ligozzi im benachbarten Winterrefektorium wurden abgenommen und restauriert. 1976 kehrte Cimabues Kruzifix anlässlich des zehnten Jahrestages der Überschwemmung zurück. Später wurde es erneut umgesetzt und befindet sich seit 2013 erhöht in der Sakristei, wo es besser gegen eine mögliche zukünftige Überflutung geschützt werden kann.
Vasaris „Letztes Abendmahl“ – fünfzig Jahre Restaurierungsgeschichte
Wie langwierig die Folgen der Flut waren, zeigt besonders Giorgio Vasaris monumentales „Letztes Abendmahl“ von 1546/1547. Die aus mehreren großen Holztafeln bestehende Malerei befand sich 1966 im Museumsbereich und lag während der Überschwemmung stundenlang im Wasser.
Der Zustand erschien anschließend so hoffnungslos, dass eine vollständige Restaurierung mit den damaligen technischen Möglichkeiten nicht verantwortbar war. Das Werk wurde deshalb zunächst gesichert und anschließend fast vier Jahrzehnte eingelagert, während Restauratoren nach einer geeigneten Methode für seine Rettung suchten.
Erst nach umfangreichen Untersuchungen konnte 2005 eine umfassende Restaurierung begonnen werden. Das Opificio delle Pietre Dure entwickelte gemeinsam mit weiteren Fachleuten Verfahren, mit denen sowohl der hölzerne Bildträger als auch die erhaltene Malerei stabilisiert werden konnten. 2016, fünfzig Jahre nach der Flut, kehrte Vasaris „Letztes Abendmahl“ restauriert in das Refektorium von Santa Croce zurück. Dort schützt heute eine besondere Konstruktion das Werk: Bei drohendem Hochwasser kann die riesige Tafel mithilfe eines Systems aus Gegengewichten und Rollen nach oben gezogen werden.
Restaurierungen an Grabmälern, Fresken und Altären
Die Restaurierungsarbeiten in Santa Croce beschränkten sich nach 1966 nicht auf die unmittelbar sichtbaren Flutschäden. In den folgenden Jahrzehnten wurden Freskenzyklen, Altäre, Skulpturen und Grabmonumente untersucht und konserviert. Dabei zeigte sich immer wieder, wie stark manche Werke durch Feuchtigkeit, Verschmutzung, frühere Restaurierungen oder Veränderungen ihrer ursprünglichen Aufstellung beeinträchtigt worden waren. Zu den großen Projekten gehörten unter anderem die Restaurierung der Fresken Agnolo Gaddis in der Hauptchorkapelle sowie Arbeiten am Kenotaph Dantes und an verschiedenen monumentalen Grabstätten.
Auch Schäden der Flut beschäftigen die Restauratoren bis in die Gegenwart. An Vasaris Altarbild mit dem Gang nach Golgatha beim Grabmal Michelangelos waren beispielsweise noch Jahrzehnte später Veränderungen der Malschicht festzustellen, die auf die Überschwemmung zurückgingen. Gleichzeitig mussten vergilbte Überzüge und ältere Restaurierungsspuren behandelt werden. Solche Arbeiten zeigen, dass Restaurierung in Santa Croce kein abgeschlossener Vorgang nach der Katastrophe von 1966 war. Die Folgen von Feuchtigkeit, Materialalterung und früheren Eingriffen machen eine kontinuierliche Betreuung des gewaltigen Bestandes notwendig.
Santa Croce in Florenz – Bewahren eines Bauwerks mit vielen Zeitschichten
Heute gehört die fortlaufende Konservierung zu den wichtigsten Aufgaben der Opera di Santa Croce. Dabei geht es längst nicht mehr nur darum, sichtbare Schäden zu reparieren. Bauwerk, Fresken, Gemälde, Skulpturen, Grabmäler und historische Räume werden regelmäßig untersucht, dokumentiert und bei Bedarf restauriert. Zugleich haben die Erfahrungen von 1966 dazu geführt, besonders gefährdete Kunstwerke anders zu präsentieren und Schutzmaßnahmen gegen zukünftige Hochwasserereignisse einzuplanen.
Gerade an Santa Croce in Florenz lässt sich erkennen, dass die Erhaltung eines historischen Bauwerks niemals bedeutet, einen einzigen Zeitpunkt seiner Geschichte einzufrieren. Mittelalterliche Architektur, Eingriffe Vasaris, Veränderungen des 19. Jahrhunderts und moderne Restaurierungen gehören heute gleichermaßen zur Geschichte der Basilika.
Manche frühere Veränderung würde man aus heutiger Sicht bedauern, andere hat selbst historischen Wert gewonnen. Das heutige Santa Croce ist deshalb nicht das Ergebnis einer einzigen Bauzeit, sondern eines jahrhundertelangen Prozesses aus Bauen, Verändern, Zerstören, Wiederentdecken und Bewahren.
Das Mittelschiff von Santa Croce in Florenz
Schon beim Betreten von Santa Croce überrascht die Weite des Innenraums. Mit einer Gesamtlänge von rund 115 Metern gehört die Basilika zu den größten Kirchen von Florenz, das Mittelschiff selbst erreicht eine Höhe von etwa 34 Metern und eine Breite von rund 20 Metern. Dennoch wirkt der Raum nicht schwer oder düster. Die großen Arkaden, die hell verputzten Wandflächen und das durch die Fenster einfallende Licht geben dem Inneren eine ungewöhnliche Offenheit. Gerade im Vergleich zu vielen anderen mittelalterlichen Kirchen Italiens entsteht hier kaum der Eindruck eines abgeschlossenen, geheimnisvollen Sakralraums.
Das Mittelschiff wird durch achteckige Pfeiler und weit gespannte Spitzbögen von den beiden Seitenschiffen getrennt. Die Pfeiler stehen vergleichsweise weit auseinander, sodass Mittelschiff und Seitenschiffe optisch miteinander verbunden bleiben. Dadurch entsteht fast der Eindruck einer einzigen großen Halle. Die dunkle Pietra serena der Architekturglieder hebt sich deutlich von den hellen Wandflächen ab, während der Terrakottaboden dem Raum Wärme gibt. Über den Arkaden verlaufen schmale Laufgänge, die den langen Wandflächen eine zusätzliche horizontale Gliederung verleihen.
Besonders auffällig ist die offene hölzerne Dachkonstruktion. Anstelle eines steinernen Gewölbes überspannt ein mächtiger Dachstuhl das Mittelschiff. Damit unterscheidet sich Santa Croce deutlich von den hoch aufragenden Kathedralen der französischen Gotik, deren Architektur stark von Kreuzrippengewölben und dem Streben nach immer größerer Höhe bestimmt wird.
In Santa Croce bleibt der Raum trotz seiner Dimensionen breit und überschaubar. Die sichtbaren Holzbalken nehmen der Architektur zugleich einen Teil ihrer Monumentalität und verleihen dem gewaltigen Kirchenraum eine beinahe überraschende Schlichtheit.
Für eine Kirche eines Bettelordens erscheinen diese Dimensionen zunächst ungewöhnlich. Doch Santa Croce war nicht als abgeschlossene Klosterkirche für eine kleine Gemeinschaft gedacht. Die Franziskaner verstanden die Predigt und die unmittelbare Ansprache der Bevölkerung als einen wesentlichen Teil ihrer Aufgabe. Dafür benötigten sie einen großen Raum, in dem sich viele Menschen versammeln und dem gesprochenen Wort folgen konnten. Das breite Mittelschiff, die großen Pfeilerabstände und der weitgehend freie Blick in Richtung Hauptaltar entsprechen genau diesem Gedanken einer Predigtkirche.
Wie stark sich dieser Raum im Laufe der Jahrhunderte verändert hat, wird heute leicht übersehen. Ursprünglich unterteilte ein großer Lettner das Mittelschiff und trennte den Bereich der Ordensgemeinschaft vom Raum der Gläubigen. Erst der Umbau unter Giorgio Vasari im 16. Jahrhundert schuf jene lange Sichtachse, die heute vom Eingang bis zur Cappella Maggiore reicht. Gleichzeitig entstanden an den Seiten zahlreiche neue Altäre und Grabmonumente. Das heutige Mittelschiff ist deshalb mittelalterliche Architektur und Ergebnis späterer Veränderungen zugleich.
Unübersehbar sind schließlich die zahlreichen Grabplatten im Boden. Über Jahrhunderte ließen sich Angehörige bedeutender Florentiner Familien, Geistliche, Ordensleute und andere Persönlichkeiten in Santa Croce bestatten. Viele Grabstätten wurden mit rechteckigen Marmorplatten verschlossen, einige tragen lange Inschriften und Wappen, andere zeigen den Verstorbenen als in den Stein gearbeitete Figur. Der Boden wurde damit selbst zu einem historischen Gedächtnis der Kirche. Auch wenn viele Platten durch jahrhundertelanges Begehen stark abgenutzt sind, prägen sie den Eindruck des Mittelschiffs und der Seitenschiffe bis heute.
Die Cappella Maggiore und der Hauptaltar in Santa Croce
Am Ende der langen Mittelachse öffnet sich die Cappella Maggiore, die Hauptchorkapelle von Santa Croce. Sie bildet den räumlichen und liturgischen Mittelpunkt der Basilika und wirkt mit ihren hohen farbigen Fenstern und den vollständig bemalten Wandflächen beinahe wie ein eigener Kirchenraum. Ihre heutige Gestalt geht wesentlich auf die Familie Alberti zurück. Die führenden Mitglieder der fünf Familienzweige vereinbarten 1348 mit den Franziskanern den Bau und die Ausstattung der Hauptchorkapelle und erhielten dafür das Patronatsrecht sowie Begräbnisrechte im angrenzenden Bereich.
Die farbigen Glasfenster gehören zu den ältesten Teilen dieser Ausstattung und werden überwiegend Taddeo Gaddi zugeschrieben. Santa Croce besitzt überhaupt einen außergewöhnlichen Bestand historischer Glasmalereien, von denen sich Werke aus mehreren Jahrhunderten erhalten haben. In der Cappella Maggiore verbinden sich die leuchtenden Fenster mit den bemalten Wänden zu einem deutlich farbigeren Raumeindruck als im hellen und vergleichsweise zurückhaltend gestalteten Mittelschiff. Der Blick des Besuchers wird dadurch schon aus großer Entfernung auf den Chor und den Hauptaltar gelenkt.
Agnolo Gaddi und die Legende vom Wahren Kreuz
Beherrscht wird die Cappella Maggiore von einem der größten erhaltenen Freskenzyklen in Santa Croce. Agnolo Gaddi, Sohn Taddeo Gaddis und einer der wichtigsten Florentiner Maler des späten 14. Jahrhunderts, schuf mit seiner Werkstatt zwischen etwa 1388 und 1390 die „Legende vom Wahren Kreuz“. Das Bildprogramm bedeckt große Teile der Wände und umfasst insgesamt eine Fläche von ungefähr 850 Quadratmetern. Die Fresken gehören zu den bedeutendsten Werken der spätmittelalterlichen Malerei in Santa Croce und wurden im 21. Jahrhundert umfassend restauriert.
Die Geschichte folgt der mittelalterlichen „Legenda Aurea“ des Jacobus de Voragine und erzählt die sagenhafte Vorgeschichte des Holzes, aus dem später das Kreuz Christi gefertigt worden sein soll. Die Szenen beginnen oben an der rechten Wand und setzen sich, von einer Wand zur anderen wechselnd, nach unten fort. Dabei reicht die Erzählung von alttestamentlichen Ereignissen über die Auffindung des Kreuzes durch die heilige Helena bis zu späteren Episoden seiner Geschichte. Für Santa Croce war dieses Thema keineswegs zufällig gewählt: Die gesamte Kirche ist dem Heiligen Kreuz geweiht.
Auch das Gewölbe ist Teil dieses Bildprogramms. Dort erscheinen Johannes der Täufer, der heilige Franziskus und die Evangelisten, während an den Pfeilern weitere Heilige aus dem Umfeld franziskanischer Spiritualität dargestellt sind. Agnolo Gaddi verbindet in seinen Fresken große erzählerische Szenen mit einer Fülle kleiner Einzelheiten, Architektur, Landschaft und kostbar gekleideten Figuren. Der Zyklus steht bereits am Übergang von der großen florentinischen Malerei des 14. Jahrhunderts zu jenem zunehmend dekorativen Geschmack, der gegen Ende des Jahrhunderts an Bedeutung gewann.
Der Hauptaltar von Santa Croce
Der Hauptaltar selbst hat im Laufe der Jahrhunderte mehrfach sein Aussehen verändert. Bereits um 1324 bis 1326 hatten die Alamanni, eine wohlhabende Florentiner Bankiersfamilie, bei Ugolino di Nerio ein großes Polyptychon für den Altar in Auftrag gegeben. Dieses mittelalterliche Altarwerk wurde später zerlegt; erhaltene Tafeln befinden sich heute in verschiedenen internationalen Sammlungen. Der heutige Eindruck des Chores entspricht deshalb nicht mehr der Ausstattung, die ein Besucher des 14. Jahrhunderts vorgefunden hätte.
Im Zuge der von Giorgio Vasari geleiteten Umgestaltung wurde der Altar Ende der 1560er Jahre weiter in Richtung Mittelschiff gerückt. Dadurch konnte das von Manno de‘ Cori im 15. Jahrhundert geschaffene Chorgestühl in der Cappella Maggiore aufgestellt werden. Das mittelalterliche Altarbild ersetzte man durch ein 1569 vollendetes Ziborium Vasaris, das später noch durch einen monumentalen hölzernen Aufbau ergänzt wurde. Damit erhielt auch der Hauptaltar jene repräsentative Gestalt, die den Vorstellungen der Gegenreformation entsprach.
Der Hauptaltar erhält im 19. Jahrhundert eine neue Gestalt
Auch Vasaris Altaraufbau blieb nicht dauerhaft bestehen. 1869 entschied die königliche Kunstkommission, ihn wieder zu entfernen, weil die große Konstruktion den Blick auf Agnolo Gaddis mittelalterliche Fresken beeinträchtigte. Auf dem erneuerten Hauptaltar wurde stattdessen ein nach einem Entwurf von Niccolò Matas zusammengestelltes Polyptychon aufgestellt. Dafür verwendete man Gemälde, die florentinischen Malern aus dem Umkreis Giottos zugeschrieben werden.
Über dem Chor hängt heute außerdem ein großes gemaltes Kruzifix aus der Mitte des 14. Jahrhunderts, das dem sogenannten Meister von Figline zugeschrieben wird. Es wurde erst in den 1930er Jahren an dieser Stelle angebracht und im 21. Jahrhundert restauriert. Auch hier zeigt sich wieder, wie sehr das heutige Bild von Santa Croce aus unterschiedlichen Jahrhunderten zusammengesetzt ist.
Mittelalterliche Fresken, historische Glasfenster, ein im 19. Jahrhundert neu zusammengestellter Altar und ein später angebrachter Kruzifixus bilden heute gemeinsam den optischen Abschluss des riesigen Mittelschiffs.
Die Peruzzi-Kapelle in Santa Croce
Die Cappella Peruzzi gehört zu den bedeutendsten Seitenkapellen von Santa Croce in Florenz. Sie entstand bereits während der ersten Bauphase der heutigen Basilika zwischen dem Ende des 13. und dem Beginn des 14. Jahrhunderts und liegt im rechten Querhaus, als zweite Kapelle neben der Cappella Maggiore. Das Patronatsrecht besaßen die Peruzzi, eine der reichsten Bankiersfamilien des mittelalterlichen Florenz. Ihre Handels- und Bankgeschäfte reichten weit über Italien hinaus, und eine Kapelle in unmittelbarer Nähe des Hauptchores war nicht nur Ausdruck religiöser Frömmigkeit, sondern ebenso ein sichtbares Zeichen gesellschaftlichen Ranges.
Die Familie beauftragte Giotto di Bondone mit der malerischen Ausstattung der Kapelle. Die genaue Datierung wird bis heute diskutiert, doch die Fresken werden gewöhnlich um 1310 bis 1311 angesetzt und gehören damit zu Giottos frühen Arbeiten in Santa Croce. Gewidmet ist die Kapelle Johannes dem Täufer und Johannes dem Evangelisten. Ihre Lebensgeschichten stellte Giotto in jeweils drei großen Szenen auf den gegenüberliegenden Seitenwänden dar. Die Bildfolgen waren so angelegt, dass der Besucher die Geschichten beim Blick durch die Kapelle unmittelbar miteinander vergleichen konnte.
Auf der linken Wand erscheinen Szenen aus dem Leben Johannes des Täufers: die Verkündigung seiner Geburt an Zacharias, seine Geburt und Namensgebung sowie das Gastmahl des Herodes mit dem Tanz der Salome und der Enthauptung des Täufers. Gegenüber folgen Episoden aus dem Leben Johannes des Evangelisten, darunter seine Vision auf Patmos, die Auferweckung der Drusiana und seine Himmelfahrt. Gerade in diesen Szenen wird sichtbar, wie weit Giotto die mittelalterliche Malerei bereits verändert hatte. Architektur wird zum glaubhaften Raum, Figuren treten miteinander in Beziehung, und Gesten und Blicke erzählen einen wesentlichen Teil der Handlung.
Eine Besonderheit der Peruzzi-Kapelle ist allerdings der heutige Zustand der Fresken. Giotto arbeitete hier zu großen Teilen nicht auf frischem, sondern auf bereits trockenem Putz. Diese Technik erlaubte zwar eine differenzierte Ausführung, erwies sich langfristig jedoch als empfindlich. Hinzu kamen Übertünchungen im 18. Jahrhundert und teilweise aggressive Restaurierungen im 19. Jahrhundert. Zwischen 1983 und 1985 wurden die Wandmalereien durch das Opificio delle Pietre Dure konserviert; weitere Untersuchungen folgten 2009 und 2010. Die heute teilweise blassen Bilder sind deshalb keine schwächeren Arbeiten Giottos, sondern das Ergebnis einer schwierigen Erhaltungsgeschichte.
Auch die übrige Ausstattung der Kapelle hat sich verändert. Das ursprüngliche Altarbild befindet sich heute im North Carolina Museum of Art in Raleigh. An seiner Stelle steht eine Tafel eines unbekannten Florentiner Malers des 14. Jahrhunderts aus dem Umkreis Bernardo Daddis mit der Madonna und dem Kind zwischen Johannes dem Evangelisten und einem heiligen Bischof. Selbst das farbige Fenster gehört ursprünglich nicht hierher: Es stammt aus der benachbarten Giugni-Kapelle und wird Pacino di Bonaguida zugeschrieben. An der rechten Wand befindet sich außerdem das zwischen 1847 und 1860 von Odoardo Fantacchiotti geschaffene Grabmal des Florentiner Gonfaloniere Vincenzo Peruzzi.
Die Bardi-Kapelle in Santa Croce
Unmittelbar neben der Peruzzi-Kapelle liegt die Cappella Bardi, eine der berühmtesten Kapellen von Santa Croce in Florenz. Sie entstand ebenfalls während der ersten Bauphase der heutigen Kirche zwischen etwa 1295 und 1310 und war dem heiligen Franziskus geweiht. Das Patronat lag bei der Familie Bardi, deren Bankhaus im 13. und frühen 14. Jahrhundert zu den mächtigsten Finanzunternehmen Europas gehörte. Die Familie besaß in Santa Croce sogar die Patronatsrechte über mehrere Kapellen. Die Lage unmittelbar neben der Cappella Maggiore zeigt, welchen Rang die Bardi innerhalb der florentinischen Gesellschaft einnahmen.
Wahrscheinlich war es Ridolfo de‘ Bardi, der Giotto mit der Ausmalung beauftragte. Der Zyklus entstand sicher nach 1317 und vermutlich bis etwa 1325. Im Mittelpunkt steht das Leben des heiligen Franz von Assisi, womit die Kapelle zugleich eines der zentralen Themen der gesamten Franziskanerkirche aufgreift. Giotto verdichtete die Lebensgeschichte des Ordensgründers auf wenige entscheidende Ereignisse. Die Bilder folgen dabei der „Legenda maior“ des Bonaventura von Bagnoregio, die im Franziskanerorden als maßgebliche Lebensbeschreibung des Heiligen galt.
Auf der linken Wand beginnt die Erzählung mit Franziskus, der vor seinem Vater auf den weltlichen Besitz verzichtet. Es folgen seine Erscheinung beim Ordenskapitel von Arles sowie Tod und Verherrlichung des Heiligen. Gegenüber sieht man die Bestätigung der franziskanischen Ordensregel durch Papst Honorius III., Franziskus vor dem Sultan und seine Erscheinung vor Bruder Agostino und Bischof Guido von Assisi.
Oberhalb des Kapelleneingangs befindet sich zusätzlich die Stigmatisation des heiligen Franziskus. Die Szenen sind nicht bloß Illustrationen einer Heiligenlegende. Giotto zeigt Angst, Wut, Trauer, Zweifel und Zuneigung in einer Unmittelbarkeit, die für die europäische Malerei seiner Zeit außergewöhnlich war.
Auch das Gewölbe gehört zum ursprünglichen Bildprogramm. Dort erscheinen die franziskanischen Tugenden Gehorsam, Armut und Keuschheit sowie eine nur fragmentarisch erhaltene weitere Figur. Auf der Rückwand stehen Franziskanerheilige wie Ludwig von Toulouse, Klara von Assisi und Elisabeth von Ungarn. Zwei farbige Fenster ergänzten die Ausstattung. Das Fenster hinter dem Altar stammt allerdings nicht mehr aus der Bardi-Kapelle selbst, sondern wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aus der Velluti-Kapelle hierher versetzt.
Auf dem Altar befand sich seit 1595 die berühmte sogenannte Bardi-Tafel mit dem heiligen Franziskus und zwanzig Szenen aus seinem Leben. Das um 1245 bis 1250 entstandene Werk wird heute Coppo di Marcovaldo zugeschrieben und ist damit deutlich älter als die Fresken Giottos und sogar älter als die heutige Kirche. Während der gegenwärtigen Restaurierung der Bardi-Kapelle wurde die Tafel vorübergehend in das Querhaus versetzt. Damit treffen in diesem Bereich Werke aus unterschiedlichen Phasen der frühen franziskanischen Kunst unmittelbar aufeinander.
Die Geschichte der Bardi-Kapelle ist zugleich eine Geschichte des Verlustes und der Wiederentdeckung. Die Fresken Giottos wurden im Laufe der Zeit übertüncht und gerieten teilweise in Vergessenheit, bevor sie im 19. Jahrhundert wieder freigelegt wurden. Frühere Restaurierungen veränderten jedoch Teile der originalen Oberfläche. Heute läuft erneut ein umfangreiches Konservierungsprojekt unter Beteiligung des Opificio delle Pietre Dure. Gerade deshalb kann sich der Eindruck der Kapelle bei einem Besuch derzeit von älteren Fotografien unterscheiden: Die Fresken befinden sich in einer neuen Phase ihrer jahrhundertelangen Restaurierungsgeschichte.
Die Riccardi-Kapelle in Santa Croce
Die heutige Cappella Riccardi gehört zu den Kapellen von Santa Croce, deren Erscheinungsbild sich besonders stark verändert hat. Ursprünglich war sie mit der Familie Bellacci verbunden, später ging das Patronat an die Calderini über und schließlich an die Riccardi. Von ihrer mittelalterlichen Ausstattung ist nur wenig erhalten. Alte Quellen berichten von Fresken Taddeo Gaddis, die jedoch später übertüncht beziehungsweise bei der grundlegenden Umgestaltung der Kapelle beseitigt wurden. Der Raum, den man heute sieht, wird deshalb vor allem vom frühen 17. Jahrhundert geprägt.
Die entscheidende Neugestaltung erfolgte um 1620 bis 1621 im Auftrag der Familie Calderini. Verantwortlich war der Florentiner Architekt Gherardo Silvani, der wenig später auch an der Umgestaltung der Salviati-Kapelle beteiligt war. Silvani gab dem Raum eine für das 17. Jahrhundert charakteristische, wesentlich geschlossenere und repräsentativere Form. Marmorverkleidungen, architektonische Rahmungen und eine sorgfältig aufeinander abgestimmte Ausstattung ersetzten den mittelalterlichen Charakter der Kapelle. Noch heute erinnern Wappen der Calderini und Medici sowie das später hinzugekommene Wappen der Riccardi an diese wechselnden Besitzverhältnisse.
Im Zentrum des Altars steht Giovanni Biliverts Gemälde mit der Auffindung des Wahren Kreuzes. Bilivert, 1585 in Florenz geboren und 1644 dort gestorben, gehörte zu den wichtigen Malern des florentinischen Frühbarock. Das Thema nimmt unmittelbar Bezug auf das Patrozinium der Basilika Santa Croce. Ergänzt wird das Altarbild durch zwei weitere bedeutende Gemälde: Domenico Passignano schuf die Darstellung des heiligen Laurentius, der die Schätze der Kirche an die Armen verteilt, während Matteo Rosselli den heiligen Franziskus im Gebet beziehungsweise in Ekstase darstellte. Damit verbindet die Ausstattung Themen des Heiligen Kreuzes mit franziskanischer Spiritualität und Heiligenverehrung.
Auch die Decken- und Lünettenmalereien gehören zur barocken Neugestaltung. Sie stammen von Giovanni da San Giovanni, eigentlich Giovanni Mannozzi, der von 1592 bis 1636 lebte und zu den eigenwilligsten Florentiner Freskenmalern seiner Generation gehörte. Seine Malerei fügt sich in die von Silvani geschaffene Architektur ein und macht deutlich, wie sehr sich der Geschmack seit der Zeit Giottos verändert hatte. Während die benachbarten mittelalterlichen Kapellen von großflächigen erzählenden Freskenzyklen bestimmt werden, entstand hier ein bewusst inszenierter barocker Gesamtraum aus Architektur, Marmor, Malerei und liturgischer Ausstattung.
Zu den bemerkenswertesten Objekten der Riccardi-Kapelle gehört außerdem der Reliquienkult um die selige Umiliana de‘ Cerchi, eine Florentinerin des 13. Jahrhunderts, die dem franziskanischen Umfeld eng verbunden war. Ihr Reliquienbüstenbild gehört zu den auffälligsten Ausstattungsstücken der Kapelle. Gerade diese Verbindung unterschiedlicher Epochen macht die Cappella Riccardi kunsthistorisch interessant: Hinter der heutigen barocken Gestaltung verbirgt sich eine mittelalterliche Kapellengeschichte, während Ausstattung und Patronatswechsel bis weit in spätere Jahrhunderte reichen.
Die Giugni-Bonaparte-Kapelle in Santa Croce
Die dritte Kapelle im rechten Querhaus wurde ursprünglich von der alten Florentiner Familie Giugni gegründet, deren wirtschaftlicher Aufstieg eng mit dem Wollhandel verbunden war. Die Architektur entstand bereits während der ersten großen Bauphase von Santa Croce zwischen 1295 und 1310. Ursprünglich war die Kapelle den Aposteln geweiht und mit Darstellungen ihrer Martyrien ausgemalt. Ältere Quellen schrieben diese Fresken Giotto zu, doch die heutige Forschung ist bei dieser Zuschreibung wesentlich vorsichtiger. Die Wandmalereien wurden vermutlich im 18. Jahrhundert übertüncht und sind heute nicht mehr sichtbar.
Von der mittelalterlichen Ausstattung hat sich vor allem das ursprüngliche Glasfenster erhalten – allerdings nicht mehr an seinem ursprünglichen Standort. Es wurde im 20. Jahrhundert in die Peruzzi-Kapelle versetzt und wird Pacino di Bonaguida zugeschrieben. Damit ist die heutige Giugni-Kapelle ein gutes Beispiel dafür, wie stark die Ausstattung von Santa Croce im Laufe der Jahrhunderte verändert und zwischen einzelnen Räumen versetzt wurde. Wer nur den heutigen Zustand betrachtet, sieht deshalb lediglich die letzte von mehreren historischen Schichten.
Eine völlig neue Epoche begann 1839, als Giuseppe Bonaparte, der ältere Bruder Napoleons und ehemalige König von Neapel und Spanien, das Patronatsrecht an der Kapelle erwarb. Schon im folgenden Jahr wurde sie umfassend neu ausgestattet. Giuseppe Bezzuoli schuf für den neuen Altar eine große Darstellung der Himmelfahrt Mariens. Gleichzeitig entstand eines der bedeutendsten Grabmonumente der Kapelle: Lorenzo Bartolini gestaltete 1840 das Grabmal für Charlotte Napoléone Bonaparte, die Tochter Giuseppe Bonapartes. Die Marmorskulptur mit ihrem Porträt gehört zu den charakteristischen Beispielen der florentinischen Grabmalkunst des 19. Jahrhunderts.
1847 kam das Grabmal von Julie Clary Bonaparte hinzu, der Ehefrau Giuseppe Bonapartes. Es wurde von Luigi Pampaloni geschaffen. Giuseppe selbst war nach seinem Tod 1844 zunächst ebenfalls in dieser Kapelle bestattet worden. Seine sterblichen Überreste blieben jedoch nicht dauerhaft in Santa Croce. Achtzehn Jahre später erreichte Napoleon III., dass sie nach Paris überführt und im Dôme des Invalides beigesetzt wurden. Damit blieb die Kapelle zwar eng mit der Familie Bonaparte verbunden, verlor jedoch die Grabstätte ihres prominentesten zeitweiligen Bestatteten.
Ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt die Cappella Giugni-Bonaparte schließlich 1918. Damals wurde sie dem Heiligsten Herzen Jesu geweiht und zugleich dem Andenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs gewidmet. Ezio Cerpi, Architekt der Opera di Santa Croce, gestaltete den Raum im neogotischen Geschmack neu. Eine neue Glasmalerei zeigt unter anderem Franziskus, Bonaventura, Elisabeth, Klara und Ludwig von Toulouse. Amedeo Benini versah die Wände mit einer gemalten Marmorimitation, während für den Altar ein neues Triptychon des Heiligsten Herzens entstand, dessen Malerei von Ricciardo Meacci und dessen plastische Teile von Aristide Aloisi stammen.
Der von Lorenzo Bartolini entworfene Altar des 19. Jahrhunderts wurde bei dieser Umgestaltung abgebaut. Bezzuolis großes Gemälde der Himmelfahrt Mariens befindet sich heute im Museum von Santa Croce. Dadurch vereint die Kapelle in ungewöhnlicher Weise drei sehr unterschiedliche Kapitel der Geschichte der Basilika: die mittelalterliche Stiftung einer Florentiner Kaufmannsfamilie, die Erinnerungskultur der Bonapartes im 19. Jahrhundert und schließlich das Gedenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs.
Gerade diese historischen Brüche machen die Giugni-Bonaparte-Kapelle zu einem der interessantesten Beispiele dafür, wie sich Nutzung und Bedeutung einzelner Räume in Santa Croce über Jahrhunderte verändern konnten.
Die Velluti-Kapelle in Santa Croce
Die Cappella Velluti liegt auf der rechten Seite des Chores und gehört zu den älteren Seitenkapellen von Santa Croce in Florenz. Ihre Geschichte reicht in die ersten Jahrzehnte des 14. Jahrhunderts zurück. Ursprünglich besaß die Familie Zati das Patronat, später ging die Kapelle an die Familie Velluti über. Gemma, Tochter des Scolaio de’ Pucci und Witwe des Filippo Velluti, ließ die Arbeiten 1328 vollenden und weihte die Kapelle dem Erzengel Michael. Bereits diese wechselnde Familiengeschichte zeigt, wie eng die Ausstattung der Seitenkapellen mit den großen florentinischen Geschlechtern verbunden war.
Die Fresken der Kapelle entstanden wahrscheinlich schon um 1321 oder wenig später. Dargestellt sind Szenen aus dem Leben und Wirken des Erzengels Michael, darunter seine Erscheinung am Monte Gargano und der Kampf gegen den Drachen. Das Bildprogramm orientiert sich an der mittelalterlichen Überlieferung der „Legenda Aurea“ und stellt Michael als himmlischen Kämpfer und Beschützer dar. Gerade in einem franziskanischen Umfeld besaß dieses Thema eine besondere Bedeutung, denn die Gestalt des Erzengels spielte auch in theologischen Vorstellungen des Mittelalters eine wichtige Rolle.
Wer die Fresken geschaffen hat, ist bis heute nicht vollkommen geklärt. Ältere Zuschreibungen verbanden sie teilweise mit Cimabue, später sprach man von einem älteren Mitarbeiter Giottos. In der neueren Forschung wird häufig von einem „Meister der Cappella Velluti“ gesprochen; gelegentlich wurde auch Jacopo del Casentino als möglicher Künstler vorgeschlagen. Diese Zuschreibung bleibt jedoch eine Hypothese. Sicher ist lediglich, dass die Malereien stilistisch in die Übergangszeit zwischen der älteren florentinischen Tradition und der von Giotto geprägten neuen Bildsprache des frühen 14. Jahrhunderts gehören.
Auch die Glasfenster der Kapelle sind kunsthistorisch interessant. Die ursprüngliche mittelalterliche Verglasung befindet sich heute nicht mehr hier. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Fenster aus der Velluti-Kapelle in die benachbarte Bardi-Kapelle versetzt, wo es bis heute erhalten ist. Dadurch ist die ursprüngliche Einheit von Fresken, Architektur und Glasmalerei heute nicht mehr vollständig nachvollziehbar. Solche Versetzungen begegnen in Santa Croce immer wieder und machen deutlich, wie stark sich die Ausstattung einzelner Kapellen im Laufe der Jahrhunderte verändert hat.
1899 wurde die Cappella Velluti von Galileo Chini restauriert. Auch dabei griff man in den überlieferten Zustand ein, wie es den Restaurierungsvorstellungen des späten 19. Jahrhunderts entsprach. Die heute sichtbaren Fresken sind deshalb sowohl mittelalterliche Originale als auch Zeugnisse späterer Sicherungen und Veränderungen. Trotz ihrer teilweise fragmentarischen Erhaltung gehört die Kapelle zu den wichtigen Stationen der frühen florentinischen Wandmalerei in Santa Croce.
Die Castellani-Kapelle in Santa Croce
Die Cappella Castellani liegt im rechten Querhaus von Santa Croce und zählt zu den größten Familienkapellen der Basilika. Sie wurde 1383 von Michele di Vanni Castellani für seine Familie gestiftet und dem heiligen Antonius Abbas geweiht. Der Raum besteht aus zwei annähernd quadratischen Jochen, die von Kreuzrippengewölben überspannt und durch einen Spitzbogen miteinander verbunden werden. Bereits die Größe der Kapelle zeigt, welchen gesellschaftlichen Rang die Familie Castellani im Florenz des späten 14. Jahrhunderts besaß.
Für die Ausmalung wurde Agnolo Gaddi mit seiner Werkstatt herangezogen. Die Fresken entstanden wahrscheinlich zwischen 1383 und 1385. Neben Agnolo Gaddi war daran auch Gherardo Starnina beteiligt, einer der bedeutenden Florentiner Maler seiner Generation. Das Bildprogramm ist ungewöhnlich umfangreich und verbindet die Geschichten von vier Heiligen: Johannes dem Evangelisten, Antonius Abbas, Johannes dem Täufer und Nikolaus von Bari. Die Szenen verteilen sich über die Wände und zeigen ein reiches erzählerisches Programm, das die gesamte Kapelle in einen farbigen Bilderraum verwandelte.
Auch die Gewölbe sind in die malerische Ausstattung einbezogen. Dort erscheinen die vier Evangelisten sowie vier Kirchenlehrer. An den Pfeilern sind Heilige dargestellt, die mit dem Franziskanerorden verbunden sind. Agnolo Gaddi und seine Mitarbeiter knüpften damit an die große Tradition der Freskenzyklen von Santa Croce an, entwickelten die Bildsprache jedoch in Richtung der dekorativeren und farbenreicheren Spätgotik weiter. Architektur, kostbare Gewänder und erzählerische Einzelheiten erhalten in den Szenen deutlich mehr Gewicht als noch bei Giotto.
Im Laufe der Jahrhunderte wurde die Kapelle mehrfach verändert. Bereits im 17. Jahrhundert waren große Teile der Fresken übertüncht worden. 1815 richtete man die Cappella Castellani als Winterkapelle ein und verschloss den Eingang teilweise mit einer hölzernen Wand, um den Raum besser beheizen zu können. Gleichzeitig erhielt die Kapelle einen neuen Altar aus Marmor und Halbedelsteinen. Auf diesem wurde Giorgio Vasaris „Letztes Abendmahl“ aufgestellt, das ursprünglich für das Florentiner Kloster Le Murate geschaffen worden war.
Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich die Castellani-Kapelle außerdem zu einem wichtigen Ort für Grab- und Gedenkmonumente ausländischer Persönlichkeiten, die mit Florenz verbunden waren. Zu ihnen gehören das Grabmonument des polnischen Malers Michal Bogoria Skotnicki von Stefano Ricci aus dem Jahr 1808, das Denkmal für den polnischen Diplomaten und Komponisten Michal Kleophas Oginski von Francesco Pozzi aus den Jahren 1836 bis 1837 sowie das Monument für Luisa zu Stolberg-Gedern, die Gräfin von Albany. Dieses wurde zwischen 1824 und 1830 von Luigi Giovannozzi und Emilio Santarelli ausgeführt.
Nach der Entfernung der hölzernen Trennwand im Jahr 1870 begann man, nach den übertünchten Fresken zu suchen. Zwischen 1921 und 1922 wurden sie von Amedeo Benini restauriert. Eine weitere Umgestaltung erfolgte in den 1970er Jahren. Damals brachte man am Altar drei spätmittelalterliche Reliefs an, die Giroldo da Como zugeschrieben werden und die drei Marien am Grab sowie Weihrauch tragende Engel zeigen. Wahrscheinlich handelt es sich um Fragmente eines verlorenen Grabmonuments.
Zur heutigen Ausstattung gehören außerdem ein um 1483 entstandenes Tabernakel von Mino da Fiesole, das aus dem Kloster Le Murate stammt, sowie ein gemaltes Kruzifix von Pietro Nelli und Niccolò di Pietro Gerini aus dem Jahr 1380. An den Pfeilern stehen polychrome Terrakottafiguren des heiligen Franziskus und des heiligen Dominikus aus der Werkstatt der Della Robbia, entstanden um 1490 bis 1500. Die Cappella Castellani ist damit kein geschlossenes Ensemble einer einzigen Epoche, sondern ein Raum, in dem mittelalterliche Fresken, Renaissancekunst und Grabmonumente des 19. Jahrhunderts unmittelbar nebeneinander stehen.
Die Baroncelli-Kapelle in Santa Croce
Die Baroncelli-Kapelle liegt am äußersten Ende des rechten Querhauses und gehört zu den eindrucksvollsten Kapellen von Santa Croce in Florenz. Sie besteht aus zwei hintereinanderliegenden, mit Kreuzgewölben überspannten Räumen und ist der Verkündigung an Maria geweiht. Gegründet wurde sie 1328 von Mitgliedern der Familien Manetti und Bandini Baroncelli, die zu den wohlhabenden Kaufleuten und Bankiers der Stadt gehörten. Eine Inschrift am Familiengrab erinnert daran, dass die Stiftung ausdrücklich dem Seelenheil der Stifter und ihrer Vorfahren dienen sollte.
Schon der Eingang der Kapelle ist ungewöhnlich reich gestaltet. In der Wand neben dem Zugang befindet sich das doppelseitige Grabmonument der Familie Baroncelli, geschaffen von Giovanni di Balduccio. Der Bildhauer arbeitete im frühen 14. Jahrhundert in Florenz und gehörte zu den bedeutenden Vertretern der gotischen Skulptur. Von ihm stammen auch die kleinen Figuren der Verkündigung, die an den Pfeilern des großen Eingangsbogens angebracht sind. Damit beginnt das Marienthema der Kapelle bereits an der Schwelle.
Die malerische Ausstattung schuf Taddeo Gaddi nach 1328. Gaddi war einer der wichtigsten Schüler Giottos und arbeitete über viele Jahre in dessen Umfeld. In der Baroncelli-Kapelle entwickelte er einen umfangreichen Zyklus mit Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria. Die Erzählung beginnt mit der Vorgeschichte ihrer wundersamen Empfängnis und führt über ihre Kindheit und die Verkündigung bis zur Geburt Christi und zur Anbetung der Heiligen Drei Könige. Die einzelnen Szenen verteilen sich über die Wände und verbinden erzählerische Klarheit mit einer zunehmend reichen Ausstattung.
Gerade in diesen Fresken zeigt sich, wie Taddeo Gaddi die von Giotto entwickelte Bildsprache weiterführte. Räume werden perspektivisch angedeutet, Figuren bewegen sich glaubhaft innerhalb der Architektur, und viele Szenen besitzen einen ausgesprochen erzählerischen Charakter. Gleichzeitig gewinnen Farbe, Gewänder, architektonische Details und dekorative Elemente an Bedeutung. Die Kapelle gehört deshalb zu den wichtigsten Beispielen dafür, wie sich die florentinische Malerei nach Giotto weiterentwickelte.
Eines der bedeutendsten Kunstwerke der Baroncelli-Kapelle steht bis heute auf dem Altar: das sogenannte Baroncelli-Polyptychon. Es zeigt die Krönung Mariens zwischen Engeln und Heiligen und trägt die Signatur Giottos. Das Werk entstand nach der Gründung der Kapelle im Jahr 1328 und gehört zu den wenigen signierten Werken des Meisters. Besonders bemerkenswert ist, dass es sich noch immer am ursprünglichen Bestimmungsort befindet. Damit bilden Fresken und Altarbild bis heute eine außergewöhnlich geschlossene Einheit.
Allerdings hat auch das Polyptychon Veränderungen erfahren. Ursprünglich bestand es aus fünf einzelnen, nach oben spitz abschließenden Tafeln. Im späten 15. Jahrhundert wurden diese gotischen Abschlüsse entfernt und das Werk in ein rechteckiges Format gebracht, das dem damaligen Geschmack besser entsprach. Gleichzeitig erhielt es einen neuen geschnitzten Rahmen und zusätzliche dekorative Elemente. Was heute wie ein einheitliches Renaissance-Altarwerk wirkt, enthält deshalb im Kern ein wesentlich älteres Werk Giottos.
Die Baroncelli-Kapelle ist damit einer jener Räume in Santa Croce, in denen sich Architektur, Malerei, Skulptur und Grabkunst besonders eng miteinander verbinden. Taddeo Gaddis Fresken, Giottos Polyptychon und Giovanni di Balduccios Skulpturen entstanden innerhalb weniger Jahrzehnte und beziehen sich thematisch aufeinander. Gleichzeitig haben spätere Veränderungen ihre Spuren hinterlassen. Gerade diese Mischung aus weitgehend erhaltener mittelalterlicher Ausstattung und späteren Eingriffen macht die Kapelle zu einem der kunsthistorisch geschlossensten und zugleich vielschichtigsten Räume der Basilika.
Die Spinelli-Kapelle in Santa Croce
Die Cappella Spinelli gehört zu den Kapellen auf der linken Seite der Cappella Maggiore und reicht in ihren Ursprüngen bis in die mittelalterliche Baugeschichte von Santa Croce zurück. Ihr heutiges Erscheinungsbild darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Raum im Laufe der Jahrhunderte erheblich verändert wurde.
Wie bei mehreren Kapellen der Basilika haben sich hier unterschiedliche Ausstattungsphasen überlagert, während Teile der ursprünglichen mittelalterlichen Dekoration verloren gingen. Gerade deshalb unterscheidet sich die Spinelli-Kapelle deutlich von den benachbarten Kapellen, in denen große Freskenzyklen des 14. Jahrhunderts erhalten geblieben sind.
Mit der frühen Ausstattung der Kapelle wurden in älteren Quellen Fresken Giottos in Verbindung gebracht. Sie sollen Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria gezeigt haben, sind heute jedoch nicht mehr erhalten. Eine sichere Rekonstruktion dieses verlorenen Bildprogramms ist nicht möglich, weshalb man bei der Zuschreibung vorsichtig bleiben muss. Dass die Kapelle bereits im Mittelalter künstlerisch ausgestaltet war, steht außer Frage; wie umfangreich diese Dekoration tatsächlich gewesen ist und welcher Anteil davon unmittelbar auf Giotto zurückging, lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei bestimmen.
Eine der wichtigsten erhaltenen Spuren der mittelalterlichen Ausstattung ist die Glasmalerei mit der Himmelfahrt Mariens. Sie wird dem sogenannten Meister von Figline zugeschrieben, der im frühen 14. Jahrhundert in Florenz tätig war und möglicherweise mit dem Glasmaler Giovanni di Bonino identisch ist.
Das Fenster gehört damit zu jener bedeutenden Gruppe mittelalterlicher Glasmalereien, die in Santa Croce trotz zahlreicher Umbauten erhalten geblieben sind. Gerade diese Fenster werden leicht übersehen, obwohl sie für den ursprünglichen Farbeindruck der gotischen Kirche von großer Bedeutung waren.
Ihr heutiges Gepräge erhielt die Cappella Spinelli vor allem im Jahr 1837. Damals wurde sie von Gasparo Martellini, einem Florentiner Maler des 19. Jahrhunderts, vollständig neu dekoriert. Seine Wand- und Gewölbemalereien orientieren sich bewusst an historischen Formen, gehören aber einer wesentlich späteren Epoche an als die mittelalterliche Architektur der Kapelle. Dadurch entsteht ein Raum, der auf den ersten Blick älter wirken kann, als es ein großer Teil seiner sichtbaren Ausstattung tatsächlich ist.
Die Spinelli-Kapelle ist deshalb besonders interessant, wenn man Santa Croce nicht nur als Sammlung berühmter Einzelwerke betrachtet, sondern als Kirche, die über Jahrhunderte immer wieder verändert wurde. Mittelalterliche Architektur, ein erhaltenes gotisches Glasfenster, verlorene ältere Wandmalereien und die Neugestaltung des 19. Jahrhunderts liegen hier unmittelbar übereinander. Anders als in der Bardi- oder Peruzzi-Kapelle steht nicht ein einzelner weltberühmter Freskenzyklus im Mittelpunkt. Die Cappella Spinelli erzählt vielmehr davon, wie stark sich selbst traditionsreiche Familienkapellen im Laufe der Zeit wandeln konnten.
Die Niccolini-Kapelle in Santa Croce
Wer aus den mittelalterlichen Kapellen des linken Querhauses in die Cappella Niccolini blickt, erlebt einen deutlichen Stilwechsel. Der Raum gehört nicht zum ursprünglichen Baukörper der gotischen Basilika, sondern wurde erst gegen Ende des 16. Jahrhunderts angefügt. 1579 beauftragte Giovanni Niccolini, ein einflussreicher Florentiner aus dem Umfeld des Großherzogs Francesco I. de‘ Medici, den Architekten Giovan Antonio Dosio mit dem Entwurf einer privaten Familienkapelle. Bereits 1582 waren die wichtigsten Bauarbeiten abgeschlossen.
Dosio schuf einen rechteckigen Raum mit einer elliptischen Kuppel und orientierte sich in seinen ersten Entwürfen unter anderem an Michelangelos Neuer Sakristei in San Lorenzo. Schon die Architektur hebt die Cappella Niccolini deutlich von den gotischen Seitenkapellen von Santa Croce ab. Kostbare Marmorsorten, farbige Steine, Skulpturen, Malerei und später hinzugefügte Stuckdekorationen verbinden sich zu einem bewusst repräsentativen Gesamtraum. Der zurückhaltenden mittelalterlichen Architektur der Basilika steht hier eine wesentlich stärker inszenierte Form der Sakralkunst gegenüber.
Das gesamte Bildprogramm ist der Jungfrau Maria gewidmet. Alessandro Allori arbeitete zwischen 1581 und 1597 an der Darstellung der Unbefleckten Empfängnis. Noch länger zog sich die Entstehung des großen Altarbildes mit der Himmelfahrt Mariens hin. Allori konnte das Werk vor seinem Tod 1607 nicht mehr vollenden; fertiggestellt wurde es von seinem Sohn Cristofano Allori. Die Kapelle erlaubt damit zugleich einen Blick auf den Übergang von der florentinischen Malerei des späten 16. Jahrhunderts zum frühen 17. Jahrhundert.
Zwischen 1585 und 1592 schuf der aus Flandern stammende Bildhauer Pietro Francavilla einen wesentlichen Teil der plastischen Ausstattung. Auf der Nordseite steht Moses, begleitet von Personifikationen der Jungfräulichkeit und der Klugheit, auf der gegenüberliegenden Seite Aaron zusammen mit der Demut. Die Figuren stehen über den Sarkophagen von Agnolo Niccolini, dem Vater des Stifters, und Giovanni di Ottone Niccolini, einem seiner Vorfahren. Skulptur und Grabarchitektur sind hier nicht nur Dekoration, sondern Bestandteil eines sorgfältig durchdachten marianischen Programms.
Nach dem Tod Giovanni Niccolinis im Jahr 1611 kamen die Arbeiten für mehrere Jahrzehnte weitgehend zum Stillstand. Erst um 1650 nahm sein Sohn Filippo das Projekt wieder auf und ließ die noch fehlende Dekoration vollenden. Baldassarre Franceschini, besser bekannt als Il Volterrano, erhielt den Auftrag für die Ausmalung der Kuppel und der Zwickel. Zwischen 1653 und 1661 entstand dort die Krönung der Jungfrau, während in den Zwickeln Sibyllen dargestellt wurden. Auch die Glasfenster mit den Wappen der Familien Niccolini und Corsini gehören zu dieser späteren Ausstattungsphase und gehen auf Entwürfe Agostino Melissis zurück.
Gerade die Kuppel bestimmt heute den Eindruck der Cappella Niccolini. Durch die Fenster fällt reichlich Licht in den Raum und verstärkt die Wirkung der goldenen und farbigen Oberflächen. Im Gegensatz zu den Fresken Giottos oder Taddeo Gaddis, deren Figuren in klar gegliederten Bildfeldern erzählen, öffnet sich die Malerei Volterranos scheinbar nach oben. Die Cappella Niccolini ist damit einer der Orte in Santa Croce, an denen sich besonders deutlich erkennen lässt, wie weit sich die florentinische Kunst seit dem Bau der mittelalterlichen Franziskanerkirche entwickelt hatte.
Die Cappella Machiavelli-Salviati in Santa Croce
Die heute häufig als Cappella Machiavelli-Salviati bezeichnete Kapelle liegt im linken Querhaus von Santa Croce. Historisch handelt es sich um die Cappella Salviati, die zwischen 1446 und 1447 von Alamanno Salviati gegründet wurde. Sein Bruder Averardo ließ die Ausstattung 1478 vollenden. Der rechteckige Raum mit Kreuzrippengewölbe gehört damit in seiner Grundstruktur noch in das 15. Jahrhundert, doch auch hier entspricht die heutige Ausstattung längst nicht mehr dem ursprünglichen Zustand.
Nach einer Phase geringerer Nutzung erhielt die Kapelle zu Beginn des 17. Jahrhunderts ein völlig neues Erscheinungsbild. Maria Maddalena Strozzi, die Witwe Lorenzo Salviatis, bekam 1611 die Genehmigung zu einer umfassenden Erneuerung. Mit den Arbeiten wurde Gherardo Silvani beauftragt, der uns bereits bei der Riccardi-Kapelle begegnet ist. Silvani gehörte zu den wichtigsten Florentiner Architekten seiner Zeit und verwandelte die ältere Familienkapelle in einen repräsentativen Raum des frühen 17. Jahrhunderts.
Beherrscht wird die Stirnwand von einem monumentalen bemalten Holzaufbau, der das große Altarbild Jacopo Ligozzis rahmt. Der aus Verona stammende und lange in Florenz tätige Künstler malte 1611 das Martyrium des heiligen Laurentius. Unterhalb des Bildes befindet sich ein Altar mit kostbaren Steineinlagen. Die Kombination aus Architektur, farbigen Materialien und großformatiger Malerei zeigt deutlich den Wandel gegenüber der mittelalterlichen Ausstattung der älteren Kapellen von Santa Croce.
Im 19. Jahrhundert veränderte sich der Charakter der Kapelle erneut. Nun kamen zahlreiche Grab- und Gedenkmonumente hinzu, darunter Werke, die ursprünglich an anderen Stellen der Basilika gestanden hatten. Besonders bedeutend ist das zwischen 1837 und 1844 entstandene Grabmal der polnischen Aristokratin Zofia z Czartoryskich Zamoyska von Lorenzo Bartolini. Bartolini verband die Formensprache der Renaissance mit einer für seine Zeit ungewöhnlich natürlichen Darstellung. Das Monument gehört zu den herausragenden Grabmälern des 19. Jahrhunderts in Santa Croce.
1874 wurde ein weiteres polnisches Grabmonument aufgestellt. Der Philosoph August Cieszkowski ließ es für seine Mutter Zofia z Kickich Cieszkowska errichten; ausgeführt wurde es von Teofil Aleksander Lenartowicz in Zusammenarbeit mit Giuseppe Pellas. Die beiden polnischen Monumente sind kein Zufall. Florenz zog im 19. Jahrhundert zahlreiche ausländische Künstler, Schriftsteller, Intellektuelle und Angehörige europäischer Adelsfamilien an, und Santa Croce entwickelte sich zunehmend zu einem Erinnerungsort, dessen Bedeutung weit über Italien hinausreichte.
Weitere Veränderungen kamen hinzu. Luigi Ademollo schuf in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Bilder mit Stationen des Kreuzwegs. 1936 wurde außerdem eine von Antonio Maraini geschaffene Gedenkstele für den korsischen Freiheitskämpfer Pasquale Paoli aufgestellt. Auch das Patrozinium der Kapelle wandelte sich mehrfach: Ursprünglich war sie den Wundmalen des heiligen Franziskus geweiht, später dem Allerheiligsten Sakrament und seit der Mitte des 19. Jahrhunderts dem heiligen Laurentius.
Der Name Machiavelli kann an dieser Stelle allerdings leicht in die Irre führen. Niccolò Machiavelli wurde nach seinem Tod 1527 zwar in der Familienkapelle der Machiavelli in Santa Croce beigesetzt, sein heute berühmtes monumentales Grabmal befindet sich jedoch nicht in dieser Kapelle. Das 1786 von Innocenzo Spinazzi geschaffene und 1787 eingeweihte Monument steht im rechten Seitenschiff der Basilika. Dort werden wir Machiavelli im Abschnitt über die großen Grabstätten von Santa Croce ausführlich behandeln. Die Cappella Machiavelli-Salviati sollte deshalb vor allem als historisch gewachsener Raum der Familien Salviati und Machiavelli sowie als bemerkenswertes Ensemble von Kunst und Grabdenkmälern verstanden werden.
Die Medici-Kapelle in Santa Croce
Die Medici-Kapelle gehört nicht zu den mittelalterlichen Familienkapellen, die sich unmittelbar um den Chor von Santa Croce gruppieren. Sie entstand erst im 15. Jahrhundert im Bereich des Noviziats und war für die jungen Männer bestimmt, die sich auf den Eintritt in den Franziskanerorden vorbereiteten. Errichtet wurde sie zwischen 1435 und 1445 auf Kosten Cosimo de‘ Medicis, der auch den Ausbau des angrenzenden Noviziats finanzierte. Als Architekt gilt mit großer Wahrscheinlichkeit Michelozzo, der in dieser Zeit eng für die Medici arbeitete und zu den wichtigsten Baumeistern der frühen Renaissance in Florenz gehörte.
Der rechteckige Raum wird von zwei Kreuzgewölben überspannt und endet in einem kleinen quadratischen Chor. Anders als die reich ausgemalten Kapellen des 14. Jahrhunderts lebt die Architektur von klaren Proportionen und einer vergleichsweise zurückhaltenden Gliederung. Die Verbindung zu den Medici zeigt sich auch im Patrozinium: Geweiht wurde die Kapelle den Heiligen Cosmas und Damian, den Schutzheiligen der Familie. Sie erscheinen in einem um 1450 entstandenen Glasfenster, das Alesso Baldovinetti zugeschrieben wird.
Ursprünglich stand auf dem Altar eine thronende Madonna von Filippo Lippi, in deren Darstellung ebenfalls die beiden Medici-Heiligen Cosmas und Damian aufgenommen waren. Dieses bedeutende Altarbild befindet sich heute in den Uffizien. 1810 wurde es durch eine glasierte Terrakotta mit der Madonna und dem Kind zwischen Engeln und Heiligen ersetzt, die um 1495 von Andrea und Giovanni della Robbia geschaffen wurde. Damit blieb zwar ein Werk der florentinischen Renaissance im Zentrum des Altars, die ursprüngliche Ausstattung der Kapelle war jedoch nicht mehr vorhanden.
Im Laufe des 19. und 20. Jahrhunderts kamen weitere Kunstwerke hinzu, die ursprünglich für ganz andere Standorte geschaffen worden waren. Besonders auffällig sind heute zwei gewaltige Gemälde des 16. Jahrhunderts. Francesco Salviatis fast fünf Meter hohe „Kreuzabnahme“ entstand 1547 bis 1548 ursprünglich für einen Altar der Familie Dini in Santa Croce. Das Werk wurde später versetzt, bei der Überschwemmung von 1966 schwer beschädigt und nach langwieriger Restaurierung wiederhergestellt.
Auf der gegenüberliegenden Seite hängt Agnolo Bronzinos „Abstieg Christi in die Vorhölle“ von 1552. Auch dieses monumentale Tafelbild befand sich ursprünglich nicht in der Medici-Kapelle, sondern war für eine andere Familienkapelle in Santa Croce bestimmt. Die beiden großformatigen Werke verändern den Charakter des Raumes erheblich: Aus der vergleichsweise schlichten Renaissancekapelle der Novizen ist zugleich ein Ausstellungsraum für einige der bedeutendsten Gemälde des späteren Florentiner Manierismus geworden.
Die heutige Aufstellung geht wesentlich auf eine Neuordnung von 2014 zurück. Besonders große und schwer zu bewegende Kunstwerke wurden in höher gelegene Bereiche des Noviziats gebracht, um sie besser vor einer erneuten Überschwemmung zu schützen. Die Erinnerung an die Flutkatastrophe von 1966 spielt damit selbst bei der heutigen Präsentation der Medici-Kapelle eine Rolle. Bemerkenswert ist außerdem ihre Verbindung mit Galileo Galilei: Nach seinem Tod 1642 wurde er zunächst in einem Raum links neben dem Chor der Kapelle bestattet. Erst 1737 überführte man seine Gebeine in das große Grabmonument im Kirchenraum von Santa Croce.
Die Sakristei in Santa Croce in Florenz
Die Sakristei von Santa Croce gehört zu den Räumen, die man beim Besuch der Basilika keinesfalls als bloßen Nebenraum betrachten sollte. Sie ist ein großer rechteckiger Saal und bewahrt bedeutende Kunstwerke des 14. Jahrhunderts. Hier wurden die liturgischen Geräte und Gewänder aufbewahrt, hier bereiteten sich die Geistlichen auf den Gottesdienst vor, und zugleich war der Raum eng mit dem klösterlichen Leben der Franziskaner verbunden. Durch die erhaltenen Wandmalereien und die unmittelbar anschließende Rinuccini-Kapelle ist die Sakristei heute selbst einer der kunsthistorisch wichtigsten Bereiche des gesamten Komplexes.
Auch ihre Ausstattung hat sich im Laufe der Jahrhunderte stark verändert. Besonders einschneidend war das Jahr 1810, als ein großer bemalter Reliquienschrank zerlegt wurde. Taddeo Gaddi hatte ihn im 14. Jahrhundert mit zahlreichen Szenen aus dem Leben Christi und des heiligen Franziskus geschmückt. Die erhaltenen Tafeln befinden sich heute nicht mehr geschlossen in Santa Croce, sondern sind auf mehrere Sammlungen verteilt. Umso bemerkenswerter ist, wie viel von der monumentalen Wandmalerei des Raumes selbst erhalten geblieben ist.
Die große Freskenwand in der Sakristei von Santa Croce
Die Südwand der Sakristei wird von einer großartigen Folge monumentaler Fresken beherrscht. Im Mittelpunkt steht die um 1340 entstandene Kreuzigung von Taddeo Gaddi. Christus hängt hoch über der dicht gedrängten Figurengruppe, während Maria, Johannes, die Frauen und weitere Personen das Geschehen begleiten. Gaddi gehörte zu den wichtigsten Schülern Giottos, entwickelte dessen Bildsprache jedoch weiter und verlieh seinen Szenen eine eigene erzählerische und farbliche Wirkung.
Die Kreuzigung stand ursprünglich nicht allein. Gegen Ende des 14. Jahrhunderts wurde die Wand zu einer größeren Folge von Szenen aus der Passion und Auferstehung Christi erweitert. Links malte Spinello Aretino den Gang beziehungsweise Aufstieg nach Golgatha, während Niccolò di Pietro Gerini rechts die Auferstehung Christi schuf. Darüber befindet sich die Himmelfahrt, die ebenfalls Niccolò di Pietro Gerini zugeschrieben wird. Die Wand ist damit kein Werk eines einzigen Künstlers, sondern ein über mehrere Jahrzehnte entstandenes Ensemble.
Gerade diese Zusammensetzung macht die Freskenwand interessant. Die zentrale Kreuzigung Taddeo Gaddis gehört noch in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts, während die seitlichen und oberen Szenen bereits den veränderten Stil der späteren Jahrzehnte erkennen lassen. Dennoch wurden die Bilder so aufeinander abgestimmt, dass eine zusammenhängende Erzählung entsteht. Wer vor der Wand steht, sieht deshalb zugleich unterschiedliche Generationen der florentinischen Malerei des Trecento.
Die Entstehung dieser großen Kreuzigung hängt wahrscheinlich mit einer baulichen Veränderung zusammen. Auf der Ostwand der Sakristei befanden sich offenbar ältere Fresken, von denen ein Teil beim Bau der Rinuccini-Kapelle in der Mitte des 14. Jahrhunderts zerstört wurde. Vermutlich war dort ebenfalls eine Kreuzigung dargestellt. Das könnte erklären, warum Taddeo Gaddi das Thema anschließend noch einmal in monumentaler Form auf der Südwand ausführte.
Cimabues Kruzifix in der Sakristei
Heute befindet sich in der Sakristei außerdem eines der berühmtesten Kunstwerke von Santa Croce: das große gemalte Kruzifix von Cimabue aus dem 13. Jahrhundert. Es entstand noch vor dem heutigen Kirchenbau und gehört zu den Schlüsselwerken auf dem Weg von der byzantinisch geprägten mittelalterlichen Malerei zur neuen Bildsprache, die wenig später mit Giotto ihren Durchbruch erleben sollte. Der leidende Christus erscheint nicht mehr vollkommen entrückt, sondern mit einem Körper, dessen Gewicht und Schmerz unmittelbar spürbar werden.
Berühmt wurde das Kruzifix allerdings auch durch seine beinahe vollständige Zerstörung bei der Überschwemmung von Florenz im Jahr 1966. Wasser, Schlamm und Heizöl beschädigten das Werk schwer, große Teile der ursprünglichen Malschicht gingen verloren. Seine jahrelange Restaurierung wurde zu einem Symbol für die Rettung der von der Flut betroffenen Kunstschätze von Florenz. Heute hängt das Kruzifix erhöht und damit besser vor einem möglichen zukünftigen Hochwasser geschützt in der Sakristei.
Die Rinuccini-Kapelle in der Sakristei von Santa Croce
An der Ostseite der Sakristei öffnet sich hinter einem schmiedeeisernen Gitter die Cappella Rinuccini. Schon diese Abtrennung macht deutlich, dass es sich nicht einfach um einen weiteren Teil der Sakristei handelt. Die quadratische Kapelle war ein eigener Stiftungsraum und wurde ursprünglich durch ein Vermächtnis des Lapo di Lizio Guidalotti finanziert, das dieser vor 1355 festgelegt hatte. Um 1371 ging das Patronat an Francesco Rinuccini über, dessen Familie der Kapelle ihren heutigen Namen gab. Das eiserne Gitter trägt die Jahreszahl 1371 und markierte ganz bewusst die Grenze zwischen dem privaten Kapellenraum und der gemeinschaftlich genutzten Sakristei.
Gewidmet wurde die Kapelle der Geburt Mariens und Maria Magdalena. Zwischen 1359 und 1371 entstand ein umfangreiches Freskenprogramm. Giovanni da Milano, ein aus der Lombardei stammender Maler, der in Florenz eine sehr eigenständige Position einnahm, schuf wesentliche Teile der Ausmalung. Auf der linken Wand werden Geschichten aus dem Leben Mariens erzählt, während die rechte Wand Szenen aus dem Leben Maria Magdalenas zeigt. Die unteren Bereiche wurden von einem anderen Maler vollendet, der lange als Meister der Rinuccini-Kapelle bezeichnet und später mit Matteo di Pacino identifiziert wurde.
Die Fresken unterscheiden sich spürbar von denen Giottos und seiner unmittelbaren Florentiner Nachfolger. Giovanni da Milano interessiert sich stark für Gesichter, Stoffe, räumliche Einzelheiten und die individuelle Erscheinung seiner Figuren. Manche Szenen besitzen eine beinahe intime Wirkung. Besonders ungewöhnlich ist der ausführliche Zyklus über Maria Magdalena, denn derart umfangreiche Darstellungen ihres Lebens sind in der italienischen Malerei des 14. Jahrhunderts vergleichsweise selten.
Das Gewölbe der Rinuccini-Kapelle
Besonders sehenswert ist das reich geschmückte Kreuzgewölbe. Giovanni da Milano malte dort vier Propheten in mehrpassförmigen Rahmen. Im Zentrum befindet sich ein hölzerner Tondo mit Christus als Pantokrator auf goldenem Grund, der um 1365 entstanden ist. Diese Verbindung aus Freskomalerei und einem eingesetzten bemalten Holzmedaillon ist für die Toskana ungewöhnlich und trägt wesentlich zum kostbaren Eindruck des kleinen Raumes bei.
Durch die kräftigen Farben, die geometrische Gliederung der Gewölbeflächen und den goldenen Mittelpunkt wirkt die Decke fast wie ein kostbares Reliquiar. Gerade aus der Sakristei heraus fällt der Blick durch das Gitter unmittelbar auf dieses Gewölbe und den darunterstehenden Altar. Die räumliche Begrenzung verstärkt den Eindruck noch: Anders als im weiten Mittelschiff von Santa Croce erlebt man hier einen kleinen, nahezu vollständig durchgestalteten mittelalterlichen Sakralraum.
Der Altar und das Polyptychon von Giovanni del Biondo
Vor der Rückwand der Rinuccini-Kapelle steht noch heute das große Polyptychon von Giovanni del Biondo aus dem Jahr 1379. Im Zentrum erscheint die thronende Madonna mit dem Kind, flankiert von zahlreichen Heiligen. Darüber folgen Apostel und Evangelisten, während die Bekrönung eine Kreuzigung zeigt. Auch die Predella ist mit erzählenden Szenen ausgestattet. Die einzelnen Bildtafeln werden von einer aufwendig geschnitzten gotischen Architektur zusammengefasst, deren Spitzen und Bögen den Aufbau eines kleinen Kirchengebäudes nachzuahmen scheinen.
Dass sich ein derart umfangreiches Altarwerk noch innerhalb seiner historischen Kapelle befindet, ist für das Verständnis des Raumes besonders wertvoll. Fresken, Gewölbe, Altar und Gitter gehören zu einer Ausstattung, die im Wesentlichen noch aus dem 14. Jahrhundert stammt. Trotz späterer Eingriffe hat die Rinuccini-Kapelle deshalb ihren spätmittelalterlichen Charakter außergewöhnlich gut bewahrt.
Gerade im Vergleich mit der wenige Schritte entfernten Medici-Kapelle wird die lange Kunstgeschichte von Santa Croce besonders anschaulich. In der Rinuccini-Kapelle erlebt man noch die farbige und erzählerische Welt des 14. Jahrhunderts, während die Medici-Kapelle bereits von den klareren Architekturvorstellungen der frühen Renaissance geprägt ist. Dazwischen liegt die Sakristei mit ihrer monumentalen Freskenwand – ein Raum, in dem mehrere Generationen florentinischer Künstler unmittelbar nebeneinander gearbeitet haben.
Die Grabstätten in Santa Croce in Florenz
Das Grabmal von Michelangelo Buonarroti
Michelangelo Buonarroti (1475–1564) gehört zu den bedeutendsten Künstlern der europäischen Kunstgeschichte. Als Bildhauer, Maler und Architekt schuf er mit dem David, der Pietà, den Fresken der Sixtinischen Kapelle und der Kuppel des Petersdoms Werke, die weit über seine eigene Epoche hinauswirkten. Michelangelo starb 1564 in Rom und wurde dort zunächst in der Kirche Santi Apostoli beigesetzt. Sein Neffe Leonardo brachte den Leichnam jedoch heimlich nach Florenz, wo Michelangelo schließlich in Santa Croce seine letzte Ruhestätte erhielt.
Das zwischen 1564 und 1576 entstandene Grabmonument wurde von Giorgio Vasari entworfen und aus weißem Carrara-Marmor, farbigem Marmor und Wandmalerei gestaltet. Über dem Sarkophag befindet sich Michelangelos Büste von Battista Lorenzi. Davor trauern drei weibliche Figuren als Personifikationen jener Künste, in denen Michelangelo Außergewöhnliches geleistet hatte: Malerei von Lorenzi, Skulptur von Valerio Cioli und Architektur von Giovanni Bandini. Die Fresken mit einer Pietà und Engeln stammen von Giovan Battista Naldini. Das monumentale Grabmal wurde damit zugleich zu einer Hommage der Florentiner Künstler an einen ihrer größten Vorgänger.
Das Grabmal von Galileo Galilei
Galileo Galilei (1564–1642) veränderte mit seinen astronomischen Beobachtungen und physikalischen Forschungen das wissenschaftliche Weltbild seiner Zeit. Seine mit dem Fernrohr gewonnenen Erkenntnisse über den Mond, die Jupitermonde und andere Himmelskörper stärkten das heliozentrische Weltbild und brachten ihn schließlich in Konflikt mit der katholischen Kirche. Nach seinem Tod durfte Galileo deshalb zunächst kein repräsentatives Grabmal erhalten. Fast ein Jahrhundert lang ruhte er vergleichsweise unscheinbar in einem Raum beim Noviziat von Santa Croce.
Erst 1737 wurden seine Gebeine in das große Grabmonument im linken Seitenschiff überführt. Der Entwurf stammt von Giovanni Battista Foggini und wurde nach dessen Tod unter Beteiligung weiterer Künstler ausgeführt. Über dem Sarkophag erscheint Galileo mit Fernrohr, Himmelsglobus, Büchern und Zirkel.
Seitlich stehen die allegorischen Figuren der Astronomie von Vincenzo Foggini und der Geometrie von Girolamo Ticciati. Weißer und farbiger Marmor, Pietra serena und farbiger Stuck geben dem etwa sieben Meter hohen Monument seine repräsentative Wirkung. Auffällig ist auch seine Position: Galileos Grabmal steht demjenigen Michelangelos auf der gegenüberliegenden Seite des Kirchenschiffs nahezu gegenüber.

Das Grabmal von Niccolò Machiavelli
Niccolò Machiavelli (1469–1527) war Diplomat, Politiker, Historiker und einer der einflussreichsten politischen Denker der Renaissance. Berühmt wurde er vor allem durch „Il Principe“ – „Der Fürst“ –, in dem er politische Herrschaft nicht nach moralischen Wunschvorstellungen, sondern anhand realer Machtverhältnisse untersuchte. Nach seinem Tod wurde Machiavelli in Santa Croce zunächst ohne besonderes Monument in der Familiengrabstätte beigesetzt. Erst mehr als zweieinhalb Jahrhunderte später erhielt er das heute sichtbare Grabmal.
Innocenzo Spinazzi schuf das Monument 1786; 1787 wurde es eingeweiht. Auf dem Sarkophag sitzt die allegorische Figur der Politik und hält ein Medaillon mit Machiavellis Porträt sowie eine Waage als Sinnbild politischen Gleichgewichts. Spinazzi verwendete Marmor und Bronze und hielt die Komposition im Vergleich zu manchen benachbarten Grabmälern auffallend zurückhaltend. Berühmt wurde vor allem die lateinische Inschrift am Sockel: „Tanto nomini nullum par elogium“ – für einen solchen Namen gibt es kein angemessenes Lob.
Das Grabmal von Gioachino Rossini
Gioachino Rossini (1792–1868) war einer der erfolgreichsten Opernkomponisten des 19. Jahrhunderts. Werke wie „Der Barbier von Sevilla“, „La Cenerentola“ und „Wilhelm Tell“ machten ihn bereits zu Lebzeiten international berühmt und prägten die Entwicklung der italienischen Oper entscheidend. Rossini starb 1868 in Paris und wurde zunächst auf dem Friedhof Père-Lachaise beigesetzt. 1887 überführte man seine Gebeine nach Florenz und bestattete ihn in Santa Croce.
Das monumentale Grabmal entstand erst zwischen 1900 und 1902 nach einem Entwurf des Florentiner Bildhauers Giuseppe Cassioli. Verwendet wurden weißer Carrara-Marmor, Marmor aus Seravezza, Vergoldungen und Goldmosaik. Eine große weibliche Gestalt verkörpert die Musik und trauert am Sarkophag, während darüber Rossinis Porträt vor goldenem Grund erscheint.
Kleine Details wie Violinschlüssel, Stimmgabeln und Bestandteile von Streichinstrumenten verweisen unmittelbar auf sein Lebenswerk. Cassioli orientierte sich zugleich an den berühmten Renaissancegrabmälern von Leonardo Bruni und Carlo Marsuppini und schuf daraus eine wesentlich theatralischere Interpretation für den großen Opernkomponisten.
Das Grabmal von Vittorio Alfieri
Vittorio Alfieri (1749–1803) war einer der bedeutendsten italienischen Dichter und Dramatiker des 18. Jahrhunderts. Vor allem seine Tragödien machten ihn berühmt; zugleich wurde sein leidenschaftliches Eintreten gegen Tyrannei und politische Unterdrückung später zu einem wichtigen Bezugspunkt des italienischen Risorgimento. Nach seinem Tod in Florenz ließ seine langjährige Gefährtin Louise zu Stolberg-Gedern, die Gräfin von Albany, in Santa Croce ein monumentales Grabmal für ihn errichten.
Den Auftrag erhielt Antonio Canova, der berühmteste italienische Bildhauer des Klassizismus. Das zwischen 1804 und 1810 geschaffene, rund 4,40 Meter hohe Monument besteht aus Marmor. Vor dem Sarkophag steht die große weibliche Personifikation Italiens und trauert um den Dichter, dessen Profilbild in einem Medaillon erscheint. Theatermasken erinnern an Alfieris Tragödien, Lorbeer und Lyra an seine Dichtung. Das Grabmal wurde bewusst zwischen den Monumenten Michelangelos und Machiavellis aufgestellt und trug wesentlich dazu bei, Santa Croce im 19. Jahrhundert als nationales Pantheon Italiens wahrzunehmen.
Das Grabmal von Leonardo Bruni
Leonardo Bruni (um 1370–1444), auch Leonardo Aretino genannt, gehörte zu den führenden Humanisten der frühen Renaissance. Er übersetzte zahlreiche Werke griechischer Autoren ins Lateinische, verfasste eine bedeutende Geschichte von Florenz und war seit 1427 Kanzler der Florentiner Republik. Nach seinem Tod ehrte ihn die Stadt mit einem außergewöhnlich repräsentativen Grabmal in Santa Croce. Der Gelehrte und Staatsmann wurde damit nicht nur als Privatperson, sondern als eine der großen Persönlichkeiten der Republik gewürdigt.
Bernardo Rossellino schuf das monumentale Wandgrab zwischen etwa 1445 und 1450 aus Marmor. Bruni liegt als lebensgroße Figur auf dem Sarkophag, mit einem Buch auf der Brust und einem Lorbeerkranz auf dem Kopf – nicht als demütiger Verstorbener, sondern als gefeierter Humanist. Über ihm erhebt sich eine klassisch gegliederte Architektur mit Rundbogen und einer Madonna im oberen Bereich. Das ursprünglich teilweise vergoldete und farbig gefasste Monument wurde zum Vorbild des florentinischen Renaissancegrabmals und beeinflusste zahlreiche spätere Werke.
Das Grabmal von Carlo Marsuppini
Carlo Marsuppini (1398–1453) war Humanist, Dichter und Gelehrter und unterrichtete unter anderem Piero und Giovanni de’ Medici. 1444 folgte er Leonardo Bruni als Kanzler der Florentiner Republik nach. Nach seinem Tod entschied man sich auch bei ihm für ein monumentales Grabmal in Santa Croce. Die beiden ehemaligen Kanzler liegen sich bis heute in den gegenüberliegenden Seitenschiffen der Basilika gegenüber – eine bemerkenswerte Inszenierung zweier Persönlichkeiten, die das geistige und politische Leben des Florenz der Frührenaissance geprägt hatten.
Das Grabmal wurde zwischen 1454 und 1459 von Desiderio da Settignano geschaffen. Der junge Bildhauer orientierte sich deutlich an Bernardo Rossellinos gegenüberliegendem Grabmal Leonardo Brunis, verlieh seinem Werk jedoch eine weichere und wesentlich reichere Gestaltung. Der Verstorbene liegt auf dem Sarkophag, umgeben von einer Fülle fein ausgearbeiteter Ornamente, Engeln, Girlanden und pflanzlichen Motiven.
Verwendet wurde Marmor; Reste von Vergoldung und ursprünglicher Farbigkeit sind noch nachweisbar. Gerade im direkten Vergleich der beiden gegenüberliegenden Grabmäler lässt sich hervorragend erkennen, wie schnell sich die florentinische Renaissance-Skulptur innerhalb weniger Jahre weiterentwickelte.
Das Grabmal von Luigi Lanzi
Luigi Lanzi (1732–1810) war Archäologe, Philologe und vor allem einer der Wegbereiter der modernen italienischen Kunstgeschichte. Statt Künstler ausschließlich über ihre Lebensgeschichten zu betrachten, untersuchte er Malstile, regionale Schulen und deren Entwicklung. Seine „Storia pittorica della Italia“ gehört deshalb zu den grundlegenden Werken der frühen Kunstgeschichtsschreibung. Lanzi starb 1810 in Florenz und wurde in Santa Croce beigesetzt.
Sein monumentales Grabmal entstand zwischen 1810 und 1812. Es besteht aus verschiedenfarbigen Marmorsorten und wird durch das runde Porträtmedaillon Lanzis sowie vergoldete Ornamente bestimmt. Das staatliche italienische Kulturgüterverzeichnis nennt Giuseppe Belli und Onofrio Boni als die beteiligten Künstler. Das Grabmal befindet sich im rechten Seitenschiff von Santa Croce.
Das Grabmal von Angelo Tavanti
Angelo Maria Tavanti (1714–1781) gehörte zu den bedeutenden Verwaltungs- und Finanzfachleuten der Toskana im Zeitalter der Aufklärung. Unter Großherzog Pietro Leopoldo war er an wichtigen wirtschaftlichen und fiskalischen Reformen beteiligt. Nach seinem Tod im September 1781 wurde Tavanti in Santa Croce beigesetzt und damit in den Kreis jener Persönlichkeiten aufgenommen, deren Andenken die Kirche bewahrte.
Das um 1783 entstandene Grabmonument verbindet verschiedenfarbigen Marmor mit einem Porträtmedaillon des Verstorbenen. An seiner Gestaltung waren mehrere Künstler beteiligt: Giuseppe Salvetti entwarf die architektonische Anlage, Angelo Giovannozzi führte Teile der dekorativen Arbeiten aus und Innocenzo Spinazzi schuf das Porträtmedaillon. Gerade der Kontrast zwischen dem rötlichen Marmor, den vergoldeten Ornamenten und dem hellen Relief gibt dem Monument sein auffälliges Erscheinungsbild.
Das Grabmal von Gino Capponi
Gino Capponi (1792–1876) war Historiker, Politiker und eine wichtige Persönlichkeit des kulturellen und politischen Lebens im Florenz des 19. Jahrhunderts. Der aus einer alten florentinischen Familie stammende Marchese beschäftigte sich intensiv mit der Geschichte seiner Heimat und beteiligte sich zugleich an den politischen Entwicklungen des Risorgimento. Sein Hauptwerk ist die „Storia della Repubblica di Firenze“, eine umfangreiche Geschichte der Florentiner Republik.
Das monumentale Grabmal wurde 1884 von dem Bildhauer Antonio Bortone geschaffen. Unterschiedliche Materialien, darunter weißer und schwarzer Marmor, Pietra serena und Porphyr, bestimmen die aufwendige Gestaltung. Besonders ins Auge fällt die weibliche allegorische Figur der Fama, des Ruhmes, die einen Kranz auf dem Sarkophag niederlegt. Über dem Monument befindet sich das Porträt Capponis – ein typisches Beispiel dafür, wie Santa Croce im 19. Jahrhundert seine Funktion als nationales Pantheon Italiens fortführte.
Das Grab- und Gedenkmonument für Ugo Foscolo
Ugo Foscolo (1778–1827) war Dichter, Schriftsteller und eine der wichtigen geistigen Stimmen auf dem Weg zum italienischen Nationalbewusstsein. Für Santa Croce besitzt er eine ganz besondere Bedeutung. In seinem 1807 veröffentlichten Gedicht „Dei Sepolcri“ beschrieb er die Kirche sinngemäß als Tempel der großen Italiener und trug damit entscheidend dazu bei, Santa Croce zum nationalen Erinnerungsort zu machen. Foscolo starb im englischen Exil und wurde zunächst auf dem Friedhof von Chiswick bei London bestattet. 1871 überführte man seine sterblichen Überreste nach Santa Croce.
Das heutige Monument entstand wesentlich später. Antonio Berti schuf es zwischen 1935 und 1937 aus Marmor; eingeweiht wurde es 1939. Foscolo erscheint als junger, selbstbewusster Mann mit Mantel und Stiefeln vor einem Sockel, der an eine griechische Säule erinnert und damit auf seine Herkunft von der griechischen Insel Zakynthos verweist. Seine rechte Hand weist in Richtung der berühmten Grabstätten von Santa Croce – genau jener Gräber, die ihn zu „Dei Sepolcri“ inspiriert hatten. Das Monument ist deshalb Grabmal und programmatisches Denkmal für die Idee von Santa Croce als Pantheon Italiens zugleich.
Die Grabstätte von Lorenzo Ghiberti
Lorenzo Ghiberti (1378–1455) gehört zu den großen Bildhauern der frühen Renaissance. Berühmt wurde er vor allem durch die Bronzetüren des Baptisteriums von Florenz. An den späteren Osttüren arbeitete er über Jahrzehnte; Michelangelo soll sie später als würdig bezeichnet haben, die „Pforten des Paradieses“ zu sein. Ghiberti war jedoch nicht nur Bildhauer und Bronzegießer, sondern auch Goldschmied, Architekt und Verfasser kunsttheoretischer Schriften.
Für Santa Croce ist dokumentiert, dass Ghiberti 1431 einen Begräbnisplatz in der Kirche erwarb. Die erhaltene Familiengrabplatte besteht aus weißem Carrara-Marmor und grünem Prato-Marmor und trägt ein bronzenes Wappen der Familie Ghiberti. Ob diese Platte tatsächlich noch die ursprünglich für Lorenzo Ghiberti vorgesehene Ausführung darstellt, lässt sich jedoch nicht zweifelsfrei nachweisen. Spätere Dokumente deuten darauf hin, dass sein Sohn Vittorio noch 1496 die Anfertigung einer angemessenen Grabplatte für seinen Vater verlangte. Die Ghiberti-Grabstätte ist deshalb historisch gesichert, die genaue Entstehungsgeschichte der sichtbaren Platte dagegen nicht in allen Einzelheiten geklärt.
Die Grab- und Gedenkstätte für Eugenio Barsanti
Eugenio Barsanti (1821–1864) war Priester, Physiker und Erfinder. Gemeinsam mit dem Ingenieur Felice Matteucci entwickelte er in den 1850er Jahren frühe Verbrennungsmotoren und gehört damit zu den Pionieren des Verbrennungsmotors. Barsanti lehrte Physik und Mathematik und arbeitete in Florenz am Osservatorio Ximeniano. Er starb 1864 im belgischen Seraing, wo er sich mit der industriellen Fertigung eines neuen Motors beschäftigte.
Seine sterblichen Überreste wurden 1954 aus der Florentiner Kirche San Giovannino degli Scolopi nach Santa Croce überführt. An Barsanti erinnern dort eine Gedenkinschrift und eine von Leone Tommasi geschaffene Büste. Damit handelt es sich nicht lediglich um ein Erinnerungszeichen: Barsanti gehört tatsächlich zu den in Santa Croce bestatteten Persönlichkeiten. Seine Aufnahme in das italienische Pantheon würdigt vor allem seine Bedeutung für die frühe Entwicklung des Verbrennungsmotors.
Die Gedenkmonumente und Gedenkplatten in Santa Croce
Der Kenotaph für Dante Alighieri
Dante Alighieri (1265–1321), Verfasser der „Göttlichen Komödie“ und eine der bedeutendsten Gestalten der europäischen Literatur, starb im Exil in Ravenna. Dort befindet sich bis heute sein Grab. Das gewaltige Monument in Santa Croce ist deshalb ein Kenotaph – ein Ehrengrab ohne die sterblichen Überreste des Dichters. Für Florenz war es zugleich eine späte öffentliche Würdigung jenes Mannes, den die Stadt zu Lebzeiten verbannt hatte.
Stefano Ricci schuf das rund 5,20 Meter hohe Marmormonument zwischen 1818 und 1829; 1830 wurde es eingeweiht. Dante sitzt mit Lorbeerkranz und einem Buch der „Göttlichen Komödie“ über dem leeren Sarkophag. Zu seinen Seiten stehen zwei große allegorische Figuren: Italien mit einer Mauerkrone und die trauernde Poesie. Das klassizistische Monument entstand durch eine öffentliche Finanzierung und wurde zu einem wichtigen Ausdruck der wachsenden Verehrung Dantes im 19. Jahrhundert.
Das Gedenkmonument für Leon Battista Alberti
Leon Battista Alberti (1404–1472) war eine der vielseitigsten Persönlichkeiten der italienischen Renaissance. Er wirkte als Architekt, Kunsttheoretiker, Schriftsteller und Humanist und beschäftigte sich ebenso mit Mathematik und Perspektive. Seine Schriften über Malerei und Architektur beeinflussten Generationen von Künstlern. In Florenz sind vor allem die Fassade von Santa Maria Novella und der Palazzo Rucellai mit seinem Namen verbunden.
Das Monument in Santa Croce ist kein Grabmal, denn Alberti ist hier nicht bestattet. Lorenzo Bartolini begann den Kenotaph 1838; aufgestellt wurde er 1851, ein Jahr nach dem Tod des Bildhauers. Das aus weißem, rosafarbenem und grünem Marmor geschaffene Monument zeigt die Apotheose Albertis: Der Humanist wendet sich der göttlichen Sphäre zu und wird von einem Engel empfangen, während Bücher zu seinen Füßen auf die Grundlagen seines Ruhmes als Gelehrter und Kunsttheoretiker verweisen. Das Werk gehört zu den bedeutenden Ehrendenkmälern des 19. Jahrhunderts in Santa Croce.
Die Gedenkplatte für Enrico Fermi
Enrico Fermi (1901–1954) zählt zu den bedeutendsten Physikern des 20. Jahrhunderts. Seine Arbeiten zur Kern- und Teilchenphysik waren grundlegend für die moderne Atomphysik; 1938 erhielt er den Nobelpreis für Physik. Nach seiner Emigration in die Vereinigten Staaten leitete er 1942 in Chicago den Bau des ersten kontrolliert arbeitenden Kernreaktors und war später am Manhattan-Projekt beteiligt. Fermi starb 1954 in Chicago und wurde dort auf dem Oak Woods Cemetery bestattet.
In Santa Croce befindet sich deshalb kein Grab, sondern eine Gedenkplatte. Mit ihr wurde die Tradition der Basilika, bedeutende italienische Wissenschaftler zu ehren, auch nach dem Zweiten Weltkrieg fortgeführt. Fermi steht dabei in einer Linie mit Persönlichkeiten wie Galileo Galilei, ohne dass seine sterblichen Überreste nach Florenz überführt wurden. Die schlichte Form der Gedenkplatte unterscheidet sich bewusst von den großen monumentalen Grabmälern des 18. und 19. Jahrhunderts.
Die Gedenkplatte für Guglielmo Marconi
Guglielmo Marconi (1874–1937) gehört zu den Wegbereitern der drahtlosen Nachrichtenübertragung. Seine Versuche mit elektromagnetischen Wellen führten zur Entwicklung praktikabler Systeme der Funktelegrafie, die Kommunikation über immer größere Entfernungen ermöglichten. 1901 gelang die berühmte Übertragung eines Funksignals über den Atlantik. Gemeinsam mit Karl Ferdinand Braun erhielt Marconi 1909 den Nobelpreis für Physik.
Auch Marconi ist nicht in Santa Croce bestattet. Seine sterblichen Überreste befinden sich im Mausoleum seiner Familie in Sasso Marconi bei Bologna. Die Gedenkplatte in Santa Croce gehört zu den später hinzugefügten Erinnerungszeichen für herausragende Italiener aus Wissenschaft und Technik. Anders als die monumentalen Denkmäler für Dante, Alfieri oder Galileo verzichtet sie auf eine große skulpturale Inszenierung.
Gerade dadurch wird sichtbar, wie sich die Erinnerungskultur von Santa Croce im 20. Jahrhundert verändert hat: Ein Platz im „Pantheon der Italiener“ erforderte nun nicht mehr zwangsläufig ein monumentales Grabmal.
Die Gedenkplatte für Antonio Meucci
Antonio Meucci (1808–1889) wurde in Florenz geboren und experimentierte bereits lange vor der allgemeinen Verbreitung des Telefons mit Geräten zur elektrischen Übertragung der menschlichen Stimme. Nach seiner Auswanderung lebte er zunächst in Kuba und später in den Vereinigten Staaten. Dort entwickelte er seinen sogenannten „Telettrofono“ weiter. Um die Frage, wem die Erfindung des Telefons letztlich zuzuschreiben ist, entstand später eine bis heute geführte historische und patentrechtliche Debatte.
Meucci ist nicht in Santa Croce bestattet. Seine Gedenkplatte wurde am 13. April 2004, seinem Geburtstag, in der Basilika enthüllt. Die aus Bronze gefertigte Tafel befindet sich unterhalb der Gedenkplatte für Leonardo da Vinci und neben jener für Guglielmo Marconi. Damit werden an dieser Stelle drei Italiener gewürdigt, deren Namen mit technischen und wissenschaftlichen Entwicklungen verbunden sind. Die Aufnahme Meuccis in Santa Croce erfolgte erst mehr als ein Jahrhundert nach seinem Tod.
Carlo Botta – Kenotaph und Gedenkmonument
Carlo Botta (1766–1837) war Arzt, Politiker und Historiker und beschäftigte sich in seinen umfangreichen Schriften vor allem mit der Geschichte Italiens und Europas. Einen großen Teil seines Lebens verbrachte er außerhalb Italiens; er starb 1837 in Paris. Besonders seine historischen Arbeiten machten ihn im 19. Jahrhundert zu einer angesehenen Persönlichkeit der italienischen Geschichtsschreibung.
Das 1903 in Santa Croce errichtete Monument ist kein Grabmal im eigentlichen Sinne, sondern ein Kenotaph. Die Inschrift erinnert ausdrücklich an Botta und bezeichnet ihn als Fortsetzer und Nacheiferer Guicciardinis. Das aus weißem Marmor bestehende Gedenkmonument besitzt ein Porträtrelief, Girlanden und klassizistische Architekturelemente. Es wurde auf Veranlassung der Stadt Turin aufgrund eines Vermächtnisses von Carlo Dionisotti errichtet.
Das Gedenkmonument für Florence Nightingale
Florence Nightingale (1820–1910) gilt als eine der Begründerinnen der modernen Krankenpflege. Ihr Vorname erinnert unmittelbar an ihre Geburtsstadt: Sie kam 1820 während einer Italienreise ihrer englischen Eltern in Florenz zur Welt. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch ihre Arbeit während des Krimkriegs und durch die grundlegende Reform der Krankenpflege. 1860 gründete sie am St Thomas’ Hospital in London eine weltliche Ausbildungsstätte für Pflegekräfte und trug entscheidend dazu bei, Krankenpflege als professionellen Beruf zu etablieren.
Das 1913 geschaffene Gedenkmonument befindet sich im ersten Kreuzgang von Santa Croce und damit noch an seinem ursprünglichen Standort. Der englische Bildhauer Francis William Sargant gestaltete bewusst kein monumentales Grabdenkmal, sondern ein vergleichsweise intimes Erinnerungszeichen. In einer von Pietra serena eingefassten Nische steht eine Mädchenfigur aus Carrara-Marmor mit einer Lampe in der Hand – eine Anspielung auf Nightingales berühmten Beinamen „Lady with the Lamp“. Die Inschrift stammt von dem italienischen Historiker und Schriftsteller Isidoro del Lungo. Florence Nightingale selbst ist nicht in Santa Croce bestattet; ihr Grab befindet sich in England.
Die Gedenkstätte für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs
Santa Croce wurde im 20. Jahrhundert auch zu einem Erinnerungsort für die Opfer der beiden Weltkriege. Im ersten Kreuzgang entstand ab den 1920er Jahren ein Parco della Rimembranza, ein Park der Erinnerung. Zehn Zypressen mit jeweils einem Gedenkstein erinnern an zehn im Ersten Weltkrieg gefallene und mit der Goldmedaille für militärische Tapferkeit ausgezeichnete Soldaten. Die einzelnen Bäume stehen dabei symbolisch zugleich für die Gesamtheit der Gefallenen des Krieges.
Eine noch größere Gedenkstätte entstand in den 1930er Jahren unterhalb der Sakristei. Der Architekt Alfredo Lensi gestaltete dort einen etwa 33 Meter langen und 14 Meter breiten Raum, dessen Wände mit schwarzem und rotem Marmor verkleidet wurden. In die schwarzen Marmortafeln sind die Namen von 3.672 Florentinern eingraviert, die im Ersten Weltkrieg ums Leben kamen. Das sogenannte Famédio wurde am 4. November 1937 in Anwesenheit von König Vittorio Emanuele III. eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Erinnerungsbereich neu interpretiert und der Gedenkrahmen auf Florentiner erweitert, die seit dem Ersten Weltkrieg für das Vaterland gefallen waren.
Die Gedenkstätte für die Gefallenen von Curtatone und Montanara
Die Schlacht von Curtatone und Montanara am 29. Mai 1848 gehört zu den symbolträchtigen Ereignissen des italienischen Risorgimento. Während des Ersten Italienischen Unabhängigkeitskrieges stellten sich vor allem toskanische Freiwillige und Studenten einer zahlenmäßig weit überlegenen österreichischen Armee entgegen. Militärisch endete die Auseinandersetzung mit einer Niederlage, doch im italienischen Nationalbewusstsein wurde der Widerstand bald als Beispiel für Opferbereitschaft und den gemeinsamen Kampf um die Unabhängigkeit Italiens verstanden.
Florenz begann bereits kurz nach der Schlacht, seiner Gefallenen in Santa Croce zu gedenken. Zwei Tafeln mit den Namen der gefallenen Florentiner wurden angebracht, doch gerade ihre politische Aussage machte sie während der folgenden Reaktionszeit zum Problem. 1851 ließ die großherzogliche Regierung die Tafeln verhüllen; nach Protesten wurden sie schließlich entfernt. Nach dem politischen Umbruch von 1859 kehrten sie nach Santa Croce zurück.
Die Erinnerung an Curtatone und Montanara besitzt in Santa Croce bis heute eine besondere Stellung. Seit dem 19. Jahrhundert fanden hier regelmäßig Gedenkveranstaltungen statt, und nach längerer Unterbrechung wurde diese Tradition im 21. Jahrhundert wieder aufgenommen. Damit erinnert Santa Croce nicht nur an einzelne berühmte Künstler, Wissenschaftler und Schriftsteller. Die Tafeln von Curtatone und Montanara stehen für eine ganze Generation von Bürgern und Studenten, deren Einsatz später zu einem wichtigen Bestandteil der Erinnerung an die italienische Einigung wurde.
Die Bodengräber und Grabplatten in Santa Croce
Neben den großen Wandgrabmälern gehören die zahlreichen Grabplatten im Fußboden zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der langen Bestattungsgeschichte von Santa Croce. Viele von ihnen werden beim Rundgang leicht übersehen, weil sie buchstäblich unter den Füßen der Besucher liegen. Dabei reichen die erhaltenen Beispiele vom schlichten beschrifteten Stein bis zu aufwendig gearbeiteten figürlichen Grabplatten, auf denen der Verstorbene nahezu lebensgroß dargestellt ist.
Die Grabplatte von John Catterick
John Catterick war ein englischer Geistlicher und Diplomat des frühen 15. Jahrhunderts. Er stand im Dienst der englischen Krone, übernahm diplomatische Aufgaben auf dem europäischen Kontinent und wurde nacheinander Bischof von St David’s, Coventry und Lichfield sowie schließlich von Exeter. Während einer diplomatischen Mission nach Italien starb er 1419 in Florenz und wurde in Santa Croce bestattet.
Seine figürliche Marmorgrabplatte zeigt den Verstorbenen als Bischof in liturgischem Ornat. Die Darstellung gehört damit zu jener Gruppe mittelalterlicher Bodengräber, bei denen nicht nur eine Inschrift oder ein Wappen an den Toten erinnert, sondern seine Person selbst in den Stein übertragen wurde. Bemerkenswert ist auch der internationale Hintergrund: Mit Catterick liegt in der Florentiner Franziskanerkirche ein hochrangiger englischer Kirchenmann und Diplomat begraben.
Die Grabplatte von Biordo degli Ubertini
Biordo degli Ubertini entstammte einem bedeutenden Adelsgeschlecht aus Arezzo und gehörte zu den Condottieri, die im Dienst der Florentiner Republik standen. Seine Grabplatte entstand im 14. Jahrhundert und befindet sich im rechten Querhaus von Santa Croce. Sie gehört zu den auffälligsten mittelalterlichen Bodengräbern der Basilika.
Der Verstorbene erscheint nahezu lebensgroß in voller Rüstung. Seine Figur wird von einer aufwendig gestalteten gotischen Architektur mit Säulen, Spitzbogen und Wappenschildern eingefasst. Die zwischen etwa 1365 und 1370 entstandene Platte verbindet weißen Marmor mit farbigen Steinen und wirkt dadurch wesentlich repräsentativer als eine gewöhnliche Grababdeckung. Der ausführende Bildhauer ist nicht sicher bekannt.
Die Grabplatte von Bartolomeo Valori
Bartolomeo Valori gehörte einer bedeutenden Florentiner Familie an und starb 1427. Seine im linken Querhaus gelegene Grabplatte ist kunsthistorisch besonders wichtig, weil sie bereits deutlich den Übergang vom mittelalterlichen zum neuen Menschenbild der Renaissance erkennen lässt. Geschaffen wurde sie von Lorenzo Ghiberti, der vor allem durch seine Bronzetüren für das Baptisterium von Florenz berühmt wurde.
Ghiberti verzichtete auf die komplizierte gotische Tabernakelarchitektur, die noch die Grabplatte Biordo degli Ubertinis umgibt. Stattdessen konzentrierte er sich stärker auf die Figur des Verstorbenen und berücksichtigte bei deren Gestaltung, dass das Relief von oben betrachtet werden würde. Das 1427 entstandene Werk gilt deshalb als eines der frühesten Beispiele einer Renaissance-Grabplatte in Florenz und wurde zum Vorbild für zahlreiche spätere Bodengräber.
Die Grabplatte von Francesco Nori
Francesco Nori gehörte zu einer angesehenen Florentiner Familie, die eng mit den Medici verbunden war. Der Name Nori begegnet mehrfach in der Geschichte des Florenz der Renaissance. Die Grabplatte in Santa Croce erinnert an diese Familie und gehört zu den zahlreichen Bestattungen wohlhabender Florentiner Bürger, deren gesellschaftliche Stellung sich auch in der Wahl ihres Begräbnisortes widerspiegelte.
Die Platte folgt dem für Santa Croce typischen Prinzip einer in den Kirchenboden eingelassenen Familien- beziehungsweise Einzelgrabstätte. Wappen, Inschrift und steinerne Gestaltung dienten dazu, den Ort der Bestattung dauerhaft sichtbar zu machen. Bei der genauen Identifizierung einzelner Mitglieder der weit verzweigten Familie Nori ist allerdings Vorsicht angebracht, weshalb sich eine weitergehende biografische Zuordnung ohne eindeutige Inschrift oder archivalischen Nachweis nicht empfiehlt.
Die mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Grabplatten im Kirchenschiff
Wer durch Santa Croce geht, bewegt sich über einen Boden, der über Jahrhunderte zugleich als Begräbnisstätte diente. Noch heute befinden sich im gesamten Komplex ungefähr 250 Bodengräber. Bestattet wurden hier Franziskaner, Angehörige bedeutender Florentiner Familien, Geistliche, Kaufleute, Gelehrte und Heerführer. Nur ein Teil von ihnen konnte sich eine aufwendig gearbeitete Grabplatte leisten, während andere Grabstellen wesentlich schlichter gekennzeichnet waren.
Die Gestaltung reicht von einfachen Steinplatten mit Namen, Wappen und Inschriften bis zu nahezu lebensgroßen Darstellungen der Verstorbenen. Besonders bedeutende Personen erscheinen als liegende Figuren im Relief, Geistliche in ihren liturgischen Gewändern und Ritter in voller Rüstung. Andere Platten tragen lediglich das Familienwappen oder ornamentale Verzierungen. Dadurch lässt sich am Boden von Santa Croce zugleich die Entwicklung der Florentiner Grabkunst über mehrere Jahrhunderte verfolgen.
Dass diese Grabplatten im Fußboden liegen und von Generationen von Kirchenbesuchern betreten wurden, war ursprünglich kein Zeichen mangelnder Wertschätzung. Im Gegenteil: Die Lage im Boden verband die Erinnerung an den Verstorbenen mit dem mittelalterlichen Gedanken der Demut. Selbst ein mächtiger Kaufmann, Geistlicher oder Heerführer kehrte am Ende zur Erde zurück. Gleichzeitig blieb sein Name innerhalb des geweihten Kirchenraumes sichtbar und wurde in die Gebete der Gemeinschaft einbezogen.
Jahrhundertelanges Begehen hat allerdings deutliche Spuren hinterlassen. Manche Inschriften sind heute nur noch schwer zu entziffern, Gesichter und Gewänder wurden abgeschliffen und feinere Reliefs teilweise fast vollständig eingeebnet. Gerade diese Abnutzung gehört inzwischen selbst zur Geschichte der Grabplatten. Sie macht sichtbar, dass Santa Croce nicht als Museum geschaffen wurde, sondern über Jahrhunderte eine intensiv genutzte Kirche war.
Neben den großen figürlichen Platten gab es auch wesentlich einfachere Bodengräber. Manche wurden lediglich durch kleinere Steinabdeckungen verschlossen, die geöffnet werden konnten, um Zugang zur darunterliegenden Grabstätte zu erhalten. Andere dienten ganzen Familien über mehrere Generationen hinweg. So entstand unter dem heute sichtbaren Kirchenboden ein dichtes Netz von Bestattungsorten, dessen vollständige Geschichte sich dem Besucher beim Rundgang kaum erschließt.
Die Grabplatten bilden deshalb einen wichtigen Gegenpol zu den monumentalen Grabmälern von Michelangelo, Galileo oder Rossini. Dort wird der Ruhm einzelner Persönlichkeiten mit gewaltigen Skulpturen gefeiert; hier liegt die Erinnerung flach im Boden. Gerade diese Mischung aus monumentalem Anspruch und bewusst schlichterer Form macht die Bestattungskultur von Santa Croce so außergewöhnlich.
Die Grabplatten in den Seitenschiffen von Santa Croce
Auch in den beiden Seitenschiffen von Santa Croce begegnet man auf Schritt und Tritt historischen Grabplatten. Über Jahrhunderte gehörten diese Bereiche zu den begehrten Bestattungsplätzen der Kirche. Wohlhabende Florentiner Familien, Geistliche und andere mit Santa Croce verbundene Persönlichkeiten ließen hier ihre Gräber anlegen. Die Nähe zu Altären, Kapellen und verehrten Kunstwerken spielte bei der Wahl des Bestattungsortes eine wichtige Rolle.
Die erhaltenen Platten unterscheiden sich erheblich in ihrer Gestaltung. Neben einfachen Marmorplatten mit Inschriften und Familienwappen finden sich aufwendiger gearbeitete Beispiele mit ornamentalen Rahmen und figürlichen Darstellungen. Häufig verrät bereits das Wappen, welcher Florentiner Familie eine Grabstätte gehörte. Manche dieser Gräber wurden über Generationen genutzt und waren deshalb weniger das Denkmal einer einzelnen Person als vielmehr der dauerhafte Begräbnisplatz eines ganzen Geschlechts.
Viele Grabplatten sind heute stark abgetreten. Namen und Jahreszahlen lassen sich teilweise nur noch mit Mühe erkennen, und bei einigen Reliefs sind die ursprünglich fein ausgearbeiteten Konturen fast verschwunden. Gerade diese Gebrauchsspuren gehören jedoch zum historischen Erscheinungsbild von Santa Croce. Über Jahrhunderte führte der tägliche Weg durch die Kirche unmittelbar über die Gräber früherer Generationen.
Im 19. Jahrhundert veränderte sich die Wirkung der Seitenschiffe erheblich. Zu den älteren Bodengräbern kamen die großen Wandmonumente für berühmte Künstler, Dichter, Wissenschaftler und Staatsmänner hinzu. Dadurch liegen heute zwei unterschiedliche Formen des Totengedenkens unmittelbar nebeneinander: die meist wesentlich zurückhaltenderen Grabplatten früherer Jahrhunderte im Boden und die monumentalen Ehrengräber des späteren italienischen Pantheons an den Wänden.
Die Grabplatten im Bereich des Noviziatskorridors
Auch der Bereich des ehemaligen Noviziats bewahrt zahlreiche Spuren der Bestattungsgeschichte von Santa Croce. Der Corridoio del Noviziato verband Räume, die zum Leben und zur Ausbildung der jungen Franziskaner gehörten. Im Gegensatz zum repräsentativen Mittelschiff wirkt dieser Teil des Komplexes wesentlich zurückgezogener. Gerade deshalb fallen die in den Boden eingelassenen Grabplatten hier besonders auf.
Die Platten erinnern vor allem daran, dass sich die Bestattungstradition von Santa Croce keineswegs auf den eigentlichen Kirchenraum beschränkte. Auch Kreuzgänge, Korridore und gemeinschaftlich genutzte Bereiche des Klosters wurden als Begräbnisorte verwendet. Inschriften, Wappen und unterschiedliche Marmorsorten kennzeichnen die einzelnen Grabstellen, wobei sich nicht jede der heute erhaltenen Platten noch eindeutig einer bestimmten Person zuordnen lässt.
Einige Platten sind nur noch fragmentarisch lesbar oder durch jahrhundertelange Nutzung stark abgenutzt. Andere lassen ihre ursprüngliche Gestaltung noch gut erkennen. Zusammen bilden sie ein dichtes historisches Geflecht, das leicht übersehen wird, wenn man sich beim Besuch ausschließlich auf die berühmten Kunstwerke konzentriert. Der Noviziatsbereich zeigt besonders anschaulich, wie selbstverständlich die Erinnerung an die Toten in den Alltag einer mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Ordensgemeinschaft eingebunden war.
Heute gehört der Korridor zum musealen Rundgang durch Santa Croce. Dadurch hat sich seine Funktion vollkommen verändert: Wo einst Franziskaner zwischen ihren Gemeinschafts- und Ausbildungsräumen unterwegs waren, bewegen sich nun Besucher durch den Monumentalkomplex. Die Grabplatten sind jedoch geblieben und verbinden den ehemaligen Klosterbereich unmittelbar mit seiner jahrhundertelangen Nutzungsgeschichte.
Die Grab- und Gedenkplatten im Boden des Museums- und Klosterbereichs
Auch außerhalb der Basilika setzt sich die Erinnerungskultur von Santa Croce fort. Im heutigen Museums- und Klosterbereich finden sich weitere Grab- und Gedenkplatten, die aus unterschiedlichen Jahrhunderten stammen. Sie verteilen sich auf ehemalige Gemeinschaftsräume, Verbindungsgänge und Bereiche rund um die Kreuzgänge. Dadurch wird deutlich, dass Santa Croce nicht nur eine Kirche mit angeschlossenem Kloster war, sondern über Jahrhunderte eine weitläufige Begräbnislandschaft bildete.
Nicht jede heute sichtbare Platte kennzeichnet dabei zwangsläufig noch einen unverändert erhaltenen ursprünglichen Bestattungsort. Der gesamte Komplex wurde wiederholt umgebaut, restauriert und museal neu geordnet. Kunstwerke und einzelne Erinnerungszeichen wurden versetzt, Räume erhielten andere Funktionen und historische Zusammenhänge gingen teilweise verloren. Deshalb sollte bei einzelnen Platten ohne eindeutige Dokumentation nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass sich darunter noch die ursprüngliche Grabstätte befindet.
Gerade im Museumsbereich treffen unterschiedliche Formen des Erinnerns aufeinander. Neben tatsächlichen historischen Gräbern stehen Gedenkzeichen für Personen oder Ereignisse, während zahlreiche Kunstwerke aus anderen Teilen von Santa Croce hierher gelangten. Für den Besucher entsteht dadurch eine zweite historische Ebene neben der eigentlichen Basilika: Die Geschichte von Santa Croce setzt sich in Sakristei, Noviziat, Kreuzgängen, Refektorium und den ehemaligen Klosterräumen unmittelbar fort.
Die vielen Bodenplatten wirken neben berühmten Werken von Giotto, Taddeo Gaddi, Cimabue oder Donatello zunächst unscheinbar. Tatsächlich gehören sie jedoch zu den authentischsten Zeugnissen des jahrhundertelangen Lebens in Santa Croce. Sie erinnern an Menschen, deren Namen heute teilweise kaum noch bekannt sind, und zeigen damit eine andere Seite der Kirche als die großen Monumente für Michelangelo, Galileo oder Rossini: Santa Croce war nicht nur das spätere Pantheon berühmter Italiener, sondern lange zuvor ein realer Begräbnisort für zahlreiche Generationen.
Der Corridoio del Noviziato – der Novizenkorridor von Santa Croce
Der Corridoio del Noviziato gehört zu jenen Bereichen von Santa Croce, die leicht im Schatten der berühmten Basilika und ihrer Kapellen stehen. Dabei ist der lange Novizenkorridor ein wichtiger Teil des ehemaligen Franziskanerklosters. Er verband die Kirche mit der Medici-Kapelle und dem Schlafsaal der Novizen, also jener jungen Männer, die sich auf den Eintritt in den Franziskanerorden vorbereiteten. Der damalige Schlafsaal befand sich dort, wo heute die traditionsreiche Lederschule von Santa Croce untergebracht ist.
Die Entstehung des Noviziats hängt mit einer Katastrophe zusammen. 1423 zerstörte ein Brand den älteren Schlafsaal der Franziskaner und machte einen umfassenden Wiederaufbau dieses Teils des Klosters notwendig. Zwischen 1435 und 1445 entstand daraufhin ein neuer Gebäudekomplex mit Noviziat, Medici-Kapelle und weiteren Räumen. Finanziert wurde das Projekt vollständig von Cosimo de‘ Medici, dessen Wappen noch heute an mehreren Stellen auf seine Rolle als Stifter hinweist.
Als Architekt gilt mit großer Wahrscheinlichkeit Michelozzo di Bartolomeo, einer der wichtigsten Florentiner Baumeister der Frührenaissance und enger Vertrauter der Medici. Ein unmittelbarer urkundlicher Beweis für seine Urheberschaft ist allerdings nicht erhalten. Architektur und Gestaltung entsprechen jedoch so deutlich seiner Formensprache, dass die Zuschreibung allgemein als sehr wahrscheinlich angesehen wird. Der Novizenkorridor gehört damit zu jener Phase, in der innerhalb des mittelalterlichen Klosterkomplexes von Santa Croce bereits die Architektur der Renaissance Einzug hielt.
Der Zugang erfolgt durch ein großes Portal des 15. Jahrhunderts vom südlichen Querhaus der Basilika. Der lang gestreckte Korridor wird von einem Tonnengewölbe überspannt und durch drei große dreiteilige Fenster an der Westseite mit Tageslicht versorgt. Gerade diese Fenster tragen wesentlich zur hellen und vergleichsweise ruhigen Wirkung des Raumes bei. Eine monumentale Treppe verband den Bereich mit den darüberliegenden und zu den Kreuzgängen orientierten Räumen des Klosters.
Besonders auffällig ist der Fußboden. Zahlreiche weiße Marmorplatten kennzeichnen historische Grabstätten und erinnern daran, dass auch die klösterlichen Bereiche von Santa Croce über Jahrhunderte als Bestattungsorte dienten. Der Korridor war damit nicht nur Verkehrsweg zwischen Kirche, Kapelle und Noviziat. Wie an vielen anderen Stellen des Komplexes verband sich hier das tägliche Leben der Ordensgemeinschaft unmittelbar mit der Erinnerung an die Verstorbenen.
An einer der Wände befindet sich außerdem das 1858 entstandene Gedenkmonument für Lorenzo Bartolini. Der 1777 geborene Bildhauer gehörte zu den bedeutendsten italienischen Bildhauern des 19. Jahrhunderts und schuf in Santa Croce unter anderem den Kenotaph für Leon Battista Alberti. Sein eigenes Denkmal wurde nach Bartolinis Tod 1850 von seinem Schüler Pasquale Romanelli ausgeführt. Damit begegnet im Renaissancekorridor zugleich ein weiteres Kapitel der florentinischen Kunstgeschichte.
Kunstwerke im Corridoio del Noviziato
Heute besitzt der Corridoio del Noviziato noch eine zusätzliche Funktion als Ausstellungsbereich. Seit einer Neuordnung im Jahr 2014 werden hier bedeutende Gemälde aus dem Bestand von Santa Croce gezeigt. Sie stammen jedoch nicht ursprünglich aus dem Korridor. Einige gehörten zu später aufgelösten Ausstattungen innerhalb des Komplexes, andere gelangten nach der Aufhebung von Klöstern während der napoleonischen Herrschaft nach Santa Croce oder wurden nach den großen städtebaulichen Veränderungen des 19. Jahrhunderts hierher gebracht.
Zu den ausgestellten Werken gehört eine „Krönung der Jungfrau mit Heiligen“ aus dem frühen 15. Jahrhundert, die Lorenzo di Niccolò zugeschrieben wird. Das auf Holz gemalte Werk zeigt Maria und Christus im Zentrum einer dicht mit Heiligen und Engeln besetzten Komposition. Es gehört noch ganz in die Tradition der spätgotischen florentinischen Malerei und lässt erkennen, welche Bedeutung Goldgrund, kostbare Gewänder und eine streng geordnete Figurenhierarchie zu Beginn des 15. Jahrhunderts weiterhin besaßen.
Ein weiteres bedeutendes Gemälde stammt von Neri di Bicci. Seine 1461 entstandene Darstellung der Heiligen Dreifaltigkeit zeigt außerdem die Heiligen Benedikt, Franziskus, Bartholomäus und Johannes den Täufer. Neri di Bicci führte eine der produktivsten Malerwerkstätten des Florenz des 15. Jahrhunderts. Das Werk steht bereits deutlich in der Renaissance, bewahrt jedoch zugleich traditionelle Elemente religiöser Tafelmalerei.
Dass diese großen Holztafeln heute gerade im Noviziatsbereich aufgestellt sind, hat einen sehr praktischen Grund. Bei der verheerenden Überschwemmung von Florenz im Jahr 1966 befanden sich zahlreiche Kunstwerke im tiefer gelegenen Museumsbereich von Santa Croce und wurden vom Wasser schwer beschädigt. Der Noviziatstrakt liegt höher und ist deshalb bei einer erneuten Überschwemmung wesentlich weniger gefährdet. Besonders große, schwere oder empfindliche Werke, die sich im Notfall nur schwer transportieren ließen, wurden deshalb 2014 hierher verlegt.
Der Corridoio del Noviziato hat dadurch heute zwei Gesichter. Einerseits ist er ein weitgehend erhaltener Bestandteil des von Cosimo de‘ Medici finanzierten Klosterumbaus des 15. Jahrhunderts und erinnert an das Leben der jungen Franziskaner. Andererseits dient er als geschützter Ausstellungsort für Kunstwerke aus verschiedenen Jahrhunderten. Die Grabplatten im Boden, die Renaissancearchitektur und die später hierher gebrachten Gemälde machen den scheinbar schlichten Verbindungsgang damit zu einem bemerkenswert vielschichtigen Teil von Santa Croce in Florenz.
Der erste Kreuzgang von Santa Croce
Wer die Basilika verlässt und in den ersten Kreuzgang tritt, erlebt einen deutlichen Wechsel. Nach dem gewaltigen Kirchenraum öffnet sich ein stiller, von Arkaden eingefasster Hof, der über Jahrhunderte zum täglichen Lebensbereich des Franziskanerklosters gehörte. Die Kreuzgänge verbanden Kirche, Refektorium, Kapitelsaal und weitere Räume des Konvents miteinander. Gleichzeitig waren sie Orte des Gebets, der Begegnung und des Rückzugs.
Der erste Kreuzgang entstand bereits während einer frühen Bauphase des Klosterkomplexes und wurde gemeinsam mit dem Refektorium geplant. Ursprünglich diente er auch als Begräbnisstätte und wurde deshalb als „Chiostro dei Morti“, als Kreuzgang der Toten, bezeichnet. Grabstätten befanden sich sowohl im Boden als auch entlang der Wände. Damit setzte sich hier außerhalb der Basilika jene enge Verbindung von klösterlichem Alltag und Totengedenken fort, die für Santa Croce über Jahrhunderte charakteristisch war.
Sein heutiges Erscheinungsbild entspricht allerdings nicht vollständig dem mittelalterlichen Zustand. Historische Darstellungen zeigen, dass der Hof früher durch einen quer zur Kirche stehenden Gebäudetrakt in zwei Bereiche geteilt war. Auch die Ausstattung der Arkaden veränderte sich mehrfach. Im 19. Jahrhundert wurden an den Wänden zahlreiche neue Grab- und Gedenkmonumente angebracht, von denen ein großer Teil im 20. Jahrhundert wieder entfernt oder an andere Stellen versetzt wurde.
Erhalten blieb unter anderem das 1913 geschaffene Gedenkmonument für Florence Nightingale. Ebenfalls im ersten Kreuzgang entstand nach dem Ersten Weltkrieg ein Parco della Rimembranza. Zehn Zypressen erinnern gemeinsam mit Gedenksteinen an gefallene und mit der höchsten italienischen Tapferkeitsauszeichnung geehrte Soldaten. Der Kreuzgang blieb damit auch in der Neuzeit ein Ort des Erinnerns.
Beherrscht wird der Hof jedoch von einem der berühmtesten Bauwerke der italienischen Renaissance: der Cappella Pazzi. Ihre klare Fassade mit dem vorgelagerten Portikus bildet den architektonischen Höhepunkt des ersten Kreuzgangs. Mittelalterlicher Klosterhof und Renaissancearchitektur stehen hier unmittelbar nebeneinander und machen besonders anschaulich, wie sich der Komplex von Santa Croce über mehrere Jahrhunderte entwickelte.
Die Pazzi-Kapelle in Santa Croce
Die Cappella Pazzi gehört zu den Schlüsselwerken der Frührenaissance in Florenz. Sie wurde nach dem Brand von 1423 errichtet, der Teile des Klosterbereichs von Santa Croce schwer beschädigt hatte. Auftraggeber war Andrea de‘ Pazzi, Mitglied einer der reichsten und einflussreichsten Familien der Stadt. Die Kapelle sollte zwei Aufgaben erfüllen: Sie war Familienkapelle der Pazzi und zugleich Kapitelsaal der Franziskaner, also jener Raum, in dem sich die Ordensgemeinschaft zu Beratungen und wichtigen Versammlungen traf.
Den Entwurf lieferte Filippo Brunelleschi vermutlich zwischen dem Ende der 1420er und den 1430er Jahren. Die eigentlichen Bauarbeiten begannen erst 1443. Brunelleschi konnte ihre Vollendung nicht mehr erleben, denn er starb 1446. Die Arbeiten wurden anschließend fortgesetzt und zogen sich über Jahrzehnte hin. 1478 kam es zu einer entscheidenden Unterbrechung: Nach der gescheiterten Pazzi-Verschwörung gegen die Medici wurde die Familie aus Florenz verbannt und ihr Besitz beschlagnahmt.
Brunelleschis Architektur der Pazzi-Kapelle
Die Architektur folgt einem vollkommen anderen Prinzip als die mittelalterlichen Kapellen in der Basilika. Brunelleschi entwickelte den Raum aus einfachen geometrischen Formen und festen Proportionen. Quadrate, Kreise und Halbkreise bestimmen die Gliederung. Helle Wandflächen stehen den grauen Architekturgliedern aus Pietra serena gegenüber. Pilaster, Gesimse und Rundbögen bilden ein klar ablesbares System, in dem kaum ein Element zufällig erscheint.
Über dem zentralen Raum erhebt sich eine von Rippen gegliederte Kuppel. Seitlich schließen tonnengewölbte Bereiche an, während sich hinter dem Altar ein kleiner quadratischer Chorraum befindet. Gerade die Beschränkung auf wenige Materialien und geometrische Formen erzeugt die besondere Wirkung der Kapelle. Nichts erinnert mehr an die dichten Freskenzyklen und die erzählerische Fülle der gotischen Kapellen des 14. Jahrhunderts. Architektur und Proportion selbst werden zum bestimmenden Gestaltungsmittel.
Der vorgelagerte Portikus entstand in seiner heutigen Form erst nach Brunelleschis Tod. Korinthische Säulen tragen ein horizontales Gebälk, während sich in der Mitte ein großer Rundbogen öffnet. Die genaue Urheberschaft dieser späteren Fassade ist nicht zweifelsfrei geklärt; verschiedene Architekten wurden dafür vorgeschlagen. Die kleine Kuppel des Portikus ist mit glasierten Terrakottarosetten geschmückt, in denen das Wappen der Pazzi erscheint.
Die Terrakotten der Della Robbia
Einen wesentlichen Teil der farbigen Ausstattung bilden glasierte Terrakotten. In den zwölf großen Medaillons erscheinen die Apostel, während die vier Evangelisten in den Zwickeln der zentralen Kuppel dargestellt sind. Die Arbeiten stehen in enger Verbindung mit Luca della Robbia und seiner Werkstatt. Das Blau und Weiß der glasierten Terrakotten fügt sich auffallend harmonisch in die grauweiße Architektur ein.
Auch über dem Altar befindet sich eine glasierte Terrakotta mit dem heiligen Andreas. Das Patrozinium verweist zugleich auf Andrea de‘ Pazzi, den Auftraggeber der Kapelle. Solche Bezüge zwischen Stifter, Schutzheiligem und Ausstattung waren in Familienkapellen keineswegs ungewöhnlich, sind hier aber besonders klar in das architektonische Gesamtkonzept eingebunden.
Der Sternenhimmel der Pazzi-Kapelle
Eine Besonderheit verbirgt sich in der kleinen Kuppel über dem Altarraum. Dort erscheint kein gewöhnlicher dekorativer Sternenhimmel, sondern eine erstaunlich genaue Darstellung von Sternbildern und Himmelskörpern. Die Konstellation entspricht dem Himmel über Florenz am 4. Juli 1442. Warum gerade dieses Datum gewählt wurde, ist bis heute nicht abschließend geklärt und hat zu verschiedenen Deutungen geführt.
Ein nahezu identischer Sternenhimmel befindet sich in der Alten Sakristei von San Lorenzo. Beide Darstellungen gehören zu den faszinierendsten Verbindungen von Kunst und astronomischer Beobachtung im Florenz der Frührenaissance. Gerade hier sollte man mit weitergehenden symbolischen Interpretationen vorsichtig sein: Das dargestellte Datum lässt sich bestimmen, seine konkrete Bedeutung für die Auftraggeber ist dagegen nicht zweifelsfrei überliefert.
Die Cappella Pazzi ist damit weit mehr als eine weitere Familienkapelle von Santa Croce. Sie zeigt beispielhaft den Übergang von der mittelalterlichen zur neuen Architektur der Renaissance. Nach den farbenreichen Freskenräumen Giottos und Taddeo Gaddis begegnet dem Besucher hier eine völlig andere Vorstellung von Schönheit: Klarheit, mathematische Ordnung, Licht und ausgewogene Proportionen bestimmen den Raum.
Das Refektorium von Santa Croce
Das ehemalige Refektorium liegt am ersten Kreuzgang und entstand in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Der große rechteckige Saal mit seiner offenen hölzernen Dachkonstruktion war der gemeinsame Speiseraum der Franziskaner. Die Brüder nahmen hier ihre Mahlzeiten ein, während üblicherweise aus religiösen Texten vorgelesen wurde. Essen, Schweigen und geistliche Betrachtung gehörten damit unmittelbar zusammen.
Genau auf diese Funktion nimmt die monumentale Freskenwand Bezug, die den gesamten hinteren Bereich des Saales beherrscht. Taddeo Gaddi schuf das gewaltige Bildprogramm wahrscheinlich zwischen etwa 1345 und 1350. Gaddi war über viele Jahre Schüler und Mitarbeiter Giottos und gehörte nach dessen Tod zu den wichtigsten Malern von Florenz. Im Refektorium verband er mehrere Darstellungen zu einem ungewöhnlich komplexen Gesamtbild.
Taddeo Gaddis Baum des Lebens und das Letzte Abendmahl
Im unteren Bereich befindet sich das Letzte Abendmahl. Christus und die Apostel sitzen hinter einem langen gedeckten Tisch – eine Darstellung, deren Thema unmittelbar auf die ursprüngliche Nutzung des Raumes verweist. Das gemeinsame Mahl der Franziskaner erhielt dadurch sein biblisches Gegenbild. Bemerkenswert ist, dass diese Verbindung von Kreuzigung und Abendmahl in einem Refektorium zu den frühesten Beispielen ihrer Art gehört und später in zahlreichen italienischen Klöstern aufgegriffen wurde.
Darüber erhebt sich die monumentale Darstellung des „Baumes des Lebens“. Aus dem Kreuz Christi wachsen zwölf Äste, die sich über die Wand ausbreiten und Medaillons mit Propheten tragen. Die Bildidee geht auf das „Lignum vitae“ des franziskanischen Theologen Bonaventura zurück. Unter dem Kreuz erscheinen Maria und Johannes sowie wichtige Heilige des Franziskanerordens. Der heilige Franziskus selbst umfasst den Stamm des Kreuzes.
Seitlich ergänzte Taddeo Gaddi das Hauptbild durch weitere Szenen. Zu sehen sind unter anderem die Stigmatisation des heiligen Franziskus, der heilige Ludwig von Toulouse beim Speisen der Armen, eine Episode aus dem Leben des heiligen Benedikt und Christus beim Mahl im Haus des Pharisäers. Nahrung und gemeinsames Essen bilden damit ein Leitmotiv der gesamten Wand. Für die Franziskaner, die hier täglich ihre Mahlzeiten einnahmen, waren diese Bilder unmittelbar auf ihren eigenen Alltag bezogen.
Das Refektorium wird zum Museum
Nach der Aufhebung der Ordensgemeinschaften zu Beginn des 19. Jahrhunderts verlor der Saal seine ursprüngliche Funktion. Zeitweise wurde er sogar als Teppichfabrik und später als Lagerraum öffentlicher Einrichtungen genutzt. Schließlich begann man hier Kunstwerke aus dem gesamten Komplex zusammenzutragen. 1900 wurde im ehemaligen Refektorium der erste Kern des Museo dell’Opera di Santa Croce eröffnet.
Zu den dort ausgestellten Hauptwerken gehörten später Donatellos monumentaler heiliger Ludwig von Toulouse und Cimabues großes Kruzifix. Das Kruzifix befindet sich heute erhöht in der Sakristei. Das Refektorium blieb jedoch einer der wichtigsten Museumsräume von Santa Croce und zeigt noch immer bedeutende Werke aus verschiedenen Teilen des ehemaligen Klosters und der Basilika.
Auch Giorgio Vasaris großes „Letztes Abendmahl“ befindet sich heute hier. Das 1546 bis 1547 entstandene Werk wurde ursprünglich für das Florentiner Kloster Le Murate geschaffen und kam erst im 19. Jahrhundert nach Santa Croce. Bei der Überschwemmung von 1966 wurde es schwer beschädigt. Nach einer jahrzehntelangen Restaurierung kehrte es 2016 zurück. Im Refektorium lassen sich damit heute zwei Abendmahlsdarstellungen vergleichen, zwischen deren Entstehung fast zwei Jahrhunderte liegen.
Die Flut von 1966 traf auch Taddeo Gaddis Freskenwand schwer. Das riesige Fresko musste 1967 von der Wand abgenommen werden – ein für die damalige Restaurierungstechnik außergewöhnlich schwieriger Eingriff. Bereits Ende 1968 konnte es an seinen Platz zurückkehren. Die Geschichte des Refektoriums verbindet deshalb mittelalterliches Klosterleben, bedeutende Kunstwerke und die dramatische Restaurierungsgeschichte von Santa Croce auf besonders eindrucksvolle Weise.
Der zweite Kreuzgang – der Große Kreuzgang von Santa Croce
Hinter dem ersten Kreuzgang öffnet sich ein weiterer, wesentlich regelmäßiger wirkender Hof. Der zweite Kreuzgang wird häufig als „Chiostro del Brunelleschi“ bezeichnet. Dieser Name ist allerdings irreführend, denn der heute sichtbare Kreuzgang wurde erst Jahre nach Brunelleschis Tod errichtet. Nach heutigem Forschungsstand entstand er wahrscheinlich nach einem Entwurf Bernardo Rossellinos für den wohlhabenden Florentiner Bankier und Mäzen Tommaso Spinelli.
Der untere Umgang wird von schlanken Säulen aus Pietra serena getragen. Darüber erhebt sich ein zweites Geschoss mit einer offenen Loggia und regelmäßigen Rundbögen. Gerade diese konsequente Wiederholung gleichartiger Formen gibt dem Hof seine ruhige und ausgewogene Wirkung. Im Gegensatz zum historisch stärker veränderten ersten Kreuzgang erscheint der zweite Kreuzgang wesentlich geschlossener und einheitlicher.
Auch hier erfüllte die Architektur zunächst einen praktischen Zweck. Der Kreuzgang verband verschiedene Bereiche des Franziskanerkonvents miteinander und erschloss Räume, die teilweise ausschließlich den Ordensbrüdern vorbehalten waren. Gleichzeitig bot der geschützte Umgang die Möglichkeit, sich unabhängig von Regen oder starker Sonne zwischen den Gebäuden zu bewegen. Wie in anderen Klöstern war der Kreuzgang jedoch zugleich ein Ort der Ruhe und Sammlung.
Die Verbindung zwischen erstem und zweitem Kreuzgang führt durch ein kunstvoll gearbeitetes Renaissanceportal. Es wird meist Benedetto da Maiano zugeschrieben, doch auch hier ist die Urheberschaft nicht endgültig geklärt. In der Forschung wurden ebenso Mitglieder der Familie da Settignano als mögliche Schöpfer genannt. Das Portal markiert damit nicht nur räumlich, sondern auch kunsthistorisch den Übergang zwischen den beiden Höfen.
Die obere Loggia wird heute von der Biblioteca Nazionale Centrale di Firenze genutzt. Damit besitzt der ehemalige Klosterbereich eine vollkommen andere Funktion als zur Zeit der Franziskaner, ohne dass seine historische Architektur verloren gegangen ist. Gerade der zweite Kreuzgang zeigt besonders deutlich, wie sich Teile des riesigen Komplexes von Santa Croce nach der Auflösung traditioneller Klosterstrukturen neuen Aufgaben anpassten.
Der Große Kreuzgang bildet zugleich einen ruhigen Abschluss des Rundgangs durch den ehemaligen Konvent. Nach der Fülle der Kunstwerke in Basilika, Kapellen, Sakristei und Refektorium tritt hier wieder die Architektur selbst in den Vordergrund. Arkaden, Säulen, Loggien und die regelmäßigen Proportionen schaffen einen Raum, dessen Wirkung weniger von einzelnen Kunstwerken als von seiner Geschlossenheit bestimmt wird. Zusammen mit dem ersten Kreuzgang und der Pazzi-Kapelle gehört er zu den Bereichen, in denen sich der ehemalige Klostercharakter von Santa Croce in Florenz noch besonders gut nachvollziehen lässt.
Legenden rund um Santa Croce in Florenz
Eine Kirche mit einer Geschichte von mehr als sieben Jahrhunderten kommt kaum ohne Legenden aus. Bei Santa Croce ist allerdings Vorsicht angebracht, denn manche Geschichten, die heute im Internet erzählt werden, lassen sich historisch nicht zurückverfolgen. Die wirklich alten Überlieferungen hängen vor allem mit dem heiligen Franziskus, den Anfängen der Franziskaner in Florenz und dem Heiligen Kreuz zusammen. Einige dieser Geschichten wurden bereits im Mittelalter so wichtig, dass sie Eingang in die Kunstwerke der Basilika fanden.
Der heilige Franziskus und die Gründung von Santa Croce
Nach einer alten franziskanischen Tradition kam Franz von Assisi selbst im Jahr 1211 nach Florenz. Er soll sich zunächst im Hospiz Santa Maria dei Magnoli aufgehalten haben, unweit der heutigen Kirche Santa Lucia dei Magnoli. In dieser Gegend befand sich damals noch ein völlig anderes Florenz: Der Arno verzweigte sich, das Gelände war feucht und immer wieder Überschwemmungen ausgesetzt. Gerade hier, außerhalb des damaligen städtischen Zentrums, suchten die Franziskaner die Nähe zu den einfachen Menschen.
Der Überlieferung zufolge wurde Franziskus auf einer kleinen Insel oder einem vom Arno umgebenen Gelände eine Kapelle überlassen, die bereits dem Heiligen Kreuz geweiht war. Aus dieser bescheidenen Niederlassung soll sich später Santa Croce entwickelt haben. Ob Franziskus tatsächlich selbst an diesem Ort wirkte, lässt sich nicht beweisen. Sicher nachweisbar ist eine Kirche Santa Croce erst 1228; archäologische Spuren deuten jedoch darauf hin, dass bereits einige Jahre zuvor ein kleiner Kirchenbau vorhanden war.
Gerade die Unsicherheit macht die Geschichte interessant. Die heutige monumentale Basilika, in der Michelangelo, Galileo und Rossini begraben liegen, hätte dem Armutsideal des Franziskus kaum stärker widersprechen können. Am Anfang stand nach der Tradition keine prächtige Kirche, sondern eine kleine franziskanische Niederlassung am sumpfigen Rand der mittelalterlichen Stadt.
Franziskus vor dem Sultan – die Feuerprobe
Eine der eindrucksvollsten Franziskuslegenden begegnet dem Besucher direkt in Santa Croce. Während des Fünften Kreuzzuges reiste Franziskus 1219 tatsächlich in den Nahen Osten und traf den ägyptischen Sultan al-Malik al-Kamil. Dieses Zusammentreffen gilt als historisch gut belegt. Was während der Begegnung genau geschah, wurde jedoch schon bald durch Legenden ausgeschmückt.
Nach der später maßgeblichen Erzählung Bonaventuras wollte Franziskus die Wahrheit seines Glaubens beweisen. Er soll vorgeschlagen haben, gemeinsam mit muslimischen Gelehrten durch ein Feuer zu gehen. Wer unversehrt aus den Flammen hervorkomme, dessen Glaube habe sich als wahr erwiesen. Die Berater des Sultans sollen vor dieser Probe zurückgeschreckt sein. Franziskus dagegen sei sogar bereit gewesen, allein ins Feuer zu treten.
Ob eine solche Feuerprobe jemals angeboten wurde, ist historisch nicht nachweisbar. Die Geschichte wurde jedoch zu einem festen Bestandteil der mittelalterlichen Franziskusüberlieferung. Giotto stellte sie in der Bardi-Kapelle von Santa Croce dar. Damit begegnet uns hier keine moderne Legende, sondern eine Erzählung, die seit Jahrhunderten unmittelbar mit der Bilderwelt der Basilika verbunden ist.
Die Stigmata des heiligen Franziskus
Zu den berühmtesten Überlieferungen aus dem Leben des Franziskus gehört das Geschehen auf dem Berg La Verna. Im September 1224 soll sich Franziskus dort zum Gebet zurückgezogen haben. Während einer Vision erschien ihm nach der franziskanischen Überlieferung ein Seraph mit sechs Flügeln und der Gestalt des gekreuzigten Christus. Anschließend sollen sich an seinem Körper die Wundmale Christi gezeigt haben – an Händen, Füßen und an der Seite.
Franziskus galt damit in der christlichen Überlieferung als erster Mensch, der die Stigmata Christi empfing. Die Nachricht verbreitete sich schon kurz nach seinem Tod und wurde zu einem zentralen Bestandteil seiner Heiligenverehrung. Wie das Ereignis historisch zu beurteilen ist, lässt sich heute nicht entscheiden. Sicher ist dagegen, dass bereits frühe franziskanische Quellen davon berichten und die Stigmatisation für das Selbstverständnis des Ordens enorme Bedeutung gewann.
In Santa Croce begegnet die Geschichte deshalb immer wieder. Giotto malte die Stigmatisation über dem Eingang der Bardi-Kapelle, Taddeo Gaddi nahm sie in seine Werke auf, und auch andere Künstler stellten das Ereignis innerhalb des Komplexes dar. Die Legende ist damit geradezu in die Bildwelt von Santa Croce eingeschrieben.
Die Legende vom Holz des Wahren Kreuzes
Die vielleicht phantastischste Legende von Santa Croce betrifft nicht die Kirche selbst, sondern das Kreuz Christi, dem die Basilika ihren Namen verdankt. Agnolo Gaddi erzählte diese Geschichte Ende des 14. Jahrhunderts in den großen Fresken der Cappella Maggiore. Grundlage war die mittelalterliche „Legenda Aurea“ des Jacobus de Voragine.
Die Erzählung beginnt bereits mit Adam. Als er im Sterben lag, soll sein Sohn Seth zum Paradies gegangen sein und dort einen Zweig beziehungsweise Samen vom Baum der Erkenntnis erhalten haben. Dieser wurde bei Adams Grab gepflanzt und wuchs zu einem mächtigen Baum heran. Viele Generationen später ließ König Salomo das Holz fällen. Doch es schien sich für keinen vorgesehenen Bauzweck zu eignen und wurde schließlich anderweitig verwendet.
Jahrhunderte später soll gerade aus diesem Holz das Kreuz Christi gefertigt worden sein. Nach der Kreuzigung verschwand es, bis Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, nach Jerusalem reiste und das Wahre Kreuz wieder auffinden ließ. Die mittelalterliche Legende verfolgt sein weiteres Schicksal über Jahrhunderte, einschließlich seines Verlustes an den persischen König Chosrau und seiner Rückgewinnung durch Kaiser Herakleios.
Historisch ist diese jahrtausendelange Geschichte natürlich nicht nachweisbar. Für die Menschen des Mittelalters schuf sie jedoch eine gewaltige Verbindung zwischen Sündenfall und Erlösung: Der Baum, dessen Geschichte bei Adam beginnt, wird schließlich zum Holz des Kreuzes Christi. Dass ausgerechnet diese Legende die Cappella Maggiore beherrscht, ist kein Zufall. Santa Croce bedeutet „Heiliges Kreuz“ – und Agnolo Gaddis Fresken erzählen die große mittelalterliche Legende hinter diesem Namen.
Hinweise und Informationen zum Besuch von Santa Croce
Für einen Besuch von Santa Croce in Florenz sollte man deutlich mehr Zeit einplanen, als der erste Blick auf die Basilika vermuten lässt. Wer nicht nur das Mittelschiff und die berühmten Grabmäler sehen möchte, sondern auch die Seitenkapellen, die Sakristei, den Noviziatsbereich, die Pazzi-Kapelle, das Refektorium und die Kreuzgänge, sollte mindestens eineinhalb bis zwei Stunden vorsehen. Kunsthistorisch Interessierte können hier ohne Weiteres noch wesentlich länger verbringen.
Die Bilder dieses Artikels entstanden, bis auf wenige Ausnahmen, im Zuge meines Besuchs in Santa Croce im Sommer 2026 nach langer Vorbereitung. Dabei wurden auch diese Reise- und Besuchshinweise recherchiert
Eintritt und Öffnungszeiten von Santa Croce
Santa Croce gehört zu den gebührenpflichtigen Sehenswürdigkeiten von Florenz. Für die Besichtigung des Monumentalkomplexes muss grundsätzlich eine Eintrittskarte erworben werden; daneben bestehen verschiedene Ermäßigungen und Möglichkeiten für freien Eintritt. Wer ausschließlich zum Gebet oder zu einem Gottesdienst in die Basilika kommt, benötigt dagegen keine Eintrittskarte, kann aber dann auch nur in den für Gebete abgetrennten Bereich eintreten und keinen Rundgang unternehmen.
Da sich Eintrittspreise und Öffnungszeiten ändern können, verzichte ich an dieser Stelle bewusst auf feste Angaben. Vor dem Besuch empfiehlt es sich, die aktuellen Informationen auf der offiziellen Internetseite von Santa Croce zu überprüfen. Das gilt besonders für Sonn- und Feiertage, an denen andere Besuchszeiten gelten können. Auch Gottesdienste oder besondere Veranstaltungen können den regulären Rundgang zeitweise beeinflussen.
Die beste Besuchszeit für Santa Croce
Wer Santa Croce möglichst ruhig erleben möchte, sollte nach Möglichkeit früh am Vormittag kommen. Gerade die ersten Besuchszeiten sind angenehm, bevor größere Reisegruppen eintreffen. In der Hauptreisezeit und an Wochenenden kann es im Laufe des Tages deutlich voller werden. Wer fotografieren möchte, profitiert außerdem davon, wenn sich noch nicht so viele Besucher vor den Grabmälern und in den Kapellen aufhalten.
Für die Fresken und die farbigen Glasfenster spielt auch das Tageslicht eine Rolle. An hellen Tagen wirkt das Innere besonders licht und die Glasmalereien kommen wesentlich besser zur Geltung. Gleichzeitig sollte man Santa Croce nicht unter Zeitdruck besuchen. Die Dimensionen der Basilika täuschen darüber hinweg, wie viele kleinere Kunstwerke, Grabplatten und Details sich entlang des Rundgangs entdecken lassen.
Audioguides für Santa Croce
Für den Rundgang werden Audioguides in mehreren Sprachen angeboten. Dazu gehören auch Deutsch, Englisch und Italienisch. Gerade bei Santa Croce kann ein Audioguide sinnvoll sein, denn die Vielzahl der Kapellen, Fresken, Grabstätten und Künstler ist ohne zusätzliche Informationen kaum vollständig zu erfassen.
Wer sich intensiver mit Kunst und Geschichte beschäftigen möchte, sollte dennoch etwas mehr Zeit einplanen. Viele Details erschließen sich erst, wenn man die Kapellen nicht nur kurz betritt, sondern die einzelnen Fresken und Kunstwerke in Ruhe betrachtet.
Fotografieren in Santa Croce
Fotografieren ist im Inneren von Santa Croce für private Erinnerungszwecke erlaubt. Das ist keineswegs in allen bedeutenden Kirchen und Museen Italiens selbstverständlich. Auf einen Blitz muss allerdings unbedingt verzichtet werden, ebenso auf ein Stativ. Während religiöser Feiern darf nicht fotografiert werden.
Gerade für Fotografen bietet Santa Croce eine enorme Fülle an Motiven: die lange Perspektive des Mittelschiffs, die Fresken der Seitenkapellen, die Grabmäler, die Sakristei, die Kreuzgänge und die Architektur der Pazzi-Kapelle. Dabei sollte man nie vergessen, dass Santa Croce trotz ihrer Bedeutung als Kunstdenkmal weiterhin eine geweihte und für Gottesdienste genutzte Kirche ist.
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Peter Jurgilewitsch vor dem Grabmal Michelangelos in Santa Croce in Florenz.
Vom Dom zu Santa Croce
Santa Croce lässt sich vom historischen Zentrum von Florenz problemlos zu Fuß erreichen. Vom Dom mit der Kathedrale Santa Maria del Fiore bis zur Piazza Santa Croce sind es ungefähr 800 bis 900 Meter. Für den Weg sollte man je nach Route und Besucheraufkommen etwa zehn bis fünfzehn Minuten einplanen.
Eine angenehme Strecke führt vom Dom durch die Altstadt in Richtung Via del Proconsolo und weiter über den Bereich um den Bargello zur Piazza Santa Croce. Der Weg ist kurz genug, um beide bedeutenden Kirchen problemlos miteinander zu verbinden. Wer vom Dom kommt, erreicht schließlich die weitläufige Piazza Santa Croce, an deren Ostseite die Marmorfassade der Basilika den gesamten Platz beherrscht.
Kleidung und praktische Hinweise
Da Santa Croce eine geweihte Kirche ist, wird angemessene Kleidung erwartet. Schultern und Beine sollten bedeckt sein. Im Sommer werden bei Bedarf einfache Überwürfe zur Verfügung gestellt. Bequeme Schuhe sind ebenfalls empfehlenswert, denn historische Böden, Stufen und Grabplatten können uneben und teilweise glatt sein.
Im ersten Kreuzgang befinden sich Toiletten, außerdem gibt es innerhalb des Monumentalkomplexes eine Möglichkeit zur Gepäckaufbewahrung. Wer anschließend noch die berühmte Scuola del Cuoio, die Lederschule von Santa Croce, besuchen möchte, sollte beachten, dass deren Eingang außerhalb des eigentlichen Monumentalkomplexes liegt.
Santa Croce gehört zu jenen Sehenswürdigkeiten von Florenz, für die sich ein bewusst langsamer Rundgang lohnt. Wer nur Michelangelos Grab fotografiert und anschließend wieder hinausgeht, sieht zwar eines der berühmtesten Monumente der Kirche – verpasst aber einen großen Teil dessen, was diesen außergewöhnlichen Komplex eigentlich ausmacht.
Fazit – Santa Croce in Florenz
Santa Croce in Florenz ist weit mehr als eine große Franziskanerkirche. In kaum einem anderen Bauwerk der Stadt liegen Mittelalter, Renaissance und die späteren Jahrhunderte so unmittelbar nebeneinander. Giotto und Taddeo Gaddi, Donatello und Brunelleschi, Vasari und Canova haben hier ihre Spuren hinterlassen. Dennoch wirkt Santa Croce nicht wie eine Sammlung einzelner Meisterwerke, sondern wie ein über Jahrhunderte gewachsener Organismus.
Besonders außergewöhnlich ist die Verbindung von Kunst und Erinnerung. Michelangelo, Galileo Galilei, Machiavelli, Rossini und zahlreiche weitere Persönlichkeiten fanden hier ihre letzte Ruhestätte, während Dante und andere durch Kenotaphe und Gedenkzeichen vertreten sind. Dazu kommen Hunderte ältere Grabplatten im Boden. Aus einer mittelalterlichen Franziskanerkirche wurde so nach und nach ein Erinnerungsort, der schließlich den Charakter eines nationalen Pantheons erhielt.
Doch Santa Croce in Florenz besteht nicht nur aus der Basilika. Die Sakristei mit der Rinuccini-Kapelle, der Noviziatskorridor, die beiden Kreuzgänge, das Refektorium und vor allem die Pazzi-Kapelle bilden einen gewaltigen Klosterkomplex. Wer nur durch das Mittelschiff geht und anschließend die Kirche wieder verlässt, hat deshalb einen beträchtlichen Teil dessen, was Santa Croce ausmacht, noch gar nicht gesehen.
Vielleicht liegt gerade darin die besondere Wirkung dieses Ortes. Santa Croce erzählt nicht nur von großen Künstlern und berühmten Toten, sondern ebenso von Franziskanern, Kaufmannsfamilien, politischen Umbrüchen, Überschwemmungen, Zerstörung und jahrhundertelanger Bewahrung. Wer sich Zeit für die Details nimmt, begegnet hier einem außergewöhnlich dichten Stück Florentiner Geschichte – und einem der bedeutendsten historischen Monumente Italiens.
Weitere Informationen zur Kirche Santa Croce in FLorenz finden Sie hier:
https://www.florence-museum.com/de/die-basilika-santa-croce.php








































































