Die Frühzeit und die ersten Königreiche
Schon vor vielen tausend Jahren lebten Menschen in der Gegend, die wir heute als Kambodscha kennen. Archäologen haben Spuren von Siedlungen aus der Bronzezeit entdeckt, die vor allem an den großen Flüssen wie dem Mekong entstanden.
Im ersten Jahrtausend nach Christus bildeten sich dann die ersten Staaten. Ein wichtiger Name ist Funan. Dieses Reich existierte vom 1. bis zum 6. Jahrhundert und war ein bedeutendes maritimes Handelszentrum zwischen Indien und China. Die indische Kultur hatte großen Einfluss: Hinduismus, Schrift, Staatsaufbau und Architektur kamen über den Handel nach Südostasien.
Nach dem Ende von Funan entstand das Reich Chenla. Es war stärker auf ein bestimmtes Gebiet ausgerichtet. Diese frühen Reiche legten den Grundstein für eine der beeindruckendsten Kulturen der Weltgeschichte.
Das Khmer-Reich und die Angkor-Zeit (9. bis 15. Jahrhundert)
Im 9. Jahrhundert begann die Blütezeit Kambodschas mit der Gründung des Khmer-Reiches durch König Jayavarman II. Er erklärte sich zum Gottkönig und schuf damit die Basis für ein mächtiges Reich.
Die Hauptstadt Angkor wuchs zu einer riesigen Metropole heran. Zwischen dem 10. und 13. Jahrhundert entstand dort ein riesiges Areal mit Tempeln, Wasserreservoirs und Kanälen. Angkor Wat, Angkor Thom und viele andere Bauwerke zeigen noch heute, wie fortschrittlich die Khmer in Technik und Kunst waren.
Das Reich hatte die Kontrolle über große Teile des heutigen Thailand, Laos und Vietnam. Dank neuer Ideen in der Landwirtschaft, vor allem durch ausgeklügelte Bewässerungssysteme, konnten viele Menschen ernährt werden, was dem Reich wirtschaftliche Stärke verlieh.
Ab dem 14. Jahrhundert ging es aber langsam bergab. Das lag vermutlich an Problemen mit der Umwelt, Streitigkeiten im Inneren des Reiches und dem wachsenden Druck von Nachbarländern, vor allem dem aufstrebenden Siam. Im Jahr 1431 wurde Angkor verlassen – ein wichtiger Moment in der kambodschanischen Geschichte.
Ausführlich erfahren Sie alles Wissenswerte zur Angkor im Beitrag: Das Khmer-Reich – Aufstieg und Blüte Angkors
Die Zeit der Rivalitäten (15. bis 19. Jahrhundert)
Nach dem Ende der Angkor-Zeit verlor Kambodscha seine führende Rolle in Südostasien. Das Land geriet immer stärker zwischen die Interessen der mächtigen Nachbarn Siam (Thailand) und Vietnam.
Die Hauptstadt wurde mehrmals verlegt, und es gab wenig Stabilität im Land. Immer wieder griffen die Nachbarn militärisch sein und Kambodscha verlor Gebiete.
Es gab Streit um die Thronfolge, wechselnde Bündnisse und das Land wurde immer abhängiger von Mächten außerhalb. Aus einer einstigen Großmacht wurde ein Spielball zwischen den Reichen.
Die französische Kolonialzeit (1863–1953)
Im 19. Jahrhundert suchte König Norodom I. Schutz vor Thailand und Vietnam, die immer stärker wurden. Im Jahr 1863 stellte er Kambodscha unter den Schutz Frankreichs. Das Land wurde Teil von Französisch-Indochina.
Die Kolonialherrschaft brachte zwar Reformen in der Verwaltung, neue Straßen und Gebäude und mehr Sicherheit. Aber es bedeutete auch, dass Frankreich die politische Kontrolle hatte und Kambodscha nicht selbst bestimmen konnte.
Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden die ersten nationalistischen Bewegungen. Intellektuelle und Politiker forderten immer lauter die Unabhängigkeit.
Der Weg zur Unabhängigkeit und die Ära Sihanouk (1953–1970)
Im Jahr 1953 erlangte Kambodscha unter König Norodom Sihanouk die Unabhängigkeit von Frankreich. Sihanouk wollte im Kalten Krieg neutral bleiben und das Land aus den internationalen Konflikten heraushalten.
Es war eine Zeit relativer Ruhe. Aber die Politik war stark auf Sihanouk ausgerichtet. Viel hing von seiner Person ab.
In den 1960er Jahren sorgten Spannungen in der Region, wirtschaftliche Probleme und unterschiedliche politische Ansichten für Unruhe.
Im Jahr 1970 wurde Sihanouk durch einen Militärputsch unter General Lon Nol gestürzt. Damit begann eine der schlimmsten Zeiten in der Geschichte Kambodschas.
Bürgerkrieg und das Regime der Roten Khmer (1975–1979)
Nach Jahren des Bürgerkriegs übernahmen 1975 die kommunistischen Roten Khmer unter Pol Pot die Macht.
Sie wollten die Gesellschaft radikal verändern und einen Bauernstaat aufbauen. Städte wurden geräumt, Geld wurde abgeschafft, Religion wurde verboten und Intellektuelle wurden verfolgt.
Die Folge war eine der größten Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Zwischen 1,5 und 2 Millionen Menschen – etwa ein Viertel der Bevölkerung – starben durch Hunger, Zwangsarbeit, Folter und Hinrichtungen.
Das Regime endete 1979 mit dem Einmarsch vietnamesischer Truppen, die die Roten Khmer stürzten.
Vietnamesische Besatzung und internationaler Konflikt (1979–1991)
Nach dem Sturz Pol Pots blieb Kambodscha politisch instabil. Vietnam unterstützte eine neue Regierung, aber andere Länder unterstützten andere Gruppen.
Das Land wurde zum Schauplatz des Kalten Krieges. Es gab über zehn Jahre lang Guerillakämpfe.
Erst mit dem Pariser Friedensabkommen von 1991 begann ein umfassender Friedensprozess unter der Aufsicht der Vereinten Nationen.
Die Rückkehr der Monarchie und politische Stabilisierung
Im Jahr 1993 wurde die Monarchie wieder eingeführt und Norodom Sihanouk wurde erneut König. Eine neue Verfassung machte Kambodscha zu einer konstitutionellen Monarchie.
In den folgenden Jahren gab es mehr politische Stabilität, einen wirtschaftlichen Aufschwung und die internationale Zusammenarbeit wurde gestärkt.
Die Könige von Kambodscha seit 1800 (Kurzüberblick)
Ang Chan II. (1806–1834):
Seine Regierungszeit war geprägt von wachsender Abhängigkeit von Siam und Vietnam.
Ang Duong (1841–1860): Er versuchte, Reformen durchzuführen und suchte Unterstützung im Ausland.
Norodom I. (1860–1904):
Er stellte Kambodscha unter französischen Schutz. Hintergrund war der zunehmende Druck durch Siam und Vietnam, die beide Einfluss auf das kambodschanische Territorium ausübten. Durch das französische Protektorat sicherte Norodom zwar die territoriale Existenz des Königreichs, verlor jedoch einen großen Teil politischer Eigenständigkeit. Seine Herrschaft markiert den Beginn der französischen Kolonialperiode, die Verwaltung, Infrastruktur und staatliche Organisation grundlegend veränderte. Gleichzeitig blieb die Monarchie als symbolisches Zentrum nationaler Identität bestehen.
Sisowath (1904–1927):
Er arbeitete eng mit der Kolonialverwaltung zusammen. Seine Regierungszeit war geprägt von relativer politischer Stabilität innerhalb des französischen Protektorats. Während seiner Herrschaft wurden Verwaltungsstrukturen modernisiert, und Phnom Penh entwickelte sich stärker zum politischen Zentrum des Landes. Sisowath akzeptierte weitgehend die koloniale Ordnung, wodurch Frankreich seine Kontrolle festigen konnte. Gleichzeitig blieb die Monarchie ein wichtiges Bindeglied zwischen Bevölkerung und Kolonialmacht.
Monivong (1927–1941):
Er regierte in einer Zeit, in der die nationalistischen Bewegungen stärker wurden. Während seiner Herrschaft nahm das politische Bewusstsein in der Bevölkerung zu, und Forderungen nach größerer Autonomie gewannen an Bedeutung. Zugleich blieb Kambodscha fest in die Strukturen Französisch-Indochinas eingebunden. Die Weltwirtschaftskrise und internationale Spannungen beeinflussten auch die wirtschaftliche Lage des Landes. Monivongs Regierungszeit endete kurz vor den großen Umbrüchen des Zweiten Weltkriegs in Südostasien.
Norodom Sihanouk (1941–1955; 1993–2004):
Er ist eine Schlüsselfigur der modernen Geschichte und führte das Land in die Unabhängigkeit. Während seiner ersten Regierungsphase nutzte er geschickt die geopolitischen Veränderungen nach dem Zweiten Weltkrieg, um 1953 die vollständige Souveränität Kambodschas von Frankreich zu erreichen. Danach prägte er jahrzehntelang Politik, Kultur und internationale Beziehungen des Landes, auch außerhalb formaler Königswürde. Nach den Konflikten des späten 20. Jahrhunderts kehrte er 1993 auf den Thron zurück und symbolisierte Versöhnung und staatliche Wiederherstellung. Kaum eine Persönlichkeit hat die moderne Geschichte Kambodschas so stark geprägt wie er.
Norodom Suramarit (1955–1960):
Er war ein Übergangsmonarch während Sihanouks politischer Dominanz. Nachdem Sihanouk zugunsten aktiver politischer Führung abdankte, übernahm sein Vater Suramarit formal den Thron. Die tatsächliche politische Macht blieb jedoch weitgehend bei Sihanouk, der das Land als Staatsmann weiter führte. Suramarits Regierungszeit war daher eher repräsentativ geprägt. Dennoch sicherte seine Monarchie die institutionelle Kontinuität des Königshauses in einer Phase politischer Neuordnung.
Norodom Sihanouk (zweite Amtszeit 1993–2004):
Er war ein Symbol der nationalen Einheit nach dem Bürgerkrieg. Nach Jahrzehnten politischer Instabilität, der Herrschaft der Roten Khmer und internationaler Intervention wurde die Monarchie 1993 wiederhergestellt. Sihanouk spielte eine zentrale Rolle im Friedensprozess und in der nationalen Versöhnung. Seine erneute Thronbesteigung verlieh dem Staat historische Legitimität und Stabilität. Trotz begrenzter politischer Macht blieb er moralische und symbolische Leitfigur des Landes.
Norodom Sihamoni (seit 2004):
Er ist der heutige König und hat vor allem repräsentative Aufgaben. Vor seiner Thronbesteigung war er als Diplomat, Kulturbotschafter und klassischer Tänzer tätig, was seine starke Verbindung zu Kunst und Kultur widerspiegelt. Seine Herrschaft ist geprägt von politischer Neutralität und Zurückhaltung im öffentlichen Leben. Er verkörpert die moderne Rolle der kambodschanischen Monarchie als Symbol nationaler Kontinuität und kultureller Identität. Seine Regentschaft steht für Stabilität in einer Phase wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Transformation.
Einen Überblick zu Geschichte und Gegenwart Kambodschas vermittelt dieser Beitrag.
Kambodscha im 21. Jahrhundert
Heute ist Kambodscha politisch stabiler als in den Jahrzehnten zuvor. Das Land erlebt ein Wirtschaftswachstum, der Tourismus spielt eine große Rolle und es gibt viele internationale Investitionen.
Gleichzeitig ist die Erinnerung an die schlimme Gewalt im 20. Jahrhundert ein wichtiger Teil des nationalen Bewusstseins.
Die Geschichte Kambodschas ist geprägt von einer beeindruckenden Kultur, politischem Chaos und einem bemerkenswerten Wiederaufbau der Gesellschaft.
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