Viterbo, Tuscania – das alte Italien

Fontana Grande in Viterbo
Fontana Grande in Viterbo

MS EUROPA hat in Civitavecchia festgemacht. Die Stadt ist der Hafen Roms und Ausgangspunkt für Fahrten in die Ewige Stadt. Heute erwartet Sie ein in Gestaltung und Inhalt besonderer Bericht!

Was macht ein Kreuzfahrtgast an einem Tag wie heute, dem 2.11.2015 wenn fünf große Kreuzfahrtschiffe im Hafen liegen und in Italien der katholische Gedenktag Allerseelen gefeiert wird? Die Antworten sind einfach: Entweder er stellt sich der Herausforderung, die in Rom auf ihn zukommen und nimmt mitunter lange Wartezeiten vor den Sehenswürdigkeiten in Kauf oder aber er wählt eine Alternative! Gibt es eine Alternative zur Ewigen Stadt?

Auf in die Historie Italiens

Vor dem heutigen Ausflug, den ich zusammen mit rund 30 Gästen von MS EUROPA unternommen habe, hätte ich vielleicht auch Nein gesagt. Aber es gibt sie mit den mittelalterlichen Städten Viterbo und Tuscania, die rund 90 km von Civitavecchia entfernt liegen, wirklich. Begleiten Sie uns auf einer Reise zurück ins Mittelalter und erleben Sie zwei der am besten erhaltenen historischen Altstädte Italiens.

Schon um kurz vor 9 Uhr beginnt unsere rund einstündige Busfahrt nach Viterbo. Nicht nur die Anreise ist bemerkenswert sondern auch die Tatsache, daß erneut die Sonne scheint von einem völlig wolkenlosen Himmel. Selbst wenn das Mittelmeer oft mit schönem Wetter aufwartet, kann es vor allem im März, am Ende des Winters und im November sehr anangenehm und ungemütlich sein. Nebel, Regen und vor allem starker Wind sind um diese Zeit keine Seltenheit. Umso fantastischer ist der Umstand, daß wir bereits den dritten Tag in Folge haben, an dem es kaum Wind, strahlenden Sonnenschein und Temperaturen von über 20 Grad gibt.

Und das Schönste daran….das Hoch ist so stabil, daß es so bleiben soll auch in den kommenden Tagen. Entsprechend gut ist die Laune der Passagiere auf MS EUROPA, denn Hapag Lloyd Kreuzfahrten hätte mit dem ‚Leuchtender Herbst im Mittelmeer‘ keinen treffenderen Titel für die Reise finden können.

Viterbo ist ein architektonisches Kleinod

Papstpalast in Viterbo
Papstpalast in Viterbo

Viterbo ist erreicht und wir beginnen unseren Rundgang durch die alte Papststadt. Sie wird bereits 852 n. Chr. als Castrum Viterbii und als Teil des Kirchenstaates erwähnt. 1092 wurde die erste Stadtmauer errichtet. 1167 erlangte Viterbo durch Friedrich Barbarossa das Stadtrecht und verzeichnete einen ungeahnten Aufschwung. Von 1257 bis 1281 residierten insgesamt acht Päpste fast ohne Unterbrechung in Viterbo. Dazu trug das Angebot der Kommune bei, für die Päpste einen Palast als Kuriensitz zu errichten, es ist der heutige Bischofspalast.

Das Ensemble, bestehend aus dem Palast und der angrenzenden Kathedrale San Lorenzo gehört zu den schönsten Bauwerken des 13. Jh. in ganz Italien. Zahlreiche weitere Herrenhäuser, Paläste und vor allem mittelalterliche Wohnhäuser, die nur noch selten in Städten erhalten geblieben sind, kann der Besucher in Viterbo bewundern.

Der Bolsenasee

Bolsenasee in Italien
Bolsenasee in Italien

Wir sind nach Marta gefahren. Die Stadt liegt direkt am Bolsenasee. Der kreisrunde See hat einen Umfang von 42 km und liegt 305 m über dem Meeresspiegel. Er ist bis zu 150 m tief und ist vulkanischen Ursprungs. Jetzt im Herbst wo die Tourismussaison vorbei ist, erwartet uns eine unglaubliche Ruhe, ja fast Einsamkeit am See. Ich stehe am Ufer und schaue auf die Insel Martana. Die Insel ist 510 Meter lang und bis zu 280 Meter breit, und hat eine Fläche von 10 Hektar. Sie erreicht eine Höhe von 375 Meter über dem Meer, und ragt 73 Meter über die Wasseroberfläche.

Sie ist unbewohnt und ist neben der größeren Isola Bisentina, die einzige Insel des Sees. Die Landschaft hat etwas liebliches. Die milden Temperaturen und die Ruhe um diese Jahreszeit sind erholsam und zugleich vermitteln Sie einmal Italien ganz anders – abseits des Massentourismus und zeigt uns die Menschen ganz unter sich.

Tuscani und seine Kirchen

San Pietro in Tuscania
San Pietro in Tuscania

Tuscani hat wenig mehr als 8000 Einwohner. Seine landschaftlich einmalige Lage rund 90 km von Rom entfernt, die zahlreichen Zeugnisse der Etrusker und die sehenswerten romanischen Kirchen lohnen diese Fahrt, sind eine große Überraschung und zugleich eine ‚wahre Alternative‘ zum Besuch in der Ewigen Stadt. Die Stadt liegt auf einem Tuffsteinplateau, umgeben von tief eingeschnittenen Tälern, darunter das des Flusses Marta. Vor allem von Süden und Osten bietet Tuscania ein einzigartiges Panorama mit seiner vollständig erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer und romanischen Türmen.

Santa Maria Maggiore in Tuscania
Santa Maria Maggiore in Tuscania

Unser erster Halt ist an der wichtigsten Kirche des Ortes. San Pietro wurde im 9. Jh. begonnen und steht, wie man im Inneren noch erkennen kann auf den Resten eines römischen Tempels. Sie war Bischofsbasilika und birgt auch die Fundamente der etruskischen Akropolis. Ihre Lage auf dem Hügel oberhalb der Stadt macht sie zum Postkartenmotiv der ganzen Region. Zwei Steintürme ragen in den Himmel und die Fassade ist mit Cosmatenarbeiten geschmückt.

Im Inneren besticht die Anlage der Säulenbasilika mit verziertem Mosaikfussboden und vor allem die einzigartigen Fresken. EIn Höhepunkt der italienischen Architektur ist jedoch die Säulenkrypta, die der wahre Schatz dieses einmaligen Kirchenensembles ist.

Die Basilika Santa Maria Maggiore

Santa Maria Maggiore in Tuscania
Santa Maria Maggiore in Tuscania

Die Basilika Santa Maria Maggiore liegt am Fuße des Hügels von San Pietro. Der Überlieferung nach soll sie im 6. Jahrhundert als erste Bischofskirche Tuscanias auf den Resten eines Janustempels errichtet worden sein. Tatsächlich wurden bei der Restaurierung nach dem Erdbeben des Jahres 1971 die Fundamente eines großen römischen Gebäudes gefunden. Erstmals erwähnt wurde sie jedoch im Jahre 852 in einer Bulle des Papstes Leo IV. Das Besondere an der Basilika ist ohne Zweifel der freistehende und völlig unüblich gestaltete Glockenturm.

Das Innere besitzt herausragende Fresken, die sich vor allem auf die Chorwand, den Baldachhin im Chorraum und auf die Wände der Seitenapsiden konzentrieren. Es handelt sich im eine dreischiffige Kirche mit offenem Dachstuhl. Die Gäste, die heute den Weg von MS EUROPA nach Tuscani gefunden haben, sind froh diese ‚Romalternative‘ gewählt zu haben und man kann Hapag Lloyd Kreuzfahrten zu dieser Auswahl nur gratulieren. Stimmiger kann ein Ganztagesausflug nicht sein.

Ein herrlicher Tag geht zu Ende

Dieser Tag hat gezeigt, daß derjenige, der sich traut einmal nicht den Besucherströmen zu folgen, selbst wenn es sich dabei um Rom handelt, reich belohnt wird. Ich konnte mir auch am Beginn dieses Tages nicht vorstellen, daß es jenseits von Rom und seinen zugegeben einzigartigen Sehenswürdigkeiten, gleichwertiges zu entdecken gibt. Alle die mit dabei waren sind sich jedoch einig…die Städte Viterbo und Tuscani sind eine Reise wert!

Zum Abschluss noch ein paar Bilder von einer unvergesslichen Stunde auf und an den Stadtmauern von Tuscani beim Sonnenuntergang, der einen Kreuzfahrttag, wie diesen perfekt macht und begeisterte Passagiere zurück auf die MS EUROPA bringt.

Morgen erwartet uns der nächste Höhepunkt Italiens. Fahren Sie mit, wenn wir von Neapel aus entlang der Küste von Amalfi über Positano nach Amalfi fahren, dort den berühmten Dom besuchen und im Anschluss in Rafello die Vila Rufolo besuchen. Kein Zweifel – das wird wieder ein ganz besonderer Tag, zu dem ich herzlich einlade.

Peter Jurgilewitsch

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