Soest – sehenswerte Hansestadt in Westfalen

Soest ist eine besondere Stadt. Das erfährt man, wenn man mit einem Soester Bürger durch seine Stadt geht. In der Tat war Soest Hansestadt. Aber Soest war im Mittelalter auch im Fokus der Kölner Erzbischöfe. Soest lag am Schnittpunkt von Handelswegen, war ein Zentrum der Salzgewinnung und des Städtebaus. Nur Köln war bedeutender. Von dieser Vergangenheit zeugt noch heute die gesamte Stadtanlage und die Altstadt.

In den Chroniken aber vor allem auch im Volksmund, wurde Soest mit vielen schmückenden und ehrenden Beinamen belegt. Da finden sich Namen wie ‚Vorort der Hanse‘, ‚die Ehrenreiche‘ oder ‚Heimliche Hauptstadt Westfalens‘. Von all diesen Ehrentiteln besitzt Soest etwas, von dem sich der Besucher noch heute überzeugen kann.

Die nahezu kreisrunde Form der von einem Wall umgebenen Altstadt, die überdimensional großen und zahlreichen Kirchen, viele Herrenhäuser, Brauereien und eine Saline machen verständlich, wie es zur Bedeutung und dem Ruhm der Stadt in der Geschichte kommen konnte.

Die Geschichte der Stadt Soest

Die Geschichte der Stadt Soest reicht 7500 Jahre zurück. Schon damals war die gesamte Region ein wichtiges Siedlungsgebiet u. a. der ‚Bandkeramischen Kultur‘. Diese Kultur erhielt ihren Namen nach den Verzierungen, die jene Gefäße aufwiesen, die in dieser Zeit (Jungsteinzeit) entstanden sind.

Es sind durchweg Bandmuster auf den Alltagsgefäßen zu sehen, die teilweise auch spiralförmig oder rund gestaltet wurden. Die Menschen rund um die Region des heutigen Soest lebten vermutlich in Landhäusern. Auch ein Bestattungsritus existierte zu dieser Zeit bereits.

Schon damals war die Gegend der heutigen Stadt bedeutsam, denn der Hellweg, die große mittelalterliche Königs- und Heerstraße, war zugleich Durchgangsstraße für den Fernhandel. In späterer Zeit wurde hier auch das Salz transportiert, dass die Soester Saline produzierte und einen Teil des Wohlstandes der Stadt begründete.

Auch für die Römer waren diese Verkehrswege sehr früh unverzichtbar. Sie wurden aber für militärische Eroberungen genutzt und zur Festigung der Macht des Römischen Reichs.

Es war ein religiöses Ereignis, das im Jahr 836 erstmals für die Erwähnung von Soest in Dokumenten führte. Damals wurden die Gebeine des hl. Vitus von Denis (Frankreich) nach Corvey gebracht wurden. Die Stadt hieß damals Villa Soest.

Wer heute in Bergen/Norwegen das ‚Hanseatische Museum‘ besucht, das der Darstellung der Entwicklung der Hanse in Europa gewidmet ist, der findet auf Landkarten und in der Wappensammlung auch den Namen Soest. Schnell wird hier klar, von welch immenser Bedeutung die Stadt als Hansestadt war.

Man weiß heute, dass Soester Kaufleute bereits im 11. Jahrhundert intensiv im Fernhandel tätig waren. Das belegt ein Friedensvertrag aus dem Jahr 1229, den die Kaufleute in Smolensk abschlossen. Zur gleichen Zeit waren die Soester in der bedeutenden Hansestadt Visby auf der Ostseeinsel Gotland und in der russischen Stadt Nowgorod für die Kasse verantwortlich.

Dieser Umstand ist besonders erwähnenswert, denn in Nowgorod ging es um den Handel mit wertvollen Pelzen, während Visby eine wichtige Zwischenstation der Hanseaten auf dem Weg nach Deutschland und in die nordischen Länder darstellte.

Soest war die Prinzipalstadt des westfälischen Hansequartiers und wird bis heute als ‚Mutter der Hanse‘ bezeichnet. Weitere wichtige Mitglieder im Hansebund waren die Städte Osnabrück, Münster und Dortmund. Soest gehörte bis mindestens 1608 der Hanse an.

Schwierige Zeiten in Soest

In den folgenden Jahrhunderten galt es für die Soester politisch klug zu reagieren, um ihre Unabhängigkeit zu bewahren und zu sichern. Der Stadt widerstrebte es, sich ständig wechselnden Landesherren zu unterwerfen. Zu diesen gehörten vor allem die Erzbischöfe von Köln, die nicht nur die geistliche, sondern auch die weltliche Macht über das Herzogtum Westfalen inne hatten.

Die Soester Fehde und ihre Folgen

Fehden und Lossagungen waren im Mittelalter kein seltenes Geschehen. Die Art und Weise, wie Soest die Lossagung von der Macht der Kölner Erzbischöfe am 25.06.1444 vollzog und damit die Soester Fehde begann, ist jedoch bemerkenswert:

„Wisset hochgeborener Fürst, Herr Dietrich von Moers, dass wir, Bürgermeister, Rat, Gilden, Ämter, Bruderschaften und die ganze Gemeinheit der Stadt Soest, Eurer Lande, Leute, Untertanen und aller derjenigen, die Euch untergeben sind, Feind sein wollen. Und wir entsagen Euch in und mit diesem Brief, weil wir den hochgeborenen unseren gnädigen lieben Junker Johann, ältesten Sohn von Kleve und von der Mark, lieber haben als Euch und die Eurigen, und wir wollen deswegen gegen Euch und Eure Leute unsere Ehre verwahrt haben.“

Diese Soester Fehde dauerte von 1444-1449. Die Lossagung erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen, denn der Kölner Kurfürst und Erzbischof hatte aufgrund von Geldmangel immer höhere Abgaben gefordert und sich mit dessen ärgsten Widersacher, dem Grafen von Kleve verbunden.

Als Folge unterstellte sich Soest dem Schutz von Johann I. Herzog von Kleve. Er war ein Garant für die Unabhängigkeit der Stadt und sicherte ihr weitestgehende Freiheiten zu. Doch wie vielen Städten damals erging es letztlich auch Soest.

Da die Stadt von Feinden umringt war, kehrten immer mehr wohlhabende Kaufleute aus Angst vor Angriffen der Stadt den Rücken. Der Einfluss von Soest ließ nach und immer mehr Gebäude verfielen in der Altstadt.

Die Reformation erreichte Soest 1531, sodass die großen Altstadtkirchen heute bis auf den Dom evangelisch sind. Das 16. und 17. Jahrhundert waren auch die Zeit der Hexenverfolgung, in deren Verlauf sich Soest keinen guten Namen machte. Mindestens 67 Prozesse, darunter der ‚Soester Kettenprozess‘, sind aktenkundig.

Die Stadt im Dreißigjährigen Krieg

Die Wirren rund um den Dreißigjährigen Krieg begannen in Soest bereits 1616, als spanische Truppen die Städte Soest und Lippstadt belagerten. In der Kapitulationsurkunde von Lippstadt unterzeichnet am 11. April liest man, dass die Bürger bei ihrer evangelischen Religion, ihrem Gewissen und ihren Kirchenbräuchen bleiben dürfen und sie daran durch das Kriegsvolk (gemeint sind die in den Städten verbliebenen Soldaten) nicht gehindert werden sollen.

Der Dreißigjährige Krieg war nicht nur eine weltliche Auseinandersetzung, sondern es ging vor allem um den Kampf zwischen katholischen und protestantischen Reichsständen um die Vorherrschaft in Europa. Hauptakteure waren das 1608 gegründete protestantische Militärbündnis, genannt Union und die 1609 entstandene katholische Liga.

Mit dem ‚Prager Fenstersturz‘ im Jahr 1618 begann der Dreißigjährige Krieg und im wahrsten Sinne des Wortes ein ‚Auf und Ab‘, das sich mit ständig wechselnden Gegebenheiten massiv auf das Leben der Menschen in Soest auswirkte. Noch massiver wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen mit dem Eintritt Schwedens im Jahr 1630.

Unter ihrer Macht gewann der Landgraf Wilhelm V. von Hessen-Kassel immer mehr Einfluss und für Soest und andere Städte begann eine schlimme Zeit. 1633 ergaben sich die Städte Lünen, Soest und Hamm den Hessen. Es dauerte noch bis zum vier Pflanzen Oktober 1648, bis endlich die Friedensverträge von Münster unterzeichnet werden konnten und der Dreißigjährige Krieg zu Ende war.

Soest und der Wiederaufstieg

Niemand in Westfalen konnte sich von den Zerstörungen dieses Krieges schnell erholen. Erst im 19. Jahrhundert begann man dem wirtschaftlichen Niedergang entgegenzuwirken, denn die beginnende Industrialisierung bot dazu die Möglichkeit.

Nach der Neuordnung Europas als Folge der Französischen Revolution im Jahr 1815, kam es zu einem raschen Aufschwung, der nicht zuletzt durch neue Straßenverbindungen, die Wiedererrichtung zerstörte Gebäude und die Festigung politische Strukturen möglich wurde.

Noch einmal Krieg

Auch das 20. Jahrhundert verlief für die Stadt nicht problemlos, denn im Zweiten Weltkrieg kam es in Soest und Umgebung zu massiven Fliegerangriffen. 60 % der Gebäude, darunter viele der historischen Bürgerhäuser und Kirchen, wurden teilweise oder ganz zerstört.

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging man systematisch daran, die Stadt wiederaufzubauen und dabei auf die authentische Rekonstruktion und Restauration der Gebäude zu achten. So können Besucher heute Soest einen herausragenden Eindruck einer mittelalterlichen Hansestadt erhalten.

Ein Besuch in Soest

Wer, wie ich vor einigen Wochen für zwei Tage nach Soest kommt und die Stadt noch nicht kennt, ist nach kurzer Zeit von dem Flair der mittelalterlichen Stadtanlage und den zahlreichen historischen Bauwerken begeistert.

Hinzu kommt, dass alle Soester, denen ich begegnet bin, sei es durch Fragen nach dem Weg, sei es in den Kirchen während der Wache, Stolz waren auf ihre geschichtsträchtige und sehr malerische Stadt und dies auch zum Ausdruck brachten.

So gelang es mir, während meines Aufenthaltes viele der Sehenswürdigkeiten zu erreichen und meinen Besuch im Folgenden als Besucher zu dokumentieren.

Die Stadtbefestigung (Stadtwall)

Der Stadtwall oder kurz ‚Wall‘ in Soest ist die längste noch existierende Wallmauer in Deutschland. Ein Spaziergang auf dem Wall gehört zu den Highlights während eines Besuchs in Soest. Hier lässt sich erahnen, welche Bedeutung die Stadt einst hatte und die Blicke sowohl in die Altstadt rechter Hand als auch in die Gräfte und auf die Außenmauer der einstigen Stadtbefestigung sind einzigartig.

Das Osthofentor in Soest

Egal ob man durch die Osthofen Straße aus der Altstadt kommend oder vom Nelmannwall auf das Osthofen Tor zugeht, der Anblick ist beeindruckend. Das Bauwerk, das heute ein Museum zur Stadtgeschichte beherbergt, wurde von 1523 bis 1526 errichtet und gestattet einen Blick zurück in jede Zeit, als in der Soester Wallanlage noch 10 Stadttore existierten.

Es muss ein imposanter Anblick gewesen sein, denn schon das Osthofen Tor, das letzte der alten Stadttore, das nicht dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen ist, zeugt von einer auswendigen Bauweise des Meisters Porphyrius.

Das Jakobitor

Eher unauffällig, aber von religionsgeschichtlich von besonderem Wert ist das Jakobitor auf der Südwestseite der Soester Altstadt. Der unscheinbare rechteckige Bau mit einfacher Öffnung in Türform erinnert an das alte Stadttor, das 1180 erbaut wurde.

Dass Soest ein Ausgangspunkt bzw. eine Station auf dem Jakobsweg ins spanische Santiago de Compostela war, erfährt der Besucher zum einen durch das unweit gelegene Hotel ‚Pilgrim-Haus‘ (Pilgerhaus) mit dem Bild eines mittelalterlichen Pilgers in der Fassade und zum anderen durch den seitens der Stadt 1989 errichteten Jakobusbrunnen.

Dieser gibt die Entfernung zum ersehnten Wallfahrtsort des Maurentöters Jakobus mit 2250 km an.

Bild wurde unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 veröffentlicht

Der Kattenturm in der Stadtbefestigung

Wer über den Soester Stadtwall spaziert, kommt unweigerlich im Süden der Altstadt am Kattenturm vorbei. Obwohl der Stadtwall aus dem 13. Jahrhundert stammt, lässt sich der Turm in das 16. Jahrhundert datieren. Es handelt sich um den einzigen noch erhaltenen Wehrturm des inneren Soester Stadtwalls.

Sein Name Kattenturm (Katzenturm) dürfte auf verdeckte Sturmdächer zurückzuführen sein, die damals verwendet wurden und die man als ‚Katzen‘ bezeichnete.

Die Soester Gräfte

Das westfälische Wort Gräfte bedeutet im Hochdeutschen ‚Wassergraben‘. Dieser ursprüngliche Wassergraben rund um die gesamte Altstadt ist in Soest trockengelegt und führt in Form einer Grünanlage direkt an den Wällen entlang.

So lässt sich die Stadt einmal umrunden, rechter Hand immer mit dem Blick auf die Wallmauern. Dieses Erlebnis einer mittelalterlichen Stadtanlage ist in Deutschland nur noch selten zu bekommen und lohnt sich auf jeden Fall.

Die Altstadtkirchen in Soest

Die Stadt besitzt mehrere äußerst sehenswerte Kirchen. Jedes dieser Gotteshäuser hat eine eigene Geschichte und besitzt herausragende Kunstwerke, die es lohnen, einen eigenen Rundgang durch die Alstadt zu unternehmen, um die historischen Kirchen zu erleben.

Kirche St. Petri (Alde Kerke)

Die Petrikirche ist die ält6este Pfarrkirche und zugleich eine der ältesten in ganz Westfalen. Ihre Anfänge reichen zurück bis ins 8. Jahrhundert und somit in die Epoche der Karolinger. Der heutige Kirchenbau stammt aus dem Jahr 1150, wurde jedoch in den folgenden Jahrhunderten ständig erweitert und umgebaut.

Der weithin sichtbare Turm mit dem charakteristischen Turmhelm ist ein Werk des Barock aus dem Jahr 1709. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs erfolgte bis 1955 der Wiederaufbau. Zwei sehenswerte Portale, deren Gestaltung aus dem 20. Jahrhundert stammt, führen in das Gotteshaus.

Im Inneren sind vor allem Malereien wie ‚das Paradies‘, ein Triumphkreuz aus dem 15. Jahrhundert, der Taufstein, die Kanzel aus dem späten 17. Jahrhundert, der ‚Klepping-Altar‘ von 1525 und die Kaiserempore sehenswert. Besonders interessant ist der Zelebrationsaltar und das dazu gehörige Kreuz. Sie sind aus Glas und stammen aus den Jahren 1994 bzw. 2001.

Dom St. Patroklus

Der Ursprung des Doms zu Soest geht auf das Jahr 962 zurück. Damals veranlasste der Kölner Erzbischof Bruno die Überführung der Reliquien des Heiligen Patroklus von Troyes nach Soest. Es entstand ein Kollegiatstift. Die Vikare des Stifts nahmen fortan die seelsorgerischen Aufgaben in Soest wahr und lebten in einer klosterähnlichen Gemeinschaft. Erst 1812 kam es zur Aufhebung des Stifts. Der Dom wurde 1823 Pfarrkirche der Gemeinde St. Patrokli. 1859 wurde das Gotteshaus Propsteikirche.

Der Dom besaß wertvolle Wandmalereien aus dem 12. Jahrhundert. Diese wurden nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs von Prof. Peter Jecker in den Jahren 1949 und 1950 erneuert. Das Innere des Doms beeindruckt durch seine Wucht. Vor allem die Säulen verstärken diesen Eindruck.

Sehenswert ist vor allem der Marienchor. Seine Wandmalereien stammen aus dem 12. Jahrhundert. In einer Halbkuppel wird die thronende Muttergottes dargestellt. Zu sehen sind auch die Hl. Drei Könige sowie Hanna, Simeon und der Erzengel Gabriel. Interessant ist die Tatsache, dass die Malereien vor allem deshalb so gut erhalten sind, weil sie seit dem 16. Jahrhundert mit Kalk übertüncht waren und erst 1861 freigelegt wurden.

Zu den wertvollsten Kunstwerken des Doms gehört das 2,12 m hohe Altarkreuz aus dem 14. Jahrhundert. Es zeigt den Gekreuzigten sowie an den Kreuzenden Bilder der vier Evangelisten.

Einige Nebengebäude des Doms wie der Kapitelsaal, die Nicolaikapelle, der Kreuzgang und das Dommuseum sind ebenfalls sehenswert.

Kirche St. Maria zur Wiese (Wiesenkirche)

Die Wiesenkirche Sankt Maria zur Wiese gehört zu den sehenswertesten Bauwerken der Stadt. Der Grundstein wurde 1313 gelegt, jedoch benötigte man Jahrhunderte, bis die Kirche endgültig fertiggestellt war. Die beiden Türme, die zu den Wahrzeichen Soests gehören, stammen aus dem 19. Jahrhundert.

Namensgeber in der Kirche ist jene Figur, die 1661 nach Werl gebracht wurde. Hier fungierte sie als Streitschlichterin zwischen den beiden Städten. Immer wieder in den vergangenen Jahren wurden umfangreiche Baumaßnahmen zum Erhalt der Kirche durchgeführt. Auch derzeit wieder ist man an der Kirche mit Bauarbeiten beschäftigt.

Dazu wurde eigens eine Bauhütte gegründet. Wer das innere betritt, ist durch die Größe der Hallenkirche und die nahezu bis zum Boden reichenden Buntglasfenster beeindruckt. Das bedeutendste dieser Fenster zeigt das oben genannte ‚westfälische Abendmahl‘. Dieser Name kommt nicht von ungefähr, denn Jesus und die Jünger zelebrieren das Abendmahl auf den Darstellungen mit westfälischen Schwarzbrot und Schnaps.

Zahlreiche der Kunstwerke in der Wiesenkirche zu Soest stammen aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Dazu gehören auch die 11 überlebensgroßen Statuen im Chorraum. Bedeutsam ist auch der Aldegrever-Altar in der südlichen Absicht des Chorus. Das Werk stammt aus dem Jahr 1526 und wurde von Heinrich Aldegrever, einem Zeitgenossen Holbeins und Dürers, meisterhaft ausgeführt.

Kirche St. Maria zur Höhe (Hohnekirche)

Zu den wichtigsten Kirchenbauten ganz Westfalens gehört die Kirche Sankt Maria zur Höhe, genannt Hohnekirche. Sie ist im romanisch-gotischen Übergangsstil errichtet und stammt aus der Zeit des zwölften und 13. Jahrhunderts. So die Äußeres als auch das innere gelten für die damalige Zeit bis heute als richtungsweisend in der Architektur. Aufgrund ihrer wertvollen Ausstattung wird sie auch als „Schatzkammer“ der Stadt bezeichnet.

Es handelt sich um eine dreistufige Hallenkirche mit querrechteckigen Chor am Mittelschiff sowie einer halbrunden Absicht am nördlichen Seitenschiff. Die Turmhaube stammt aus dem Jahre 1671. Besonders auffällig sind die Kreuzrippen an der Decke. Im 19. Jahrhundert entdeckte man die wertvolle Ausmalung des 13. Jahrhunderts.

Zu den Kunstgegenständen von Rang gehört der Hochaltar. Dieser ist ein Werk des Meisters Liesborn aus dem Jahr 1470. Sehenswert ist auch das Sakramentshäuschen aus dem späten 15. Jahrhundert. Die Renaissance-Kanzel aus der Zeit um 1600 sowie der Taufstein in der interessant angeordneten Taufkapelle sind ebenfalls erwähnenswert.

Die Orgel mit einem prächtigen Gehäuse stammt von 1679. Das heutige Pfeifenwerk wurde von der Göttinger Firma Paul Ott 1969 eingebaut.

Zu den wertvollsten Kunstwerken innerhalb des Kirchenraumes gehört das Scheibenkreuz. Wer schon einmal die Ostseeinsel Gotland besucht hat, hat dort die Chance, in mehreren der historischen Landkirchen diese Gunst voll gestalteten Kreuze in ihrer auffälligen Form und Bemalung zu bewundern. Die Ausmaße des Kreuzes samt seiner Kreuztafel sind mit 3,45 m x 3,89 m beeindruckend.

Da die Stadt zur Hanse gehörte und somit Kontakte zur Insel Gotland und deren Hauptstadt Visby bestanden, liegt es durchaus nahe, zu vermuten, dass Kreuz stamme aus Gotland. Dies ist bis heute jedoch nicht eindeutig belegt, obwohl diese Vermutung nahe liegt.

Kirche St. Pauli in Soest

Die gotische Hallenkirche St. Pauli bestimmt einen Teil der Altstadt in Soest. Ihre Entstehung geht auf eine Anordnung des Erzbischofs Philipp von Heinz Berg zurück, der das Stadtgebiet in vier Sektoren unterteilen ließ, die sogenannten Hofe. Nach der Teilung verfügte der Erzbischof, dass jeder dieser Sektoren eine Kirche bekommen sollte. So entstand die Kirche St. Pauli, die bereits im 13. Jahrhundert erwähnt wird.

Besonders interessant ist die Tatsache, dass die Kirche im Zweiten Weltkrieg de facto nicht zerstört wurde, sodass vieles von der Ausstattung erhalten geblieben ist hierzu gehören vor allen Dingen die Altartafel von 1430. Sie entstand in der Werkstatt des Meisters Conrad von Soest.

Der Fußboden ist mit zahlreichen Grabplatten bedeckt. Weitere Kunstwerke sind die Renaissance-Kanzel von 1580 und der gotische Taufstein aus dem 14. Jahrhundert. Der Orgelprospekt aus dem Jahr 1675 fügt sich mit seinem barocken Gepräge besonders gut in den Raum ein. Das Orgelwerk selbst wurde 1895 von der Firma Eberhard Friedrich Walcker aus Ludwigsburg geschaffen.

Alt-St. Thomä in Soest

Nicht nur Pisa, sondern auch Soest besitzt einen schiefen Turm. Während es in der norditalienischen Stadt ein frei stehender Glockenturm der Kathedrale ist, handelt es sich hier um den weithin sichtbaren Turm des Gotteshauses. Um keine Kirche in Soest ranken sich so viele Legenden wie um Alt-St. Thomä und die Entstehung des schiefen Turms.

Da die Kirche leider während des Tages fast immer geschlossen ist, war ein Besuch im Inneren nicht möglich. Umso interessanter ist es von der Entstehung des Doms zu berichten. In dem heimatkundlichen Buch ‚Sagen am Hellweg – heimatkundiger Lesebogen 3 (Soest 1964, S. 2) lesen wir:

‚In einem kalten Winter hatte es einmal vor vielen, vielen Jahren so sehr geschneit, dass nur noch die Kirchturmspitze aus dem Schnee herausragte. Ein Kaufmann kam gegen Abend mit seinem Pferd von Lippstadt her und suchte ein Nachtquartier.

Aber er fand in dem tiefen Schnee kein Haus und keine Herberge. Endlich band er sein Pferd an einen Zaunpfahl, wickelte sich in eine Decke und legte sich schlafen. Während er schlief, taute der Schnee, und als der Kaufmann erwachte, schaute er erstaunt um sich. Er lag auf einem Friedhof zwischen lauter Grabkreuzen.

Von seinem Pferd war weit und breit nichts zu sehen. Plötzlich hörte er über sich lautes Wiehern, und als er hochblickte, sah er sein Pferd an der Kirchturmspitze hängen. Diese war der vermeintliche Zaunpfahl gewesen. Und von dem Gewicht des Pferdes und von seinem Strampeln und Toben sei der Kirchturm so schief geworden, so erzählen sich die Leute.‘

Der Turm wurde 1653 errichtet, nachdem er zuvor in den Kriegswirren Dreißigjährigen Krieges zerstört worden war. So ist der Turm bis heute ein Wahrzeichen der Stadt Soest.

Nikolaikapelle

Es sind nicht nur die großen Kirchen, die die Innenstadt reizvoll für jeden Besucher machen. Auch die Kapellen gehören zu den Sehenswürdigkeiten. Die Nikolaikapelle stammt aus dem dritten Viertel des zwölften Jahrhunderts und war damals die Kapelle des Propstes von St. Patrokli. Auch wenn die Kirche im 19. und auch im 20. Jahrhundert restauriert und konserviert wurde, sind romanische Wandmalereien im Inneren sehenswert. Dabei handelt es sich um Fresko Malerei, die direkt auf den Putz gesetzt wurde.

Ebenfalls von geschichtlichem Interesse ist die Tatsache, dass Adolph Kolping in dieser Kapelle am 4. November 1852 den Gesellenverein zu Soest gründete.

Brunsteinkapelle

Die zweite interessante Kapelle ist die Brunsteinkapelle. Auch sie ist uralt und wurde bereits 1225 erstmals urkundlich erwähnt. Seinen Namen erhielt das Gotteshaus nach der Stifterfamilie. Die Kapelle überstand die Wirren der Zeit, die Reformation und die Wirren verschiedener Kriege. Nach der Rekatholisierung von Soest im Jahr 1548 wurde in ihr das Abendmahl in beiderlei Gestalt ausgeteilt, was in den Namen Ketzerkirche einbrachte.

Das heutige Bild des Gebäudes stammt von 1662, denn zuvor war das Chorgewölbe eingestürzt und eine neue Errichtung wurde notwendig. Das Innere zeigt sich als Saalkirche. Sie ist 12 m lang, 8,8 m breit und 10,7 m hoch.

Der Burghof

Der Reiz der Altstadt von Soest basiert nicht nur alleine auf den historischen Altstadtkirchen, es sind vielmehr auch die gut erhaltenen historischen Häuser, die fast überall zu bewundern sind. Zu diesen gehört auch der Burghof, in dem sich das gleichnamige Museum befindet.

Das Haus wurde 1560 fertiggestellt und zeigt, wie luxuriös damals wohlhabende Familien in Soest lebten. Im Inneren ist ein Rittersaal zu bewundern, der heute für verschiedene Feierlichkeiten genutzt wird.

Angrenzend an den Burghof befindet sich das romanische Haus. Dabei handelt es sich um ein nahezu unverändert erhaltenes Wohnhaus, das aus dem Jahr 1180 stammt. So gilt es als das älteste noch existierende Wohnhaus zwischen Rhein und Weser.

Das Rathaus

Zu den bekanntesten historischen Bauwerken in der Altstadt gehört das Rathaus. Es trägt eindeutig barocke Züge und besticht durch seine auffällige Symmetrie. Zwischen 1713 und 1718 erbaut, setzt das heutige Gebäude die Tradition der Rathäuser in Soest fort, die um 1230 begann. Immer wieder wurde die Anlage erweitert, modernisiert und umgebaut.

Das Rathaus liegt nahe dem Patroklus-Dom. In der Westfassade ist die Statue des heiligen Patroklus zu finden, der auch Schutzpatron der Stadt ist. Oberhalb der neun Bögen der Vorhalle sind zwei kraftvoll dargestellte Figuren zu sehen, die den Soester Schlüssel und das Wappen der Stadt tragen.

Weiterer Figurenschmuck ist an den Fassaden des Gebäudes zu sehen. Eine Figur von Bürgermeister Otto Gerhard Glotz über dem Südzugang der Vorhalle hält eine Schriftrolle in der Hand mit der Parole „Recht muss Recht bleiben“. Über dem nördlichen Zugang auf der entgegengesetzten Seite befindet sich eine Skulptur des Jägers von Soest.

Der wichtigste und größte Raum des Inneren ist der ‚Blaue Saal‘. Er erhielt seinen Namen auf Grund der in blauer Farbe gestrichenen Decke. Sie soll den Himmel symbolisieren. Der Saal wird für offizielle Veranstaltungen, aber auch für private Feiern genutzt.

Haus zur Rose (Freiligrath-Haus)

Dieses historische Fachwerkhaus aus der Renaissance ist für die Soester so etwas wie ein Wahrzeichen. Schon über 400 Jahre schmückt des den Eingang zur Rosenstraße. Das hat die Vermutung aufkommen lassen, die Namensgebung könne mit dieser Tatsache zu tun haben. Andere Quellen beziehen sich auf ein Früher am Haus angebrachtes Relief, wieder andere sehen die Rose im Giebel des Hauses als Familienzeichen einer Famile ‚Rosa‘, die hier einst gewohnt haben soll.

Sicher ist, dass der zweite Name des schmucken Gebäudes ‚Freikigrath-Haus‘ auf der Tatsache beruht, dass der deutsche Dichter Ferdinand Freiligrath hier von 1825 bis 1832 den Beruf des Kaufmanns bei den Gebr. Schwollmann erlernte, die eine Drogerie betrieben. Schon in dieser Zeit entstanden einige der Werke des Dichters wie ‚Der große Teich von Soest‘, ‚Todes Wiegenlied‘ und ‚Adler und Schlüssel‘.

Braukunst in Soest

Schon seit dem Mittelalter war die Braukunst in Soest zu Hause und die Qualität des Bieres über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Fast ein duzend Brauereien und Brauhäuser gab es in der Stadt. Auch heute noch sind diese Häuser ihrer Tradition verbunden und stellen sowohl mit ihrem Äußeren als auch mit der meist historischen und liebevoll gestalteten Inneneinrichtung einen Spiegel der Geschichte der Stadt dar. Das kommt nicht von ungefähr, denn die Brauereien und deren Gaststuben waren seit jeher der Treffpunkt der Bevölkerung.

Brauhaus Zwiebel

Das prachtvoll gestaltete Haus des Brauhauses Zwiebel ist rund 400 Jahre alt, und war schon nach dem Dreissigjährigen Krieg eine bekannte Adresse für alle, die sich nach getaner Arbeit bei einem Glas Bier entspannen wollten. Die Räume sind historisch, was schon durch die niedrigen Decken zum Ausdruck kommt.

Die Gemütlichkeit der Innenräume wird durch gewaltige Eichenbalken, den alten Sudkesseln aus Kupfer und vielen Details aus der Geschichte des Brauhauses noch verstärkt. Auch ein Wintergarten lädt zum Verweilen ein.

Brauerei Christ

Auch die Brauerei Christ blickt auf eine lange Geschichte zurück. Das historische Gebäude stammt aus dem Jahr 1584, als es mit einer Scheune, Ställen und einem Brunnen erbaut wurde. Ursprünglich war das Haus nicht von anderen Bauwerken umgeben, sondern ein frei stehender Bauernhof. So konnten die Bauern und Landarbeiter es leicht erreichen.

Zur Brauerei wurde der Hof 1727, als der Bierbrauer und Gastwirt Andreas Friedrich das Anwesen erwarb und seine Brauerei mit Gaststube eröffnete. Mehrmals wechselten in der Folge die Besitzer, bis der Brauer und Gastwirt Anton Christ das Anwesen 1836 erwarb und dort neben Bier auch eigene westfälische Produkte zum Kauf anbot.

Auch wenn es heute nicht mehr die Familie Christ ist, die das Brauhaus führt, so wird es dennoch seit 1980 weiterhin familiengeführt.

Bild: K. Bierkaemper wurde unter der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 veröffentlicht

Das Soester Pilgrimhaus

Ein weiteres Gasthaus ist in Soest bemerkenswert und ein Teil seiner Geschichte. Das Pilgrimhaus am Jakobitor gilt als ältester Gasthof Westfalens und wird in einer Satzung vorn 1304 als Pilgerherberge des Klosters Paradiese erwähnt. Man geht heute davon aus, dass das Haus bereits 1294 erbaut wurde. Damals lag die Pilgerherberge ungeschützt außerhalb der Stadtmauern. Dies änderte sich, als die Stadt anlässlich der Soester Fehde (1444-1449) die Pilgerherberge in das heutige Gebäude hinter die Stadtmauer verlegte.

Im Laufe der Geschichte wurde aus der Pilgerstätte eine Brauerei und schließlich ein Hotel und Restaurant.

Museum Wilhelm Morgner

Das Museum liegt unweit des Doms in Soest und ist seit 2016 Heimat der städtischen Kunstsammlung. Maßgeblich werden die expressionistischen Arbeiten von Wilhelm Morgner (1891-1917) gezeigt, aber auch weitere Werke der Moderne nach 1945 sind zu sehen. Darunter befinden sich Werke von Emil Nolde, Franz Nölken Paul Werth und zahlreichen anderen Künstlern. Das Gebäude wurde vom Wiesbadener Architekten Rainer Schell 1962 geplant und ausgeführt.

Fachwerkhaus ‚Zum wilden Mann‘ in Soest

Jeder in Soest kennt den ‚Wilden Mann‘. Damit ist nicht ein männliches Wesen gemeint, das in der Stadt sein Unwesen treibt, sondern das sehenswerte Fachwerkhaus am Markt. Es stammt aus dem Jahr 1511 und wird in den Dokumenten der Stadt erstmals 1618 erwähnt. Es besitzt einen schönen Doppelgiebel. Mehrfach wurde der ‚Wilde Mann‘ umgebaut. Seit 1855 befindet sich darin ein Hotel und Restaurant.

Besonders schön sind die Knaggen und Vorkragungen des Fachwerkhauses, die farblich gestaltet sind, wie dies in Westfalen damals üblich war. Früh in seiner Geschichte wurde es als Lagerhaus genutzt, denn in Soest gaben sich zahlreiche Kaufleute die Klinke in die Hand und Handelsreisende sahen hier eine willkommene Möglichkeit, schwere und wertvolle Güte zwischen zu lagern.

Als Hingucker an dem Gebäude ist die namensgebende Figur des ‚Wilden Mannes‘ an der Gebäudeecke. Sie wurde 1925 vom Soester Bildhauer Fritz Viegener geschaffen. Man sieht beim näheren Hinsehen eine Keule in der rechten Hand der Figur – dies symbolisiert das Wilde und Kraftvolle sowie den Soester Stadtschlüssel in der linken Hand.

Teichsmühle

Hier handelt sich um die erste urkundlich belegte Mühle der Stadt Soest. Sie wird erstmals 1231 erwähnt und gehörte damals dem Patrokil-Stift. Man geht heute davon aus, dass die Mühle deutlich älter ist, und schon im 12. Jahrhundert erbaut wurde. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt die Teichsmühle 1654. In den Wirren des Dreissigjährigen Krieges war der alte Mühlenbau zerstört worden und der Neubau wurde initiiert.
Die Teichsmühle steht mit ihrem heute noch beeindruckenden Mühlenrad für die zahlreichen Mühlen, die Soest einst besessen hat. In der Stadt und ihrer Umgebung waren es wohl rund drei duzend Mühlen.

Adelssitze am Steingraben

Die Adelssitze am Soester Steingraben verdeutlichen zum einen den Wohlstand in der Stadt, zum anderen aber auch die Bedeutung von Soest als Handelsknotenpunkt. Als gutes Beispiel für diese Gebäude ist der Adelssitz an der Roßkampffgasse. Es wird im Volksmund auch ‚Schlingwurm‘ genannt.

Ab 1558 wohnte hier die Familie gleichen Namens. Das heutige Gebäude stammt aus dem Jahr 1840. Es wurde im Auftrag des Land- und Stadtgerichtsdirektors Friedrich von Viebahn errichtet. Seit 1873 war hier eine Freimaurerloge zu Hause, die das Gebäude auf Weisung der Stadt 1936 verkaufen musste. 1950 wurde der Adelssitz an die Loge zurückgegeben.

Der Große Teich in Soest

Angesichts der Tatsache, dass es in früheren Jahrhunderten zahlreiche Mühlen in und um die Stadt Soest gab, ist die Existenz des Großen Teichs in der Stadt nicht verwunderlich. Zahlreiche natürlich Quellen sorgten für genügend Wasser, dass die Menschen damals nutzten und wohl auch schon sehr früh aufstauten. Erstmals wird der ‚Große Teich‘ 1315 erwähnt und nochmals 1421.

Das Gewässer ist 100 m lang und bis zu 65 m breit. Eine Besonderheit des Teichs ist, dass er aufgrund der zahlreichen Quellen in seiner Umgebung im Winter nicht zufriert. Erwähnenswert ist die ‚Wippe‘ am Südostende des Teichs. Hierbei handelt sich nicht um eine Freizeiteinrichtung, sondern vielmehr um eine Vorrichtung zur Bestrafung von verurteilten Verbrechern, die zur Strafe der ihnen vorgeworfenen Taten auf diese Weise in den Teich befördert wurden.

Dargestellt werden drei Musiker mit Flöten und Posaunen. Hierbei handelt es sich wohl um Hochzeitstänzer, die in einem Stich Aldegrevers von 1538 zu sehen sind. Das wohl bekannteste Werk Aldegrevers in Soest ist der Marienalter der Soester Kirche St. Maria zur Wiese von 1525.

Der Aldegrever Brunnen

Dieser kunstvoll gestaltete Brunnen auf dem Vorplatz der St. Petri-Kirche ist ein Werk der modernen Kunst und wurde am 10. August 1989 eingeweiht. Heinrich Aldegrever war ein viel gerühmter Renaissancemaler- und Bildhauer. Sein Grab soll sich an der Stelle befunden haben, an der heute der Brunnen steht und an ihn erinnert. Es ging in den Wirren der Geschichte verloren.

Die kulinarischen Spezialitäten von Soest

Man kann nicht über Soest schreiben, ohne auch ihre kulinarischen Spezialitäten erwähnt zu haben, denn im Zuge des Stadtrundgangs und der Besichtigung der sehenswerten Fachwerkhäuser kommt man unweigerlich mit den jahrhundertealten Spezialitäten in Berührung.

Soest und der Pumpernickel

Dass der Pumpernickel aus Soest stammt, wissen heute nur wenige. Es war die Bäckerei Haverland, deren Geschichte sich bis ins Jahr 1570 zurückverfolgen lässt. Das Besondere war damals das Bäcker Haverland nur eine Brotsorte im Angebot hatte – das Pumpernickel.

Für den Luxus zahlreicher Brotsorten war damals nicht die richtige Zeit. Soest war eine wohlhabende Stadt und Mitglied des Hansebundes. So kam es häufig zu Angriffen von Feinden und auch Belagerungen. So musste man jederzeit mit Notrationen und haltbaren Lebensmitteln für solche Zeiten gerüstet sein.

Das Pumpernickel-Rezept und vor allem seine Zubereitung, beruhen der Stadtgeschichte zu Folge auf einem Zufall. So soll während der Soester Fehde die Frau des Bäckers Nicolaus Haverland den Brotteig nach dem Backen im Ofen vergessen haben. So blieb der Laib in dem sich langsam abkühlenden Backofen. So entstand Pumpernickel in seiner typischen Farbe und dem unverwechselbaren Geschmack.

Das Möpkenbrot

Diese Spezialität ist nichts für jedermann. Es handelt sich dabei auch nicht um ein einfaches Brot, sondern vielmehr um eine Lösung für ein Problem, das die Menschen in ländlichen Gegenden seit Jahrhunderten beschäftigte. Wie verarbeite ich von einem geschlachteten Schein wirklich alles? In schwierigen Zeiten von Krieg und Belagerung, von Seuchen und Naturkatastrophen durfte nichts verschwendet werden.

So kam man dazu, aus den Hauptzutaten sind Speck, Schweinemaske, Schweineschwarte, Schweineblut und Roggenschrot oder Weizenmehl ein Brot zu backen – das Möpkenbrot. Salz, Pfeffer, Gewürznelken, Piment und Muskat sorgen für einen mehr als würzigen Geschmack.
Das was die Spezialität dann wirklich besonders macht, sind die beiden letzten Zutaten: Zwiebelringe und Rosinen! Hinzu kommt, dass Möpkenbrot mit Rübenkraut serviert wird.

Soester Persönlichkeiten

Johann Patroclus Möller, Orgelbauer

Ein über die Grenzen der Stadt Soest hinaus bekannter Künstler war der Orgelbauer Johann Patroclus Möller. Er wurde 1698 geboren und errichtete in Soest, in ganz Westfalen und über den das Land hinaus herausragende Orgeln. Sie gelten als Meisterwerke des barocken Orgelbaus.

Werke sind unter anderem in folgenden Kirchen erhalten: Ostsönnen, St. Andreas, Soest, Hohnekirche (Rekonstruktion und Kopie), Soest, Stift St. Walburgis, Abteikirche Marienmünster, Pfarrkirche Büren, Kloster Marienfeld.

Julius Disselhoff, Schriftsteller

Der Pfarrer, Schriftsteller und Direktor wurde durch seine politischen und zeitkritischen Schriften bekannt. Er ist ein Sohn der Stadt Soest und wurde hier am 24. Oktober 1827 geboren. Er machte sich einen Namen als Direktor der Diakonissenanstalt Kaiserswerth und organisierte die Arbeit in den Lazaretten während kriegerischer Auseinandersetzungen.

Zahlreiche seiner Schriften werden auch heute noch gelesen wie ‚Shakespeares Tragödien – ein Wegweiser zum Glauben‘, ‚Der große Krieg zwischen Frankreich und Deutschland in den Jahren 1870 und 1871. Dem deutschen Volk erzählt‘ oder ‚Die klassische Poesie und die göttliche Offenbarung. Beiträge zur Literaturgeschichte‘.

August Disselhoff, Heimatdichter

Der evangelische Pfarrer und Heimatdichter August Disselhoff wurde am 25. November 1829 und Soest geboren und wirkte nach seiner Ausbildung trotz einer zunehmenden Erblindung Zeit seines Lebens als Pfarrer. Er engagierte sich besonders in der Krankenpflege und war über seinen Bruder Julius mit der Diakonie Kaiserswerth verbunden. 1901 siedelte Disselhoff zu seiner jüngsten Tochter nach Allstedt an der Helme im heutigen Sachsen-Anhalt über, wo er zwei Jahre später verstarb.

Wahrscheinlich wäre August Disselhoff längst in Vergessenheit geraten, hätte er nicht den Text zu einem der bekanntesten deutschen Volkslieder verfasst: ‚Nun ade, du mein lieb‘ Heimatland‘. Den Text schrieb er 1848 als 19-Jähriger wohl bei der Ruine des Arnsberger Schlosses anlässlich seines Abschieds von Arnsberg.

Nun ade, du mein Lieb Heimatland

August Disselhoff
Nun ade, du mein Lieb Heimatland (1848)

Nun ade, du mein lieb Heimatland
lieb Heimatland, ade!
Es geht nun fort zum fremden Strand
lieb Heimatland, ade!
Und so sing´ ich denn mit frohem Mut,
wie man singet, wenn man wandern tut
lieb Heimatland, ade

Wie du lachst mit deines Himmels blau,
lieb Heimatland, ade !
Wie du grüßest mich mit Feld und Au,
lieb Heimatland, ade !
Gott weiß, zu dir stets steht mein Sinn,
doch jetzt zur Ferne ziehts mich hin,
lieb Heimatland, ade !

Begleitest mich, du lieber Fluß,
lieb Heimatland, ade !
Bist traurig, daß ich wandern muß,
lieb Heimatland, ade !
Vom moosgen Stein am waldgen Tal,
da grüß ich dich zum letzten Mal:
mein Heimatland, ade !

Fazit

Am Beispiel der Stadt Soest können wir heute ablesen, welch immense Bedeutung deutsche Städte bereits im Mittelalter hatten. Vor allem die Mitglieder des Hansebundes, der Handelsbeziehungen mit vielen Ländern unterhielt, kam Wohlstand auch nach Soest.

Durch die historischen Stadtkirchen, die vielen gut erhaltenen Fachwerkhäuser und nicht zuletzt durch die außerordentlich gut erhaltene Stadtmauer erhalten wir bei einem Besuch der Stadt einen ausgezeichneten Eindruck dieser längst vergangenen Zeiten.
Soest ist wirklich einen Besuch wert!

Collage Neue Reiseseite 3Reihen -Soest – sehenswerte Hansestadt in Westfalen

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