Der Schiefe Turm von Pisa gehört zu den bekanntesten Bauwerken der Welt und ist eines der Wahrzeichen Italiens. Es handelt sich um einen frei stehenden Glockenturm, der zum Dom von Pisa gehört. Auf der einen Seite ist er ein perfektes Beispiel für die Architektur der italienischen Renaissance, andererseits steht er schief, was seit Jahrhunderten daran erinnert, dass hier irgendetwas nicht sauber recherchiert oder der Bau selbst nicht ordentlich ausgeführt wurde. So kommen Menschen aus aller Welt nach Pisa und fragen sich:

‚Wie schief ist der Turm überhaupt?‘ oder ‚Trägt er den Namen Schiefer Turm von Pisa zu Recht? In diesem Beitrag erfahren Sie die Wahrheit über den Turm. In der Glockenstube hängen sieben Glocken. Die älteste ist aus dem 13. Jahrhundert, die jüngste kam 2004 in den Turm.

Schiefer Turm von Pisa: Der Bau des Turms beginnt

Zunächst begann der Bau zum Glockenturm in Pisa wie jeder andere Turmbau mit der Sondierung des Geländes und der Bestimmung des Standorts. Schon hier wurde ein wichtiger Umstand übersehen, denn der Untergrund an der Baustelle bestand aus Lehm und Sand. Am 9. August 1173 begann man mit den Bauarbeiten und die Arbeiten gingen offensichtlich zügig voran. Als man im Jahre 1184 mit dem Bau der dritten Etage beginnen wollte, zeigte sich bereits eine Neigung des Rohbaus. Der Schock dürfte groß gewesen sein.

Dafür spricht auch der Umstand, dass in der Folge der Bau 100 Jahre nicht fortgeführt wurde. Danach wurde versucht, den Turm durch die nächsten vier Etagen zu stabilisieren, indem man diese mit einer deutlich geringeren Neigung aufsetzte. Erst 1372 war der Schiefe Turm von Pisa mit dem Abschluss der Arbeiten an der Glockenstube, fertiggestellt.

In den nächsten Jahrhunderten setzte sich die langsame Neigung Richtung Südosten immer weiter fort und in Pisa wuchs die Angst der Turm könne eines Tages tatsächlich umfallen. Das Bauwerk ist 55 m hoch, 12 m im Durchmesser und wurde aus 14200 Tonnen weißem Carrara-Marmor erbaut. Jedes Stockwerk ist mit einer Galerie von 30 fein gearbeiteten Säulen ausgestattet und auf jedem Stockwerk kann man nach draußen treten. Zusammen mit dem Dom, dem Baptisterium und dem Friedhof Campo Santo wurde der Turm 1987 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.

Galileo Galilei und der schiefe Turm von Pisa

Schon immer war der Blick in den Sternenhimmel, war die Frage wie und warum sich Körper bewegen, eine Frage, die Menschen aller Zeiten faszinierte. So auch den italienischen Mathematiker, Astronom, Ingenieur und Kosmologen Galileo Galilei (1564-1642). Die damals aufkommenden Feuerwaffen hatten die Frage, der Bewegung, wieder aktuell werden lassen.

Er stellte Experimente und Überlegungen zur Bewegungslehre an. Das Resultat war eine wesentliche Weiterentwicklung des damals bekannten Wissens zu diesen Themen. Seine Gedankengänge lassen sich aus seinen Aufzeichnungen herauslesen: Galileo ging, im Gegensatz zu Aristoteles, davon aus, dass ein schwerer und ein leichter Körper gleichschnell zu Boden fallen müssten.

Er stellte fest, dass beobachtete Unterschiede nicht auf die Masse der Körper zurückzuführen sind, sondern auf den unterschiedlichen Luftwiderstand. In einem luftleeren Raum – im Vakuum – fallen alle Körper unabhängig von ihrer Masse gleich schnell.

So stellte Galilei nach diesen Überlegungen praktische Experimente an, um Fallwege und Fallzeit und deren Abhängigkeiten zu klären, was ihm auch gelang. Interessant sind seine Aufzeichnungen zu diesen Versuchen. Sie zeigen auch, wie komplex Galileo bereits dachte und wissenschaftlich arbeitete:

„… auf einem Holzbrett von 12 Ellen Länge … war … eine Rinne von etwas mehr als einem Zoll Breite eingegraben. Dieselbe war sehr gerade gezogen, und um die Fläche sehr glatt zu haben, war inwendig ein sehr glattes und reines Pergament aufgeklebt; in diese Rinne ließ man eine sehr harte, völlig runde und glatt polierte Messingkugel laufen. Nach Aufstellung des Brettes wurde dasselbe einerseits gehoben, bald eine, bald zwei Ellen hoch; dann ließ man die Kugel durch den Kanal fallen und verzeichnete … die Fallzeit für die ganze Strecke.

Häufig wiederholten wir den einzelnen Versuch zur genaueren Ermittlung der Zeit und fanden gar keine Unterschiede, auch nicht einmal von einem Zehntel eines Pulsschlages.

Darauf ließen wir die Kugel nur durch ein Viertel der Strecke laufen und fanden stets genau die halbe Fallzeit gegen früher. … bei wohl hundertfacher Wiederholung fanden wir stets, dass die Strecken sich verhielten wie die Quadrate der Zeiten, und dieses zwar für jedwede Neigung der Ebene …“. Wenn es auch schön gewesen wäre, aber die Legende, dass Galileo Galilei seine Fallversuche vom Schiefen Turm von Pisa aus durchgeführt haben soll, konnte bis heute nicht belegt werden. Seine Aufzeichnungen geben auch keine Anhaltspunkte dafür, dass dies der Fall gewesen sein könnte.

Schiefer Turm von Pisa: Die Rettung naht!

Man ist heute in Pisa sehr froh darüber, dass der Schiefe Turm, das Wahrzeichen der Stadt und ein Touristenmagnet, gerettet werden konnte. Man ist ebenso dankbar, dass zur Zeit der Erbauung nur 54 der ursprünglich geplanten 100 m Höhe gebaut wurden. So konnte der Turm nach 1998 durch umfangreiche Sanierungsmaßnahmen saniert, stabilisiert und so gerettet werden.

Hatte die Neigung im 20. Jahrhundert ständig zugenommen, musste eine Lösung gefunden werden, die das weitere Neigen des Turms verhinderte. Zunächst waren es Stahlseile und Bleigewichte, die den Turm temporär stabilisierten und sogar einen leichten Rückgang der Neigung zeigten.

Danach wurde Boden extrahiert, sodass Erdreich nachsickern konnte und der Turm sich entsprechend von 5,5 Grad Neigung auf 4 Grad aufrichtete. So ist er hoffentlich für viele weitere Jahrhunderte gesichert. Am 15. Dezember 2001 war es soweit. Der Turm wurde wieder für Besucher geöffnet. Gleichzeitig waren die Eintrittspreise saftig angehoben worden. Aber es lohnt allemal, den Turm zu besteigen. Denn der Titel: Schiefer Turm von Pisa bleibt und gilt weiterhin!

Schiefer Turm von Pisa: Er ist fast gerade!
Schiefer Turm von Pisa: Er ist fast gerade!

Fazit

Der Schiefe Turm von Pisa, ein europäisches Monument und Wahrzeichen des Kontinents, ist gerettet und die Frage kann klar beantwortet werden: Ja, er stand und steht ganz schön schief. Es kommt immer darauf an, wie man den Turm fotografiert.

Neigt man die Kamera um 4 Grad, dann ergibt sich der ‚gerade Turm von Pisa‘ und wie das folgende Bild zeigt, ist er zwar dann immer noch schön, doch wir können froh sein, dass er Turm schief steht und so eine der beliebtesten Sehenswürdigkeiten Italiens bleiben wird:

Schiefer Turm von Pisa ist gerade!
Schiefer Turm von Pisa ist gerade!
Schiefer Turm von Pisa: Details
Schiefer Turm von Pisa: Details
Schiefer Turm von Pisa hinter der Kathedrale
Schiefer Turm von Pisa hinter der Kathedrale

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