Quaqortoq der grösste Ort in Südgrönland

Qaqortoq auf Grönland
Qaqortoq auf Grönland

Obwohl Quaqortoq nur rund 3100 EInwohner hat, ist es der größte Ort in Südgrönland. Zugleich ist es Bildungszentrum in dieser Region der größten Insel der Welt. Es gibt ein Gymnasium, eine Handelsschule und eine Hochschule. Größte Arbeitegber im Ort sind die Werft und die einzige Gerberei der ganzen Insel. Der Reiz für Kreuzfahrer liegt in Quaqortoq jedoch ganz wo anders. Das erleben die Gäste von MS OCEAN MAJESTY an diesem erneut sonnigen Tag schon früh am Morgen als das Schiff durch den langgestreckten Fjord Kurs auf den ort nimmt. Umgeben von arktischer Landschaft, die keineswegs so karg und farblos ist wie der Volksmund es behauptet, liegt die Stadt mit ihren bunten Häusern, verteilt auf mehreren Hügeln.

Neustadt von Qaqortoq
Neustadt von Qaqortoq

Als Kapitän Ioannis Papangelis den Anker fallen lässt steht die Sonne schon hoch am Himmel und es ist 10 Grad warm…für grönländische Verhältnisse hochsommerlich. Die schiffseigenen Tenderboot kommen zum Einsatz und in einer kurzen Fahrt geht es an Land. An der Pier angekommen werden die Passagiere von MS OCEAN MAJESTY neugierig in Augenschein genommen. Nun ist es nicht so, daß man in Quaqortoq keine Touristen gewöhnt ist, im Gegenteil. Der Ort gehört zu den am meisten besuchten Zielen in ganz Grönland. Aber im Juli sind in Grönland Sommerferien und für die Kinder und Jugendlichen ist ein ankommendes Kreuzfahrtschiff eine willkommende Abwechslung im Plan der Ferienaktivitäten.

So sind zwei Duzend Kinder zur Stelle, singen Lieder, schlagen die grönländische Trommel und fragen nach dem Vornamen des einen oder anderen Besuchers. Wer jetzt denkt, es handle sich um klassisches Betteln – der irrt! Es ist wirklich Neugier – kein einziger Grönländer hat mich während meiner 10 Grönlandreisen jemals nach Geld oder Souvenirs aus meinem Heimatland gefragt. Vielmehr stehen Fragen wie man nach Grönladn gekommen ist und warum im Vordergrund. Hoffen wir, daß es noch lange so bleibt.

In Quaqortoq trifft Geschichte die Moderne

Rasmussen-Zimmer-in-Qaqortoq
Rasmussen-Zimmer-in-Qaqortoq

Der heutige Ausflug der Gäste bietet einen Stadtrundgang zu Fuss und eine wirkliche Besonderheit. Im Verlauf des Rundgangs sollen die „Köstlichkeiten“ aus der Grönländischen Küche angeboten und probiert werden. Für mich als Vegetarier zunächst ein Gedanke, der mich erschaudern lässt – denn Robbe oder Walfleisch oder gar rohe Fischleber zu probieren, ist für mich unvorstellbar. Aber wie immer lasse ich es auf mich zukommen. Zunächst tauchen die ersten Häuser im historischen Stadtkern von Quaqortoq auf. Rechts befindet sich ein kleines Museum das wir besichtigen.

Das Innere atmet wirklich Geschichte. Während im roten Salon des Hauses der dänisch/grönländische Polarforscher Knud Rasmussen gastierte, hatten den Blauen Salon 1933 Charles Lindbergh und seine Frau gemietet, um in Grönland mögliche Gelände für Flugplätze zu suchen. Nun wenden sich alle Besucher automatisch nach rechts, denn die historische Kirche mit ihrer grellroten Farbe zieht jeden Besucher an.

Die Kirche in Quqortoq

Kirche-in-Qaqortoq
Kirche-in-Qaqortoq

Der Inuit-Name der Stadt bedeutet die Weiße. Gegründet wurde der Ort 1775 von dem dänischen Fellhändler Anders Olsen. Damals erhielt er zur Ehre der dänischen Königin den Namen Julianehåb. Der alte Ortskern liegt an einem Bach, der vom Tasersuaq See kommt und beim Hafen in einen Fjord mündet. Dieser ist zur Labradorsee hin geöffnet. Die Kirche entstand noch vor dem Ende des 18. Jhs. Bemerkenswert ist der Gedenkstein vor dem Gotteshaus. Er erinnert an den Hans Egede, den dänischen Missionar und an Gertrud Rask, seine Frau. Der Missionar wird heute gern der ‚Apostel der Grönländer‘ genannt.

Seine Frau arbeitete als Krankenschwester und versorgte die Inuit, die nicht zuletzt durch eingeschleppte Krankeiten ihrer Hilfe bedurften. Überall in Grönland befinden sich Denkmäler und Gedenkstätten zu Ehren des Ehepaars. Das Innere der Kirche ist in den Farben Blau und Weiß gehalten und besitzt viele Bilder und Gedenkplaketten zu Ehren Verstorbener.

Ein Blick in die grönländische Küche

Grönlands kulinarische Spezialitäten
Grönlands kulinarische Spezialitäten

Nun war es soweit. Die „grönländischen Köstlichkeiten“ warteten auf uns. Der erste Haus am Platze ist ein Cafe. Der Name täuscht, denn im Inneren entpuppt es sich als Restaurant. Der Küchenchef, ein Inuit, wie er im Buche steht, begrüßte die Gäste der OCEAN MAJESTY persönlich zum kleinen aber feinen „Eskimo-Buffet“….ein Wort, daß der Koch zum Erstaunen aller selbst in den Raum warf. Obwohl wir alle in der Schule gelernt haben, man müsse Inuit sagen, sehen die Einwohner Grönlands das sehr liberal.

Auf meine Nachfrage, ob dieses Wort, das im Allgmeinen als „Rohfleischesser“ übersetzt wird, nicht diskriminierend sei, antwortete der Chef mit der Aussage, daß neue Forschungen erwiesen hätten, daß die eher wahrscheinliche Bedeutung „Schneeschuhflechter“ sei und man deshalb kein Problem mit dem Wort habe.

Nun waren wir alle neugierig, was denn auf dem Menüplan stand. Auf einem Tisch vor uns waren die Speisen ansprechend und appetitlich aufbereitet. Da gab es eine kalte Waldbeerensuppe, eingelegten Rhabarber, einen Waldbeerensalat, Eine grönländische Fischsuppe und in Gulaschform zubereitetes Rentier, Moschusochse und Robbe. Alle griffen beherzt zu und das Echo war mehr als erstaunlich. Allen schmeckte es hervorragend und der Koch erntete lang anhaltenden Applaus der Gäste.

Die alte Werft in Qaqortoq

Alte Werft in Qaqortoq
Alte Werft in Qaqortoq

Nach dieser Pause besuchten wir den alten Hafen, der eine der größten Werften Grönlands besitzt und die einzige Gerberei der Insel. Nur hier werden unter strengen Auflagen Robben- und Eisbärfelle verarbeitet und mit Zertifikaten der Regierung versehen legal in alle Welt verschickt. Alle waren erstaunt wie aufwendig der Prozess der Fellverabeitung- und Veredelung ist. Zu Recht kosten die Felle eine schöne Stange Geld, denn hier ist alles nich Handarbeit. Wer im Anschluß noch mehr von Quaqotoq sehen wollte konnte die zahlreichen Läden zum Einkaufen nutzen. Typische Souvenirs sind die Tupilaks, jene Figuren aus Walknochen, die früher als Geisterfiguren für religiöse oder animistische Zeremonien genutzt wurden und nicht selten den Ihnen zugedachten Personen einen Fluch überbrachten.

In Quaqortoq erlebten wir erstmals währned dieser Reise wie in Grönland noch heute die uralten Traditionen der Inuit, die Geschichte der Missionare und die Neuzeit aufeinandertreffen. Grönland ist in seinen Ortschaften ganz anders, als es alle an Bord von MS OCEAN MAJESTY erwartet hatten.

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