Lagunas Blanca und Verde, Laguna Colorada

An der bolivianischen GrenzeHallo, alle zusammen

In meiner Rückschau auf meine Südamerikareise des Jahres 2012 entführe ich Euch heute in den Altiplano Bolivens. Hier der Bericht von damals:

Ich grüße Euch aus Bolivien. Auch wenn es kaum jemand glauben wird, es ibt hier ausser in den Städten, kein Telefon, kein Handynetz und schon gar kein Internet. Jetzt entsteht dieser Bericht in meinem Hotel. Hier gibt es ein ganz langsames W-Lan.

Zuletzt verließ ich San Pedro de Atacama, den Hauptort der Atacamawüste. Mit einem 4-Rad getriebenen Wagen ging es auf der gut ausgebauten Strasse Richtung bolivianische Grenze. Mein GPS-Höhenanzeiger ließ keinen Zweifel zu: Jetzt geht es richtig los mit dem Altiplano. An der Stelle, wo der Asphalt aufhörte, waren es noch 5 km. Von nun an fuhr ich 5 Tage lang kein enziges Mal mehr auf einer asphaltierten Strasse.

Im Altiplano BoliviensDer Altiplano verfügt nur über Pisten und diese sind auch nur mit einem 4Rad-Getriebe zu bewältigen. Hatte ich mich gerade mit meinem Fahrer Miguel angefreundet, offenbarte er mir, daß er nicht derjenige sei, der mit durch Boivien bringen werden. Diesen Fahrer würde ich an der Grenze treffen. Diese kam nun langsam in Sicht. Eine Betonhütte, eine Staatflagge vor der Tür und zwei Duzend Fahrzeuge, die auf ihre Passagiere warteten. Der bolivianische Staat gestattet es nur einheimischen Fahrern, ausländische Gäste zu chauffieren. Und das ist, wie ich im Nachhinein sagen kann, eine weise Bestimmung.

Doch zuerst musste ich einreisen. In der besagten Hütte sass ein wichtig aussehender Beamter mit Stempeln und Zetteln. Jeder muss die Einreisekarte ausfüllen und dann seinen Pass vorlegen. In diesen wird ein 30tägiges Visum gestempelt, daß zu mehreren Ein- und Ausreisen in das Land berechtigt.
Als alles gut überstanden war, erwarteten mich vor der Tür bereits mein Fahrer Abel und Jaime ein Reiseleiter aus Chile, den ich mir persönlich als Begleiter gewünscht habe und den ich schon seit Jahren kenne. Das Gepäck verstaut, Wasser überprüft (das wichtigste (Über)Lebensmittel) im Altiplano und etwas zu essen war auch dabei. Nun folgte das Briefing des Fahrers. Er verkündete, daß heute ein harter Tag bevorstehe und das zunächst zwei Lagunen und danach, ein Ort namens Sol de Mañana, die Laguna Colorada und schliesslich noch der Steinbaum besichtigt würden.

Laguna Blanca in BolivienIch freute ich auf alles – denn das war es, was ich schon immer einmal sehen wollte.Und dann erlebte ich an diesem Tag Bilder, von denen ich nicht glauben konnte, daß sie wirklich auf dieser Welt existierten. Den Anfang machten die Weisse und die Blaue Lagune. Beide liegen auf über 4000 m Höhe. Ich habe mich mittlerweile gut aklimatisiert, dennoch: jeder Schritt will überlegt sein. Solche Höhen sind für den Körper immer Stress und man muss ihm etwas nachgeben, sonst gibt es ernste Probleme. Die weisse Lagune war noch zugefroren, kein Wunder, denn die Nachttemperaturen liegen derzeit bei -15 Grad. Davor habe ich keine Angst, denn sobald die Sonne aufgeht kann man die dicken Kleidungsstücke ablegen und ein einfacher Pullover reicht aus.

Danach ging es zu den Pollque Thermalquellen. Es ist schon ein seltsamer Anblick: Ein Freischwimmbad auf 4300 m Höhe, Lufttemeratur 6 Grad, Wassertemperatur 25 Grad. Was will man mehr?
Die eigentliche Bewährungsprobe stand nun auf dem Programm. Immer höher schraubete Abel der Fahrer den Wagen, das GPS ratterte immer weiter und zeigte schliesslich eine Höhe an, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Der höchste Punkt meiner Reise war erreicht. Ein einfacher Steinhaufen markiert in einer archaischen Landschaft 5000 m Berghöhe! Mir ging es gut, ich hatte es geschafft! Dennoch: Hier sollte keiner versuchen den Helden zu spielen Nach drei Schritten ist man kurzatmig und der mangelnde Sauerstoff macht sich durch viele kleine Zipperlein bemerkbar. Ich erinnerte mich an die Worte meiner Ärztin: "Wenn Sie dauerhaften Schwindel, Doppelbilder, Schüttelfrost oder Orientierungslosigkeit bemerken…dann muss gehandelt werden. Das sind die ersten Symtome der äusserst gefährlichen und nicht selten tödlichen Höhenkrankheit. Doch all das hatte ich nicht. Die Aklimatisation in San Pedro de Atacama auf 2300 m hatte sich bezahlt gemacht.

Sol de Manana. Hier kocht die ErdeNach 15 Min. Fahrt erreichten wir Sol den Mañana. Das geothermische Gebiet gehört zu den aktivsten und unberechenbarsten der Welt und fordert immer wieder Menschenleben. Daher geht mein Fahrer voraus. Abel ist in dieser Region geboren, aufgewachsen und kennt alle Stätten, Wege und Gefahren genau,
Die Farben, die Hitze, der Geruch und die Geräusche der Schlammlöcher und Fumarolen sind ein fesselndes Naturerlebnis und jeder Reise wert. Abel fährt eine kerzengerade Strecke mit dem Wagen und am Horizont taucht ein roten Strich auf. Dieser wir immer breiter und schliesslich ist sie erreicht. Boliviens Laguna Colorada, die schönste Lagune des Landes. Das Wasser der Laguna wird durch eine Algenart blutrot gefärbt. Genau dieser Farbstoff ist es, den die Flamingos bauchen um ihr Gefieder zu entwickeln. So weit das Auge reicht Vögel in rosa, ein tiefrotes Wasser und eine atemberaubende Berglandschaft.

Arblo de Piedra im Altiplano BoliviensBevor es ins Hotel geht nach diesem langen Tag, halten wir am Abol de Piedra, dem Steinbaum. Die Steinformation erhebt sich unweit der Strasse und wirkt tatsächlich wie ein Baum. Gleich mehrere dieser urzeitlichen Ungetüme lassen sich ier bewundern. Die Landschaft hier wirkt archaisch, weit weg von der Zivilisation auch unnahbar und doch einzigartig. Das spürt man als Reisender sofort beim Anblick dieser gewaltigen urzeitlichen Formationen, die durch die starke Erosion in den Hochanden gezeichnet sind. Der erste Tag in Bolivien offenbarte mir ein einfaches, armes aber sehr freundliches Land mit einer unbeschreiblichen Vielfalt an Natur.


Euch allen für heute herzliche Grüße aus 5 km Höhe, dem Altiplano.

Peter Jurgilewitsch

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