Die Inseln Mull und Staffa, Schottland

Tobermory auf der Insel Mull
Tobermory auf der Insel Mull

Der 6. Tag unserer Kreuzfahrt ‚Zum Königreich der Vielfalt‘ beginnt und ich stelle fest, daß der Titel der Reise richtig gewählt wurde. Der heutige Tag verspricht viel Interessantes, denn zunächst besuchen wir die Insel Mull und nach kurzer Fahrt steht auch noch eine Visite auf der Insel Iona an.
Die Insel Mull entstand durch die Erosion. Sie besteht aus Basalt, der durch die Gewalten der Natur in den letzten 30-40 Millionen Jahren in seine heutige Gestalt gebracht wurde. Auf der Insel leben 3500 Menschen. Die Clans der Mc Leans und Campbells regierten über Jahrhunderte auf der Insel und hinterließen ihre Spuren. Reizvoll ist besonders auch die kleine Inselhauptstadt Tobermory. MS Europa liegt auf Reede vor der Inselküste und mit den schiffseigenen Tenederbooten geht es an Land zu einer Inselrundfahrt nach Duart Castle.

Mull, das farbenfrohe Schottland

Überraschend farbenfroh empfängt uns die Inselmetropole. Kein Geringerer als der berühmte britische Architekt und Bauingenieur Thomas Telford, der für seine wohldurchdachten Problemlösungen im Brückenbau bekannt wurde, schuf das Stadtbild. Er berücksichtigte dabei die Lage der Insel und sorgte dafür, daß die Stadt alle Annehmlichkeiten besitzt, die in einer recht einsamen Gegend wie eine solche Insel sie darstellt, verfügbar sind. Besonders die Ausrichtung ins Sonnenlicht und das Vorhandensein von Wasser hatte er im Blick. Der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy weilte auf Mull und schrieb angesichts der herrlichen Landschaft seine Hebriden-Overtüre.

Der Herrschaftssitz Duart Castle

Duart Castle auf Mull
Duart Castle auf Mull

Duart Castle war ab dem 13. Jh. der Sitz des McLean-Clans.Im späten 17. Jahrhundert wurde es von Archibald Campbell übernommen. 1751 wurde das Schloss von den MacLeans zurückgekauft und 1911 restauriert. Duart Castle war 1999 Drehort des Filmes Verlockende Falle mit Sean Connery und Catherine Zeta-Jones. Wir besuchen die Anlage, die derzeit vom Schlossherr selbst restauriert wird und erleben, daß die Zeit im Inneren stehengeblieben zu sein scheint. Alles ist etwas morbit und wirkt als habe man es seit Hunderten von Jahren nicht mehr angetastet. Die Aussicht von den Zinnen des Castles gehört zu den schönsten auf Mull.

Urgeschichte vor Staffas Küsten

MS EUROPA verlässt Mull in Richtung Iona und Kapitän Mark Behrend verkündet durch die Bordlautsprecher, daß er uns ein zusätzliches Reiseerlebnis anbieten wird. Auf dem Weg nach Iona wird an der Hebrideninsel Staffa gestoppt. Staffa gehört zu den Inneren Hebriden. Bereits die Wikinger kannten die Insel. Der Name Staffa leitet sich von ihrem Wort für „Insel der Säulen“ ab. Die Insel ist nur 200 mal 600 Meter groß und unbewohnt. Auf Staffa gibt es sechseckige Säulen aus Basalt, die sich beim Erkalten von Lava formten. Die geologische Ursache für diese Formen wird in einer großen unterirdischen Explosion gesehen, die vor rund 60 Millionen Jahren stattfand. Diese Säulen setzen sich unter dem Meer bis nach Nordirland zur Giant’s Causeway fort.

Basaltsäulen an der Küste der Insel Staffa
Basaltsäulen an der Küste der Insel Staffa

Die Insel kommt gegen 14.30 Uhr in Sicht und der Kapitän legt MS EUROPA vor die berühmte Fingalshöhle, die durch die Kraft der Wellen geformt wurde. Sie ist 80 Meter lang und 10 Meter breit und wurde nach dem von dem Schriftsteller James Macpherson erfundenen keltischen Sagenhelden Fingal benannt. Wir erleben die spektakuläre Felskulisse hautnah bei herrlichem Wetter.

Im 19. Jahrhundert reisten zahlreiche bekannte Persönlichkeiten nach Staffa. Unter ihnen waren Königin Victoria und ihr Gatte Prinz Albert. William Turner kam nach Staffa, um dort zu malen. William Wordsworth erforschte die Insel und die Höhle inspirierte Felix Mendelssohn Bartholdy nach seinem Besuch 1829 zu seiner Hebriden-Ouvertüre. Auch Theodor Fontane besuchte auf seiner Schottlandreise im Sommer 1858 die Insel.

Die geheimnisvolle Insel Iona

Die Abtei auf der Insel Iona
Die Abtei auf der Insel Iona

Zu den seltenen Kreuzfahrtzielen gehört ein Besuch auf der Insel Iona. Sie ist nur 6 km lang und maximal 2,5 km breit, gehört aber zu den historisch bedeutsamsten Inseln der Hebriden. Hier war es, wo 563 n. Chr. ein Unbekannter Ire, der später unter dem Namen Columba als ein heiliger Missionar in die Geschichte eingehen sollte, sein erstes Kloster erbaute. Fortan war die Abtei Iona ein Ort der Kunst und der Bildung. Auf Iona wurde das berühmte Book of Kells geschrieben und gelangte auf verschlungenen Wegen nach Dublin. Wir verbringen einen Nachmittag auf der malerischen Insel und besuchen die Abtei, die 1938 rekonstruiert wurde. Hier sind der Kreuzgang, das Museum und die Abteikirche sehenswert. Das Innere der Kirche auf Iona besitzt eine wertvolle Holzdecke und zahlreiche Grabmäler aus verschiedenen Jahrhunderten. Der Kreuzgang mit seinen über 100 Säulenpaaren besticht durch eine einzigartige Symmetrie.

Die Galerie auf MS Europa

Mein heutiges Europa Detail befindet sich auf dem Europa Deck (Deck 4). MS Europa besitzt als eines der wenigen Schiffe einen eigenen und vollständig ausgestatteten Galerieraum. In ihm finden regelmäßig Ausstellungen namhafter Künstler statt sowie Malkurse und Workshops. Besonders reizvoll an der MS Europa-Galerie ist die Tatsache, dass sowohl das Tageslicht den Raum erhält als auch auf die Bilder ausgerichtetes Scheinwerferlicht. So erstrahlen die Farben in ihrer ganzen Pracht.

Galerie auf MS Europa
Galerie auf MS Europa

Dieser Reisetag auf MS Europa Wein Höhepunkt der Reise. Gleich drei Hebrideninseln konnten wir besuchen darunter zwei wirkliche Reiseraritäten, die üblicherweise nur von Expeditionsschiffen oder den einheimischen Booten angesteuert werden. Morgen erreichen wir die nordirische Hauptstadt Belfast und ich bin sicher das der Besuch am Weltnaturerbe Giant Causeway wieder etwas ganz besonderes werden wird. Vielleicht sind sie ja wieder in Gedanken mit dabei und lesen den dann erscheinenden Reisebericht.