Eine der prächtigsten Kirchen der Welt ist der Markusdom in Venedig. Seine Fassade beherrscht den Markusplatz und der zu ihm gehörende Glockenturm, der ‚Campanile‘ ist das Wahrzeichen der Lagunenstadt. Keiner, der nach Venedig kommt, kann sich dem Reiz dieses Kunstwerks entziehen. Der Dogenpalast, der Campanile, der Markusplatz mit den lang gestreckten Fassaden der Prokuratien – ehemalige Verwaltungsgebäude der Republik – und nicht zuletzt der Markusbasilika bilden ein einzigartiges architektonische Ensemble, das weltberühmt ist und tausend Jahre der Stadtgeschichte Venedigs repräsentiert.

Der Markusdom und seine Geschichte

Der heutige Markusdom ist die vierte Kirche an dieser Stelle. Alles begann im 9. Jahrhundert, als Seefahrer die Gebeine des Apostels Markus in Form von Reliquien nach Venedig brachten. Der Doge Giovanni I. Particiaco entschied sich damals für den Bau einer neuen Palastkapelle, um dieses wertvolle Gut aufzunehmen und den Gläubigen einen Ort der Verehrung zu schaffen. In der Folge wuchs die Bedeutung Venedig rasch an. Zum einen war es der wachsende Handel und die Expansion der Stadt in nahezu alle Länder rund um das Mittelmeer, zum anderen kamen die Menschen als Pilger in die Lagunenstadt, um die Reliquien in der Markuskirche anzubeten.

Nach einem Feuer, das die Kirche zerstörte, entstand die zweite Kirche und nicht zuletzt durch den immer größer werdenden Andrang der Pilger der heutige Markusdom zwischen 1063 und 1094 im Auftrag des Dogen Domenico Contarini, der das Gotteshaus stiftete.

Im 13. Jahrhundert erfolgte ein Umbau und zugleich die Vergrößerung der Basilika. Im Zuge der Arbeiten wurden die Kuppeln erhöht, die Westfassade neu gestaltet und die Vorhalle in byzantinischem Stil hinzugefügt. Noch bis ins 17. Jahrhundert hielten die Arbeiten an, bis der heutige Dom fertiggestellt war. Dieser wurde 1807 zur Kathedrale erhoben.

Der Markusdom und sein Äußeres

Wer einen genaueren Blick auf den Markusdom wirft, erkennt sofort orientalische Züge in seiner Gestaltung. Letztlich ist es venezianisch-byzantinischer Stil, der das Äußere des Doms bestimmt. Fünf Kuppeln und fünf Rundbogenportale mit prachtvollen Mosaiken und die riesigen Bronzepferde machen die Fassade einzigartig in Europa. Bemerkenswert ist das Mosaik mit der Darstellung von Jesus Christus als Weltenrichter beim Jüngsten Gericht. Die Südseite, die sich in Richtung Dogenpalast wendet, zeigt die Statuen der Tetrachen. Dabei dürfte es sich um die römischen Kaiser Diokletian, Maximian, Constantin I. und Galerius handeln. Die Figuren kamen 1204 durch einen Raubzug aus Konstantinopel nach Venedig. Die Hauptfassade ist in zwei Stockwerke geteilt.

Doch das auffälligste Element der ganzen Fassade ist das Relief des Markuslöwen unterhalb der Statue des heiligen Markus. Der Löwe ist seit jeher eines der Staatssymbole der Republik Venedig gewesen.

Der Markusdom und sein Inneres

Kaum eine Kirche weltweit ist derart prächtig und wertvoll ausgestattet wie der Markusdom. Dies ist einem Erlass des Dogen Domenico Selvo aus dem Jahr 1075 zu verdanken. Das Dokument verpflichtete jeden Seefahrer, der mit seinem Schiff nach Venedig kam, ein kostbares Schmuckstück zu Ehren des heiligen Markus dem Dom zu überbringen. So entstand eine der größten Ansammlungen von Kunstwerken aus allen Teilen Europas und des Orients an einem Ort. Der Dom ist dreischiffig und die mit Mosaiken bedeckten fünf Kuppeln setzen den grandiosen Eindruck des Äußeren im Inneren fort.

Die Mosaiken stammen überwiegend aus dem 12. und 13. Jahrhundert und haben eine Fläche von rund 8000 m². Kunstwerke von Tintoretto, Veronese und nicht zuletzt Tizian sind darunter. Sie entstanden zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert. So bietet der Markusdom einen Bilderzyklus zum Leben Jesu Christi, der einzigartig ist.

Die Gebeine des Apostels Markus befinden sich im Hochaltar. Dahinter sieht man eines der bedeutendsten Meisterwerke des Markusdoms, die Pala d’Oro. Es handelt sich um eine goldene Altartafel aus dem 10.-13. Jahrhundert. Die unglaubliche Anzahl von 2486 Juwelen, 526 Perlen, 330 Granaten, 320 Smaragden, 255 Saphire und weitere Edelsteine sind hier auf 3,45 m Breite und nur 1,40 m Höhe zu bestaunen. Weitere besondere Kunstwerke im Markusdom sind die Ikonostase mit der Darstellung der Apostel, Maria und Johannes, die Doppelkanzel aus dem 14. Jahrhundert und das Triumphkreuz von 1394, das Dalle Masegne geschaffen hat.

St. Markus – ein Zentrum der Musikgeschichte

Die Kirchenmusik an St. Marco stand schon immer im Mittelpunkt der europäischen Musikgeschichte. Kein Wunder also, dass einige der bekanntesten Komponisten unseres Kontinents hier tätig waren. Dazu gehören Adrian Willaert, Cypriano de Rore, Gioseffo Zarlino, Claudio Merulo, Andrea Gabrieli, Giovanni Gabrieli, Giovanni Croce, Claudio Monteverdi und Francesco Cavalli. Eine Musikrichtung ist bis heute aber vor allem mit dem Markusdom verknüpft: die venezianische Mehrchörigkeit. Mit dieser Gattung sind Namen wie Giovanni Gabrieli und Claudio Monteverdi verbunden. Diese Mehrchörigkeit bezieht sich nicht nur auf die menschliche Stimme d. h. den Chorgesang, auch die instrumentale Mehrchörigkeit wurde in Form von Canzoni für 8-15 Stimmen am Markusdom zur Perfektion gebracht und hier aufgeführt.

Hinzukommen Werke wie die Sacrae Symphoniae von 1597, in denen Giovanni Gabrieli 45 Motetten für 6-16 Stimmen zu einem einmaligen Klangkörper komponiert hat. In der Marienvesper von Claudio Monteverdi aus dem Jahr 1610 gipfelte die Mehrchörigkeit und der antiphonale Gesang in einem gewaltigen Werk, das wie geschaffen für die Dimensionen des Markusdoms in Venedig erscheint.

Fazit

Ein Besuch in Venedig, ohne auch den Markusdom zu besichtigen, wäre unvollständig. Es ist ein Muss sich diese Kathedrale, die sicher zu den schönsten der Welt zählt anzuschauen, auch wenn die Warteschlangen vor dem Dom in den Zeiten des Massentourismus manchmal dazu führen, dass sich der eine oder andere von einem im Inneren Abstand nimmt, ohne zu ahnen, welche Schönheit er damit verpasst.