Capri und die Amalfiküste

Wenn bei Capri die rote Sonne…

Sonnenaufgang vor Capri
Sonnenaufgang vor Capri

…wer kennt nicht diesen Satz aus dem weltberühmten Lied, das in den 60er Jahren Rudi Schurike sang und damit damit das Fernweh bei den Deutschen weckte? Italien wurde zum Inbegriff des Reisens und jeder wollte einmal die rote Sonne im Meer vor der Insel im Golf von Neapel versinken sehen. Heute am 3.11.2015 um 6.30 Uhr am Morgen wird dieser Traum für die Gäste von MS EUROPA wahr. Allerdings in umgekehrter Reihenfolge…alle stehen an Deck und warten auf das erste Tageslicht und den Sonnenaufgang.

Diese Kreuzfahrt mit MS EUROPA übertrifft bisher alles, was man sich als Passagier einer Reise im Westlichen Mittelmeer Anfang November erhoffen konnte. Nun beginnt der 4 Tag, der völlig wolkenlos zu werden verspricht. Der Wetterbericht sagt Temperaturen bis 25 Grad voraus, was um diese Jahreszeit selbst für Süditalien rekordverdächtig ist. Doch zurück nach Capri und in das langsam aufgehende Tageslicht. Kapitän Mark Behrend manövriert die EUROPA entlang der Küste der Insel Capri, ein Bonbon von der Brücke am frühen Morgen. Da braucht man nicht viele Worte zu machen!

Die Amalfiküste

Die Amalfiküste
Die Amalfiküste

Nach diesem ersten Höhepunkt begeben wir uns heute auf eine Tagesfahrt entlang des schönsten und zugleich bekanntesten Küstenabschnitts in Italien, der Küste von Amalfi. Wir sind gespannt auf die landschaftlichen Schönheiten der Halbinsel von Sorrent, die beeindruckenden Küstenorte mit ihren Terrassen und luxuriöse Villen in atemberaubender Lage. Was im Sommer unerträglich heiß ist und vor allem von Touristen überlaufen präsentliert sich uns heute von der schönsten Seite.

Die enge Bergstraße mit ihren Haarnadelkurven ist gut befahrbar, die Orte wie Positano, Amalfi und Ravello wirken ruhig und entfalten ihren Charme, den schon Johann Wolfgang von Goethe bei seiner Italienreise zu preisen wusste. Es beginnt mit einer einstündigen Fahrt die angefüllt ist mit einzigartigen Ausblicken auf die Küste und das Mittelmeer. Unser Busfahrer Umberto leistet dabei Übermenschliches, denn die Haarnadelkurven sind schon mit einem PKW nicht ohne….mit einem Bus eine Meisterleistung. Was die amafinische Küste zwischen Neapel und Amalfi zu bieten hat, ist Italien aus dem Bilderbuch und jedes Bild könnte eine Postkarte werden.

Positano lässt grüssen

Blick auf Positano an der Amalfiküste
Blick auf Positano an der Amalfiküste

Unsere Reiseleiterin zittiert den italienischen Wetterbericht. Dieser spricht von einer Fernsicht, die bei knapp 60 km liegt. Und tatsächlich! Wir sehen von Amalfi aus die Faraglioni vor der Küste Capris ganz klar. Welch ein Reiseglück! Unser erster Halt ist oberhalb des Ortes Positano. Der Ort ist aus einem kleinen Fischerdorf entstanden, dessen historischer Ortskern gut erhalten ist. Hier leben nur knapp 4000 feste Einwohner.

Im Jahr kommen aber rund 1,6 Millionen Touristen hinzu. Die Aussicht von der Felsterasse auf die Dächer tief unten an der Küste ist atemberaubend. Wir verlassen Positano und fahren direkt nach Amalfi. Die Stadt liegt an einer steilen Felsenküste, die ihren Namen von der Amalfiküste ableitet, die von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt wurde. Sie erstreckt sich von der Küste in ein enges Tal der Monti Lattari hinein, die die Halbinsel von Sorrent einnehmen. Die eigentliche Stadt kann nur eine Fläche von rund 3 km² zur Bebauung nutzen. Der Rest des Stadtgebiets erstreckt sich auf steilen Felsvorsprüngen und engen Plateaus

Der Dom zu Amalfi

Der Dom in Amalfi
Der Dom in Amalfi

Der prachtvolle Dom stammt aus dem 10. Jh. Im 13. Jh. wurde er in den arabisch-normannischen Stil umgewandelt. Im 18. Jahrhundert erhielt der Dom die farbige Mosaikfassade und wurde 1891 nach den Entwürfen des Architekten Enrico Alvino fertiggestellt. Wir stehen vor der gewaltigen Freitreppe und lassen uns von der Wucht dieses Bauwerks aber auch von seiner kunstvollen Gestaltung anstecken. Das Gesamtbauwerk des Doms besteht aus dem Paradieskreuzgang, der Kruzifixbasilika, der Krypta und der eigentlichen Kathedrale. Der als ‚Paradies‘ bezeichnete Kreuzgang gehört zu den eigenwilligsten Schöpfungen des 13. Jhs.

Seine schmalen weißen Säulen sind in Form einer Zwerggalerie angelegt und enden nicht inden sonst üblichen Kapitellen sondern in gotischen Spitzbögen. Auffallend ist die Enge mit der die Säulenpaare hintereinander angeordnet sind. Das Licht des Hofes fällt indirekt in den Gang und beleuchtet ihn einem beeindruckenden Licht.

Amalfis Dom von Innen

Der Dom in Amalfi innen
Der Dom in Amalfi innen

Der Innenbau der Kathedrale (Cattedrale di Sant’Andrea) wurde dreischiffig angelegt. In seiner Krypta werden die Gebeine des Apostels Andreas, des Schutzpatrons von Amalfi, aufbewahrt. Zu den schönsten Kunstwerken im Dom gehört die prachtvolle Barockdecke und die mit Marmor verkleideten Säulen des Mittelschiffs. Die Kirche gehört ebenfalls zum Weltkulturerbe und ist eine der schönsten Domkrichen ganz Italiens. Nachdem wir Amalfi verlassen haben führt unser Weg nach Ravello und in die Villa Rufolo. Sie war und ist ein kulturelles Zentrum der gesamten Amafiküste. Sie entstand im frühen 13. Jh. und wurde im 19. Jh. umgebaut.

Bauherr war die einflussreiche und wohlhabende Familie Rufolo. Die Rufolos stammten ursprünglich aus Rom und besaßen eigene Schiffe und Banken in Apulien und auf Sizilien. Im 14. Jh. war König Robert von Anjou Gast in der Villa. Diese ging danach durch die Hände weiterer Familien wie den Confalone, Muscettola und den d’Afflitto.

Villa Rufolo in Ravello

Garten der Villa Rufolo in Ravello
Garten der Villa Rufolo in Ravello

Im Jahr 1851 wurde die Villa an den schottischen industriellen Francis Neville Reid verkauft, welcher eine grundlegende Umgestaltung vornahm. In dieser Form sind die Villa und der Garten noch heute zu besichtigen. In den Gärten der Villa fand Richard Wagner 1880 die Inspiration für das Bühnenbild des 2. Aktes (Klingsors Zaubergarten) seiner Oper Parsifal. Auch andere Musiker wie Edvard Grieg und Giuseppe Verdi waren in den Gärten zu Gast und hatten Ideen, die sie später in weltbekannten Werken der klassichen Musik umsetzten.Beeindruckend sind vor allem die im 19. Jahrhundert angelegten Gärten.

Rund um die Villa ist der Garten eher geschlossen mit vielen kleinen Bauten gestaltet. Wir genießen von der Gartenterasse aus einen unvergesslichen Blick auf die Amafliküste und erahnen welche Mühe der Bau der Anlage in schwindelnder Höhe gemacht haben muss. Mit letzten Blicken auf den Domplatz, die Kathedrale und die Kirchen Ravellos verlassen wir diese Landschaft, die uns noch lange im gedächtnis beliben wird….denn schöner als heute bei warmen Temperaturen, klarer Sicht und den Vorzügen der Nebensaison, kann man die Küstenorte der Amalfi-Region nicht erleben.

Morgen sind wir in Palermo auf Sizilien und werden die Stadt zu Fuss erkunden. Vielleicht lesen Sie wieder mit? Ich würde mich freuen, wenn Sie an den Bildern ebenso viel Freude haben wie wir alle, die sie heute live erleben durften.

Von Bord der MS EUROPA grüße ich Sie herzliche

Peter Jurgilewitsch