Antigua Guatemala – spanisches Kolonialerbe in Mittelamerika

Antigua Guatemala ist eine der bedeutendsten Städte in Mittelamerika. Am Fuße des Vulkans Agua gelegen, der immer wieder durch seine Ausbrüche das Leben und die Geschichte der Stadt beeinflusst hat, wurde die ehemalige Hauptstadt des Königreichs Guatemala 1543 von den Spaniern gegründet. Nirgendwo sonst in dem mittelamerikanischen Land sind so viele Zeugnisse der spanischen Kolonialzeit erhalten geblieben, wie in Antigua Guatemala.

Antigua Guatemala – eine Stadt und ihr Schicksal

Für fast 200 Jahre war Antigua religiöses, kulturelles und wirtschaftliches Zentrum Guatemalas. Diese Bedeutung, vor allem für Spanien und seine Interessen in Zentralamerika wird anschaulich durch den überschwänglichen Titel verdeutlicht, den König Philipp II. der Stadt schon 1566 verliehen hatte: ‚Muy Noble y Muy Lelal Ciudad de Santago de los Caballeros de Goatemala‘.

Dass hier der Name des Maurentöters und Apostels Jakobus erwähnt ist, rührt von der Verehrung her, die er in Spanien genoss, wo die Wallfahrt nach Compostela im 16. Jahrhundert einen ihrer Höhepunkte erlebte. Jakobus, der Bezwinger der Mauren, also der Heiden, als Schutzpatron für eine so wichtige Stadt wie Antigua Guatemala, das erschien Philipp II. angemessen.

In der Folge wuchs die neue Hauptstadt Guatemalas rasch und es entstanden alle nötigen Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass es mehr als 50 Kirchen in Antigua gab. Viele dieser Kirchen sind heute Ruinen, zeugen aber davon, welche Bedeutung die Religion, der Katholizismus, für die Spanier und die Bewohner Antiguas hatte.

Doch eine lange und glückliche Zukunft war Antigua Guatemala nicht beschieden. Am 29. Juni 1773, dem Festtag Peter und Paul, erschütterte ein schweres Erdbeben Antigua Guatemala und zerstörte die Stadt nahezu vollständig. Bestreben, die Hauptstadt als Konsequenz aus der Naturkatastrophe zu verlegen, kamen nicht zum Tragen. So blieben die Menschen in der Stadt und bauten sie langsam wieder auf.

Geblieben sind zahlreiche Zeugnisse der einstigen Pracht in Form von herrlichen Bürgerhäusern, Torbögen, Straßen mit Kopfsteinpflaster, Plätzen und Kirchen. 1979 wurde das koloniale Erbe Antiguas von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt.

Ein Rundgang durch Antigua Guatemala

Wer Antigua Guatemala besucht, sollte etwas Zeit mitbringen, denn die Vielfalt der Sehenswürdigkeiten ist einzigartig. Am besten kann man die Stadt zu Fuß erkunden und einen Eindruck davon bekommen, welcher Wohlstand hier einst herrschte.

Plaza Central

Der Hauptplatz von Antigua ist der zentrale Platz. Er ist von bedeutsamen Bauwerken umgeben. Dazu gehört die Kathedrale San José auf der einen Seite und der Palacio de los Capitanes Generales und weitere Verwaltungsgebäude an den Längsseiten des Platzes. In der Platzmitte befindet sich ein barocker Brunnen umgeben von Parkbänken und tropischen Bäumen und Blütenpflanzen.

Ruinen der alten Kathedrale von Antigua

Die alte Kathedrale wurde 1545 begonnen und nach einem Erdbeben 1669 wieder aufgebaut. Die Weihe dieses Gotteshauses erfolgte 1680. Der Architekt war José de Porres, der sie als fünfschiffige Kirche ausgeführt und mit 18 Seitenaltären geplant hatte. Es muss eine prachtvolle Kirche gewesen sein, denn selbst auf den Ruinen sind noch feinste Stuckornamente zu erkennen.

Das Bauwerk galt als das schönste und edelste seiner Zeit. Leider war auch ihm keine lange Zukunft beschieden. Das Erdbeben 1773 hinterließ die Kirche im heutigen Zustand. In einer der Krypten, die noch vom Rauch der Naturkatastrophe gezeichnet sind, wurden mehrere bekannte Persönlichkeiten der Geschichte beigesetzt.

Dazu gehören der erste Bischof der Stadt Francisco Marroquin, der Konquistador Pedro de Alvarado und der Soldat und Geschichtsschreiber Bernal Diaz del Castillo.

Bernal Diaz del Castillo – umstritten aber Zeuge der Geschichte

Man kann nicht Antigua besuchen, ohne auch über Bernal Diaz del Castillo nachzudenken. Er wurde vermutlich 1495 in Spanien geboren und starb am 3. Februar 1584. Er war Konquistador und begleitete Herán Cortés auf seinen Eroberungszügen durch Mittelamerika, die letztlich zum Niedergang der dortigen Hochkulturen führte.

Mit seinem Bericht ‚ Historia verdadera de la conquista de la Nueva España‘ (Wahrhafte Geschichte der Eroberung von Neuspanien) überlieferte er der Welt ein Buch, dass die Geschehnisse, Schlachten und Gräueltaten der spanischen Eroberer aus dem Blickwinkel eines einfachen Soldaten schildert und das bis heute als wichtigste Quelle dieser Zeit in Mittelamerika gilt.

Trotz zahlreicher Änderungen im Manuskript nach dem Tode Castillos, schildert er recht unverblümt deutlich objektiver als andere damalige Autoren die Ereignisse und schont dabei auch nicht das Ansehen seiner Landsleute.

Dennoch gilt Bernal del Castillo als umstritten, da die wahre Beteiligung seiner Person an den Massakern und Schäden, die von den Konquistadoren damals angerichtet wurden, nicht eindeutig zu klären ist.

Darüber hinaus kommt der eigentliche Konquistador, Herán Cortés, durchweg recht glimpflich davon und wird als tapfer und heldenhaft dargestellt. Wie der Eroberer dabei vorging, erfahren wir aus seinen eigenen Briefen an den spanischen König Karl V.:

„Eh es Tag ward, überfiel ich zwei Dörfer, darinnen ich viele Indianer umbrachte, aber ich setzte die Orte nicht in Brand, damit man in den nächsten Dörfern meinen Anmarsch nicht durch das Feuer bemerkte.

Und als es Tag ward, erstürmte ich ein drittes Dorf, das, wie ich später erfuhr, mehrere tausend Einwohner hatte. Das Volk darin lief ohne Wehr und Waffen aus den Häusern heraus, die Weiber und Kinder nackt, alles durcheinander. Anfangs machten wir viele nieder, – als ich aber sah, dass sie keinen Widerstand leisteten, kamen auch schon etliche der Ältesten des Dorfes zu mir und baten mich demütiglich, ich solle ihnen keinen Schaden mehr antun.

Sie wollten sich Eurer Kaiserlichen Majestät ergeben und meine guten Freunde sein, denn sie sähen jetzt wohl ein, dass sie an ihrem Unheil selber schuld wären, dieweil sie meinen Worten nicht hätten wollen glauben.“

Neue Kathedrale San José

Auch die Kathedrale San José auf der Plaza Central war ursprünglich dem heiligen Jakobus geweiht. Erst nach dem Verlust des Bischofssitzes an die heutige Hauptstadt erhielt sie das Patronat des heiligen Josef. Es handelt sich nicht um eine Kathedrale im eigentlichen Sinn, denn die alte Kathedrale wurde beim schweren Erdbeben von 1773 nahezu komplett zerstört, sodass nur noch eine Ruine verblieb. Ein Teil der Kirche wurde wieder errichtet und dann wie eine Pfarrkirche eingerichtet.

Arco de Santa Catalina

Der Bogen von Santa Catalina ist eines der Wahrzeichen von Antigua Guatemala. Er gehört zum ehemaligen Kloster Santa Catalina, das 1609 gegründet wurde. Der Konvent war für damalige Verhältnisse recht groß, denn die Aufzeichnungen belegen, dass mehr als 100 Nonnen hier beteten und arbeiteten. Er wurde 1883 restauriert und seine leuchtend gelbe Farbe und die Uhr gehören zu den am meisten fotografierten Motiven in Guatemala.
Der Bogen ermöglichte es den Nonnen, die in Klausur lebten, die Straße ungesehen zu überqueren, ohne gesehen zu werden, denn ein Teil des Klosters liegt auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Iglesia de Merced

Die bekannteste Kirche in Antigua ist die Kirche La Merced. Sie ist ein Meisterwerk des Barocks und wurde 1767 fertiggestellt. Sie war die Kirche des Mercedarier Ordens in Antigua Guatemala und das einzige Gotteshaus, welches das schwere Erdbeben von 1773, abgesehen von geringfügigen Beschädigungen überstanden hat.

So vermittelt sie mit ihrer churrigueristischen Fassade mit zahllosen Stuckornamenten einen Eindruck von der Pracht der Stadt vor der Zerstörung. Das Innere ist, mit Ausnahme einiger Altäre, überraschend einfach gehalten.

Die Kirche steht alljährlich im Mittelpunkt der Feierlichkeiten und Prozessionen in der Karwoche, die am Palmsonntag und Karfreitag stattfinden. Hierzu werden überall in der Stadt und auch in und vor der Kirche La Merced Teppiche aus farbigem Sand und Blumen kunstvoll ausgelegt.

Iglesia San Francisco

Eine weitere sehr sehenswerte Kirche ist San Francisco. Das Gotteshaus des Franziskanerordens wurde noch im 16. Jahrhundert erbaut. Wie viele Gebäude Antiguas, blieb die Kirche von den zahlreichen Erdbeben nicht verschont und wurde immer wieder aufgebaut, erneuert und vergrößert. Schließlich wurde sie 1773 aufgegeben und erst nach dem Wiederaufbau und einer umfassenden Rekonstruktion wurde die Kirche wieder konsekriert und wird seither wieder für Gottesdienste genutzt.

Convento Santa Clara (Konvent der Klarissen)

Der Konvent wurde 1699 von Nonnen, die aus Mexiko nach Guatemala gekommen waren, gegründet und durch großzügige Spenden ermöglicht. Es handelt sich um eine der größten historischen Anlagen in Antigua und selbst wenn es sich, bedingt durch die Zerstörungen der Jahrhunderte, nur noch um Ruinen handelt, so ist dieser Konvent an Großzügigkeit kaum zu überbieten. Es lässt sich erahnen, wie wunderbar die Gebäude und der Kreuzgang angesehen haben müssen.

Convento de las Capuchinas (Kapuzinerkloster)

Das ehemalige Kapuzinerkloster von Antigua Guatemala wurde ursprünglich als Kloster und Kirche der Nuestra Señora del Pilar de Zaragoza ab 1731 erbaut. Der Architekt Diego Porres stellte das Kloster bis 1736 fertig.

Das Besondere daran war, dass auch Frauen hier eintreten konnten, die von niedrigem sozialen Stand waren und kein oder wenig Geld mit in das Kloster brachten. Insgesamt war die Anlage, trotz ihrer Größe, nur für 28 Nonnen ausgelegt. Heute ist das Kapuzinerkloster die am meisten besuchte Stätte in Antigua und Nationaldenkmal von Guatemala.

Fazit

Antigua Guatemala gehört zu den sehenswertesten Städten in Mittelamerika. Zwar begegnet man hier dem Kolonialismus, aber die Vermischung mit den Stilen, den Traditionen und dem Brauchtum der Ureinwohner ist nicht zu übersehen. Darüber hinaus ist das nahezu immer frühlingshafte Klima sehr angenehm.

Aussicht auf Antigua Guatemala
Aussicht auf Antigua Guatemala
Collage Neue Reiseseite 3Reihen -Antigua Guatemala - spanisches Kolonialerbe in Mittelamerika

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